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Christian Rademacher: Deutsche Kommunen im demographischen Wandel

 
       
     
       
     
       
   

Christian Rademacher in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

RADEMACHER, Christian (2011). "Wie erfolgreich bewältigen deutsche Kommunen den Demographischen Wandel?"
in: Zahlenblog v. 18.03.

 
       
   

Christian Rademacher im Gespräch

 
       
   

fehlt noch

 
       
       
   

Deutsche Kommunen im Demographischen Wandel (2013).
Eine Evaluation lokaler bevölkerungspolitscher Maßnahmen
Springer VS

 
   
     
 

Klappentext

"Das »Gespenst« des Demographischen Wandels geht um in Europa. Geburtenrückgang und die prognostizierte Alterung und Schrumpfung der Gesellschaft wird im öffentlichen Diskurs häufig mit einer Überlastung des Sozialstaates oder katastrophalen ökonomischen Zukunftsszenarien gleichgesetzt. Christian Rademacher prüft die finanz- und arbeitsmarktpolitische Leistungsfähigkeit lokaler Daseinsfürsorge durch praktische externe Evaluationen von familien- und seniorenpolitischen Maßnahmen auf lokaler Ebene. Er zeigt, dass entgegen weit verbreiteter populationistischer Krisenannahmen deutsche Kommunen über erhebliche Gestaltungsspielräume in demographiesensiblen Handlungsfeldern verfügen. Die Gestaltbarkeit lokaler Bevölkerungsentwicklungen ist größer, wenn die politischen Entscheider bereits auf positive Erfahrungen bei der erfolgreichen Umsetzung solcher kommunalpolitischen Interventionen zurückblicken können."

Inhaltsverzeichnis

1 Demographischer Wandel als Herausforderung

1.1 Gegenstand und Fragestellungen
1.2 Aufbau und Untersuchungsdesign der Studie

2 Klärung grundlegender Begrifflichkeiten

2.1 Demographischer Wandel
2.2 Der Begriff der Kommune
2.3 Bewältigung
2.4 Erfolg von Kommunen
2.5 Exkurs: Erfolgsmessungen als Evaluationsproblem

2.5.1 Die lebensweltliche „Abstimmung mit den Füßen“?
2.5.2 Exit oder Voice als Reaktion auf Leistungsabfall
2.5.3 Demographie und lokale Performanzmessung

3 Theoretisches Modell

3.1 Theoretische Vorüberlegungen
3.2 Demographisierung als analytisches Konzept
3.3 Unterschiedliche Modi der Demographisierung

4 Demographismus: Demographie als Ideologie?

4.1 Zu einer Typologie wertbezogener Demographisierungen

4.1.1 Geschichtskonservativer Demographismus
4.1.2 Nationalkonservativer Demographismus
4.1.3 Multikulturalistischer Demographismus
4.1.4 Neoliberaler Demographismus
4.1.5 Wohlfahrtsstaatlicher Demographismus

4.2 Zwischenfazit

5 Kommunale Bewältigung demographischer Herausforderungen

5.1 Das naturalisierende populationistische Modell
5.2 Aktiver Umgang mit Bevölkerungsentwicklungen

5.2.1 Bewältigung von Demographie und sozialen Folgen
5.2.2 Bewältigung im Challenge und Response Modell
5.2.3 Soziale Produktionsfunktionen

6 Bewältigung im Modell der Frame-Selektion

6.1 Die subjektive Definition der Situation
6.2 Skript und Handlungsselektion
6.3 Die variable Rationalität
6.4 Formalisierung des Modells der Frame-Selektion
6.5 Auszahlungen im MdFS
6.6 Anwendung des MdFS auf Kommunen

6.6.1 Erkenntnistheoretische Vorüberlegungen
6.6.2 Kollektivsubjekte
6.6.3 Was für Akteure sind Kommunen?
6.6.4 Frame-Selektion in Kommunen
6.6.5 Good Local Governance als soziale Produktionsfunktionen

7 Anwendungen

7.1 Studiendesign
7.2 Sekundäranalysen kommunaler Expertenbefragungen
7.3 Record-Linkage
7.4 Sekundäranalyse der Bürgermeisterbefragung

7.4.1 Datensatzbeschreibung
7.4.2 Datenlinkage
7.4.3 Entdeckung von Auswahlproblemen
7.4.4 Overcoverage und Datenbereinigung

7.5 Methodik

8 Operationalisierung

8.1 Kommunale Performanz
8.2 Demographische Situation
8.3 Einflüsse im Modell der Frame-Selektion

8.3.1 Operationalisierung der Handlungsalternativen
8.3.2 Operationalisierung der Frame-Selektion
8.3.3 Skript-Selektion als multilikative Indizes

9 Die Folgen lokaler Demographisierungen

9.1 Gemeindesteuerkraft

9.1.1 Steuerkraft im naturalisierender Perspektive
9.1.2 Kommunalpolitische Interventionen und Gemeindesteuern
9.1.3 Demographische Deutungsmuster und Realsteuerkraft

9.2 Demographische Einflüsse auf den lokalen Arbeitsmarkt

9.2.1 Arbeitslosigkeit im naturalisierenden Modell
9.2.2 Arbeitsmarkteffekte im Interventionsmodell
9.2.3 Arbeitsmarkteffekte des kommunalen Framing

10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

10.1 Fragestellung und Ausgangshypothesen
10.2 Zusammenfassung der Ergebnisse

Zitat:

Die Pluralisierung von Lebensformen: Lediglich ein Aspekt des demografischen Wandels oder auch der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme?

"Unter dem Stichwort Heterogenisierung diskutiert Siedhoff (2008: 7) zwei weitere Aspekte des Demographischen Wandels. Der erste steht mit einer Pluralisierung der Lebensformen (...) in Verbindung. »Seit den 1960er Jahren sind Ehe und Familie in Deutschland nicht mehr die 'Standard-Lebensform'« (Hradil 2006: 113). Der Anteil nicht-ehelicher Lebensgemeinschaften sowie von Singles und Alleinerziehenden, die Hradil (2006: 113-125) als 'unkonventionelle Lebensformen' bezeichnet, steigt.
Für Kommunen erwartet Mäding (2009, 2008, 2005) in diesem Zusammenhang eine starke Zunahme von Einpersonenhaushalten, die den lokalen Wohnungsmarkt im Zusammenhang mit Alterungsprozessen aber auch den Pflege- und Dienstleistungssektor zu Anpassungen zwingen. Anders als Siedhoff (2008) führt Mäding (2008: 165) dies allerdings unter dem Begriff Vereinzelung.
Unter Heterogenisierung wird im engeren Sinne hingegen die wachsende Gegensätzlichkeit der Bevölkerung nach regionaler oder ethnischer Herkunft, aber auch nach kulturellem, religiösem Hintergrund infolge von Immigrationsprozessen verstanden (Mäding 2009: 34 und Siedhoff 2008: 7), die mit wachsenden Pro-Kopf-Ausgaben für Integration, Bildung und Sozialtransfers die kommunalen Haushalte belasten können (vgl. Mäding 2008: 172).
Mädings These, beide Aspekte würden sich kaum für »ideologische« Profilierungen eignen (Mäding 2009: 40), erweist sich als fragwürdig. Sowohl die Folgen der Vereinzelung (vgl. Klundt 2008, Hondrich 2007, Kittlaus 2006 sowie die Beiträge in Berger/Kahlert 2006 und in Forum Umwelt und Entwicklung/genanet 2006) als auch die Ablehnung weiterer Zuwanderung (z. B. Birg 2006, 2005 oder Wöhlcke/Höhn/Schmid 2004) werden umfangreich kritisiert (Nuss 2007, Oberndörfer 2006, 2005a, 2005b, Schwentker 2006, Butterwegge/Klundt 2003a und Butterwegge 2002). Antagonistische Positionen stehen sich dabei unversöhnlich gegenüber.
Auf einer abstrakten Analyseebene wird hinterfragt, ob Konflikte, die zwischen Eltern und Kinderlosen, zwischen Zugewanderten und Eingesessenen, zwischen wachsenden und schrumpfenden Regionen erwartet werden (vgl. insbesondere Birg 2006, 2005 oder Kröhnert/van Olst/Klingholz 2004a), demographisch bedingt sind, oder ob es sich stattdessen um »gesellschaftliche bzw. staatliche Grundkonflikte handelt, die unabhängig von der demographischen Zusammensetzung oder dem 'demographischen Verhalten' existieren« (Barlösius 2007: 27 f.)." (S.32f.)

     
 
       
     
       
   

Die Kommunen im demografischen Wandel in der Debatte

MOZ (2001): Schwedt.
Die Stadt junger Familien wurde zur Single-Stadt,
in: Märkische Oderzeitung v. 26.06.

Wer einen Einpersonenhaushalt führt, der ist so etwas wie ein Untermensch. Berichte über die Veränderung der Haushaltszahlen klingen deshalb so ähnlich wie Berichte von der Front, wenn klar ist, dass die Schlacht verloren ist. Welche Stadtteile sind schon in der Hand der Singles? Wann fällt der nächste Stadtteil? Bange Fragen. Familien sind schließlich eine aussterbende Gattung!

Solange Journalisten nur Haushalte zählen und nicht die Menschen, lässt sich dieses verzerrte Gesellschaftsbild aufrechterhalten. Aber da 85 % der Bevölkerung in Deutschland nicht im Einpersonenhaushalt lebt, wäre eine solch stumpfsinnige Auflistung ziemlich öde und langweilig. Kriegsberichtserstattung ist da eben spannender!

VOLLWEITER, Rainer (2001): Im Vordertaunus ist das schwache Geschlecht stark vertreten.
Frauenüberschuss in Kronberg und Bad Homburg bietet Anlass zu Spekulationen. Neuerdings mehr männliche Babys
in: Frankfurter Rundschau v. 14.08.

LAUTENSCHLÄGER, Rolf (2001): Schrumpfung als Chance.
Nicht nur im Osten muss die Stadt als Lebensraum erhalten werden. Bürger, Politiker und Architekten brauchen ein neues Bewusstsein für nachhaltiges Bauen und für mehr Chaos
in: TAZ v. 16.08.

Rolf LAUTENSCHLÄGER fordert die Orientierung der Stadtplanung und -entwicklung am Paradigma der schrumpfenden Stadt ("Shrinking City"). Städte verlieren an Einwohnern - nicht aufgrund des Bevölkerungsrückgangs, sondern wegen Suburbaniserungsprozessen durch die "Revolution im Reihenhaus" (Susanne GASCHKE):

"Um die dramatischen Einwohnerverluste, die durch Suburbanisierung auf der grünen Wiese oder Wegzug entstehen, in den Siedlungen zu kompensieren, braucht es auch deutliche Einschnitte in bestehende Fördermaßnahmen: Öffentliche Gelder für die Häuslebauer am Stadtrand müssen reduziert werden, da sonst die Schrumpfung langfristig beschleunigt und der Stadt geschadet wird, statt deren notwendige Renaissance zu fördern - als urbanes Energiezentrum, das Menschen und Arbeit hält, diese anzieht und nicht verabschiedet. Eine Reform, die den Bestand fördert, muss jedoch nicht nur die Subventionierung für den privaten Neubau einschränken. Zugleich sollten die Gelder für den randstädtischen Straßenbau, die Errichtung technischer und verkehrlicher Infrastrukturmaßnahmen zurückgefahren und zur innerstädtischen Eigentumsbildung und für Projekte wie öffentliche Parks, den Nahverkehrsausbau sowie soziale Einrichtungen verwendet werden. Sie machen die Stadt zum Lebens- und Identifikationsort. Schließlich bedeutet die Abkehr von den peripheren Rändern, Siedlungsteppichen und tagtäglichen Autokolonnen in die Stadt hinein und aus ihr heraus auch: Die Konzentration auf das Zentrum bestärkt die Stadt im Wandel als 'Gegenwelt' zum lebensnotwendigen grünen Umland."

LAUTENSCHLÄGER sagt damit der Reihenhausidylle der traditionellen Familie den Kampf an und kommt jener zunehmenden Gruppe der gut verdienenden Ein-Kind-Familien entgegen, die von der Stadtsoziologin Monika ALISCH als "Family-Gentrifier"  bezeichnet werden. Für diese Gruppe ist das Leben mit Kindern und das Leben in der Stadt kein Gegensatz mehr, weil es neben einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, auch die aus der Vor-Kinderphase gewohnte Form der Selbstverwirklichung der Partner weiterhin ermöglicht.

KRANICH, Michael (2002): Schönbohm hält Baby-Begrüßungsgeld für fragwürdig.
Kommunen mit üppig gefüllter Gemeindekasse können Bargeldzuwendungne an Neugeborene als "Patenschaftsgeld" deklarieren,
in: Märkische Allgemeine v. 09.01.

Bericht über den Streit um die Geburtenprämie, die von der Gemeinde Basdorf in Brandenburg eingeführt wurde:

"Um dem Kinderwunsch Nachdruck zu verleihen, hatte Basdorf auf eigene Faust beschlossen, neue Erdenbürger mit 1000 Mark Begrüßungsgeld zu empfangen. Das war Bestandteil eines ganzen Systems von kinder- und familienfreundlichen Maßnahmen und hat Familienminister Alwin Ziel (SPD) so gut gefallen, dass er Basdorf im Mai 2001 sogar zur familienfreundlichsten Gemeinde des Landes Brandenburg gekürt hat."

FRIEDEMANN, Jens (2002): Single-Haushalte drängen nach Köln.
Einzige Großstadt in Deutschland ohne Bevölkerungsverluste. Auch bei Bürovermietungen vorn,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.

Mit 48 % Einpersonenhaushalte liegt Köln laut Focus v. 25.03.2002 auf Platz 4 der Top-Ten Single-Städte. Durch die ICE-Anbindung ab August könnte Köln - wie schon Fulda - zum "Vorort" von Frankfurt werden. Auch Brüssel und Paris rücken näher. Es sind also weniger Singles, sondern Yuppies bzw. DINKS sowie Wochenendfamilienväter, die angelockt werden.

HILLA, Dieter (2002): Krefeld gehen die Kinder aus.
Im Jahr 2015 werden 18 000 Menschen weniger in Krefeld wohnen als heute. Dies geht aus der jüngsten Studie zur Bevölkerungsentwicklung hervor. OB Dieter Pützhofen forderte gestern Gegenmaßnahmen.
in: Rheinische Post v. 19.06.

Man wird in 13 Jahren den heutigen Bericht auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen können. Nur wird dann keiner mehr sagen können, ob die Prognose je hätte Realität werden können, denn die Politik reagiert auf eine Problemdefinition und verändert damit das Problem selbst. Allein die Plausibilität der Problemdefinition reicht aus, um politische Projekte durchsetzen zu können. So wird in Krefeld offenbar der demografische Wandel dazu benutzt, um Neubaugebiete gegen missliebige Umweltschützer durchzusetzen. Ob solche kleinräumige Bevölkerungsprognosen überhaupt einen Sinn machen, diese wichtige Frage wird erst gar nicht gestellt. Es belegt jedoch, dass die bevölkerungspolitische Problemdefinition mittlerweile zur Selbstverständlichkeit in der politischen Alltagsrhetorik geworden ist. Christoph BUTTERWEGGE bezeichnet eine solche Strategie als Biologisierung sozialer Konflikte.

MELLE, Stefan (2003): Wiederbelebungsversuch.
Wo es an Arbeit fehlt, schrumpfen die Städte. Die Kultur soll neue Impulse geben,
in: Berliner Zeitung v. 22.02.

Für Sozialpopulisten wie Meinhard MIEGEL oder Hermann ADRIAN ist die Sache klar: Der demographische Wandel bzw. Kinderlose sind schuld an allen Problemen unserer Gesellschaft, also auch an schrumpfenden Städten. Tatsache ist jedoch: Die Bevölkerung wächst dort, wo Arbeitsplätze entstehen, die Menschen ernähren können. Diesen Ansatz stellt Stefan MELLE vor:

"In den meisten Häusern, die in Ostdeutschland abgerissen werden, hätten noch lange Leute wohnen können. Aber sie ziehen weg aus Leinefelde, Schwedt oder Suhl - wie die Industrie, die sie ernährte. Die leeren Häuser verfallen und kosten Geld. Also beseitigen Bund, Länder und Kommunen sie für viel Geld als unerwünschte Ruinen.
Aber der Abriss ist für die Städte keine Dauerlösung, und er vergeudet Ressourcen. Daher will die Bundeskulturstiftung jetzt die kulturellen Folgen für schrumpfende Städte international untersuchen. Denn seit 1950 büßten 136 Großstädte aller Kontinente jeweils mehr als 100 000 Einwohner ein. In Afghanistan eher durch Kriege. Im Osten der USA oder in Großbritannien aber wie in Ostdeutschland durch den Umbau der Wirtschaft.
            Das Projekt vergleicht die US-Autostadt Detroit sowie Liverpool und Manchester, die alle rund die Hälfte der Bewohner verloren - mehr als die Region Halle/Leipzig, die in dem Projekt besonders beleuchtet wird."

KIRBACH, Roland (2004): Die letzten Kinder.
23.000 Menschen leben in Weißwasser in Sachsen. Jedes Jahr verlassen 1.000 Bewohner den Ort. Auch der 19-jährige Paul überlegt, ob es an der Zeit ist zu gehen,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 30.09.

HAMANN, Götz (2004): Wie schrumpft man eine Stadt?
Wir werden weniger (3):
Sachsen erlebt, was westliche Bundesländer noch vor sich haben: Verlassene Wohnungen und verfallende Viertel in fast jeder Kommune. Stadtplaner, Politiker und Bürger lernen allmählich, mit der neuen Leere umzugehen,
in: Die ZEIT Nr.45 v. 28.10.

HOLL, Thomas (2005): "Berlin schrumpft, Hamburg wächst, München verjüngt".
Demographie-Studie über Bevölkerungsentwicklung in Millionenstädten. Zuwachs nur durch Wanderung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.06.

Bericht über die Studie Deutschlands Millionenstädte im demografischen Wandel von Eckart BOMSDORF & Bernhard BABEL, in der die Entwicklung der Städte Berlin, Hamburg, München und Köln bis 2040 fortgeschrieben wird.

GEGNER, Martin (2005): Boomtown gegen Schrumpfhausen.
Dual Cities.
Die Stadtentwicklung ist von widersprüchlichen Tendenzen geprägt und fordert kreatives Management,
in: Freitag Nr.45 v. 11.11.

KLOEPFER, Inge (2006): Deutschland 2020.
Demographischer Wandel: Gewinner und Verlierer,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.02.

Inge KLOEPFER stellt eine Analyse der Bertelsmann Stiftung vor. Jena ("Boom-Town des Ostens"), Hamburg ("Zukunft für Junge"), Ahrensfelde ("Aufstieg mit Berlin") werden als Gewinner porträtiert. Dagegen werden Gelsenkirchen ("Trauer auf Schalke"), Chemnitz ("Abstieg ohne Ende") und Mittenwald ("Berge ohne Kinder") als Verlierer beschrieben.

STAFFEN, Daniel (2006): Abschied von der Heim-und-Herd-Politik.
Würzburg: Kaum Lust auf Kinder. Wie eine Stadt das ändern will. Der Demografiebericht des Berlin-Instituts hat es ans Licht gebracht: Nur in Heidelberg kommen noch weniger Babys zur Welt. Wo liegen die Gründe?
in: Rheinischer Merkur v. 25.05.

KULTURAUSTAUSCH-Schwerpunkt: Die Zukunft der Stadt.
Explodieren Schrumpfen Konkurrieren

SIEBEL, Walter (2006): Wir Kleingeister.
Warum wir nicht immer nur über Wachstum nachdenken sollten. Auch Schrumpfen kann gut sein,
in:
Kulturaustausch, H.3

LUCIUS, Robert von (2006): Das deutsche Sibirien.
Die Jungen verlassen Gardelegen, weil es an Arbeitsplätzen fehlt - eine wirtschaftliche Perspektive für die alte Stadt in Sachsen-Anhalt ist nicht in Sicht,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.08.

NIEDENTHAL, Clemens (2006): Die oberen 10.000.
Die Jungen ziehen weg, die Alten sterben aus. Was anderswo Gemeinden ruiniert und ganze Landstriche entvölkert, kommt dem Örtchen Wunsiedel sehr gelegen. In Zukunft will das fränkische Kleinstädtchen am demografischen Wandel genesen, indem es sich ganz auf die Zuwanderung älterer Menschen einrichtet,
in: TAZ v. 22.09.

FR-Thema des Tages: Die Gesellschaft altert.

LÖFFEL, Arne (2007): Wenn die Städte überaltern.
Immer mehr Kommunen in Deutschland bereiten sich auf den demografischen Wandel vor und sehen ihn als Chance,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.

ZAWATKA-GERLACH, Ulrich (2007): Paris und London wachsen - Berlin schrumpft.
Bis 2050 wird die deutsche Single-Hauptstadt voraussichtlich 300.000 Einwohner verlieren,
in: Tagesspiegel v. 30.03.

"Als der Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz im April 1967 eine Regierungserklärung abgab, sah er den Westteil Berlins »in den nächsten Jahren in die kritischste Phase seiner sozialen Belastung eintreten«. Der Anteil der Bürger über 65 Jahre werde bis 1971 von 20,5 auf 22 Prozent steigen, warnte der Sozialdemokrat. Die eingemauerte Stadt konnte Familien und jungen Leuten kaum noch eine vernünftige Lebensperspektive bieten. Wer es sich leisten konnte, zog weg.
             Heute ist Berlin jünger als damals: Knapp 18 Prozent der Bewohner haben das Rentenalter überschritten. Aber 2020 wird der Anteil der über 65-Jährigen laut Bevölkerungsprognose des Senats die 20-Prozentmarke erreichen", berichtet ZAWATKA-GERLACH.

BOECKER, Arne (2007): Haus der Geborgenheit.
Wie sich die ostdeutsche Stadt Eggesin mit ihrem Bürgermeister gegen Abwanderung und Überalterung stemmt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.08.

MÜLLER, Uwe (2007): Der Osten altert schneller als der Westen.
Glaubt man den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus Wiesbaden, dann sieht es düster aus für Deutschlands Osten: Er vergreist. Nach Berechnungen von WELT ONLINE rückt Sachsen-Anhalt zum "Altersheim der Republik" auf. Jung ist nur noch der reiche Süden der Republik,
in: Welt v. 24.11.

Uwe MÜLLER und die Welt stellen gerne mal eigene Berechnungen an oder berichten über Prognosen, deren Urheber lieber im Dunkeln bleiben. Nicht immer ist das seriös.

TAGESSPIEGEL (2007): Not am Mann.
Zum Beispiel in Großharthau, Sachsen: Auf 100 Männer kommen hier nur 46 Frauen. "Die Mädels haben sich einfach fortgemacht", heißt es an vielen Orten Ostdeutschlands. Es entsteht eine Gesellschaft von Junggesellen, die sich oft als Versager fühlen, sagt eine Studie. Und manche driften in die rechte Szene ab,
in: Tagesspiegel v. 03.12.

Die unzähligen Presse-Geschichten über die Not am Mann gleichen sich wie ein Ei dem anderen: Sie spielen im Osten, sie handeln vom Männerüberschuss und sie bedienen die Angstlust des Lesers am (Rechts-)extremismus, die der Soziologe Gunnar HEINSOHN mit seinem Pamphlet Söhne und Weltmacht auf die Spitze getrieben hat.

Mit dieser Demografisierung gesellschaftlicher Probleme wird man jedoch dem Thema Menschen ohne Beziehungserfahrung nicht gerecht, denn gerade in Westdeutschland, wo durch die sexuelle Revolution Beziehungsunerfahrenheit zur Domäne von Jugendlichen unter 18 geworden ist, gibt es eine beachtliche Minderheit von Beziehungsunerfahrenen, die unfreiwillig bis Mitte zwanzig, seltener darüber hinaus partnerlos geblieben sind.

Wer dieses Problem auf spektakuläre Fälle im Osten reduziert, der verkennt, dass unfreiwillige Partnerlosigkeit weniger mit Ungleichgewichten auf dem Partnermarkt zu tun hat, sondern mit den Mechanismen des modernen Partnermarktes an sich.  

BERLINER ZEITUNG-Tagesthema: Demographischer Wandel

BÜCHNER, Gerold (2008): Gesund schrumpfen.
Die Bundesregierung fördert Initiativen gegen den Bevölkerungsschwund. Zwei Gebiete wurden für Vorzeigeprojekte ausgewählt. Brandenburg entwickelt eigene Ansätze,
in: Berliner Zeitung v. 09.01.

WISDORFF, Flora (2008): Keine Mitte, nirgends.
Wer studiert hat, geht weg aus Pirmasens und kommt nicht wieder - Was mit einer Stadt passiert, der die Leistungsträger fehlen,
in: Welt v. 17.05.

HORDYCH, Harald (2008): Omi et Orbi.
Deutsche Zukunft: Ein lehrreicher Besuch in Bad Orb, wo die Menschen heute schon älter sind als in anderen Städten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.06.

KÜHL, Christiane (2008): Leben mit offener Richtung.
Kunst und Soziologie haben oft denselben Gegenstand: den Menschen. So in Wittenberge, wo man gemeinsam den Alltag in einer schrumpfenden Stadt untersucht,
in: TAZ v. 09.07.

STERNBERG, Jan (2008): Die Sozialkapitalisten aus Jottwehdeh.
Perspektivenwechsel: Alle kennen Wittenberge als Klischee des Niedergangs. Aber niemand weiß Bescheid, sagen sich Forscher und Künstler,
in: Freitag Nr.30 v. 25.07.

HAIMANN, Richard (2009): Die Deutschen sind ein mobiles Volk.
Jeder zehnte Bundesbürger wechselt im Jahr seinen Wohnort. Ländliche Gebiete werden entvölkert, während Großstädte gewinnen,
in: Welt v. 06.06.

RÖTZER, Florian (2009): Geordnetes Schrumpfen von Städten.
Nicht nur in Ostdeutschland, auch in den USA ist man mit schrumpfenden Städten und einer neuen Stadtplanung konfrontiert,
in: Telepolis v. 21.06.

KLINGHOLZ, Reiner (2009): Herr Minister, wir schrumpfen!
Im Grundgesetz ist die "Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse" angemahnt: das Konstrukt der alten Bundesrepublik, die nur Wachstum kannte. Das ist längst eine Illusion. Ein Plädoyer für eine neue Demographiepolitik,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.06.

Das Berlin-Institut soll das Demografiebewusstsein in der deutschen Bevölkerung verankern. Die Studien der Institution werden deshalb gerne mit großem publizistischem Getöse veröffentlicht. Wo gehobelt wird, fallen eben auch Späne - weswegen manche Kampagne zum Bumerang geworden ist. Im letzten Jahr erklärte der Island-Fan KLINGHOLZ die Insel zum Primus in Sachen Nachhaltigkeit. Kurz danach versank das Eiland in einer nachhaltigen Finanzkrise. In der FAZ ist KLINGHOLZ nun in Sachen Ostdeutschland unterwegs.

TIEFENSEE, Wolfgang (2009): Der Letzte macht das Licht aus.
Man soll schwach bevölkerte Regionen nur noch versorgen, nicht mehr fördern, meint Reiner Klingholz. So spricht die Wissenschaft. Die Politik kann sich das nicht leisten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.07.

DRÖSSER, Christoph (2009): Republik in Schieflage.
Deutschlands Bevölkerung schrumpft - doch nicht überall in gleichem Maße. In manchen Regionen ist die Zahl der Geburten größer als die der Todesfälle, manche ziehen Zuwanderer an, andere verlieren Einwohner. Blick auf ein Land im Wandel,
in: Die ZEIT Nr.29 v. 09.07.

FISCHER, Konrad (2009): Kommunen im Wickelkrieg.
Aus Angst vor dem drohenden Einwohnerverlust liefern sich Städte und Gemeinden eine teure Werbeschlacht um junge und bauwillige Familien,
in: Wirtschaftswoche Nr.34 v. 17.08.

KNÖDLER, Gernot (2013): Überwiegend Schwund im Norden.
Wandel: In Norddeutschland werden in Zukunft immer weniger Menschen leben. Vor allem die Jungen zieht es in die Städte. Das heißt aber nicht, dass ländliche Gebiete in Zukunft keine Chance mehr hätten,
in:
TAZ Nord v. 14.12.

HAIMANN, Richard (2014): Senioren lösen neue Wanderungsbewegung aus.
Die ältere Generation zieht in kleine Städte in reizender Landschaft und reichem Kulturangebot. Schrumpfende Orte haben nun wieder eine Zukunft; denn durch die Senioren entstehen neue Arbeitsplätze,
in:
Welt Online v. 08.03.

Richard HAIMANN macht PR im Sinne der Immobilienwirtschaft. Schon vor einiger Zeit wurde Investoren aufgrund der Überhitzung des Wohnungsmarktes in Metropolen und dort insbesondere der angesagten Szeneviertel, nunmehr die Investition in "Städte der zweiten Reihe" als lukrativ empfohlen. Nun also werden die scheinbar dazu passenden Statistiken der Öffentlichkeit als angeblich neuer Trend präsentiert.

Gibt es aber einen neuen Trend? Die Wanderungsbewegungen von 2009-2012 sollen das belegen. Aber unterscheiden die sich von früher und wenn ja warum? HAIMANN erklärt Weimar als Vorbild dieses angeblich neuen Trends. Bereits im Jahr 2006 schrieb aber das auf die Demografie fixierte Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung:

"Während sich das wirtschaftsschwache Ostthüringen zu einer der am stärksten überalterten Gegenden der Republik entwickelt, stellt Jena die jüngste Stadt im Osten dar. Sie zählt mit Weimar, Erfurt und Eisenach (...) als Region der Stabilität im schrumpfenden Ostdeutschland".

Weimar gehörte bereits seit längerem zu den Städten mit positivem Wanderungssaldo. Bereits im Jahr 2008 berichtete die FAS über die Attraktivität von Weimar für Rentner.

Es ist eines der demografischen Märchen, dass Deutschland schrumpft, denn im Gegenteil wächst Deutschland derzeit. Und innerhalb von Deutschland gibt es große Unterschiede bezüglich der demografischen Entwicklung von Gemeinden und Regionen.  

ZSCHIECK, Marco (2014): Sterbende Landschaften.
Brandenburg: Der Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz fordert, stark schrumpfende Orte einfach aufzugeben. Die Landesregierung will davon nichts wissen: Ein Rückzug aus der Fläche sei die falsche Konsequenz,
in: TAZ v. 26.05.

KONICZ, Tomasz (2014): Raum ohne Volk.
Der Boom der deutschen Metropolregionen geht mit der Entvölkerung weiter Landstriche in der Peripherie der Bundesrepublik einher,
in:
Telepolis v. 23.07.

Deutschland ist durch ein Nebeneinander von Wachstum und Schrumpfung gekennzeichnet. Insbesondere die Großstädte wachsen, während die Peripherie verödet. Ursache ist die Wissensökonomie, deren Konzentrationsprozesse von der Politik zusätzlich verschärft werden. Der neoliberalen Standortlogik folgend, geraten schrumpfende Kommunen in einen Abwärtssog. Anders als es das private Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung propagiert, ist Schrumpfung aber kein Problem des demografischen Wandels an sich, sondern ein ökonomisches Problem, das demografische Folgen zeitigt. Schrumpfungsprozesse verstetigen sich in ökonomisch abgehängten Regionen, während andernorts Großstädte an ihre Wachstumsgrenzen gelangen. Statt dem jedoch politisch entgegen zu wirken, erfolgt das genaue Gegenteil. Die boomenden Städte überbieten sich mit der Schaffung von neuem Wohnraum. Was aber wenn neue wirtschaftliche Entwicklungen diese Trends obsolet machen? Was aber, wenn die Bevölkerungsentwicklung ganz anders verläuft und sich nicht an die Bevölkerungsvorausberechnungen hält? Die Zukunft ist offen auch wenn Bevölkerungswissenschaftler das Gegenteil verkünden. Die Demographisierung gesellschaftlicher Probleme bietet scheinbaren Halt in unsicheren Zeiten. Dies könnte jedoch fatale Folgen für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands haben.

Neu:
ZSCHIECK, Marco (2014): Eine Stadt läuft aus dem Ruder.
Potsdam: Brandenburgs Hauptstadt boomt: Touristen lieben sie, Familien leben gern dort, die Wirtschaft wächst. Nun zeigen sich die Schattenseiten der raschen Veränderungen: Bezahlbare Wohnungen sind Mangelware, Schulen fehlen, und auch beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gibt es Probleme,
in:
TAZ Berlin v. 26.07.

Deutschland ist durch ein Nebeneinander von Wachstum und Schrumpfung gekennzeichnet. Während jedoch schrumpfende Städte im Fokus der Debatte um den demografischen Wandel standen, wird schnelles Wachstum aufgrund der Demographisierung gesellschaftlicher Probleme nicht als Problem wahrgenommen. Potsdam gehört zu den deutschen Großstädten, deren Problem das schnelle Wachstum ist. Marco ZSCHIECK schildert die Probleme und im Berliner Thema der taz geht es um (ausbleibende) Gentrifizierungskritik und Statistik.

 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 23. Mai 2014
Update: 21. März 2017