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Olga Pötzsch: Geburtenentwicklung in Deutschland

 
       
   
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Olga Pötzsch in ihrer eigenen Schreibe

 
   

PÖTZSCH, Olga (2005): Unterschiedliche Facetten der Geburtenentwicklung in Deutschland
Differenzierte Betrachtung der Geburtenstatistik als Grundlage für die Annahmen zur Bevölkerungsvorausberechungen,

in:
Wirtschaft und Statistik, Heft 6, Juni, S.569-581

PÖTZSCH, Olga (2009): Generatives Verhalten der Frauenkohorten im langfristigen Vergleich.
Ergebnisse der laufenden Statistik der Geburten und der Erhebung "Geburten in Deutschland",
in:
Wirtschaft und Statistik, Heft 5, Mai, S.377-396

Neu:
PÖTZSCH, Olga (2010): Annahmen zur Geburtenentwicklung in der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung,
in: Wirtschaft und Statistik, Heft 1, Januar, S.29-40

 
       
   

Unterschiedliche Facetten der Geburtenentwicklung in Deutschland (2005).
Differenzierte Betrachtung der Geburtenstatistik als Grundlage für die Annahmen zu Bevölkerungsvorausberechnungen
in:
Wirtschaft und Statistik, Heft 6, Juni S.569-581

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung
Methodische Anmerkungen
Ist die Geburtenhäufigkeit wirklich konstant?
Was zeigen die altersspezifischen Trends?

Geburtenentwicklung bei den deutschen Frauen im früheren Bundesgebiet
Geburtenentwicklung bei den deutschen Frauen in den neuen Ländern

Entwicklung der endgültigen Kinderzahl
Fazit

Zusammenfassung

Die Autorin möchte mögliche Alternativszenarien für künftige Bevölkerungsvorausberechnungen erörtern.

Die Geburtenentwicklung wird anhand folgender Merkmale beschrieben:

1) endgültige Kinderzahl pro Frau
2) Alter zum Zeitpunkt der Geburt
3) zeitlicher Abstand zwischen den einzelnen Geburten
4) außerehelich oder ehelich geborene Kinder

Die Frauen werden hierzu in 3 Gruppen untergliedert:

1) ostdeutsche Frauen
2) westdeutsche Frauen
3) ausländische Frauen

Im Mittelpunkt stehen die deutschen Frauen. Begründet wird dies einerseits mit der Tatsache, dass die deutschen Frauen "für 82 % aller Lebendgeborenen (80 % davon werden im früheren Bundesgebiet geboren)" sorgen und andererseits für ausländische Frauen eine jahrgansspezifische Betrachtung nicht möglich ist.

PÖTZSCH weist darauf hin, dass sich hinter identischen zusammengefassten Geburtenziffern (siehe zu dieser Maßzahl den Beitrag Die politische Konstruktion der Geburtenkrise) verschiedene Phänomene verbergen können.

Die altersspezifischen Trends werden für die alten und die neuen Ländern getrennt beschrieben.

PÖTZSCH betrachtet jeweils einzelne Altersgruppen im Zeitraum zwischen 1970 und 2003. Die Autorin nennt für die westdeutschen Frauen folgende Trends:

1) Der Beitrag der 15 - 19jährigen Frauen liegt stabil bei ca. 3 % am Anteil der zusammengefassten Geburtenziffer.
2) Der Beitrag der 20- 24jährigen Frauen zur zusammengefassten Geburtenziffer hat sich seit 1975 auf 15 % halbiert.
3) Die geburtenstärkste Altersgruppe sind ab den Jahrgang 1966 nicht mehr die 25- bis 29jährigen Frauen, sondern die 30- bis 34jährigen westdeutschen Frauen.
4) Die Spätgebärenden im Alter zwischen 35 und 40 Jahren tragen mittlerweile genauso viel zur zusammengefassten Geburtenziffer bei wie die 20- bis 24jährigen Frauen.

PÖTZSCH weist darauf hin, dass der Anteil der ehelich Lebendgeborenen in den alten Ländern bei ca. 20 % liegt. In den neuen Ländern der Anteil bei über 50 %. Da die amtliche Statistik die Rangfolge der Geburten nur innerhalb von Ehen richtig erfasst, sind empirische Aussagen für diese Gruppe nicht machbar, weswegen PÖTZSCH hier nur durch Zusatzannahmen zum Ergebnis kommt, dass es sich bei unehelich geborenen Kindern überwiegend um erste Kinder handelt (siehe zu dieser Problematik Michaela KREYENFELD & Dirk KONIETZKA, die aufgrund von lebenslaufbezogenen Daten zu aussagekräftigeren Erkenntnissen kommen).

Ein weiterer Aspekt ist, dass sich der zeitliche Abstand der Geburten verringert hat, d.h. jüngere Frauenjahrgänge bekommen ihre Kinder innerhalb von weniger Jahren.

Für die neuen Bundesländer sind die Trends dagegen weniger eindeutig. Der tiefste Stand der zusammengefassten Geburtenziffer war im Jahr 1994 erreicht. Im Jahr 2000 lag sie bei 1,2 Kinder pro gebärfähiger Frau. Da der Geburtenanstieg seit 1994 in erster Linie auf das Konto außerehelicher Geburten geht, lassen sich gemäß PÖTZSCH keine zuverlässigen Aussagen der künftigen Entwicklung machen:

"Um diese Informationslücke zu schließen, wäre eine Ergänzung des Bevölkerungsstatistikgesetzes (...) notwendig."

Bei der Entwicklung der endgültigen Kinderzahl unterscheidet PÖTZSCH zwischen den Frauenjahrgängen, die ihre Reproduktionsphase im Jahr 2003 abgeschlossen hatten (Jahrgänge 1937 - 1954) und jenen Jahrgängen, die das Alter von 50 Jahren noch nicht erreicht haben (zur notwendig gewordenen Erhöhung der Reproduktionsgrenze von 45 auf 50 Jahre siehe Manfred SCHAREIN & Rainer UNGER).

Zum Abschluss skizziert PÖTZSCH drei Varianten für künftige Bevölkerungsvorausberechnungen:

1) optimistische Variante mit einem langfristig positiven Trend in der Geburtenentwicklung
2) Polarisierungstendenzen zwischen Kinderlosen und Kinderreichen
3) pessimistische Variante bei der sich neben einer hohen Kinderlosigkeit die Ein-Kind-Familie durchsetzt

Kommentar

Der bislang in der politischen Debatte im Vordergrund stehende Frauenjahrgang der 1965 Geborenen wird von PÖTZSCH nicht betrachtet.

Stattdessen wird der Vergleich zwischen den 1960 und 1970 Geborenen in den Vordergrund gestellt. Damit werden die groben Fehleinschätzungen der Demografen bezüglich der 1965Geborenen in mildes Schweigen gehüllt.

PÖTZSCH zieht lieber weitreichende Schlüsse, die teilweise im Gegensatz zu empirischen Daten stehen, die den Lebenslauf der Frauen und nicht nur Momentanaufnahmen wie PÖTZSCH zum Gegenstand haben.

Gert HULLEN, KREYENFELD & KONIETZKA, SCHAREIN & UNGER, Christian SCHMITT und Hans BERTRAM haben hier wesentlich präzisere Erkenntnisse zu bieten, die bei PÖTZSCH ignoriert werden.

PÖTZSCH möchte dagegen ausgerechnet die 1971 - 1973 Geborenen als Trendsetter adeln:

"Obwohl die Geburtenhäufigkeit der älteren Altersgruppe seit Mitte der 1970er-Jahre stets zugenommen hat, neigen die 30- bis 32-Jährigen in ihrer Geburtenhäufigkeit in den letzten 7 bis 8 Jahren zur Stagnation. " (S.572)

"Die Kohorten der 1960er-Jahre tragen heute vor allem zu den zweiten, dritten oder weiteren Geburten bei. Mit dem Herauswachsen dieser Kohorten aus der reproduktiven Phase bleiben - wenn das Gebäralter bei Geburt des ersten Kindes künftig nicht sinkt - immer weniger Frauen, die mit Anfang 30 bereits ein Kind haben. Dann wird es zu einer Verschiebung der weiteren Geburten auf ein noch höheres Alter kommen, als es heute der Fall ist, wobei die Geburtenwahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter immer geringer wird. Diese Überlegung scheint durch die bereits in den Jahren 2000 bis 2003 eingetretene Stagnation in der Entwicklung der 30- bis 32-Jährigen bestätigt." (S.573f.)

Nicht in Betracht gezogen wird z.B., dass die Stagnation durch die Boomphase der New Economy verursacht worden sein könnte. Welche Auswirkungen der Niedergang der New Economy hat, ist aus dem betrachteten Zeitraum noch gar nicht abschätzbar.

Gert HULLEN hat nachgewiesen, dass es zwischen dem Anstieg des Gebäralters und der endgültigen Kinderzahl keinen zwingenden Zusammenhang gibt.

Eines ist jetzt bereits absehbar: Nachdem der empirische Nachweis der Gebärfaulheit (Susanne GASCHKE) bei den 1965 Geborenen gescheitert ist, wird nun das gleiche Spiel mit den 1970ff. Geborenen gespielt.

Den ersten Roman zu dieser Altersgruppe hat Joachim LOTTMANN mit Die Jugend von heute verfasst. Single-generation.de hat bereits im Februar 2005 anhand dieses Buches die neue Front im Demografiekrieg aufgezeigt, die hier auch PÖTZSCH eröffnet hat.

Nachtrag: Im September 2011 widerlegt das Max-Planck Institut für demografische Forschung die von single-generation.de 2005 kritisierten Annahmen von Olga PÖTZSCH zu den Anfang der 1970er Jahre geborenen Frauenjahrgänge (mehr hier).  

 
     
 
       
   

Beiträge zum Thema

Bestandsschutz für die 68er-Generation und hohe Sonderbeiträge für Kinderlose und die nachfolgenden Generationen? Nein!

Geburtenkrise - Die politische Konstruktion eines Themas

Christian Schmitt & Ulrike Winkelmann - Wer bleibt kinderlos?

Dirk Konietzka & Michaela Kreyenfeld - Angleichung oder Verfestigung von Differenzen?

Gert Hullen - Tempo und Quantum der Reproduktion

Hans Bertram - Nachhaltige Familienpolitik

Joachim Lottmann - Die Jugend von heute

Manfred Scharein &  Rainer Unger-  Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen?

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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Update: 23. November 2011