Bereits der Untertitel verrät es: Die Zeitschrift ist eine Publikation für Besserverdienende, denn die Mehrzahl der Bevölkerung wird eher nicht die versprochenen 100 Jahre erreichen. Die soziale Ungleichheit wächst in Deutschland und die Altersarmut ist politisch gewollt auf Zunahme programmiert. Beides steht einer weiteren Höherentwicklung der Lebenserwartung entgegen.

Wenn der jetzige Trend zur Entwicklung einer kleinen oberen Mittelschicht, die zusammen mit der Oberschicht die Gewinner der gegenwärtigen Gesellschaftsentwicklung sind, und einer größer werdenden mittleren und unteren Mittelschicht, die zusammen mit der Unterschicht zu den Verlierern zählen wird, dann sieht unsere Bevölkerung bis zum Jahr 2060 ganz anders aus, als es Demagogen wie Martin TSCHECHNÉ uns heute erzählen. Der "Vergnügungsdampfer in der Karibik", auf den die Rentner "verbannt" sein sollen - diese Vision ist dann so veraltet wie futuristische Visionen der 1960er Jahre für das Jahr 2000. Und das waren nur 40 Jahre und keine 50 Jahre wie bei unseren Kaffeesatzlesern.

Was passiert, wenn die soziale Schließung sich weiter verstärkt? Wenn der Kampf um Bildung härter wird, wie das der Soziologe Heinz BUDE in seinem Artikel Das prekäre Gut der Bildung (Merkur, August 2013) beschreibt?

"Es ist ein soziales Gesetz, dass Familien erhebliche Anstrengungen unternehmen, um den erreichten sozialen Status in der Generationenfolge zu sichern. Hat man mehr als drei Kinder, kann man lockerer und fehlerfreundlicher an diese Aufgabe herangehen, als wenn lediglich ein oder zwei Kinder in der Familie existieren. (...).
In der Mitte freilich reduziert sich die Kinderzahl und steigt das Investitionsbewusstsein in Bezug auf das einzelne Kind."

Gibt es eine homogene Mitte überhaupt noch oder haben sich nicht schon unterschiedliche Strategien herausgebildet? Cornelia KOPPETSCH beschreibt in ihrem Buch Die Wiederkehr der Konformität drei Strategien im Kampf der Mittelschicht gegen den befürchteten Abstieg. Demnach beschreibt BUDE lediglich die Strategie der oberen Mittelschicht, die sich ums Erbe dreht.

Die Bevölkerungsentwicklung hängt keineswegs von demografischen Sachzwängen ab, sondern in erster Linie vom Ausgang der politischen Kämpfe in der Mitte. Die zukünftige Bevölkerungsentwicklung ist nicht vorprogrammiert wie uns unsere Demagogen in Sachen demografischer Wandel erzählen, sondern sie ist eine politische Richtungsentscheidung.