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Manfred G. Scharein: Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen

 
       
   
  • Zur Person

    • 1971 geboren
    • 2004 - heute wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bevölkerungswissenschaft in Wiesbaden
 
       
     
       
   

Manfred G. Scharein in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

SCHAREIN, Manfred & Rainer UNGER (2005): Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen?
Die Aussagekraft empirischer Daten zur Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen,
in:
BIB-Mitteilungen, Nr.2 v. 30.06.

Der Soziologe Christian SCHMITT  hat in der FAZ vom 08.03.2005 die Debatte um die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen kritisiert. Manfred G. SCHAREIN & Rainer UNGER reagieren nun mit diesem Artikel auf diese Kritik.
        
In einem Vergleich zweier Datenbestände kommen die Autoren zum Ergebnis, dass die bisherigen Prämissen der Demografen falsch waren. Die zu hoch ausgewiesene Akademikerkinderlosigkeit ist einerseits die Konsequenz der Überlagerung zweier Ereignisse: Durch den Auszug von Kindern aus dem Elternhaus wird die Zunahme des Spätgebärens kompensiert. Die tatsächliche Kinderlosigkeit wird dadurch in der amtlichen Statistik überschätzt. Dies gilt insbesondere, wenn zu den Akademikerinnen auch Fachhochschulabsolventinnen gezählt werden.
      
  Für Universitätsabsolventinnen gilt andererseits, dass die bislang von den Demografen bevorzugte Altersklasse der 35-39Jährigen zu niedrig angesetzt gewesen ist, d.h. das Geburtenverhalten ist zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht - wie unterstellt - abgeschlossen. Betrachtet man z.B. die Altersgruppe der 41-45Jährigen, dann liegt die Kinderlosigkeit der Universitätsabsolventinnen im Jahr 2003 bei ca. 28 %.
        
Christian SCHMITT (Feministische Studien, Heft 1, Mai 2005) hat unter Berücksichtigung von Fachhochschulabsolventinnen für die zwischen 1950 und 1965 geborenen Akademikerinnen einen Kinderlosenanteil von unter 25 % errechnet. Dagegen kursierte in der Öffentlichkeit eine Akademikerinnenkinderlosigkeit von bis zu 43 %. Bei diesen Zahlen handelt es sich eben nicht - wie unterstellt - um die endgültige Kinderlosigkeit.

SCHAREIN, Manfred & Frank MICHEEL (2008): Die Rentenanpassung 2008 aus demographisch-ökonomischer Perspektive,
in: BIB-Mitteilungen, Nr.1 v. 02.06.

SCHAREIN, Manfred (2008): Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Stimmrechte der einzelnen Bundesländer im Bundesrat. Eine Projektion,
in:
BIB-Mitteilungen, Nr. 3 v. 15.12.

SCHAREIN, Manfred G. (2010): Der demografische Schluss: Kommen die Kinder immer später, dann verzerrt das die Statistik - Zur Schätzung und Interpretation der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau,
in: Bevölkerungsforschung Aktuell Nr.4 v. 14.07.

SCHAREIN, Manfred G. (2010): Der demografische Schluss: Kinderzahl nach Parität versus Durchschnittliche Kinderzahl je Frau,
in: Bevölkerungsforschung Aktuell Nr.6 v. 17.11.

Neu:
SCHAREIN, Manfred G. (2011): Der demografische Schluss: Kinderlose Akademikerinnen 0.3 - Wo war das Problem?
in: Bevölkerungsforschung Aktuell Nr.3, Juni

Manfred G. SCHAREIN gibt zu, was auf single-dasein.de und single-generation.de bereits Anfang des Jahrtausends kritisiert wurde, dass der Anteil der spät gebärenden Akademikerinnen bei der Berechnung der Kinderlosigkeit nicht ausreichend berücksichtigt wurde (eine Zusammenfassung hier):

"lange Jahre, bis etwa 2005 (galt), die Betrachtung von Frauen im Alter von 35 bis 39 Jahren als gut für die Schätzung der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen geeignet.

(...).

In der Nachlese zeigt sich aber bei einem anhaltenden Trend der Frauen, immer später im Leben die Kinder zu bekommen, dass dieses Altersintervall wohl ab einem Zeitpunkt um 1990 bereits nicht mehr adäquat zur Schätzung der Kinderlosigkeit von Frauen nach  ihrem höchsten Berufsabschluss war und somit zu einem (deutlich) zu hohen Wert dafür führte."

Das ganze Ausmaß des Desasters in Sachen  Erforschung der Kinderlosenanteile in Deutschland wird wohl erst in den nächsten Jahrzehnten wirklich sichtbar werden, denn das Institut für Bevölkerungsforschung und die politischen Institutionen blockieren weiterhin Erkenntnisfortschritte. Es kann davon ausgegangen werden, dass aufgrund politischer Interessen (Durchsetzung einer rigiden Politik gegen Kinderlose) Klarheit gar nicht erwünscht ist. Es könnte ja heraus kommen, dass die Probleme ganz woanders liegen!

Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen - Ist die Talsohle bei den Akademikerinnen erreicht? Eine Kritik der Debatte um die Geburtenentwicklung anhand neuer Erkenntnisse

 
       
   

Manfred G. Scharein im Gespräch

 
       
   

fehlt noch

 
       
       
   

Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen (2005).
Die Aussagekraft empirischer Daten zur Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen
(zusammen mit Rainer Unger)
in: BIB-Mitteilungen, Nr. 2 v. 30.06., S.6-13 

 
   
     
 

Zitate:

Definition von Kinderlosigkeit im Mikrozensus als ohne Kind im Haushalt lebende Frauen und daraus resultierende Verzerrungen

"Die Analyse der Kinderlosigkeit im Mikrozensus ist (...) auf Grund von vielen datenspezifischen Problemkreisen ungenau. Mikrozensusdaten sind durch ihre Erhebungskonzeption als jährliche Querschnittserhebung Momentaufnahmen, wobei bei der Datenerhebung jeweils nur die Haushaltsvorstände befragt werden. Deswegen ist bei der Analyse der Kinderlosigkeit auf Basis des Mikrozensus zu berücksichtigen, dass ausschließlich die zum jeweiligen Erhebungszeitpunkt in einem Haushalt lebenden Kinder erfasst werden, die zudem automatisch der im Haushalt lebenden Frau zugerechnet werden. Da im Rahmen der Mikrozensuserhebung keine biographischen Elemente zu den in einem Haushalt lebenden Personen erhoben werden, kann weder die Frage, ob leibliche Elternschaften im oder außerhalb des Haushalts bestehen, noch, ob es sich um so genannte Stief- oder Fortsetzungsfamilien handelt, beantwortet werden. Aus diesem Grund werden auch Kinder, die (für längere Zeit) sich auf einem Auslandsaufenthalt, im Krankenhaus oder bereits in einem eigenen Haushalt befinden, nicht vom Mikrozensus erfasst." (S.6f.)

Bei den bisherigen Mikrozensusauswertungen wurden die 40jährigen und älteren Akademikerinnen als dauerhaft kinderlos ausgewiesen, was zu überhöhten Kinderlosenanteilen führte

"Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen ist (...) stark vom gewählten Altersintervall abhängig. Je älter die betrachtete Altersgruppe ist, umso geringer ist deren Anteil. Während in der Altersgruppe der 35-39-Jähirgen noch ca. 39 % der Akademikerinnen kinderlos sind, reduziert sich ihr Anteil in der Altersgruppe der 39-43-Jähirgen auf ca. 30 %. Die Gründe hierfür liegen vor allem im noch nicht abgeschlossenen Geburtenverhalten. Insofern machen die Ergebnisse des Mikrozensus vor allem deutlich, wie »spät« im Lebenslauf Akademikerinnen Kinder bekommen." (S.9f.)

These vom Anstieg des Kinderlosenanteils bei 38-43jährigen Akademikerinnen zwischen 1993 und 2003

"Es ist (...) hervorzuheben, dass es innerhalb der letzten (...) 10 Jahre zu einem Anstieg der Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen von jeder vierten Frau zu jeder dritten Frau gekommen ist." (S.13)

 
     
 
       
   

Beiträge von single-generation zum Thema

Geburtenkrise - Die politische Konstruktion eines Themas

Ein Leben ohne Kinder - Ein von Michaela Kreyenfeld & Dirk Konietzka herausgegebener Sammelband fasst erstmals den sozialwissenschaftlichen Stand zur Kinderlosigkeit in Deutschland zusammen

 
       
     
       
   

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Update: 28. Januar 2017