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Hermann Schubnell: Der Geburtenrückgang in der Bundesrepublik Deutschland

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1910 geboren
    • Studium der Nationalökonomie und Soziologie
    • 1973 Buch "Der Geburtenrückgang in der Bundesrepublik Deutschland"
    • ehemaliger Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung
    • ehemaliger Professor für Bevölkerungswissenschaft an der Universität Mainz
 
       
     
       
   

Hermann Schubnell in seiner eigenen Schreibe

 
     
       
   

Zum augenblicklichen Stand der Bevölkerungsentwicklung (1979)
in: Rainer Silkenbeumer (Hrsg) Geburtenrückgang. Risiko oder Chance? Hannover: Fackelträger Verlag

 
   
 
 

Inhaltverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2. Stand der Bevölkerungsentwicklung

2.1 Überblick über die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland 1964 - 1978
2.2 Die säkulare Entwicklung des Geburtenrückgangs: Schema der Theorie des demographischen Übergangs
2.3 Die historische Entwicklung 1815 - 2000
2.4 Die europäische Entwicklung in der Gegenwart

3. Die künftige Bevölkerungsentwicklung

3.1 Kurz- und mittelfristige Ergebnisse von Vorausschätzungen
3.2 Langfristige Ergebnisse von Vorausschätzungen

4. Zur Beurteilung der Bevölkerungsentwicklung

4.1 Resümee der Ursachen und der unterschiedlichen Standpunkte
4.2 Zur Frage der Alterssicherung
4.3 Wirtschaftspolitische Langzeitprobleme
4.4 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Wohlstandsentwicklung
4.5 Auswirkungen auf die Güterproduktion und die Investitionsbereitschaft

5. Anmerkungen zur politischen Beurteilung der Bevölkerungsentwicklung

Zitate:

Vorausschätzung der Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2000 auf der Grundlage der 5. koordinierten Vorausschätzung von 1975

"Die Ergebnisse solcher Vorausschätzungen haben (...) einen hohen Grad an Wahrscheinlichkeit.
          
 Die Bevölkerung insgesamt nimmt (...) allmählich ab. Die heutige deutsche Bevölkerung der Bundesrepublik von rund 58 Mill. wird sich bis 1990 um etwa 3 Mill., bis zum Jahr 2000 nicht ganz um 6 Mill. vermindern. Die Bundesrepublik würde dann wieder 52 Mill. deutsche Bürger umfassen, das ist etwa die Bevölkerungszahl, die sie Mitte der 50er Jahre einmal hatte.
          
 (...).
Der seit Jahren zu beobachtende Geburtenrückgang und die wahrscheinliche Entwicklung in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten wird dazu führen, daß der Anteil der Kinder und Jugendlichen dann um etwa ein Drittel niedriger liegen wird als 1975. (...). Nach 1980 verkleinert sich der
»Abiturientenberg«, nach 1985 der »Studentenberg«. Die Jahrgänge, die mit Beginn des Geburtenrückgangs Mitte der 60er Jahre geboren wurden, werden, wenn sie ihre akademische Ausbildung beginnen, vermutlich nicht mehr mit dem Problem des Numerus clausus konfrontiert sein." (S.33f.)

Langfristige Vorausschätzungen

"Langfristig nimmt die Zahl älterer Menschen zu: Im Modell a steigt der Anteil der über 65jährigen auf 23 % im Jahr 2030, im Modell b auf 29 %. (...).
Die deutsche Bevölkerung wird bei Modell a bis zum Jahr 2030 (...) auf 39 Mill., in Modell b auf 32 Mill. abnehmen. 39 Mill. war auf dem Gebiet der Bundesrepublik die Bevölkerung des Jahres 1925, 32 Mill. diejenige um 1910. Diese Zahlen sind es, die Horrorvorstellungen ausgelöst haben von der sterbenden deutschen Nation." (S.36f.)

Bevölkerungsabnahme bis zum Jahr 2000

"Nach den Vorausschätzungen wird, mittelfristig, die deutsche Bevölkerung in der Bundesrepublik um etwa 5,7 Mill. Menschen abnehmen und damit wieder den Bevölkerungsstand des Jahres 1955 erreichen." (S.43)

Die Entwicklung des Rentenberges

"Ab 1980 wird sich der gegenwärtige Rentenberg verringern, 1986 wird er überwunden sein. Nach einer etwa gleichmäßigen Belastung wird Ende der 90er Jahre ein Anstieg beginnen mit einem Gipfel um 2010. Es folgt ein erneutes Abflachen bis etwa 2020, gefolgt von einem Anstieg zum dritten, höheren Rentenberg um 2030." (S.45)

Es gibt keinen engen Zusammenhang zwischen demografischem Wandel und sozialer Sicherung

"die Altersstruktur der Bevölkerung ist nur eine Komponente für die soziale Sicherung ist. Andere Komponenten sind die Beteiligung am Erwerbsleben, z.B. der Anteil erwerbstätiger Frauen, und damit der Beitragszahler - allerdings später auch dann der Rentenempfänger; ferner der Anteil der Arbeitslosen, Änderungen der Bestimmungen der Altersversorgung, z.B. die Herabsetzung und Heraufsetzung des Rentenalters, nicht zuletzt die Entwicklung der wirtschaftlichen Produktivität, damit verbunden die der Löhne und Gehälter, die Entwicklung der Preise und damit die Entwicklung der Kaufkraft. Alle diese Faktoren können die Einflüsse, die aus der Altersstruktur herrühren, verstärken oder abschwächen. Solche nichtdemographischen Änderungen sind aber in keiner Weise vorauszuschätzen." (S.45)

Demographische Faktoren sind nicht allein für die Erfüllung des Generationenvertrages ausschlaggebend

"In der Nachkriegszeit konnte die Versorgung der besonders rasch wachsenden Zahl alter Personen grundlegend verbessert werden. Der Kreis der Versorgungsberechtigten ist durch frühere Rentengewährung und durch die Einbeziehung der Selbständigen in die Altersversorgung weit stärker und rascher ausgedehnt worden, als es der demographischen Zunahme alter Menschen entsprach. Diese Verbesserung der Altersversorgung fiel zudem in eine Periode, in der das Arbeitspotential u.a. infolge sinkender Arbeitszeit ständig abnahm, was einer weiteren Steigerung der rechnerischen Belastungsrelation durch alte Menschen gleichkommt. In dieser Periode aber stieg die durchschnittliche Arbeitsproduktivität, gemessen als reales Bruttosozialprodukt, rasch an. Sie war 1961/72, nach den Berechnungen von Frau Wander, doppelt so hoch wie 1950/61. Der Generationenvertrag ließ sich daher unter demographisch, rententechnisch und arbeitspolitisch ungünstigeren Bedingungen besser erfüllen. Ein geringeres Arbeitspotential hat, dank steigender Arbeitsproduktivität und steigender Einkommen, mehr für die Versorgung alter Menschen leisten können, ohne selbst Einbußen im Lebensstandard hinnehmen zu müssen." (S.46)   

 
 
 
       
   

Der Geburtenrückgang in der Bundesrepublik Deutschland (1973).
Die Entwicklung der Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern, Schriftenreihe des Bundesministers für Jugend, Familie und Gesundheit, Band 6

 
   
 
 

Inhaltverzeichnis

Geburtenrückgang

1 Die Geburtenentwicklung
2 Ursachen der Geburtenrückgangs
3 Auswirkungen des Geburtenrückgangs
4 Geburtenrückgang, Bevölkerungsentwicklung und Umwelt

Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern

1 Die Entwicklung der Bevölkerung und der Erwerbstätigkeit 1961 bis 1971
2 Die Entwicklung der Erwerbstätigkeit
3 Die Arbeitszeit erwerbstätiger Frauen
4 Gründe für Veränderungen der Entwicklung der Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern

Zitate:

Die eheliche Fruchtbarkeitsziffer sinkt bereits früher als die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer

"Die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer, bei der der Familienstand nicht berücksichtigt ist, steigt bis 1963 an (nach der Zahl der Lebendgeborenen war 1964 das Jahr des höchsten Wertes) und sinkt dann, gegenüber 1960 um mehr als ein Fünftel ab. Bezieht man dagegen die Lebendgeborenen auf die verheirateten Frauen, so wird deutlich, daß die Verminderung der ehelichen Fruchtbarkeit schon zu Beginn des Jahrzehnts eingesetzt hat und bis 1971 nicht ein Fünftel, sondern mehr als drei Zehntel ausmachte." (S.17)

Die Entwicklung der Nettoreproduktionsrate und ihr Zusammenhang mit der Bevölkerungsentwicklung

"Im Bundesgebiet ohne Berlin lag die Nettoreproduktionsrate von 1947 (0,860) bis 1956 (0,997) unter 1, erst 1957 stieg sie über 1. (...).
Daß eine Nettoreproduktionsrate, die geringer ist als 1, noch keine Bevölkerungsabnahme bedeuten muß - sie hätte sonst in den Jahren 1947 bis 1956 eintreten müssen - geht u.a. darauf zurück, daß die für ihre Berechnung geltenden Bedingungen sich in den folgenden Jahren verändert haben, z.B. die Säuglings- und Kindersterblichkeit zurückgegangen ist, die Heiratshäufigkeit zugenommen hat, sich die Abstände der Geburten verringert haben usw." (S.58)

 
 
 
       
   
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