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Reiner Klingholz: Die demografische Lage der Nation

 
       
     
       
     
       
   

Reiner Klingholz in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • KLINGHOLZ, Reiner (2004): Machen junge Männer Krieg?
    Gunnar Heinsohns wilde Thesen - und eine Berliner Studie zur Weltbevölkerung,
    in: Die ZEIT Nr.10 v. 26.02.
  • KLINGHOLZ, Rainer (2005): Unser Vorbild sei Island.
    Was Fortschritt und Fertilität verbindet,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 18.02.
    • Inhalt:
      KLINGHOLZ behauptet, dass der Geburtenrückgang in Deutschland dem Modernitätsdefizit geschuldet ist.

            
        Unisexgesellschaften wie Island kämen dagegen dem bevölkerungspolitischen Optimum nahe. Mit seiner These wendet er sich gegen Herwig BIRG:
            
        "Der Bevölkerungsforscher Herwig BIRG spricht von einem »demographisch-ökonomischen Paradoxon«. Ausgerechnet jene Nationen, die es sich aufgrund ihres Wohlstands, ihres Bildungsgrads und ihrer technisch-medizinischen Möglichkeiten am beten erlauben könnten, Kinder in die Welt zu setzen, tun dies nicht. Für Birg folgt der demographische Niedergang moderner Gesellschaften fast einer naturgesetzlichen Zwangsläufigkeit. Der Preis für ökonomisch erfolgreiche Kulturen würde demnach das Aussterben.
            
        Zum Glück widerlegen nicht nur Isländer und Iren, sondern auch Franzosen oder Schweden dieses vermeintliche Naturgesetz."
            
        In KLINGHOLZ' Sicht ist der Anstieg unehelicher Geburten als Modernitätsindikator zu betrachten. Hier hätte Deutschland gemäß KLINGHOLZ ein Defizit. Der Artikel endet mit einer Kritik am Ehegattensplitting:
            
        "Es fördert (...) die Abhängigkeit des geringerverdienenden Partners vom besserverdienenden. Und es schafft jedenfalls eines nicht: das Land von der Kinderarmut zu befreien."
  • KLINGHOLZ, Reiner (2005): Plädoyer für eine Volkszählung.
    Staat ohne Daten: Wir wissen nicht mehr, wer in diesem Land lebt,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.09.
    • Kommentar:
      Auf der Homepage des Berlin-Instituts gibt es den ungekürzten Artikel unter der Überschrift "Land ohne Daten".

                
      Zum Thema Kinderlosigkeit heißt es dort:
                
      "Auch wie viele Kinderlose es in Deutschland gibt, lässt sich nicht verlässlich ermitteln. Standesämter melden zwar die Zahl der Geburten, aber ob es sich dabei um ein erstes, zweites oder drittes Kind handelt, wird nur notiert, wenn die Mutter verheiratet ist. Ob eine Ledige Kinder hat, darf aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht erfasst werden. Die seltsame Erhebungspraxis führt dazu, dass beispielsweise eine verheiratete Frau, die drei Kinder hat, sich anschließend scheiden lässt und ein viertes Kind bekommt, in der Statistik nicht als Mutter von vier Kindern gezählt wird. Registriert wird einzig das Ereignis einer Geburt.
                
      Auch der Mikrozensus, eine jährliche Stichprobenerhebung von einem Prozent der Bevölkerung, die eigentlich den Arbeitsmarkt analysieren soll und oft als Hilfsmittel für die nicht durchgeführte Volkszählung herangezogen wird, hilft nicht weiter. Denn dabei wird nur nach der Zahl der im jeweiligen Haushalt lebenden Kinder gefragt. Das Gesetz - ein deutsches Unikum - verbietet die Frage nach der tatsächlichen Zahl der Kinder einer Mutter, weil dabei in Gegenwart eines möglicherweise nicht eingeweihten Partners die Existenz früherer Kinder aus anderen Beziehungen ins Gespräch kommen könnte. Aufgrund dieses Gesetzes gehen alle Frauen als kinderlos in die Statistik ein, deren erwachsene Kinder schon das Haus verlassen haben. Michaela KREYENFELD vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock hält deshalb die immer wieder zitierte Kinderlosigkeitsquote von 40 Prozent bei Akademikerinnen für übertrieben. Zumindest ist sie nicht zu belegen."
  • KLINGHOLZ, Reiner (2006): So wird das nichts!
    Die für 2010 geplante Volkszählung soll leise vonstatten gehen und billig sein. So verschenkt Deutschland die Chance, Antworten auf die wichtigsten Zukunftsfragen zu finden,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
    • Exklusiv-Story von single-generation.de:
      In der ZEIT wird eine ziemlich verlogene Debatte über die geplante Volkszählung geführt.

                   Rainer KLINGHOLZ behauptet, dass nur eine von Zählern durchgeführte Volkszählung und nicht ein registergestützter Zensus die nötigen Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland bringen könnte:
                   "Bei allem Gejammer um niedrige Geburtenraten wissen wir in Deutschland nicht, welche Bevölkerungsgruppen wie viele Kinder bekommen. Wir wissen nicht, ob die Akademikerinnen tatsächlich zu 40 Prozent kinderlos bleiben, und schon gar nicht, wie viele Kinder die Männer der Republik haben. Genau diese Fragen aber stehen im Mittelpunkt der neuen Familienpolitik, die sich auf jene Menschen konzentrieren will, die gern Kinder hätten, diese aber aus irgendwelchen Gründen nicht bekommen. Mit anderen Worten: Die Familienpolitik kennt ihre Zielgruppe gar nicht, wendet aber eine Menge Geld auf, um sie mutmaßlich zu erreichen".
                   Warum setzte sich KLINGHOLZ und die ZEIT nicht bereits im Jahr 2000, also damals als Deutschland die Volkszählung - aus unerfindlichen (?) Gründen - ausfallen ließ, für Fragen nach der lebenslangen Kinderlosigkeit ein?
                   Im Buch Die Single-Lüge ist nachzulesen, dass im Jahr 2000 keinerlei Interesse bestand, dass ein Datenproblem bekannt wurde. Keine Partei war daran interessiert, dass bekannt wurde, dass es gar keine vernünftigen Daten zum Thema gab, stattdessen verkündeten die Medien unisoni die Zahlen zur Kinderlosigkeit, als ob es an ihnen keinerlei Zweifel gegeben hätte.
                   Susanne GASCHKE gehörte in diesen Jahren zu jenen, die noch bis zur Bundestagswahl 2005 jene Zahlen unbekümmert verbreitete, die nun plötzlich als umstritten gelten.
                   Die Verlogenheit erreichte ihren Höhepunkt als Björn SCHWENTKER am selben Tag, an dem im Bundestag das Elterngeld beschlossen wurde, erstmals in der ZEIT über ein Datenproblem bei den Kinderlosen berichten durfte.
                   Bereits im März 2004 prophezeite single-dasein.de anlässlich des Erscheinens von Frank SCHIRRMACHERs "Methusalem-Komplott" ein statistisches Waterloo.
                   Zweieinhalb Jahre später muss Jürgen DORBRITZ in der Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft den Offenbarungseid leisten. Dass er dies nicht früher musste, ist auch den Medien und den Wissenschaftlern anzulasten, die keinerlei Interesse hatten, den Skandal aufzudecken.
                   Die traditionelle Bevölkerungswissenschaft, deren prominentester Vertreter Herwig BIRG ist, hat spätestens seit der Wiedervereinigung vollkommen versagt. Dies liest sich dann folgendermaßen:
                   "Bei den Schätzversuchen am BiB ist z.B. für den Jahrgang 1966 ein Anteil kinderloser Frauen in Ostdeutschland von 28,2 % ermittelt worden. Dieses Ergebnis weicht beträchtlich von den Ergebnissen des Mikrozensus ab, in dem nur 12,7 % der Frauen ohne Kinder im Haushalt lebte (...). Da für Westdeutschland eine sehr hohe Übereinstimmung gefunden wurde, ist anzunehmen, dass die Schätzungen auf der Basis des Calot-Verfahrens für die neuen Bundesländer fehlerhaft sind. Die Ursache dürfte in den hohen Anteilen nichtehelich Lebendgeborener liegen, die inzwischen Werte von 55,2 % (Sachsen) und 60,8 % (Mecklenburg-Vorpommern) erreicht haben. Fehler bei der Aufteilung der nichtehelichen Fertilität auf die Paritäten wirken sich bei einer solchen Situation besonders deutlich aus, was die Ursache der Überschätzung der Kinderlosigkeit sein dürfte. Da auch in Westdeutschland der Anteil der nichtehelich Lebendgeborenen ansteigt, ist auch hier bei den jüngeren Geburtsjahrgängen mit zunehmender Unsicherheit zu rechnen." (H.4/2005, S.367)
                   Was DORBRITZ hier schreibt, war bei single-dasein.de bereits seit dem Jahr 2001 kritisiert worden. Die ehezentrierte Statistik mit ihrer normativen Voreingenommenheit ist Relikt eines kontraproduktiven Kampfes der Familienlebensstile. Weder Traditionelle noch Progessive hatten bislang ein Interesse an einer Korrektur. Mit Ressentiments gegen Singles lebte es sich schließlich jahrelang hervorragend.
                   Der Kollateralschaden der Single-Lüge, die seit Beginn der 90er Jahre die sozial- und familienpolitische Debatte prägt, wird in den nächsten Jahren deutlich sichtbar werden (Heuchler wie SCHIRRMACHER und GASCHKE sprechen dagegen lieber von Single-Ästhetik, um ihre Mitschuld besser leugnen zu können).  Spätestens dann, wird den Superstars Herwig BIRG und Ulrich BECK der Prozess gemacht werden.
                   Und DORBRITZ redet das Versagen in seinem Beitrag noch gewaltig schön!
                   Nicht nur die Ehezentriertheit, sondern auch die Fehlinterpretation der Geburtenrate, trägt dazu bei, dass der Anteil der lebenslang Kinderlosen weit überschätzt wird. Nicht nur in Ostdeutschland, wie DORBRITZ weismachen will, sondern auch in Westdeutschland - und besonders im Westen - hat die Fehlinterpretation weitreichende Folgen.
                   Die tendenzielle Nichtberücksichtigung später Mutterschaft führt dazu, dass die Daten des Mikrozensus von Verfechtern der Polarisierung, falsch gedeutet werden.
                   DORBRITZ muss sich z.B. fragen lassen, warum er keine umfassende Analyse altersspezifischer Geburtenziffern liefert. Was verschweigt uns DORBRITZ?
                   Single-generation.de wird im neuen Jahr den Beitrag von DORBRITZ genauer beleuchten, denn zwischen Deutung und Fakten klafft bei DORBRITZ eine gewaltige Lücke, die darauf schließen lässt, dass uns noch weitere Enthüllungen über das Versagen der traditionellen Bevölkerungswissenschaft bevor stehen.
  • KLINGHOLZ, Reiner (2007): Ende gut, alles gut. Ohne uns.
    Wenn alle Menschen verschwänden, könnte die Natur sich die Welt zurückerobern - wie, das beschreibt der amerikanische Journalist Alan Weisman,
    in: Die ZEIT Nr.41, Literaturbeilage v. 04.10.
    • Anmerkungen:
      Reiner KLINGHOLZ, Direktor des Berlin-Instituts für Weltbevölkerung und globale Entwicklung, ist von institutswegen empört über das Szenario "Die Welt ohne uns", die Alan WEISMAN in seinem gleichnamigen Buch ausbreitet. Sein Urteil ist deshalb wenig überraschend:

                  "Wir sollten uns auf eine globale Ein-Kind-Politik einigen, die Menschenfamilie auf 1,6 Milliarden Köpfe schrumpfen lassen und die Ressourcen schonen. Naiver kommt kein Wort zum Sonntag daher", findet KLINGHOLZ
 
       
   

Reiner Klingholz im Gespräch

 
   
  • HEBESTREIT, Steffen (2005): "Deutsche sterben aus".
    "Das Land muss dringend kinder- und familienfreundlicher werden", sagt Reiner Klingholz, Geschäftsführer des Berlin-Instituts für Weltbevölkerung und globale Entwicklung,
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.07.
  • HERRMANN, Regine (2007): "Den jungen Männern fehlen positive Vorbilder".
    Reiner Klingholz über den Wert sozialer Kontrolle,
    in: Frankfurter Rundschau v. 21.08.
 
       
   

Die demografische Zukunft von Europa (2008).
Wie sich die Regionen verändern
(zusammen mit Steffen Kröhnert und Iris Hoßmann vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

München: Deutscher Taschenbuch Verlag

 
   
 
 

Kappentext

"Wie entwickelt sich das gute »alte« Europa? Vielerorts liegen die Kinderzahlen auf niedrigem Niveau und immer mehr Menschen kommen ins Rentenalter. Überall stehen die Sozialsysteme vor großen Herausforderungen. Alte wie neue Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wollen von der EU-Erweiterung profitieren. Billige Produktion wandert gen Osten, aber am meisten verdient wird nach wie vor in den Innovationszentren im Norden und im Westen. Gleichzeitig hat sich halb Europa auf die Wanderschaft gemacht - immer den Arbeitsplätzen hinterher. Eines ist sicher. Das Europa von 2030 wird völlig anders aussehen wie der Kontinent von heute. Alle 27 EU-Länder und wichtigen Nicht-EU-Länder wie Island, Norwegen und die Schweiz werden mittels eines statistischen Indikatorensystems in ihrer demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung analysiert und bewertet. Daneben finden die anderen europäischen Nationen eine gesonderte Betrachtung. Allgemeine Kapitel analysieren, wie die verschiedenen Länder auf die Veränderungen reagieren und was daraus zu lernen ist. Wie Island oder Italien, Frankreich oder Bulgarien mit ihren Migranten umgehen, wie sie ihr Bildungssystem reformieren, was sie mit entleerten Regionen anfangen und welche Familienpolitik sie betreiben."

 
 
       
   
  • Die Studie in der Debatte

 
       
   

Ungewollt kinderlos (2007).
Was kann die moderne Reproduktionsmedizin gegen den Kindermangel in Deutschland tun?
(Von Sabine Sütterlin & Iris Hoßmann; herausgegeben  vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

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Kappentext

"Wie entwickelt sich das gute »alte« Europa? Vielerorts liegen die Kinderzahlen auf niedrigem Niveau und immer mehr Menschen kommen ins Rentenalter. Überall stehen die Sozialsysteme vor großen Herausforderungen. Alte wie neue Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wollen von der EU-Erweiterung profitieren. Billige Produktion wandert gen Osten, aber am meisten verdient wird nach wie vor in den Innovationszentren im Norden und im Westen. Gleichzeitig hat sich halb Europa auf die Wanderschaft gemacht - immer den Arbeitsplätzen hinterher. Eines ist sicher. Das Europa von 2030 wird völlig anders aussehen wie der Kontinent von heute. Alle 27 EU-Länder und wichtigen Nicht-EU-Länder wie Island, Norwegen und die Schweiz werden mittels eines statistischen Indikatorensystems in ihrer demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung analysiert und bewertet. Daneben finden die anderen europäischen Nationen eine gesonderte Betrachtung. Allgemeine Kapitel analysieren, wie die verschiedenen Länder auf die Veränderungen reagieren und was daraus zu lernen ist. Wie Island oder Italien, Frankreich oder Bulgarien mit ihren Migranten umgehen, wie sie ihr Bildungssystem reformieren, was sie mit entleerten Regionen anfangen und welche Familienpolitik sie betreiben."

 
 
       
   
  • Die Studie in der Debatte

    • BRÜNING, Anne (2007): Mehr Reagenzglaskinder für das Land.
      Die Reproduktionsmedizin könnte helfen, den Bevölkerungsrückgang in Deutschland abzuschwächen,
      in: Berliner Zeitung v. 28.06.
      • Anmerkungen
        BRÜNNING hat die einseitige Agenturmeldung zur Studie unkritisch übernommen.
    • KAMANN, Matthias (2007): Künstliche Befruchtung soll den Geburtenrückgang abschwächen.
      Laut Umfrage sind 1,4 Millionen Deutsche aus medizinischen Gründen ungewollt kinderlos - Überprüfung der Zuschussregeln gefordert - Schwierige Datenlage,
      in: Welt v. 27.06.
      • Inhalt:
        Matthias KAMANN weist auch auf die Problematik der Studie des Berlin-Instituts hin, die bei den Agenturberichten, die auf den Webseiten von so genannten Qualitätszeitungen verbreitet werden (z.B. sueddeutsche.de), ausgeblendet bleiben:

                     "Einem Teil der von Allensbach erhobenen 1,4 Millionen Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können, kann allerdings die Reproduktionsmedizin nicht mehr helfen. Denn zumindest bei den älteren Frauen dieser Gruppe liegen nicht mehr medizinische, sondern biologische Gründe für die Kinderlosigkeit vor (...).
                     Hinzu kommt, dass bei der Erhebung nicht nachgefragt wurde, warum die Menschen trotz Beischlafs kinderlos blieben.
                     (...). Die bei der Vorstellung der Studie anwesende Reproduktionsmedizinerin Bettina Pfüller von der Berliner Charité erklärte auf Nachfrage, dass nur 50 Prozent ihrer Patienten an Formen der Unfruchtbarkeit leiden, die medizinische Interventionen ratsam er scheinen lassen. Bei den anderen liegen psychische Gründe vor so wie bisher unbekannte biologische Ursachen und zuweilen mangelhafte Kenntnisse über die Einzelheiten der natürlichen Zeugung. Unterstützt wurde die Erstellung der Studie laut Berlin-Institut von der Serono GmbH. Diese bezeichnet sich selbst als „weltweit führend in der Behandlung von Unfruchtbarkeit“ und erklärt: „Unser Marktanteil liegt in diesem Bereich bei über 60 Prozent."
    • KAMANN, Matthias (2007): Zum Wohle der Paare,
      in: Welt v. 27.06.
      • Inhalt:
        KAMANN möchte künstliche Befruchtungen nicht mehr von den Krankenkassen finanzieren lassen, sondern aus dem allgemeinen Steueraufkommen, lehnt jedoch bevölkerungspolitische Begründungen ab:

                     "Dass nun auch schon der Zustand weiblicher Eierstöcke und männlicher Hoden über unsere Zukunft entscheiden soll, dass weiterhin das Rauchen oder die Dickleibigkeit als Fertilitätsrisiken von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sein sollen, ist eine gefährliche Tendenz, bei der sich zeigt, wie die demografische Panik in immer weitere Bereiche unseres Lebens ausgreift - von den wirtschaftlichen Interessen der Reproduktionsmediziner ganz zu schweigen."
    • BERGER, Annette (2007): Die bezahlte Kinderlosen-Studie,
      in: ftd.de v. 27.06.
    • HESENER, Britta (2007): Raus aus der Demografie-Falle - aber wie?
      in: stern.de v. 27.06.
    • KAMANN, Matthias (2007): Künstliche Befruchtung soll den Geburtenrückgang abschwächen.
      Laut Umfrage sind 1,4 Millionen Deutsche aus medizinischen Gründen ungewollt kinderlos - Überprüfung der Zuschussregeln gefordert - Schwierige Datenlage,
      in: Welt v. 28.06.
 
       
   

Not am Mann (2007).
Von Helden der Arbeit zur neuen Unterschicht? Lebenslagen junger Erwachsener in wirtschaftlichen Abstiegsregionen der neuen Bundesländer
(zusammen mit Steffen Kröhnert; herausgegeben  vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

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Ergebnisse

"Durch die besseren Bildungsabschlüsse haben junge Frauen höhere Ansprüche an einen Ausbildungs- oder einen angemessenen Arbeitsplatz - auch wenn diese häufig im Westen oder im Ausland liegen. Gerade in den wirtschaftsschwachen, peripheren Landstrichen stellen Frauen einen besonders hohen Anteil unter den Abiturienten, mit der Folge, dass dort auch die Frauenabwanderung am stärksten ausgeprägt ist. Junge Frauen in den neuen Bundesländern reagieren damit früher und deutlich zielgerichteter auf den Strukturwandel als Männer.

Als Reaktion auf berufliche Perspektivlosigkeit bildet sich in der jungen Bevölkerung eine Schicht von überwiegend männlichen Personen heraus (...). Diese neue Unterschicht hat vielerorts den Glauben an den Aufstieg der eigenen Kinder verloren und ist deshalb nicht mit Unterschichten der Vergangenheit zu vergleichen.

Durch die Abwanderung von jungen Frauen und den daraus resultierenden Männerüberschuss verschlechtert sich nicht nur das soziale Klima, es schwinden auch die demografischen Zukunftschancen, denn es fehlen künftige potenzielle Mütter. Ebenso verdüstert sich die Wirtschaftslage, da hohe Anteile von schlecht qualifizierten und womöglich langzeitarbeitslosen Männern kaum neue Unternehmen zur Ansiedlung einladen.

Trotz niedriger Geburtenraten ist in weiten Teilen der neuen Bundesländer eine erhebliche Zunahme von Teenager-Schwangerschaften zu verzeichnen. Diese Entwicklung ist zum Teil als Anpassungsstrategie im Umgang mit der wirtschaftlich und sozial angespannten Lage junger Männer zu verstehen. Junge Frauen könnten in Kindern eine Form von Bestätigung suchen - und die Möglichkeit zusätzlicher finanzieller Transferleistungen.

Da sich Frauen in Deutschland bei der Partnerwahl tendenziell sozial »nach oben« orientieren oder zumindest einen Partner auf gleicher sozialer Höhe suchen, hat der große Bildungsunterschied zwischen Frauen und Männern in den neuen Bundesländern einen enormen Einfluss auf die Partnerfindung. Es fehlt schlicht an Männern, die den Ansprüchen der Frauen genügen würden. Abgewanderte Frauen finden entsprechend leichter einen Partner in ihrer neuen Heimat, zumal dort die Einkommen der Männer durchweg höher liegen als im Osten. Damit fehlen den Frauen auch mögliche Anreize für eine spätere Rückwanderung. Entsprechend ist nicht zu erwarten, dass alleinstehende Frauen in größerer Zahl in die neuen Bundesländern einwandern, selbst wenn ihnen dort eine gute Arbeitsstelle geboten würde.

Die Hypothese, dass lokale Männerüberschüsse das Kriminalitätsniveau zwangsläufig erhöhen, kann widerlegt werden. Regionen mit deutlicher Frauenabwanderung leiden nicht unter ungewöhnlicher Belastung durch Verbrechen.

Die Vermutung, dass lokale Männerüberschüsse im Zusammenhang mit rechtsextremem Wahlverhalten stehen, wird allerdings bestätigt. Tendenziell wird dort mehr rechtsradikal gewählt, wo viele jungen Frauen abgewandert sind. Als Hintergrund für diese Entwicklung werden die Entwertung männlicher Rollenbilder durch das Wegbrechen männlich dominierter Berufszweige sowie Partnerlosigkeit gesehen."
(2007, S.7)

 
 
 
       
   
  • Die Studie in der Debatte

    • DIETRICH, Stefan (2007): Männer in Not,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.05.
    • SCHWÄGERL, Christian (2007): Hilfe, wo sind all die Frauen hin?
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.05.
    • HONNIGFORT, Bernhard (2007): Frau = schlau = weg.
      Sie geht, er bleibt. In Ostdeutschlands Döfern leben zunehmend Problem-Männer,
      in: Frankfurter Rundschau v. 31.05.
    • OSCHLIES, Renate & Andrea Beyerlein (2007): Junge Frauen verlassen den Osten.
      Sozialstudie: 18- bis 29-Jährige suchen Jobs im Westen. Dramatischer Männerüberschuss in den neuen Ländern / Forscher warnen vor neuer Unterschicht und rechten Tendenzen,
      in: Berliner Zeitung v. 31.05.
    • SCHLEGEL, Matthias (2007): Osten ohne Frauen,
      Schwestern, zur Sonne...,
      in: Tagesspiegel v. 31.05.
    • TRETBAR, Christian (2007): Junge Frauen verlassen den Osten.
      Studie warnt vor "neuer männerdominierter Unterschicht". Grund ist unterschiedliches Bildungsniveau,
      in: Tagesspiegel v. 31.05.
    • BURGER, Reiner (2007): Zurückgelassen in der Ödnis,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.
    • WEDEL, Mathias (2007): Not am Mann.
      Dem Osten laufen die Frauen weg,
      in: Freitag Nr.23 v. 08.06.
 
   
  • Der Männerüberschuss in den neuen Bundesländern in der Debatte

    • SCHIRRMACHER, Frank (2006): Nackte Aste.
      Die neue soziale Basis der NPD ist eine demographische,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.09.
    • ARNING, Matthias (2006): Überall Nägel.
      Schirrmacher mit Hammer,
      in: Frankfurter Rundschau v. 21.09.
      • Inhalt:
        Der Sozialpsychologe Harald WELZER und der Historiker Wolfgang BENZ halten nichts von SCHIRRMACHERs biopolitischen Thesen vom Vortrag. Für sie ist die hohe Arbeitslosigkeit und die fehlende demokratische Tradition  entscheidender als die demografischen Verhältnisse.
 
       
   

Die demografische Lage der Nation (2006).
Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?
(zusammen mit Steffen Kröhnert und Franziska Medicus vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

München: Deutscher Taschenbuch Verlag

 
   
 
 

Kappentext

"Deutschland wird sich von Grund auf verändern. Weil seit Jahrzehnten weniger Kinder geboren werden, als Menschen sterben. Weil wir immer älter werden. Und weil nur Zuwanderer die demografischen Lücken füllen können. Regional wird diese Entwicklung zu enormen Verwerfungen führen. Schon jetzt leiden die neuen Bundesländer, aber auch die klassischen Industriereviere Ruhrgebiet und Saarland unter massiver Überalterung und Bevölkerungsschwund. Bis 2020 wird über die Hälfte aller deutschen Kreise vom Schrumpfen betroffen sein.
Wie gut sind die Regionen auf den vorhersagbaren Wandel vorbereitet? Wo wird die Wirtschaft blühen - wo wird sie untergehen? Wo und wie werden wir wohnen, arbeiten und unseren Lebensabend verbringen? Auf der Basis aktueller Zahlen dokumentiert und bewertet das Berlin-Institut bundesweit die demografische Zukunftsfähigkeit aller deutschen Kreise."

 
 
       
     
   
  • Die Studie in der Debatte

    • BERG, Lilo (2006): Das Land zerfällt.
      Serie: Volk mit Falten.
      Eine neue Studie benennt die Gewinner und Verlierer der demografischen Wende. Die Schere zwischen starken und schwachen Regionen öffnet sich immer weiter,
      in: Berliner Zeitung v. 16.03.
    • ZYLKA, Regine (2006): Deutschlands Osten schrumpft.
      Serie: Volk mit Falten,
      in: Berliner Zeitung v. 16.03.
    • BRAUN, Stefan (2006): Erfrischend.
      Rezepte gegen Geburtenschwund,
      in: Stuttgarter Zeitung v. 16.03.
    • HULVERSCHEIDT, Claus & Cordula TUTT (2006): Deutschland Schlusslicht bei Geburten.
      Neugeborenenrate so niedrig wie nirgendwo sonst auf der Welt. Teile der Republik werden 2020 weitgehend entvölkert sein,
      in: Financial Times Deutschland v. 16.03.
    • KAHLWEIT, Cathrin (2006): Die Angst vor dem Kind,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.
    • MÜLLER, Uwe & Joachim PETER (2006): "Es droht Einwohnerkannibalismus".
      Berliner Institut blickt in die demographische Zukunft - Durch Deutschland zieht sich eine "Verlustschneise" von Görlitz bis Gelsenkirchen,
      in: Welt v. 16.03.
    • SCHRÖDER, Miriam (2006): Der Osten verliert, der Süden profitiert.
      Eine aktuelle Studie zeigt: Große Teile Ostdeutschlands und manche Gebiete im Westen verlieren schon jetzt dramatisch viele Einwohner. In den nächsten 15 Jahren drohen ganze Landstriche auszubluten,
      in: Spiegel Online v. 15.03.
    • SCHUH, Hans (2006): Systematischer Frauenklau.
      Demografische Analysen zeigen: Städte ziehen junge Frauen an, im Osten droht regional der Niedergang,
      in: Die ZEIT Nr.12 v. 16.03.
    • KISTENFEGER, H./KRISCHER, M./PLEWNIA, U./SCHWAB, F. (2006): Die fitten Männer sind weg.
      Überall fehlen Kinder, und im Osten fehlen den wenigen gebärfähigen Frauen attraktive Partner - die "Gewinner-Regionen" liegen im Süden,
      in: Focus Nr.12 v. 20.03.
    • LICHTERBECK, Philipp (2006): Gebremste Fliehkraft.
      Bernburg hat keine Zukunft, sagen die Demografen und raten zum Wegziehen. Viele Frauen sind schon weg. Warum bleibt der Rest?
      in: Tagesspiegel v. 10.12.
 
   
  • Studie "Deutschland 2020 - Die demographische Zukunft der Nation"

    GEO -Titelgeschichte: Deutschlands Zukunft.
    Wie werden wir leben? Wo werden wir leben? Welche Aussichten hat unsere Gesellschaft?
    • KLINGHOLZ, Reiner (2004): Aufbruch in ein anderes Land.
      Geburtenrückgang, Überalterung, Zuwanderung: Die demographischen Veränderungen werden die Gesellschaft von Grund auf und nachhaltig verändern. Die Deutschen müssen sich vom alten Wachstumsdenken verabschieden - und im radikalen Wandel nach Chancen für einen Neuanfang suchen,
      in: GEO. Das neue Bild der Erde, Mai
 
   
GEO -Extrabeilage: Kreise und Städte im Test.
Der demographische Wandel: Daten, Trends und Analysen
 
       
   
  • Die Studie "Deutschland 2020 - Die demographische Zukunft der Nation" in der Debatte

    • FEB (2004): Der Süden hat die Zukunft noch vor sich.
      Eine Studie des Berlin-Instituts für Demographie macht große regionale Unterschiede in Deutschland aus,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.
    • SCHWÄGERL, Christian (2004): Im alten Land.
      Raum ohne Volk: Zwischen Usedom und Fichtelgebirge wird man schon im Jahr 2020 kaum noch Menschen begegnen,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.
    • GRASSMANN, Philip (2004): Forscher sehen Deutschland auf dem Weg in die zweite Liga.
      Studie über Folgen der Überalterung und des Wegzugs junger Menschen. Schlechte Zukunftschancen für den Osten, aber auch für einige Regionen im Westen/Bayern und Baden-Württemberg am besten gerüstet,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 23.04.
    • HERRMANN, Ulrike (2004): Wo Deutschland jung ist.
      In religiös geprägten Gegenden kommen viele Kinder zur Welt. Bald öd und leer: Gelsenkirchen und Löbau-Zittau
      in: TAZ v. 23.04.
    • DSI (2004): "Immer weniger Kinder in bildungsfernen Schichten",
      in: Welt v. 23.04.
    • PETER, Joachim (2004): Die Gegensätze verschärfen sich.
      Bevölkerungswanderungen in wohlhabende Gebiete - Dramatischer Geburtenrückgang - Der Osten verliert,
      in: Welt v. 23.04.
    • SIEMS, Dorothea (2004): Die Schlauen sterben aus,
      in: Welt v. 23.04.
    • ADAM, Konrad (2004): Von Bayern lernen,
      in: Welt v. 26.04.
    • BÄUMLISBERGER, B/BEHREND, T./FUHRER, A./HEISSMEYER, A./SCHWAB, F. (2004): Die geteilte Republik.
      Bis zum Jahr 2020 öffnet sich eine Riesenkluft zwischen Boomregionen und Landschaften, die veröden. Der Abstieg trifft nicht nur den Osten, sondern auch Teile des Westens,
      in: Focus Nr.18 v. 26.04.
    • MONATH, Hans (2004): Junge, Junge.
      Menschen wohnen hier schon lange nicht mehr – ein Satz, der für viele Landstriche in Deutschland Wirklichkeit werden könnte. Immer mehr Senioren, immer weniger Kinder: Die Politik steht dem hilflos gegenüber. Dabei sind neue Konzepte dringender denn je,
      in: Tagesspiegel v. 27.04.
    • OLOEW, Matthias (2004): Kinder, Küche, Kirche.
      Warum die Stadt Cloppenburg keine Nachwuchssorgen hat,
      in: Tagesspiegel v. 27.04.
    • TSP (2004): Kinder, Kinder.
      Wie die Bevölkerungsstruktur Deutschlands 1980 aussah und wie sie sich bis 2020 verändert haben wird. Gründe und Konsequenzen,
      in: Tagesspiegel v. 27.04.
 
     
   

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