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Ivar Cornelius: Wie viele Kinder haben Familien?

 
       
     
       
     
       
   

Ivar Cornelius in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

CORNELIUS, Ivar (2007): Wie viele Kinder haben Familien? Möglichkeiten und Grenzen der statistischen Erfassung, in: Eva Barlösius & Daniela Schiek (Hg.) Demographisierung des Gesellschaftlichen. Analysen und Debatten zur demographischen Zukunft Deutschlands, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

Neu:
CORNELIUS, Ivar (2014): Kinderzahlen in Baden-Württemberg im Generationenvergleich,
in:
Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg, Heft 5, S.16-22

Angeblich hat die Generation Golf (1967 - 1973 Geborene) wesentlich weniger Kinder bekommen als ihre Vorgängergeneration. Susanne GASCHKE begründete damit die Rentenkürzungen für ihre Generation im Vergleich zu den 68ern (1940-1946 Geborene). Single-dasein.de und single-generation.de hatten das bereits im Jahr 2003 kritisiert. Nun zeigen die Ergebnisse von Ivar CORNELIUS zumindest für Baden-Württemberg, dass nicht einmal die Kluft zwischen der Kriegsgeneration (1930-1935 Geborenen) und der Babyboomer-Generation (1959-1967 Geborenen ) an den Mythos heranreicht, dass jede Generation um ein Drittel kleiner sei als ihre Vorgängergeneration.

Müttergeneration Töchtergeneration Generationenersatz
1930 1959 77 %
1935 1963 70 %
1940 1967  
1946 1973 86-88 %
1953 1980
Quelle: Ivar Cornelius 2014, S.17-18

Die Tabelle zeigt, dass der Frauenjahrgang 1963 den Wendepunkt beim Generationenersatz darstellt. Seitdem führt der Geburtenaufschub immer mehr dazu, dass Geburten später nachgeholt werden. Seit dem Frauenjahrgang 1967 ist zudem ein Anstieg der Geburtenrate (CFR) festzustellen:

"Aus den bislang verfügbaren Informationen zu den Geburtenverläufen bei den Frauenjahrgängen aus den 1960er- und 1970er-Jahren lässt sich ableiten, dass die endgültigen Kinderzahlen der Jahrgänge 1968 bis 1973 gegenüber dem Jahrgang 1967 in Baden-Württemberg leicht ansteigen – von rund 1 500 Kindern je 1 000 Frauen auf etwa 1 580 Kinder."

Das Statistische Bundesamt geht gemäß seiner konservativen Schätzung davon aus, dass dieser Geburtenanstieg nur vorübergehend ist und die in den 1980er Jahren geborenen Frauen wieder weniger Kinder bekommen werden. Dies könnte jedoch eine Fehlinterpretation sein, weil der Anteil der Akademikerinnen an der Gesamtbevölkerung weiter zunimmt. Da jedoch Akademikerinnen hauptsächlich für den Anstieg der späten Mutterschaft verantwortlich sind, führt diese Nichtberücksichtigung zu einer Unterschätzung der Kinderzahlen in den jüngeren Frauenjahrgängen.

Es gilt weiterhin das Manko: Unsere Bevölkerungswissenschaftler melden Trends über Änderungen des Geburtenverhaltens erstens zu spät und zweitens führt ihre konservative Schätzung durch die Nichtberücksichtigung von Änderungen der Sozialstruktur zu Fehleinschätzungen.

Der Politikwissenschaftler Christian RADEMACHER hat in seiner exzellenten Studie Deutsche Kommunen im Demographischen Wandel nachgewiesen, dass die Demographisierung gesellschaftlicher Probleme zur Falscheinschätzung des demografischen Wandel führt. Es kommt zur Tendenz, dass die demografische Lage überwiegend schlechter eingeschätzt wird als sie tatsächlich ist. Dies führt dazu, dass positive Entwicklungen zu lange nicht wahrgenommen werden.

 
       
       
   

Wie viele Kinder haben Familien? (2007)
Möglichkeiten und Grenzen der statistischen Erfassung
in: Eva Barlösius & Daniela Schiek (Hg.) Demographisierung des Gesellschaftlichen. Analysen und Debatten zur demographischen Zukunft Deutschlands, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung
2. Datenquellen: Geburtenstatistik und Mikrozensus
3. Geburtenstatistik - Ausgewählte Aspekte zur Methodik
4. Auswertungsmöglichkeiten der Geburtenstatistik

4.1 Gesunkener Anteil von Ehen mit drei oder mehr Kindern
4.2 Realisierung von Kinderwünschen aufgeschoben - und damit aufgehoben?
4.3 Durchschnittliche Kinderzahl je Frau nach Beendigung der Geburtenphase
4.4 Zwischenbilanz: Möglichkeiten und Grenzen der Geburtenstatistik

5. Haushalts- und Familienstatistik des Mikrozensus

5.1 Ausgewählte Aspekte zu den methodischen Grundlagen
5.2 Relevante Erhebungsmerkmale

6. Auswertungsmöglichkeiten der Haushalts- und Familienstatistik des Mikrozensus

6.1 Kinderlose Frauen in Deutschland 2004
6.2 Kinderlose Frauen in West- und Ostdeutschland 2004
6.3 Kinderlose Frauen in Westdeutschland 1991 und 2004
6.4 Kinderlose Frauen mit unterschiedlichen Bildungsabschlüssen 2004
6.5 Kinderzahlverteilung von 40- bis unter 45-jährigen Frauen

7. Schlussbemerkung

 

Zitat:

Die Kinderlosigkeit ist in Baden-Württemberg weniger gravierend als der Rückgang der kinderreichen Familien

"Aus pragmatischen Gründen wird bislang oft (...) der Altersbereich von 40 bis unter 45 Jahren für Durchschnittsbetrachtungen angesetzt. Dabei ergibt sich für die Kinderzahlverteilung der Frauen in Baden-Württemberg folgendes Bild (...): Heute sind etwa 23 Prozent der 40- bis unter 45-jährigen Frauen kinderlos geblieben, weitere 22 Prozent haben ein Kind. Den relativ größten Anteil bilden mit rund 39 Prozent die Frauen, die im Laufe ihres Lebens zwei Kinder geboren haben. Etwa jede sechste Frau im Alter von 40 bis unter 45 Jahren hat zeitlebens drei oder mehr Kinder zur Welt gebracht. Anfang der 1970er Jahre lag der Anteil kinderreicher Frauen mit 31 Prozent nahezu doppelt so hoch wie heute. Demgegenüber hat sich die Kinderlosigkeit in den vergangenen rund drei Jahrzehnten nicht so drastisch erhöht.  und darüber hinaus hat dieser Survey, verglichen mit anderen, eine außerordentlich breite Altersspanne von unter 20 bis über 50 Jahren."
(2007, S.80)

 
     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen - Ist die Talsohle bei den Akademikerinnen erreicht? Eine Kritik der Debatte um die Geburtenentwicklung anhand neuer Erkenntnisse

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland - Eine kommentierte Bibliografie der Debatte um die Geburtenentwicklung (2000-2012)

Ein Leben ohne Kinder - Ein von Michaela Kreyenfeld & Dirk Konietzka herausgegebener Sammelband fasst erstmals den sozialwissenschaftlichen Stand zur Kinderlosigkeit in Deutschland zusammen

Geburtenkrise - Die politische Konstruktion eines Themas

 
       
   

weiterführende Links

 
       
     
       
   
 
   

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Update: 28. Januar 2017