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Michaela
Kreyenfeld: Der Geburtenrückgang in Ost- und Westdeutschland
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Zur Person
- 1969 in Dortmund
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- Studium der
Sozialwissenschaften
- Mitherausgeberin des Buches
"Ein Leben ohne Kinder"
- wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für demografische
Forschung in Rostock
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Michaela Kreyenfeld
in ihrer eigenen Schreibe
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KREYENFELD, Michaela (2001): Employment and Fertility. East Germany
in the 1990s. Dissertation an der Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock
-
KONIETZKA, Dirk & Michaela KREYENFELD (2004):
Angleichung oder Verfestigung von Differenzen?
Geburtenentwicklung und Familienformen in Ost- und Westdeutschland,
in: Berliner Debatte Initial 15, 4, S.26-41
-
Neu:
KONIETZKA, Dirk &
Michaela KREYENFELD (2007): Mehr Kinder pro Frau in Ost- als in
Westdeutschland.
Warum die Diskussion zum Zusammenhang von Kinderkrippen und
Geburtenrate verkürzt ist,
in:
demografische Forschung aus erster Hand Nr.2, Juli
- Anmerkungen:
Bereits im Jahr 2004
haben Michaela KREYENFELD und Dirk KONIETZKA nachgewiesen, dass die
von den Bevölkerungswissenschaftlern erfasste
Geburtenrate (TFR)
aufgrund des steigenden Erstgebäralters das erreichte Geburtenniveau
in Deutschland nur verzerrt wiedergibt.
Der
aktuelle Aufsatz schreibt nun die Geburtenrate nicht nur für die
Kohorten 1964, 1968 und 1972 fort, sondern vergleicht die west- und
ostdeutschen Kohorten 1965 - 1974
Für
die 39jährigen
Frauen des Geburtsjahrgangs 1965 ergibt sich in
Westdeutschland eine Geburtenrate von 1,47, in Ostdeutschland sogar
1,58. Beide Zahlen liegen über der Geburtenrate (TFR), die in den
letzten Jahren um 1,3 schwankte. Das Geburtenniveau des
Frauenjahrgangs 1965 könnte sogar noch eine Geburtenrate von 1,6
erreichen, weil die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die
KONIETZKA & KREYENFELD verwendet haben, ebenfalls mit Unsicherheiten
behaftet sind.
Bereits
im Jahr 2003 hat single-generation.de die Frauen
der Generation Golf gegen Susanne GASCHKE ("Die Emanzipationsfalle")
verteidigt und darauf hingewiesen, dass die
Fruchtbarkeitsdifferenzen zwischen den 68ern und Nach-68ern geringer
ausfallen werden, wie das damals üblicherweise in den Medien
dargestellt wurde. Die Zahlen von KONITZKA & KREYENFELD zeigen, dass
die damaligen Vorwürfe berechtigt waren.
Im
Buch
"Die Single-Lüge"
wird ausführlich darauf eingegangen, warum die traditionelle
Bevölkerungswissenschaft nicht in der Lage ist, das
Geburtenverhalten der Nach-68er angemessen einzuschätzen.
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Michaela Kreyenfeld
im Gespräch
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SCHWENTKER, Björn (2004): Schuld ist natürlich das Volk.
In Deutschland werden zuwenig Kinder geboren ,heißt es. Doch
gesicherte Daten für Prognosen gibt es nicht. Weil sich niemand
richtig nachzufragen traut,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 31.10.
- Kommentar:
Björn SCHWENTKER widmet sich einem Thema, das in
Deutschland ein Tabu ist: die katastrophale Datenlage zu Kinderlosen
in Deutschland.
Einzig single-dasein.de
und single-generation.de haben
immer wieder auf diesen Missstand hingewiesen, weswegen der folgende
Satz mehr als merkwürdig ist:
"Einig sind sich die deutschen
Demographen (...), daß die deutschen Kinderlosenzahlen in Europa
einzigartig unzuverlässig sind".
Aber hat überhaupt jemals ein
einziger deutscher Demograf auf diesen Missstand hingewiesen?
Man muss sich nur die Aussagen
unserer Demografen anschauen, dann wird schnell klar, dass ihnen gar
nichts an Aufklärung liegen kann.
Vielmehr tragen Polarisierer wie
Herwig BIRG dazu bei, das Problem zu verschleiern.
Obwohl es seit Jahren ein offenes
Geheimnis ist, dass unsere
ehezentrierte Statistik aufgrund
der hohen Scheidungsraten und der Zunahme unehelicher Geburten gar
nicht in der Lage ist, das Ausmaß der Kinderlosigkeit zu beziffern,
wurde dies in der öffentlichen Debatte noch nie so offen
ausgesprochen wie bei SCHWENTKER:
"Die Standesämter melden zwar
ordnungsgemäß jede Geburt, geben aber die Reihenfolge der Kinder in
der Familie nur innerhalb einer bestehenden Ehe an. Zudem wird die
große und steigende Zahl unehelicher Geburten ganz ohne Reihenfolge
der Kinder erfaßt. Wieviel unverheiratete Kinderlose erstmals Mutter
werden, ist aus den Zahlen der Standesämter nicht ersichtlich. Und
in der Geburtenstatistik wird etwa eine Frau mit zwei Kindern, die
sich scheiden läßt und neu heiratet, als kinderlos gezählt."
Single-generation.de hat diesen Skandal der
Überschätzung dauerhaft Kinderlosen als
Ergebnis einer "katholischen Statistik"
kritisiert.
Die Soziologin Michaela
KREYENFELD vom Max-Planck-Institut für demographische Forsching in Rostock
beschreibt die Folgen:
"Die Kinderlosigkeit wird (...) generell
überschätzt, (...) das führt etwa zu der
Horrormeldung von 40 Prozent Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen."
Dieses Phänomen wurde von
single-generation.de bereits vor längerem als
politische Konstruktion der Geburtenkrise kritisiert.
Auch wenn man den
Mikrozensus, statt der Geburtenstatistik zweckentfremdet, wird die
Erfassung der Kinderlosen nicht besser, denn
hier werden nur Kinder erfasst, die im
Haushalt der Eltern leben.
Mit dem Neuentwurf des
Mikrozensusgesetzes ist durch den Bundesrat wiederum eine Chance
vergeben worden, die Kinderlosigkeit genauer zu erfassen.
Es ist offenbar von Seiten
der Politik nicht erwünscht, genauere Daten zu erhalten, denn es
könnte sonst offenbar werden, dass es gar nicht so viele dauerhaft
Kinderlose gibt, wie das von
Sozialpopulisten
behauptet wird.
-
HOLM, Carsten (2005): Lücken im Register.
Immer wieder entdecken Experten eklatante Fehler in amtlichen
Datenbanken auf. Eine neue Volkszählung könnte Abhilfe schaffen - zwei
Drittel der Deutschen sind schon dafür,
in: Spiegel Nr.13 v. 26.03.
- Inhalt:
Carsten HOLM erläutert u.a. am Beispiel der
Akademikerkinderlosigkeit die katastrophale Datenlage in Deutschland:
"Dass (...) gerade Akademikerinnen
häufig älter sind, wenn sie schwanger werden, ignorieren die
Statistiker. Zudem fragt der Mikrozensus nicht nach der tatsächlichen
Kinderzahl, sondern nur nach den im Haushalt lebenden Kindern. Schon
erwachsene Kinder oder Sprösslinge im Internat werden nicht erfasst.
Das alles hat zu der viel diskutierten Alarmmeldung geführt, dass vier
von zehn Akademikerinnen ohne Nachwuchs blieben.
Statistik-Expertinnen wie Michaela Kreyenfeld vom Rostocker
Max-Planck-Institut für Demographie wiesen um die geringe Aussagekraft
der verfügbaren Datensammlungen: »Die deutschen Kinderlosenzahlen sind
im europäischen Vergleich einzigartig unzuverlässig.«"
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Rezension von
single-generation.de
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Ein Leben ohne Kinder.
Ein von Michaela Kreyenfeld und Dirk
Konietzka herausgegebener Sammelband fasst erstmals den
sozialwissenschaftlichen Stand der Forschung zur
Kinderlosigkeit in Deutschland zusammen und zeigt
eindrucksvoll, wie durch die Unvereinbarkeit von Beruf und
Familie die ungewollte Kinderlosigkeit zunimmt
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Die Beiträge des
Buchs
- Einleitung
- KREYENFELD, Michaela & Dirk
KONIETZKA - Die Analyse von Kinderlosigkeit in Deutschland:
Dimensionen - Daten - Probleme
- Kinderlosigkeit in Deutschland im
europäischen Vergleich
-
DORBRITZ, Jürgen
& Kerstin RUCKDESCHEL - Kinderlosigkeit in Deutschland - Ein
europäischer Sondeweg? Daten, Trends und Gründe
- KÖPPEN, Katja/MAZUY, Magali/TOULEMON,
Laurent - Kinderlosigkeit in Frankreich
- NEYER, Gerda/HOEM, Jan
M./ANDERSSON, Gunnar - Kinderlosigkeit, Bildungsrichtung und
Bildungsniveau. Ergebnisse einer Untersuchung schwedischer Frauen
der Geburtsjahrgänge 1955-59
- Sozialstruktur der Kinderlosigkeit in
Ost- und Westdeutschland - Die Rolle von Bildung und Erwerbsverlauf
- SCHAEPER, Hildegard -
Familiengründung von Hochschulabsolventinnen. Eine empirische
Untersuchung verschiedener Examenskohorten
-
WIRTH, Heike -
Kinderlosigkeit von hochqualifizierten Frauen und Männern im
Paarkontext - Eine Folge von Bildungshomogamie?
- STEGMANN, Michael & Tatjana MIKA -
Kinderlosigkeit, Kindererziehung und Erwerbstätigkeitsmuster von
Frauen in der Bundesrepublik und der DDR und ihre Auswirkungen auf
das Alterseinkommen
- Kinderwunsch und Familienorientierung
von Männer und Frauen
- MARBACH, Jan H. &
Angelika TÖLKE -
Frauen, Männer und Familie: Lebensorientierung, Kinderwunsch und
Vaterrolle
- ECKHARD, Jan &
Thomas KLEIN - Die
Motivation zur Elternschaft. Unterschiede zwischen Männern und
Frauen
-
BOEHNKE, Mandy - Hochschulbildung
und Kinderlosigkeit: Deutsch-deutsche Unterschiede
- BERNARDI, Laura & Sylvia KEIM -
Anfang dreißig und noch kinderlos? Lebenswege und Familienmodelle
berufstätiger Frauen aus Ost- und Westdeutschland
- Erklärungsansätze der Kinderlosigkeit
-
KAHLERT,
Heike - Die Kinderfrage und der halbierte Wandel in den
Geschlechterverhältnissen
- SCHRÖDER, Torsten - Geplante
Kinderlosigkeit? Ein lebensverlaufstheoretisches
Entscheidungsmodell
-
BURKART, Günter
- Eine Kultur des Zweifels: Kinderlosigkeit und die Zukunft der
Familie
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Zitate:
Der Geburteneinbruch 1992
- 1994 in Ostdeutschland ist ein statistischer Trugschluss
"Nach
einem drastischen Rückgang in den Jahren 1992 - 1994 auf einen
historischen Tiefstand von 0,8 stieg die zusammengefasste
Geburtenziffer schließlich in der zweiten Hälfte der 1990er
Jahre wiederum an. Im Jahr 2000 lag sie in den neuen Ländern bei
1,2 und damit (nur noch) etwas niedriger als in den alten
Ländern.
(...).
Die Geburtenentwicklung könnte demnach auf die Formel
»erst Krise, dann Angleichung« an das (niedrige) westdeutsche
Geburtenniveau gebracht werden.
Diese Interpretation scheint zwar durch den Verlauf der
zusammengefaßten Geburtenziffer gedeckt. Sie ist
nichtsdestotrotz ein Trugschluß über die Geburtendynamik, der
eng mit den Eigenschaften der statistischen Maßzahl der
zusammengefaßten Geburtenziffer zusammenhängt." (S.27f.)
Die
Geburtenrate ist bei steigendem Erstgebäralter ein ungeeigneter
Indikator für die Kinderzahl pro Frau
"Es ist wichtig zu betonen,
daß die zusammengefaßte Fertilitätsziffer idealerweise
ein Indikator der endgültigen Kinderzahl pro Frau ist. Dies gilt
unter der Voraussetzung, daß das Geburtenalter bzw. die
altersspezifischen Geburtenraten langfristig konstant bleiben.
Verschiebt sich die Verteilung des Alters von Frauen bei
Geburten, wird die Aussagekraft dieses Periodenmaßes der
Fertilität gravierend beeinträchtigt."
Die
Zahl von 1,4 Kindern pro Frau für Westdeutschland ist zu niedrig
"Die vielzitierte Zahl von
1,4 Kindern pro Frau, die sich aus der aktuellen westdeutschen
Geburtenziffer ergibt, ist (...) als Schätzwert für die
endgültige Kinderzahl der Frauen zu niedrig angesetzt. Ein
realistischeres Bild liefern kohortenspezifische Analysen, die
z.B. auf einen Wert von 1,6 Kindern für Frauen, die um 1960
geboren sind, verweisen". (S.28f.)
Gravierende Mängel der deutschen Bevölkerungsstatistik
"Die verfügbaren Indikatoren
geben (...) nur bedingt Einblick in die Entwicklung des
Geburtenverhaltens. Eine partitätsspezifische Betrachtung
erlauben die amtlichen Daten nicht, da nur nach der Ordnung
eines Kindes in der bestehenden Ehe, nicht jedoch nach seiner
biologischen Rangfolge unterschieden wird. Dies hat zur Folge,
daß demographisch elementare Informationen wie das Alter der
Frauen bei der Geburt des ersten Kindes oder der Anteil
kinderloser Frauen auf der Basis der amtlichen Statistik für
Deutschland nicht berechnet werden können." (S.29)
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-
Michaela Kreyenfeld im WWW
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weiterführende
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