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Gerd Bosbach: Die Bevölkerungsvorausberechnung als moderne Kaffeesatzleserei

 
       
   
  • Zur Person

    • 1953 in Euskirchen geboren
    • Professor für Statistik, Mathematik und Empirik an der Fachhochschule Koblenz
 
       
     
       
   

Gerd Bosbach in seiner eigenen Schreibe

 
     
       
   

Gerd Bosbach im Gespräch

 
   
  • KIESER, Albrecht (2004): Demographie und Demagogie.
    Über die "unumstößlichen" Grundlagen der Schröderschen "Agenda 2010",
    in: junge Welt v. 09.02.
    • Kommentar:
      Während Kanzler SCHRÖDER das Weiter-So der Agenda 2010 durch den Rücktritt vom Parteivorsitz retten möchte, bröckelt die mediale Einheitsfront.

            
         Lange Zeit stand Single-dasein.de mit dem Vorwurf, die Prognosen des nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftlers Herwig BIRG seien unrealistisch, fast völlig alleine.
            
         Der Journalist Detlef GÜRTLER hatte dann im August 2003 in der Welt zur neuesten Prognose geschrieben:
            
         "Man kann solche extrem unwahrscheinlichen Annahmen treffen. Die wissenschaftliche Redlichkeit würde dann allerdings erfordern, noch mindestens eine andere Annahme durchzurechnen. Zum Beispiel die Bevölkerungsvorausberechnung der Vereinten Nationen, die Deutschland im Jahr 2050 eine Geburtenrate von 1,64 prognostiziert. Das Statistische Bundesamt hingegen hat zwar diverse unterschiedliche Wanderungs- und Lebenserwartungsszenarien beschrieben, die Geburtenrate aber konstant bei 1,4 belassen. Warum? Unter anderem um »den Handlungsdruck auf die Politik aufrechtzuerhalten«, wie einer der Beteiligten ebenso freimütig wie anonym zugab."
            
         Das passte damals jedoch nicht zur politischen Stimmung, weswegen der Artikel in der Mitte-Presse keinerlei Widerhall fand.
            
         In der jungen Welt (17./18.02.2003) berief sich z.B. Manfred SOHN in einer zweiteiligen Serie ausdrücklich auf die Prognosen von Herwig BIRG, um den Geburtenrückgang zu dramatisieren.
            
         Nun wird erstmals ein Statistikprofessor als Kritiker der Prognose mit Namen genannt:
            
         "die demographische Prognose von der unbezahlbaren Überalterung ist offensichtlich Humbug, wie jetzt ein Statistikprofessor aufgedeckt hat, der selbst jahrelang im Statistischen Bundesamt tätig gewesen ist. Gerd Bosbach lehrt heute an der Fachhochschule Koblenz Statistik, Mathematik und Empirik, und was er Hahlen vorhält, unterstreicht einmal mehr, daß sich das derzeitige Sozialabbauprogramm auf gewagte Kaffeesatzleserei und bewußte Halbwahrheiten stützt.
      Drei Haupteinwände hält Gerd Bosbach den »vorgegebenen und unausweichlichen« Prognosen (...) entgegen: Erstens sei eine Bevölkerungsprognose bis zum Jahre 2050 als Grundlage politischer Entscheidungen heute schlicht untauglich.
      Hätte man z. B. 1953 eine Prognose für 2000 als zielsicher und handlungsleitend ausgegeben, hätte man millionenfach daneben gelegen: Wegen Anwerbeverträgen für »Gastarbeiter«, Pillenknick und 1989er Zusammenbrüchen, von mehreren Kriegen und entsprechenden Fluchtbewegungen ganz zu schweigen.
      Nicht von ungefähr betrug die »Gültigkeitsdauer« der letzten neun Bevölkerungsprognosen des Statistischen Bundesamtes im Schnitt vier Jahre. Einige Vorgängerprognosen mußten sogar gänzlich über den Haufen geworfen werden.
      Die Prognose (...) unterschlägt – das ist das zweite Argument von Gerd Bosbach – wesentliche demographische und ökonomische Größen. So kommt (...) nicht vor, daß auch unproduktive Kinder und Jugendliche ernährt werden müssen. Rechnet man aber diese Bevölkerungsgruppe in die Prognose ein, dann müssen heute hundert Menschen zwischen 20 und 60 Jahren 82 Junge und Alte ernähren. Im Jahre 2050 würden es 112 Junge und Alte sein. Nicht 80 Prozent mehr als heute sondern 40 Prozent mehr. Und nur zwölf Prozent mehr als 1970, als 100 Erwerbsfähige 100 Junge und Alte ernährten. Solche undramatischen Zahlen enthält auch die offizielle Bevölkerungsvorausberechnung. Aber der Präsident des Amtes, die hohe Politik und die Medien wollen sie offensichtlich nicht zur Kenntnis nehmen.
      Eine andere Zahl wird von den Bundesdemographen allerdings komplett ausgeblendet: die absehbare, steigende Arbeitsproduktivität.
      "
            
         Wenn jetzt plötzlich die Prognose selbst in der Kritik steht, dann zeigt dies, dass die Agenda 2010 viel grundsätzlicher zur Disposition steht, als dies die Mitte-Politiker glauben machen wollen.
  • WURZBACHER, Ralf (2004): Demographische Langzeitprognosen: Horrorszenario auf wackligen Füßen?
    jW sprach mit Gerd Bosbach, Professor der Statistik, Mathematik und Empirik an der Fachhochschule Koblenz, Standort Remagen,
    in: junge Welt v. 05.03.
  • EHRENSTEIN, Claudia (2004): "Die langfristigen Prognosen der Demographen sind unseriös".
    Der Kölner Statistiker Gerd Bosbach warnt: Die Politik benutzt die Horrorszenarien der Zukunft, um heute Kürzungen im Sozialbereich zu rechtfertigen,
    in: Welt v. 03.06.
  • OSWALD, Bernd (2004): Vergreisung Deutschlands.
    "Die Politik will von den Problemen ablenken, die sie nicht lösen kann",
    in: Süddeutsche Zeitung Online v. 07.03.
  • HAVERKAMP, Lutz (2004): "Politik wird nicht von Vernunft bestimmt".
    Der Wissenschaftler Gerd Bosbach über die nicht stattfindende Überalterung der Gesellschaft und warum er sich von der Politik hinters Licht geführt sieht,
    in: Tagesspiegel v. 23.08.
  • SCHMIDT, Michael (2006): "Die Demographie ist nicht schuld".
    Für den Statistiker Bosbach sind Arbeitslosigkeit und schlechte Bildung die Ursachen unserer Sozialmisere,
    in: Tagesspiegel v. 24.03.
  • STEIGER, Hartmut (2006): Sterben die Deutschen aus?
    Demografie: Der Statistiker Gerd Bosbach warnt vor Panikmache - Horrorszenarien sollen die Deutschen für Reformen empfänglich machen,
    in:  VDI Nachrichten v. 24.03.
  • DECKERT, Marc (2006): Zahlensalat.
    Die Deutschen sterben in 300 Jahren aus! Wir haben die niedrigste Geburtenrate der Welt! So klingt die aufgeregte Mediendebatte über KINDERLOSE DEUTSCHE, in der mit vielen schiefen Argumenten und falschen Zahlen hantiert wird. Oft berichten Medien bewusst irreführend, sagt Professor Dr. Gerd Bosbach, Experte für Statistikmissbrauch,
    in: NEON, Mai
    • Kommentar:
      Die Zeitschrift NEON schließt sich dem Urteil von single-dasein.de an, wenn die Minimum-Spiegel-Titelgeschichte als "meinungsstark und faktenschwach" charakterisiert wird.

                
       Gerd BOSBACH, der bereits am 20. März auf single-generation.de den Statistikmissbrauch von MATUSSEK und SCHIRRMACHER anprangerte, legt in NEON noch nach:
                
       "Wenn Altern und geringe Kinderzahl an sich ein Problem wären, hätte es letztes Jahrhundert in Deutschland den Supergau gegeben. Da sind wir um über 30 Jahre gealtert, und der Anteil der Kinder und Jugendlichen sank dramatisch von 44 auf heute 20 Prozent! Die für die Zukunft erwarteten Veränderungen sind dagegen gering: Sechs Jahre Alterung bis 2050 und ein Jugendanteil von 16 Prozent."
                
       BOSBACH sieht in der derzeitigen Negativkampagne ein Problem, denn "Verunsicherung ist kein Faktor, der zum Kinderkriegen ermuntert".
                
       Single-dasein.de sieht das Problem der Negativkampagne jedoch noch viel umfassender, denn bereits die Single-Lüge ist Teil einer Negativkampagne die seit Anfang der 90er Jahre die Selbstbilder auf den Kopf gestellt hat.
                
       BOSBACH weist darauf hin, dass die geburtenstarken Jahrgänge durch ein Lebensgefühl geprägt wurden, das man als "Wir waren überall zu viel" bezeichnen kann.
                
       Die Reduktion der Kinderzahl wäre dann als adäquate Reaktion auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zu betrachten, die weniger mit der viel beschworenen deutschen Vergangenheit, aber viel mit den Bedingungen des Heranwachsens, zu tun gehabt hätte.
                
       Jürgen VOSS hat das Horror-Szenario einer kinderreichen Generation Golf hochgerechnet.
                
       Deutschland hätte heute ca. 21 Millionen Menschen mehr. Es ist kaum vorstellbar, dass unser Arbeitsmarkt und unsere Sozialsysteme dies besser verkraftet hätte.
                
       Statt über die demografische Situation zu jammern, sollten wir die jetzt Heranwachsenden besser bilden und ausbilden. Davon reden Politiker zwar gerne, aber weniger um mehr für die Bildung zu tun, sondern nur um Bildung gegen Sozialausgaben auszuspielen.
 
       
   

Kein Anlass zu Furcht und Panik (2004).
Fakten und Mythen zur "demografischen Katastrophe"
(zusammen mit Klaus Bingler)
in: Deutsche Rentenversicherung, H.11/12, November/Dezember

 
   
 
 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die Demografie im Brennpunkt der aktuellen Diskussion

1.1. Die Demografie als politisches Instrument
1.2. Aktuelle Debatten in den Medien

2. Wieweit gibt die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung tatsächlich Anlass zur Dramatisierung

2.1. Die Annahmen und Ergebnisse der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung
2.2. Die einseitige Interpretation der Ergebnisse
2.3. Moderate Entwicklung bis zum Jahre 2020
2.4. Zunehmende Differenzierung zwischen den einzelnen Varianten bis zum Jahre 2050

3. Der fragile Charakter der Bevölkerungsstatistik

3.1. Die Korrekturbedürftigkeit der Statistik in der Vergangenheit
3.2.  Ein Gedankenexperiment: Wie zuverlässig wäre eine Prognose von vor 50 Jahren für heute gewesen?
3.3. Die Beeinflußbarkeit der Modellannahmen durch die Politik

4. Entschärfte Dramatik auch bei zutreffender Bevölkerungsvorausberechnung

4.1. Relativierung der Dramatik durch Vergleiche mit der früheren Bevölkerungsentwicklung
4.2. Fehlende Einbeziehung der Jugend in die Berechnung
4.3. Fehlende Berücksichtigung einer möglichen Verschiebung des Renteneintrittsalters
4.4. Außerachtlassung des Produktivitätsfortschritts
4.5. Ein Rechenexperiment: Rechnet man die Erwerbslosen zu den Kindern, Jugendlichen und Älteren hinzu, so ergibt sich bereits für heute ein ähnlich "dramatisches" Verhältnis, wie es für 2050 zwischen Erwerbsfähigen und Alten vorhergesagt wird

5. Der Jugendquotient - eine Messlatte für die Effizienz einer Volkswirtschaft?
6. Schlussbemerkungen: Gedanken über den Wert von Bevölkerungsvorausberechnungen  

 
 
       
   

Die modernen Kaffeesatzleser (2004).
Dokumentation der Frankfurter Rundschau vom 23.02.2004

 
   
 
 

Inhaltsverzeichnis

Wesentliche Annahmen und Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung

Argument 1: 50-Jahres-Prognosen sind moderne Kaffeesatzleserei

Argument 2: Die Modellannahmen sind durch die Politik beeinflussbar

Argument 3: "Lebensdauer" und Trefferquote von Bevölkerungsvorausberechnungen

Argument 4: Auch die Jungen wollen ernährt werden!

Argument 5: Sechs Jahre länger leben, keinen Tag länger arbeiten

Argument 6: Produktivitätsfortschritt erlaubt mehr Rentner

Argument 7: Auswahl des "worst case"

 
 
 
       
   
  • Gerd Bosbach in der Debatte

    • KRÜGER, Alfred (2004): Wir könnten uns mehr Rentner leisten.
      Amtliche Wahrsager und politische Dramatisierer - Die Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes gegen den Strich gebürstet,
      in: Telepolis v. 26.02.
    • SPERBER, Katharina (2005): Die Instrumentalisierung der Zahlen.
      Die Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung lassen sich je nach Interpretation für Horrorszenarien zur Lage der Gesellschaft nutzen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 22.08.
      • Kommentar:
        SPERBER referiert nochmals die altbekannten Thesen von
        Gerd BOSBACH zur Bevölkerungsvorausberechnung als moderne Kaffeesatzleserei.
                  
        Die Debatte um die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen zeigt jedoch, dass in der bevölkerungspolitischen Debatte noch unverschämter gelogen wird.
                  
        Was single-dasein.de immer wieder betont hat, dass nämlich Eltern von Familienfundamentalisten wie Herwig BIRG in dauerhaft Kinderlose umdefiniert werden, das ist inzwischen empirisch nachgewiesen worden.
                  
        Es ist ein Skandal, dass dies bislang - abgesehen von ein paar Artikeln unter ferner liefen - kein Thema in der Presse war.
                  
        Was der ungehinderten Durchsetzung von Bevölkerungspolitik im Wege steht, das wird in den Medien gnadenlos unterdrückt. Ist das unsere viel gerühmte Pressefreiheit? Heißt Qualitätszeitung, dass nur gedruckt wird, was genehm ist?
 
     
     
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 10. März 2004
Update: 28. August 2006
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