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Joshua R. Goldstein: Trendwende bei der Geburtenrate in Deutschland

 
       
   
  • Zur Person

    • Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock
 
       
     
       
   

Joshua R. Goldstein in seiner eigenen Schreibe

 
   

GOLDSTEIN, Joshua/SOBOTKA, Tomáš/JASILIONIENE, Aiva (2009): The End of "Lowest-Low" Fertility?
in: Population and Development Review, Heft 4, S.663-699

GOLDSTEIN, Joshua R./SOBOTKA, Tomáš/JASILIONIENE, Aiva (2010): Geburtenraten in vielen Industriestaaten steigen wieder.
Eine nachhaltige Trendumkehr scheint möglich,
in:
Demografische Forschung aus erster Hand Nr.7, April

MYRSKLYLÄ, Mikko/GOLDSTEIN, Joshua/CHENG, Yen-hsin Alice (2013): New Cohort Fertility Forecasts for the Developed World: Rises, Falls, and Reversals,
in: Population and Development Review, Heft 1, S.31-56

 
       
   

Joshua R. Goldstein im Gespräch

 
   

KITTLITZ, Alard von (2009): "Bevölkerung neu definieren".
Der amerikanische Demograph Joshua R. Goldstein hat gute Neuigkeiten zur kippenden Alterspyramide auch in Deutschland,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.12.

WINKELMANN, Ulrike (2009): Die Deutschen sterben nicht aus.
Demografie: Die Geburtenraten in Europa steigen wieder. Grund dafür ist der sogenannte Tempoeffekt: Viele Frauen sind heute älter als 30, wenn sie ihr erstes Kind bekommen,
in: TAZ v. 14.12.

 
       
   

Joshua R. Goldstein in den Medien

 
   

BREUER, Inge (2010): Die Kinderlein kommen wieder.
Europa droht doch keine Vergreisung,
in: DeutschlandRadio v. 11.03.

KREYENFELD, Michaela (2011): 1,6 Kinder pro Frau.
Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung legt erstmals korrigierte Geburtenraten vor. Sie liegen deutlich über den amtlichen Ziffern. Die Wissenschaftler erwarten eine Trendumkehr im deutschen Geburtenverhalten,
in:
Pressemitteilung des Max-Planck-Institut für demografische Forschung  v. 02.09.

Mehr zur Debatte um die Prognose der endgültigen Kinderzahlen hier.

Neu:
MPIDR (2013): Endgültige Geburtenraten werden steigen.
Neue Vorausberechnung: Die Zeit sinkender Kinderzahlen pro Frau in entwickelten Ländern geht zu Ende. Auch in Deutschland wird die Rate wieder wachsen,
in:
Pressemitteilung des Max-Planck-Institut für demografische Forschung  v. 21.03.

"Langfristig niedrige Annahmen der Periodenfertilität, wie etwa 1,4 für die mittlere Variante der deutschen Vorausberechnungen erscheinen wenig realistisch"

wird in der Pressemitteilung Joshua GOLDSTEIN vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung zitiert. Erst vor kurzem hatte eine Auftragsstudie der neoliberalen Bertelsmannstiftung drastische weitere Rentenreformen mit der Begründung gefordert, dass die Deutschen bis 2060 nur 1,4 Kinder pro Frau bekommen werden.

Im Gegensatz zum Statistischen Bundesamt, das lediglich von einer kurzzeitigen Trendumkehr bei den Anfang der 1970er Jahre geborenen Westfrauen ausgeht, gehen die Forscher des Max-Planck-Institut von einer generellen Trendumkehr bei den in den 1970er Jahre geborenen deutschen Frauen aus:

"»Mit den Frauen, die in den 1970ern geboren wurden, kommt die Trendwende«, sagt Joshua Goldstein. Im Osten markiert der Jahrgang 1971 das Ende des Rückgangs: Dessen Frauen werden endgültig 1,51 Kinder geboren haben. Danach steigen die Werte, und die 1979 geborenen Frauen werden bereits 1,58 Kinder zur Welt gebracht haben. Im Westen erreicht die Talsohle schon der 1968er-Jahrgang mit endgültig 1,46 Kindern. Die nur elf Jahre jüngeren Frauen des Jahrgangs 1979 werden hingegen auf 1,57 gekommen sein, wenn sie 50 Jahre alt sind."

Die unterschiedlichen Einschätzungen beruhen insbesondere darauf, dass das Statistische Bundesamt die Geburtenentwicklung insbesondere an den Westfrauen und der Referenzkohorte 1946 festmacht, während die Max-Planck-Forscher die Kohortenfertilität nach einer anderen Methode prognostizieren.

Dahinter steht auch die Frage, ob sich die ostdeutsche Geburtenentwicklung der Westdeutschen annähert oder nicht und wie sich der Geburtenaufschub im Verhältnis zum Nachholen von Geburten verhält.

Das Prinzip der amtlichen Stellen beruht auf Intransparenz, d.h. Vergleichbarkeit mit früheren Prognosen wird vermieden bzw. durch Bezug auf jeweils andere Geburtskohorten verhindert. Dabei wäre der Vergleich mit früheren Prognosen durchaus erkenntnisbringend.

Vergleicht man z.B. die Prognosen von Jürgen DORBRITZ aus dem Jahr 2004 mit den Zahlen von Olga PÖTZSCH, dann ergibt sich, dass der Nachholeffekt bei den  Frauen der Geburtsjahrgänge 1967ff. unterschätzt wurde. So schätzte DORBRITZ die endgültige Kinderzahl des westdeutschen Frauenjahrgangs 1968 auf 1,439. Diese wurde jedoch bereits im Alter von 40 Jahren fast erreicht: 1,436 gemäß PÖTZSCH. Beim Jahrgang 1967 hatten die über 40 jährigen Frauen bis zum Alter von 44 Jahren noch 30 Geburten pro 1000 Frauen nachgeholt, d.h. der Jahrgang 1968 könnte demnach auf ca. 1,466 kommen. Dies entspricht in etwa der Prognose des Max-Planck-Instituts von 1,46.

Man kann deshalb davon ausgehen, dass die Unterschätzung der endgültigen Kinderzahlen der jüngeren Frauen durch die amtlichen Stellen (Statistisches Bundesamt, Institut für Bevölkerungsforschung) ein generelles Faktum ist.

Da Gewissheit über die weitere Geburtenentwicklung erst in den nächsten Jahrzehnten herrschen wird, werden Neoliberale weiterhin Kaffeesatzleserei - Bevölkerungsvorausberechnung genannt - betreiben, die uns alternativlose Reformen vorgaukeln wollen.

 
       
   

New Cohort Fertility Forecasts for the Developed World: Rises, Falls, and Reversals (2013)
(zusammen mit Mikko Myrskylä und Yen-hsin Alice Cheng)
in: Population and Development Review, Heft 1, S.31-56

 
   
     
 

Zusammenfassung

"With period fertility having risen in many low-fertility countries, an important emerging question is whether cohort fertility trends are also reversing. We produce new estimates of cohort fertility for 37 developed countries using a new, simple method that avoids the underestimation typical of previous approaches. Consistent with the idea that timing changes were largely responsible for the last decades' low period fertility, we find that family size has remained considerably higher than the period rates of 1.5 in many “low-fertility” countries, averaging about 1.8 children. Our forecasts suggest that the long-term decline in cohort fertility is flattening or reversing in many world regions previously characterized by low fertility. We document the marked increase of cohort fertility in the English-speaking world and in Scandinavia; signs of an upward reversal in many low-fertility countries, including Japan and Germany; and continued declines in countries such as Taiwan and Portugal. We include in our forecasts estimates of statistical uncertainty and the possible effects of the recent economic recession."

 
     
 
       
   

Der Beitrag in der Debatte

LÜDEMANN, Dagny (2013): Überraschende Trendwende in der Geburtenstatistik.
Demografie: In der entwickelten Welt bekommen Frauen später Kinder, aber nicht unbedingt weniger. Das sagen Demografen, die mit neuen Statistik-Methoden 37 Länder untersucht haben,
in: Zeit Online v. 21.03.

WERMELSKIRCHEN, Axel (2013): Bald wieder mehr Kinder?
Geburtenrate in Deutschland: Trotz sinkender Geburtenziffer prognostizieren Bevölkerungsforscher einen Anstieg der Geburtenrate in Deutschland. Denn Eltern bekommen heutzutage nicht weniger Kinder – sie lassen sich nur mehr Zeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.03.

 
       
   

The End of "Lowest-Low" Fertility? (2009)
(zusammen mit Tomáš Sobotka und Aiva Jasilioniene)
in: Population and Development Review, Heft 4, S.
663-699

 
   
     
 

Zusammenfassung

"Total fertility rates fell to previously unseen levels in a large number of countries beginning in the early 1990s. The persistence of TFRs below 1.3 raised the possibility of rapid population aging and decline. We discuss the recent widespread turnaround in so-called lowest-low-fertility countries in Europe and East Asia. The number of countries with TFRs below 1.3 fell from 21 in 2003 to five in 2008. Moreover, the upturn in the TFR was not confined to lowest-fertility countries, but affected the whole developed world. We explore the demographic explanations for the recent rise in TFRs stemming from fertility timing effects as well as economic, policy, and social factors. Although the current economic downturn may suppress TFRs in the short run, we conclude that formerly lowest-low-fertility countries will continue to see increases in fertility as the transitory effects of shifts to later childbearing become less important."

 
     
 
       
   

Der Beitrag in der Debatte

BERTH, Felix (2009): Das Märchen von der leeren Wiege.
Geburtenrate: Das Aussterben wird vorerst vertagt: Die Geburtenraten in den Industriestaaten steigen wieder. "Die Angst vor extrem niedrigen Geburtenraten, die seit den neunziger Jahren aufkam, ist unbegründet", sagt Joshua Goldstein vom Max-Planck-Institut für Demographie,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.12.

WINKELMANN, Ulrike (2009): Die Deutschen sterben nicht aus.
Demografie: Die Geburtenraten in Europa steigen wieder. Grund dafür ist der sogenannte Tempoeffekt: Viele Frauen sind heute älter als 30, wenn sie ihr erstes Kind bekommen,
in: TAZ v. 14.12.

HAAS, Lucian (2009): Zweifel am großen Schwund.
Demografie: Späte Geburten verzerren die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung,
in: Rheinischer Merkur Nr.51 v. 17.12.

Bereits im Jahr 2002 behauptete John BONGAARTS, dass späte Geburten die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung verzerren. Das war damals jedoch der deutschen Agenda-2010-Presse keine Meldung wert. Einzig auf single-dasein.de und single-generation.de wurde über dieses Phänomen frühzeitig berichtet. Im Buch Die Single-Lüge (2006) wurde dokumentiert was hierzulande lange Zeit totgeschwiegen wurde.

EIGENDORF, Jörg & Martin GREIVE (2009): Keine Trendwende bei den Geburtenzahlen.
Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder - Den Bevölkerungsschwund hält das nicht auf, sagt Michael Hüther,
in: Welt v. 31.12.

Dem Wirtschaftswissenschaftler Michael HÜTHER, der sich für die Rente mit 70 stark macht, kommt eine Studie von Joshua R. GOLDSTEIN u.a. ungelegen, die das Ende des Geburtenrückgangs in den Industriestaaten verkündet. Für Deutschland wird mit einem Anstieg der Geburtenrate auf 1,6 gerechnet. Die Tatsache, dass sich bislang alle pessimistischen Annahmen auf die fehlerhaften Schätzungen und Prämissen des Bevölkerungswissenschaftlers Herwig BIRG aus den 1990er Jahren stützen, ficht den Wirtschaftswissenschaftler nicht an. Seit diesem Sommer ist es zudem amtlich, dass die Kinderlosigkeit in Deutschland wesentlich niedriger ist, als bislang von den deutschen Bevölkerungswissenschaftlern geschätzt.

 
   
Die Prognosen der endgültigen Kinderzahlen des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in der Debatte

BERTH, Felix (2011): Möhrenbrei und Latte macchiato.
Junge Frauen bekommen wieder mehr Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.09.

PUSCHNER, Sebastian (2011): "Viele Länder sind uns demografisch auf den Fersen."
Im Gespräch: Die deutsche Angst vor dem Aussterben hat Tradition, sagt der Demografieforscher Ralf Ulrich. Zuwanderung allein kann das Problem nicht mehr lösen,
in: Freitag Nr.39 v. 29.09.

 
   

Prognosen der amtlichen Stellen zur endgültigen Kinderzahl

DORBRITZ, Jürgen (2004): "Nur Tempoeffekte, aber kein Babyboom".
"Gerontokratie? Nichts da! Bald kommt der Babyboom", so überschrieb Detlef Gürtler einen Artikel, der am 19.08.2003 in der "Welt" erschien. Dort wurde ein dritter demographischer Übergang vorhergesagt, der nicht - wie die beiden ersten - zu einem deutlichen Geburtenrückgang führen wird, sondern einen neuen Baby-Boom bringen soll,
in:
BIB-Mitteilungen Nr.2 v. 22.06.

PÖTZSCH, Olga (2013): Wie wirkt sich der Geburtenaufschub auf die Kohortenfertilität in West und Ost aus?
in: Wirtschaft und Statistik, Heft 2

 
   

Joshua R. Goldstein im WWW

www.demogr.mpg.de

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 23. März 2013
Update: 25. Januar 2015