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Georges Simenon: Maigret als möblierter Herr

 
       
     
       
     
       
   

Werkschau

 
   
  • Neu:
    SCHIMMANG, Jochen (2003): Die Fantome des Meisters.
    Literarisch noch immer unterschätzt: Georges Simenon, Erfinder des Kommissars Maigret, wurde vor hundert Jahren geboren,
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.02.
 
       
   

Maigret als möblierter Herr (1957)
Zürich: Diogenes (Neuauflage 1979)

 
   
 
 

Stimmen zu Simenon

"Man hat die Angst vor dem Chaos und das Glücksverlangen, das hinter dem Simenon'schen Werk steht, noch nicht ausreichend untersucht und gewürdigt. Dabei bewegen sich all seine Romane (...) zwischen den beiden Polen Ordnung und Chaos, Dazugehören und Außenseitertum, Erfolg und Abgrund. Es ist gewiss weder Überinterpretation noch Küchenpsychologie, wenn man Simenons manisches Schreiben als ständig wiederholten Versuch liest, das Chaos zu bannen und dem drohenden Abgrund zu entkommen.
Dafür mag man durchaus den Simenon'schen Familienroman verantwortlich machen. Als Simenon heute vor hundert Jahren in Lüttich geboren wurde, war die französischste Stadt Belgiens im Gegensatz zu unseren Tagen eine prosperierende Industriestadt. Die Simenons repräsentierten dort Kleinbürgertum in Reinkultur. Der Großvater war Hutmacher (...). Auch in der erweiterten Verwandtschaft väterlicherseits fanden sich genug Handwerker und kleine Leute. Dass Simenons Vater nicht mehr Handwerker, sondern ein kleiner Buchhalter war, tut dem keinen Abbruch: die Klasse hatte er deshalb nicht verlassen. Das ist ausreichend, um im Rückblick den Mythos des kleinen Glücks und der Geborgenheit zu konstruieren.
Die Angst vor dem Abgrund dagegen speist sich aus dem mütterlichen Hintergrund. Die Familie der Mutter war weder aus Lüttich noch überhaupt wallonisch und schon deshalb in der Position der Außenseiter. Der Vater von Henriette Brüll, die dann Henriette Simenon wurde, endete im Suff und im Ruin, wobei die Reihenfolge bis heute nicht auszumachen ist. Zeit ihres Lebens hatte Simenons Mutter gegenüber den »Besseren« eine unterwürfig-respektvolle Haltung, gepaart mit der Verachtung für die kleinen Leute. Vor allem aber hatte sie eine panische Furcht davor, sozial und moralisch abzusinken. Auch wenn es nicht gerechtfertigt schien, wurde sie das Gefühl nie los, am Rand der Katastophe zu leben."
(Jochen Schimmang in der Frankfurter Rundschau vom 13.02.2003)

 
 
 
       
   
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Bernd Kittlaus
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Stand: 11. Oktober 2003
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