Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Methodische Anmerkungen
Ist die Geburtenhäufigkeit wirklich konstant?
Was zeigen die altersspezifischen Trends?
Geburtenentwicklung bei den deutschen Frauen im früheren
Bundesgebiet
Geburtenentwicklung bei den deutschen Frauen in den neuen
Ländern
Entwicklung
der endgültigen Kinderzahl
Fazit
Zusammenfassung
Die Autorin
möchte mögliche Alternativszenarien für künftige
Bevölkerungsvorausberechnungen erörtern.
Die
Geburtenentwicklung wird anhand folgender Merkmale beschrieben:
1) endgültige
Kinderzahl pro Frau
2) Alter zum Zeitpunkt der Geburt
3) zeitlicher Abstand zwischen den einzelnen Geburten
4) außerehelich oder ehelich geborene Kinder
Die Frauen
werden hierzu in 3 Gruppen untergliedert:
1)
ostdeutsche Frauen
2) westdeutsche Frauen
3) ausländische Frauen
Im
Mittelpunkt stehen die deutschen Frauen. Begründet wird dies
einerseits mit der Tatsache, dass die deutschen Frauen "für 82 %
aller Lebendgeborenen (80 % davon werden im früheren
Bundesgebiet geboren)" sorgen und andererseits für ausländische
Frauen eine jahrgansspezifische Betrachtung nicht möglich ist.
PÖTZSCH
weist darauf hin, dass sich hinter identischen zusammengefassten
Geburtenziffern (siehe zu dieser Maßzahl den Beitrag Die
politische Konstruktion der Geburtenkrise) verschiedene
Phänomene verbergen können.
Die
altersspezifischen Trends werden für die alten und die neuen
Ländern getrennt beschrieben.
PÖTZSCH
betrachtet jeweils einzelne Altersgruppen im Zeitraum zwischen
1970 und 2003. Die Autorin nennt für die westdeutschen Frauen
folgende Trends:
1) Der
Beitrag der 15 - 19jährigen Frauen liegt stabil bei ca. 3
% am Anteil der zusammengefassten Geburtenziffer.
2) Der Beitrag der 20- 24jährigen Frauen zur
zusammengefassten Geburtenziffer hat sich seit 1975 auf 15 %
halbiert.
3) Die geburtenstärkste Altersgruppe sind ab den Jahrgang
1966 nicht mehr die 25- bis 29jährigen Frauen, sondern die 30-
bis 34jährigen westdeutschen Frauen.
4) Die Spätgebärenden im Alter zwischen 35 und 40 Jahren
tragen mittlerweile genauso viel zur zusammengefassten
Geburtenziffer bei wie die 20- bis 24jährigen Frauen.
PÖTZSCH
weist darauf hin, dass der Anteil der ehelich Lebendgeborenen in
den alten Ländern bei ca. 20 % liegt. In den neuen Ländern der
Anteil bei über 50 %. Da die amtliche Statistik die Rangfolge
der Geburten nur innerhalb von Ehen richtig erfasst, sind
empirische Aussagen für diese Gruppe nicht machbar, weswegen
PÖTZSCH hier nur durch Zusatzannahmen zum Ergebnis kommt, dass
es sich bei unehelich geborenen Kindern überwiegend um erste
Kinder handelt (siehe zu dieser Problematik Michaela
KREYENFELD & Dirk KONIETZKA, die aufgrund von
lebenslaufbezogenen Daten zu aussagekräftigeren Erkenntnissen
kommen).
Ein weiterer
Aspekt ist, dass sich der zeitliche Abstand der Geburten
verringert hat, d.h. jüngere Frauenjahrgänge bekommen ihre
Kinder innerhalb von weniger Jahren.
Für die neuen
Bundesländer sind die Trends dagegen weniger eindeutig. Der
tiefste Stand der zusammengefassten Geburtenziffer war im Jahr
1994 erreicht. Im Jahr 2000 lag sie bei 1,2 Kinder pro
gebärfähiger Frau. Da der Geburtenanstieg seit 1994 in erster
Linie auf das Konto außerehelicher Geburten geht, lassen sich
gemäß PÖTZSCH keine zuverlässigen Aussagen der künftigen
Entwicklung machen:
"Um diese
Informationslücke zu schließen, wäre eine Ergänzung des
Bevölkerungsstatistikgesetzes (...) notwendig."
Bei der
Entwicklung der endgültigen Kinderzahl unterscheidet PÖTZSCH
zwischen den Frauenjahrgängen, die ihre Reproduktionsphase im
Jahr 2003 abgeschlossen hatten (Jahrgänge 1937 - 1954) und jenen
Jahrgängen, die das Alter von 50 Jahren noch nicht erreicht
haben (zur notwendig gewordenen Erhöhung der
Reproduktionsgrenze von 45 auf 50 Jahre siehe Manfred SCHAREIN &
Rainer UNGER).
Zum Abschluss
skizziert PÖTZSCH drei Varianten für künftige
Bevölkerungsvorausberechnungen:
1)
optimistische Variante mit einem langfristig positiven Trend in
der Geburtenentwicklung
2) Polarisierungstendenzen zwischen Kinderlosen und
Kinderreichen
3) pessimistische Variante bei der sich neben einer hohen
Kinderlosigkeit die Ein-Kind-Familie durchsetzt
Kommentar
Der bislang
in der politischen Debatte im Vordergrund stehende
Frauenjahrgang der 1965 Geborenen wird von PÖTZSCH nicht
betrachtet.
Stattdessen
wird der Vergleich zwischen den 1960 und 1970 Geborenen in den
Vordergrund gestellt. Damit werden die groben Fehleinschätzungen
der Demografen bezüglich der 1965Geborenen in mildes Schweigen
gehüllt.
PÖTZSCH
zieht lieber weitreichende Schlüsse, die teilweise im Gegensatz
zu empirischen Daten stehen, die den Lebenslauf der Frauen und
nicht nur Momentanaufnahmen wie PÖTZSCH zum Gegenstand haben.
Gert HULLEN,
KREYENFELD & KONIETZKA, SCHAREIN & UNGER, Christian SCHMITT und
Hans BERTRAM haben hier wesentlich präzisere Erkenntnisse zu
bieten, die bei PÖTZSCH ignoriert werden.
PÖTZSCH
möchte dagegen ausgerechnet die 1971 - 1973 Geborenen als
Trendsetter adeln:
"Obwohl die
Geburtenhäufigkeit der älteren Altersgruppe seit Mitte der
1970er-Jahre stets zugenommen hat, neigen die 30- bis
32-Jährigen in ihrer Geburtenhäufigkeit in den letzten 7 bis 8
Jahren zur Stagnation. " (S.572)
"Die Kohorten
der 1960er-Jahre tragen heute vor allem zu den zweiten, dritten
oder weiteren Geburten bei. Mit dem Herauswachsen dieser
Kohorten aus der reproduktiven Phase bleiben - wenn das
Gebäralter bei Geburt des ersten Kindes künftig nicht sinkt -
immer weniger Frauen, die mit Anfang 30 bereits ein Kind haben.
Dann wird es zu einer Verschiebung der weiteren Geburten auf ein
noch höheres Alter kommen, als es heute der Fall ist, wobei die
Geburtenwahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter immer geringer
wird. Diese Überlegung scheint durch die bereits in den Jahren
2000 bis 2003 eingetretene Stagnation in der Entwicklung der 30-
bis 32-Jährigen bestätigt." (S.573f.)
Nicht in
Betracht gezogen wird z.B., dass die Stagnation durch die
Boomphase der New Economy verursacht worden sein könnte. Welche
Auswirkungen der Niedergang der New Economy hat, ist aus dem
betrachteten Zeitraum noch gar nicht abschätzbar.
Gert HULLEN
hat nachgewiesen, dass es zwischen dem Anstieg des Gebäralters
und der endgültigen Kinderzahl keinen zwingenden Zusammenhang
gibt.
Eines ist
jetzt bereits absehbar: Nachdem der empirische Nachweis der
Gebärfaulheit (Susanne GASCHKE) bei den 1965 Geborenen
gescheitert ist, wird nun das gleiche Spiel mit den 1970ff.
Geborenen gespielt.
Den ersten
Roman zu dieser Altersgruppe hat Joachim LOTTMANN mit Die
Jugend von heute verfasst. Single-generation.de hat
bereits im Februar 2005 anhand dieses Buches die neue Front
im Demografiekrieg aufgezeigt, die hier auch PÖTZSCH
eröffnet hat.
Nachtrag:
Im September 2011 widerlegt das Max-Planck Institut für
demografische Forschung die von single-generation.de
2005 kritisierten Annahmen von Olga PÖTZSCH zu den Anfang der
1970er Jahre geborenen Frauenjahrgänge (mehr
hier).