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Michaela Kreyenfeld: Der Geburtenrückgang in Ost- und Westdeutschland

 
       
   
  • Zur Person

    • 1969 in Dortmund geboren
    • Studium der Sozialwissenschaften
    • Mitherausgeberin des Buches "Ein Leben ohne Kinder"
    • wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock
 
       
     
       
   

Michaela Kreyenfeld in ihrer eigenen Schreibe

 
     
       
   

Michaela Kreyenfeld im Gespräch

 
   
  • SCHWENTKER, Björn (2004): Schuld ist natürlich das Volk.
    In Deutschland werden zuwenig Kinder geboren ,heißt es. Doch gesicherte Daten für Prognosen gibt es nicht. Weil sich niemand richtig nachzufragen traut,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 31.10.
    • Kommentar:
      Björn SCHWENTKER widmet sich einem Thema, das in Deutschland ein Tabu ist: die katastrophale Datenlage zu Kinderlosen in Deutschland.

            
        Einzig single-dasein.de und single-generation.de haben immer wieder auf diesen Missstand hingewiesen, weswegen der folgende Satz mehr als merkwürdig ist:
            
        "Einig sind sich die deutschen Demographen (...), daß die deutschen Kinderlosenzahlen in Europa einzigartig unzuverlässig sind".
            
        Aber hat überhaupt jemals ein einziger deutscher Demograf auf diesen Missstand hingewiesen?
            
        Man muss sich nur die Aussagen unserer Demografen anschauen, dann wird schnell klar, dass ihnen gar nichts an Aufklärung liegen kann.
            
        Vielmehr tragen Polarisierer wie Herwig BIRG dazu bei, das Problem zu verschleiern.
            
        Obwohl es seit Jahren ein offenes Geheimnis ist, dass unsere ehezentrierte Statistik aufgrund der hohen Scheidungsraten und der Zunahme unehelicher Geburten gar nicht in der Lage ist, das Ausmaß der Kinderlosigkeit zu beziffern, wurde dies in der öffentlichen Debatte noch nie so offen ausgesprochen wie bei SCHWENTKER:
            
        "Die Standesämter melden zwar ordnungsgemäß jede Geburt, geben aber die Reihenfolge der Kinder in der Familie nur innerhalb einer bestehenden Ehe an. Zudem wird die große und steigende Zahl unehelicher Geburten ganz ohne Reihenfolge der Kinder erfaßt. Wieviel unverheiratete Kinderlose erstmals Mutter werden, ist aus den Zahlen der Standesämter nicht ersichtlich. Und in der Geburtenstatistik wird etwa eine Frau mit zwei Kindern, die sich scheiden läßt und neu heiratet, als kinderlos gezählt."
            
        Single-generation.de hat diesen Skandal der Überschätzung dauerhaft Kinderlosen als Ergebnis einer "katholischen Statistik" kritisiert.
            
        Die Soziologin Michaela KREYENFELD vom Max-Planck-Institut für demographische Forsching in Rostock beschreibt die Folgen:
            
        "Die Kinderlosigkeit wird (...) generell überschätzt, (...) das führt etwa zu der Horrormeldung von 40 Prozent Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen."
            
        Dieses Phänomen wurde von single-generation.de bereits vor längerem als politische Konstruktion der Geburtenkrise kritisiert.
            
        Auch wenn man den Mikrozensus, statt der Geburtenstatistik zweckentfremdet, wird die Erfassung der Kinderlosen nicht besser, denn hier werden nur Kinder erfasst, die im Haushalt der Eltern leben.
            
        Mit dem Neuentwurf des Mikrozensusgesetzes ist durch den Bundesrat wiederum eine Chance vergeben worden, die Kinderlosigkeit genauer zu erfassen.
            
        Es ist offenbar von Seiten der Politik nicht erwünscht, genauere Daten zu erhalten, denn es könnte sonst offenbar werden, dass es gar nicht so viele dauerhaft Kinderlose gibt, wie das von Sozialpopulisten behauptet wird.
  • HOLM, Carsten (2005): Lücken im Register.
    Immer wieder entdecken Experten eklatante Fehler in amtlichen Datenbanken auf. Eine neue Volkszählung könnte Abhilfe schaffen - zwei Drittel der Deutschen sind schon dafür,
    in: Spiegel Nr.13 v. 26.03.
    • Inhalt:
      Carsten HOLM erläutert u.a. am Beispiel der Akademikerkinderlosigkeit die katastrophale Datenlage in Deutschland:

            
        "Dass (...) gerade Akademikerinnen häufig älter sind, wenn sie schwanger werden, ignorieren die Statistiker. Zudem fragt der Mikrozensus nicht nach der tatsächlichen Kinderzahl, sondern nur nach den im Haushalt lebenden Kindern. Schon erwachsene Kinder oder Sprösslinge im Internat werden nicht erfasst. Das alles hat zu der viel diskutierten Alarmmeldung geführt, dass vier von zehn Akademikerinnen ohne Nachwuchs blieben.
      Statistik-Expertinnen wie Michaela Kreyenfeld vom Rostocker Max-Planck-Institut für Demographie wiesen um die geringe Aussagekraft der verfügbaren Datensammlungen: »Die deutschen Kinderlosenzahlen sind im europäischen Vergleich einzigartig unzuverlässig.«"
         
 
       
   

Ein Leben ohne Kinder (2007).
Kinderlosigkeit in Deutschland
(herausgegeben zusammen mit Dirk Konietzka)

Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
 
 

Klappentext

"In fast allen europäischen Ländern sind die Anteile kinderlos bleibender Männer und Frauen in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Deutschland nimmt in dieser Hinsicht eine Spitzenposition ein.
Die Medien haben das Thema in jüngster Zeit für sich entdeckt; dort ist Kinderlosigkeit immer stärker in den Brennspiegel der Diskussionen um die »Krise« der Familie, den demografischen Wandel, den Umbau des Sozialstaats und eine gerechte Verteilung der Kosten der gesellschaftlichen Alterung gerückt.
Der überwältigenden sozialpolitischen und medialen Aufmerksamkeit steht jedoch ein Mangel an Fakten gegenüber. Ausmaß und Ursachen der Kinderlosigkeit in Deutschland sind bislang nur unzureichend empirisch untersucht worden. In der öffentlichen Debatte herrscht ein unkritischer und missverständlicher Gebrauch statistischer Daten vor. Auf der Grundlage eines lückenhaften empirischen Wissens werden häufig voreilige Diagnosen über die Ursachen und »Verantwortlichen« eines komplexen Aspekts des sozialen und kulturellen Wandels getroffen.
Die in diesem Band versammelten Beiträge leisten eine Bestandsaufnahme eines Phänomens, die über moralische Schuldzuweisungen, mediale Kampagnen und kurzschlüssige Lösungsvorschläge wie »Strafsteuern« für Kinderlose weit hinausgeht. Sie zeigen das Ausmaß, die sozialen Hintergründe und die Folgen von Kinderlosigkeit in Deutschland und im internationalen Vergleich auf. Damit bieten sie dem Leser einen fundierten Einblick in die unterschiedlichen Ausprägungen und Dimensionen eines zentralen Phänomens des gegenwärtigen demografischen Wandels."

 
 
       
   
  • Rezension von single-generation.de

    • Ein Leben ohne Kinder.
      Ein von Michaela Kreyenfeld und Dirk Konietzka herausgegebener Sammelband fasst erstmals den sozialwissenschaftlichen Stand der Forschung zur Kinderlosigkeit in Deutschland zusammen und zeigt eindrucksvoll, wie durch die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie die ungewollte Kinderlosigkeit zunimmt
 
   
  • Die Beiträge des Buchs

  • Einleitung
  • KREYENFELD, Michaela & Dirk KONIETZKA - Die Analyse von Kinderlosigkeit in Deutschland: Dimensionen - Daten - Probleme
  • Kinderlosigkeit in Deutschland im europäischen Vergleich
  • DORBRITZ, Jürgen & Kerstin RUCKDESCHEL - Kinderlosigkeit in Deutschland - Ein europäischer Sondeweg? Daten, Trends und Gründe
  • KÖPPEN, Katja/MAZUY, Magali/TOULEMON, Laurent - Kinderlosigkeit in Frankreich
  • NEYER, Gerda/HOEM, Jan M./ANDERSSON, Gunnar - Kinderlosigkeit, Bildungsrichtung und Bildungsniveau. Ergebnisse einer Untersuchung schwedischer Frauen der Geburtsjahrgänge 1955-59
  • Sozialstruktur der Kinderlosigkeit in Ost- und Westdeutschland - Die Rolle von Bildung und Erwerbsverlauf
  • SCHAEPER, Hildegard - Familiengründung von Hochschulabsolventinnen. Eine empirische Untersuchung verschiedener Examenskohorten
  • WIRTH, Heike - Kinderlosigkeit von hochqualifizierten Frauen und Männern im Paarkontext - Eine Folge von Bildungshomogamie?
  • STEGMANN, Michael & Tatjana MIKA - Kinderlosigkeit, Kindererziehung und Erwerbstätigkeitsmuster von Frauen in der Bundesrepublik und der DDR und ihre Auswirkungen auf das Alterseinkommen
  • Kinderwunsch und Familienorientierung von Männer und Frauen
  • MARBACH, Jan H. & Angelika TÖLKE - Frauen, Männer und Familie: Lebensorientierung, Kinderwunsch und Vaterrolle
  • ECKHARD, Jan & Thomas KLEIN - Die Motivation zur Elternschaft. Unterschiede zwischen Männern und Frauen
  • BOEHNKE, Mandy - Hochschulbildung und Kinderlosigkeit: Deutsch-deutsche Unterschiede
  • BERNARDI, Laura & Sylvia KEIM - Anfang dreißig und noch kinderlos? Lebenswege und Familienmodelle berufstätiger Frauen aus Ost- und Westdeutschland
  • Erklärungsansätze der Kinderlosigkeit
  • KAHLERT, Heike - Die Kinderfrage und der halbierte Wandel in den Geschlechterverhältnissen
  • SCHRÖDER, Torsten - Geplante Kinderlosigkeit? Ein lebensverlaufstheoretisches Entscheidungsmodell
  • BURKART, Günter - Eine Kultur des Zweifels: Kinderlosigkeit und die Zukunft der Familie
 
       
   

Angleichung oder Verfestigung (2004).
Geburtenentwicklung und Familienformen in Ost- und Westdeutschland
(zusammen mit Dirk Konietzka)
in: Berliner Debatte Initial 15, Heft 4, S.26-41

 
   
 
 

Zitate:

Der Geburteneinbruch 1992 - 1994 in Ostdeutschland ist ein statistischer Trugschluss

"Nach einem drastischen Rückgang in den Jahren 1992 - 1994 auf einen historischen Tiefstand von 0,8 stieg die zusammengefasste Geburtenziffer schließlich in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wiederum an. Im Jahr 2000 lag sie in den neuen Ländern bei 1,2 und damit (nur noch) etwas niedriger als in den alten Ländern.
(...).
Die Geburtenentwicklung könnte demnach auf die Formel
»erst Krise, dann Angleichung« an das (niedrige) westdeutsche Geburtenniveau gebracht werden.
Diese Interpretation scheint zwar durch den Verlauf der zusammengefaßten Geburtenziffer gedeckt. Sie ist nichtsdestotrotz ein Trugschluß über die Geburtendynamik, der eng mit den Eigenschaften der statistischen Maßzahl der zusammengefaßten Geburtenziffer zusammenhängt." (S.27f.)

Die Geburtenrate ist bei steigendem Erstgebäralter ein ungeeigneter Indikator für die Kinderzahl pro Frau

"Es ist wichtig zu betonen, daß die zusammengefaßte Fertilitätsziffer idealerweise ein Indikator der endgültigen Kinderzahl pro Frau ist. Dies gilt unter der Voraussetzung, daß das Geburtenalter bzw. die altersspezifischen Geburtenraten langfristig konstant bleiben. Verschiebt sich die Verteilung des Alters von Frauen bei Geburten, wird die Aussagekraft dieses Periodenmaßes der Fertilität gravierend beeinträchtigt."

Die Zahl von 1,4 Kindern pro Frau für Westdeutschland ist zu niedrig

"Die vielzitierte Zahl von 1,4 Kindern pro Frau, die sich aus der aktuellen westdeutschen Geburtenziffer ergibt, ist (...) als Schätzwert für die endgültige Kinderzahl der Frauen zu niedrig angesetzt. Ein realistischeres Bild liefern kohortenspezifische Analysen, die z.B. auf einen Wert von 1,6 Kindern für Frauen, die um 1960 geboren sind, verweisen". (S.28f.)

Gravierende Mängel der deutschen Bevölkerungsstatistik

"Die verfügbaren Indikatoren geben (...) nur bedingt Einblick in die Entwicklung des Geburtenverhaltens. Eine partitätsspezifische Betrachtung erlauben die amtlichen Daten nicht, da nur nach der Ordnung eines Kindes in der bestehenden Ehe, nicht jedoch nach seiner biologischen Rangfolge unterschieden wird. Dies hat zur Folge, daß demographisch elementare Informationen wie das Alter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes oder der Anteil kinderloser Frauen auf der Basis der amtlichen Statistik für Deutschland nicht berechnet werden können." (S.29) 

 
 
 
       
     
     
   

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© 2002-2010
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. März 2005
Update: 27. März 2010