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Reiner Klingholz: Die demografische Lage der Nation

 
       
     
       
     
       
   

Reiner Klingholz in seiner eigenen Schreibe

 
   

KLINGHOLZ, Reiner (2004): Machen junge Männer Krieg?
Gunnar Heinsohns wilde Thesen - und eine Berliner Studie zur Weltbevölkerung,
in: Die ZEIT Nr.10 v. 26.02.

Gunnar Heinsohn - Söhne und Weltmacht

KLINGHOLZ, Reiner (2004): Abstieg in die zweite Liga.
RM-Spezial: Einwohnerschwund nicht ausgleichen. Der wirtschaftliche Niedergang ist programmiert,
in: Rheinischer Merkur Nr.42 v. 14.10.

"Bis 2020 wird das Land etwa 700 000 Einwohner verlieren – nicht einmal ein Prozent also. Doch diese Zahlen täuschen. Sie setzen voraus, dass weiterhin jährlich mindestens 200 000 Migranten zu uns kommen. Und sie sagen nichts über die Dynamik der demografischen Veränderung. Denn ein Schwund, der einmal eingesetzt hat, beschleunigt sich aus mathematischen Gründen immer weiter",

schwadroniert Reiner KLINGHOLZ. Denn er weis als selbsternannter Prophet ganz genau:

"Ein »Gesundschrumpfen« und eine sich danach stabilisierende Bevölkerungszahl wird es nicht geben."

KLINGHOLZ meint auch kleinräumige Aussagen machen zu können:

"Das Ruhrgebiet ist heute bereits der rentnerreichste Großraum Deutschlands und wird bis 2020 vermutlich eine halbe Million Menschen weniger vorweisen können als noch im Jahr 2000."

Dummerweise hatte jedoch Deutschland bereits 2011 aufgrund des Zensus viel weniger Menschen aufzuweisen als man dachte - nicht weil Deutschland über Nacht schrumpfte, sondern weil die Karteileichen aussortiert wurden. Nur so viel zur scheinbaren Genauigkeit von Bevölkerungszahlen. Denn merkwürdigerweise hat das Fehlen von 1,5 Millionen Menschen kein einziger Ökonom oder Bevölkerungswissenschaftler bemerkt. Alle rechneten bis dahin so als ob es 1,5 Millionen Menschen mehr gab...  

KLINGHOLZ, Rainer (2005): Unser Vorbild sei Island.
Was Fortschritt und Fertilität verbindet,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung  v. 18.02.

KLINGHOLZ behauptet, dass der Geburtenrückgang in Deutschland dem Modernitätsdefizit geschuldet ist. Unisexgesellschaften wie Island kämen dagegen dem bevölkerungspolitischen Optimum nahe. Mit seiner These wendet er sich gegen Herwig BIRG:

"Der Bevölkerungsforscher Herwig BIRG spricht von einem »demographisch-ökonomischen Paradoxon«. Ausgerechnet jene Nationen, die es sich aufgrund ihres Wohlstands, ihres Bildungsgrads und ihrer technisch-medizinischen Möglichkeiten am beten erlauben könnten, Kinder in die Welt zu setzen, tun dies nicht. Für Birg folgt der demographische Niedergang moderner Gesellschaften fast einer naturgesetzlichen Zwangsläufigkeit. Der Preis für ökonomisch erfolgreiche Kulturen würde demnach das Aussterben.
        
Zum Glück widerlegen nicht nur Isländer und Iren, sondern auch Franzosen oder Schweden dieses vermeintliche Naturgesetz."

In KLINGHOLZ' Sicht ist der Anstieg unehelicher Geburten als Modernitätsindikator zu betrachten. Hier hätte Deutschland gemäß KLINGHOLZ ein Defizit. Der Artikel endet mit einer Kritik am Ehegattensplitting:

"Es fördert (...) die Abhängigkeit des geringerverdienenden Partners vom besserverdienenden. Und es schafft jedenfalls eines nicht: das Land von der Kinderarmut zu befreien."

KLINGHOLZ, Reiner (2005): Plädoyer für eine Volkszählung.
Staat ohne Daten: Wir wissen nicht mehr, wer in diesem Land lebt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.09.

Auf der Homepage des Berlin-Instituts gibt es den ungekürzten Artikel unter der Überschrift "Land ohne Daten". Zum Thema Kinderlosigkeit heißt es dort:

"Auch wie viele Kinderlose es in Deutschland gibt, lässt sich nicht verlässlich ermitteln. Standesämter melden zwar die Zahl der Geburten, aber ob es sich dabei um ein erstes, zweites oder drittes Kind handelt, wird nur notiert, wenn die Mutter verheiratet ist. Ob eine Ledige Kinder hat, darf aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht erfasst werden. Die seltsame Erhebungspraxis führt dazu, dass beispielsweise eine verheiratete Frau, die drei Kinder hat, sich anschließend scheiden lässt und ein viertes Kind bekommt, in der Statistik nicht als Mutter von vier Kindern gezählt wird. Registriert wird einzig das Ereignis einer Geburt.
          
Auch der Mikrozensus, eine jährliche Stichprobenerhebung von einem Prozent der Bevölkerung, die eigentlich den Arbeitsmarkt analysieren soll und oft als Hilfsmittel für die nicht durchgeführte Volkszählung herangezogen wird, hilft nicht weiter. Denn dabei wird nur nach der Zahl der im jeweiligen Haushalt lebenden Kinder gefragt. Das Gesetz - ein deutsches Unikum - verbietet die Frage nach der tatsächlichen Zahl der Kinder einer Mutter, weil dabei in Gegenwart eines möglicherweise nicht eingeweihten Partners die Existenz früherer Kinder aus anderen Beziehungen ins Gespräch kommen könnte. Aufgrund dieses Gesetzes gehen alle Frauen als kinderlos in die Statistik ein, deren erwachsene Kinder schon das Haus verlassen haben. Michaela KREYENFELD vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock hält deshalb die immer wieder zitierte Kinderlosigkeitsquote von 40 Prozent bei Akademikerinnen für übertrieben. Zumindest ist sie nicht zu belegen."

KLINGHOLZ, Reiner (2006): So wird das nichts!
Die für 2010 geplante Volkszählung soll leise vonstatten gehen und billig sein. So verschenkt Deutschland die Chance, Antworten auf die wichtigsten Zukunftsfragen zu finden,
in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.

Exklusiv-Story von single-generation.de:

In der ZEIT wird eine ziemlich verlogene Debatte über die geplante Volkszählung geführt. Rainer KLINGHOLZ behauptet, dass nur eine von Zählern durchgeführte Volkszählung und nicht ein registergestützter Zensus die nötigen Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland bringen könnte:

"Bei allem Gejammer um niedrige Geburtenraten wissen wir in Deutschland nicht, welche Bevölkerungsgruppen wie viele Kinder bekommen. Wir wissen nicht, ob die Akademikerinnen tatsächlich zu 40 Prozent kinderlos bleiben, und schon gar nicht, wie viele Kinder die Männer der Republik haben. Genau diese Fragen aber stehen im Mittelpunkt der neuen Familienpolitik, die sich auf jene Menschen konzentrieren will, die gern Kinder hätten, diese aber aus irgendwelchen Gründen nicht bekommen. Mit anderen Worten: Die Familienpolitik kennt ihre Zielgruppe gar nicht, wendet aber eine Menge Geld auf, um sie mutmaßlich zu erreichen".

Warum setzte sich KLINGHOLZ und die ZEIT nicht bereits im Jahr 2000, also damals als Deutschland die Volkszählung - aus unerfindlichen (?) Gründen - ausfallen ließ, für Fragen nach der lebenslangen Kinderlosigkeit ein? Im Buch Die Single-Lüge ist nachzulesen, dass im Jahr 2000 keinerlei Interesse bestand, dass ein Datenproblem bekannt wurde. Keine Partei war daran interessiert, dass bekannt wurde, dass es gar keine vernünftigen Daten zum Thema gab, stattdessen verkündeten die Medien unisoni die Zahlen zur Kinderlosigkeit, als ob es an ihnen keinerlei Zweifel gegeben hätte.

Susanne GASCHKE gehörte in diesen Jahren zu jenen, die noch bis zur Bundestagswahl 2005 jene Zahlen unbekümmert verbreitete, die nun plötzlich als umstritten gelten. Die Verlogenheit erreichte ihren Höhepunkt als Björn SCHWENTKER am selben Tag, an dem im Bundestag das Elterngeld beschlossen wurde, erstmals in der ZEIT über ein Datenproblem bei den Kinderlosen berichten durfte. Bereits im März 2004 prophezeite single-generation.de anlässlich des Erscheinens von Frank SCHIRRMACHERs Methusalem-Komplott ein statistisches Waterloo. Zweieinhalb Jahre später muss Jürgen DORBRITZ in der Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft den Offenbarungseid leisten. Dass er dies nicht früher musste, ist auch den Medien und den Wissenschaftlern anzulasten, die keinerlei Interesse hatten, den Skandal aufzudecken. Die traditionelle Bevölkerungswissenschaft, deren prominentester Vertreter Herwig BIRG ist, hat spätestens seit der Wiedervereinigung vollkommen versagt. Dies liest sich dann folgendermaßen:

"Bei den Schätzversuchen am BiB ist z.B. für den Jahrgang 1966 ein Anteil kinderloser Frauen in Ostdeutschland von 28,2 % ermittelt worden. Dieses Ergebnis weicht beträchtlich von den Ergebnissen des Mikrozensus ab, in dem nur 12,7 % der Frauen ohne Kinder im Haushalt lebte (...). Da für Westdeutschland eine sehr hohe Übereinstimmung gefunden wurde, ist anzunehmen, dass die Schätzungen auf der Basis des Calot-Verfahrens für die neuen Bundesländer fehlerhaft sind. Die Ursache dürfte in den hohen Anteilen nichtehelich Lebendgeborener liegen, die inzwischen Werte von 55,2 % (Sachsen) und 60,8 % (Mecklenburg-Vorpommern) erreicht haben. Fehler bei der Aufteilung der nichtehelichen Fertilität auf die Paritäten wirken sich bei einer solchen Situation besonders deutlich aus, was die Ursache der Überschätzung der Kinderlosigkeit sein dürfte. Da auch in Westdeutschland der Anteil der nichtehelich Lebendgeborenen ansteigt, ist auch hier bei den jüngeren Geburtsjahrgängen mit zunehmender Unsicherheit zu rechnen." (H.4/2005, S.367)

Was DORBRITZ hier schreibt, war bei single-generation.de bereits seit dem Jahr 2001 kritisiert worden. Die ehezentrierte Statistik mit ihrer normativen Voreingenommenheit ist Relikt eines kontraproduktiven Kampfes der Familienlebensstile. Weder Traditionelle noch Progressive hatten bislang ein Interesse an einer Korrektur. Mit Ressentiments gegen Singles lebte es sich schließlich jahrelang hervorragend. Der Kollateralschaden der Single-Lüge, die seit Beginn der 1990er Jahre die sozial- und familienpolitische Debatte prägt, wird in den nächsten Jahren deutlich sichtbar werden (Heuchler wie SCHIRRMACHER und GASCHKE sprechen dagegen lieber von Single-Ästhetik, um ihre Mitschuld besser leugnen zu können).  Spätestens dann, wird den Superstars Herwig BIRG und Ulrich BECK der Prozess gemacht werden. Und DORBRITZ redet das Versagen in seinem Beitrag noch gewaltig schön!

Nicht nur die Ehezentriertheit, sondern auch die Fehlinterpretation der Geburtenrate, trägt dazu bei, dass der Anteil der lebenslang Kinderlosen weit überschätzt wird. Nicht nur in Ostdeutschland, wie DORBRITZ weismachen will, sondern auch in Westdeutschland - und besonders im Westen - hat die Fehlinterpretation weitreichende Folgen. Die tendenzielle Nichtberücksichtigung später Mutterschaft führt dazu, dass die Daten des Mikrozensus von Verfechtern der Polarisierung, falsch gedeutet werden. DORBRITZ muss sich z.B. fragen lassen, warum er keine umfassende Analyse altersspezifischer Geburtenziffern liefert. Was verschweigt uns DORBRITZ?

Single-generation.de wird im neuen Jahr den Beitrag von DORBRITZ genauer beleuchten, denn zwischen Deutung und Fakten klafft bei DORBRITZ eine gewaltige Lücke, die darauf schließen lässt, dass uns noch weitere Enthüllungen über das Versagen der traditionellen Bevölkerungswissenschaft bevor stehen.

KLINGHOLZ, Reiner (2007): Ende gut, alles gut. Ohne uns.
Wenn alle Menschen verschwänden, könnte die Natur sich die Welt zurückerobern - wie, das beschreibt der amerikanische Journalist Alan Weisman,
in: Die ZEIT Nr.41, Literaturbeilage v. 04.10.

Reiner KLINGHOLZ, Direktor des Berlin-Instituts für Weltbevölkerung und globale Entwicklung, ist von institutswegen empört über das Szenario Die Welt ohne uns, die Alan WEISMAN in seinem gleichnamigen Buch ausbreitet. Sein Urteil ist deshalb wenig überraschend:

"Wir sollten uns auf eine globale Ein-Kind-Politik einigen, die Menschenfamilie auf 1,6 Milliarden Köpfe schrumpfen lassen und die Ressourcen schonen. Naiver kommt kein Wort zum Sonntag daher", findet KLINGHOLZ

KLINGHOLZ, Reiner (2010): Ausländer her.
Wir wissen nicht, ob es der Plan von Thilo Sarrazin war, die Diskussion um die Zuwanderung nach Deutschland abzuwürgen. Sicher ist, dass seine Streitschrift genau das bewirkt,
in: Spiegel Nr.35 v. 30.08.

Neu:
KLINGHOLZ, Reiner (2014): Anleitung zum Wenigersein.
Ob man, wie in der Schweiz, den Zuzug begrenzen will oder darauf hofft, dass Einwanderung die demographischen Probleme löst - die europäischen Länder sollten damit rechnen, dass ihre Bevölkerung schrumpft. Das wird schwer genug,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.05.

Reiner KLINGHOLZ steht vor dem Problem, dass entgegen aller Prognosen, Deutschland wächst, statt zu schrumpfen. Wie verkauft man also Fehlprognosen?

Zum Beispiel indem man eine Entwicklung vorgaukelt, die das Ergebnis von statistischen Artefakten, aber nicht von historischen Entwicklungen ist. Zum einen werden Zensuskorrekturen ignoriert, zum anderen werden einmal Daten für Gesamtdeutschland genannt, während dann wiederum nur Daten von Westdeutschland genannt werden. BRD und DDR werden in ihrer unterschiedlichen Entwicklung nicht getrennt betrachtet, sondern es wird so getan, als ob es nie eine Mauer bzw. Wiedervereinigung gab.

Passt KLINGHOLZ die Entwicklung nicht, also das derzeitige Wachstum, dann wird es zum Sondereffekt (d.h. zur Ausnahme) erklärt. Merkwürdigerweise wird das mit dem Babyboom nicht getan, denn wenn der jetzige demografische Wandel nur das Ergebnis eines Ausnahmezustandes wäre, dann müsste man ja einen Normalzustand definieren. Viel wird über den Geburtenrückgang geschrieben, während die Veränderung der Lebenserwartung ausgeblendet wird. Bei der Geburtenentwicklung wird davon ausgegangen, dass diese sich so weiterentwickelt wie die vergangenen 40 Jahre, obwohl die Vergangenheit zeigt, dass es keine Linearität gibt, sondern es immer wieder zu Brüchen kommt, die lediglich rückblickend als einleuchtend erklärt werden. Nichtsdestotrotz werden demografische Entwicklungen ständig als Naturgesetzmäßigkeiten verkauft. KLINGHOLZ schreibt über die Jahre 2050 und 2060, als ob das Tatsachen wären, obwohl es nichts als Fiktion ist.

Dabei muss man nur ins Jahr 2008 zurückblicken. Damals erklärte KLINGHOLZ Island zur zukunftsfähigsten Region Europas, die dann wenige Monate später bankrott war. Besonders gelobt wurde neben der Bevölkerungsentwicklung die isländischen Investitionen in Banken. (2008, S.175)

 
       
   

Reiner Klingholz im Gespräch

 
   

HEBESTREIT, Steffen (2005): "Deutsche sterben aus".
"Das Land muss dringend kinder- und familienfreundlicher werden", sagt Reiner Klingholz, Geschäftsführer des Berlin-Instituts für Weltbevölkerung und globale Entwicklung,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.07.

LITERATUREN-Schwerpunkt: Land ohne Leute?
Ein deutsches Dilemma

AGUIGAH, René/ENGELMANN, Jan/LÖFFLER, Sigrid/PERSON, Jutta (2006): "Wir müssen bei den Männern anfangen".
Sind Frauen Familientiere? Männer Arbeitstiere? Verstößt die alte Arbeitsteilung der Geschlechter gegen das Grundgesetz? Ist die Krippe für Kinder wirklich das Beste? Und was macht die Gesellschaft aus der Familie? Ein Literaturen-Gespräch mit Barbara Vinken, Hans Bertram, Norbert Bolz und Reiner Klingholz,
in: Literaturen, Nr.6 , Juni

HERRMANN, Regine (2007): "Den jungen Männern fehlen positive Vorbilder".
Reiner Klingholz über den Wert sozialer Kontrolle,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.08.

SEIBEL, Andrea (2012): Das Kinderkriegen verlernt.
Deutschland hat eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt, und das ändert sich auch nicht, meint der Demografie-Forscher Klingholz,
in: Welt v. 21.09.

Reiner KLINGHOLZ schreckt selbst vor biologistischen Interpretationen wie "biologische Konstante des modernen Menschen" nicht zurück, um seine schlichte Meinungen zur Geburtenentwicklung unters Volk zu bringen.

KLINGHOLZ verabschiedet zwar das Ideal der Bestandserhaltungszahl ("Replacement Fertility") von 2,1, aber nicht den Imperativ der stabilen Bevölkerung:

"Es wäre richtig, sich von der Idee einer »Replacement Fertility« zu verabschieden, also von dem Ziel, im Schnitt 2,1 Kinder zu bekommen. Eine Zahl zwischen 1,6 und 1,8 Kindern wäre für die europäischen Länder vernünftig. Weil wir dann mit einem gewissen Maß an Zuwanderung auf eine stabile Bevölkerung setzen können. Und eine stabile Bevölkerung ist sinnvoll, nicht weil das so schön klingt, sondern weil die ganze Infrastrukturplanung wesentlich einfacher wäre."

Der Soziologe Karl Otto HONDRICH sieht dagegen allein in der  Problemlösungsfähigkeit einer Gesellschaft deren Überleben gesichert und diese hängt nicht von einer stabilen Bevölkerungszahl ab.

Das Argument der Infrastruktur von KLINGHOLZ ist wenig einleuchtend, denn auch Infrastrukturen veralten und müssen deshalb ständig angepasst werden. Das vergreiste Denken der Demografen krankt daran, dass sie ein Ideal geschlossener Systeme verteidigen wollen, das modernen offenen Gesellschaften nicht gerecht wird. Das reicht bis in die Sprache der nationalkonservativ geprägten Demografie hinein: "Geburt" und "Tod" gelten als "natürlich", während Wanderungen nicht dazu gehören.

Das Denken von Demografen wie KLINGHOLZ ist binär, während Wandel mehr ist als nur "schrumpfen" und "wachsen". Das Weltbild von Demografen ist zutiefst unterkomplex. Im Guten wie im Schlechten hat sich die Zukunft noch nie daran gehalten, was Menschen prognostiziert haben. Es wäre deshalb viel vernünftiger genauer hinzuschauen!

 
       
   

Die demografische Zukunft von Europa (2008).
Wie sich die Regionen verändern
(zusammen mit Steffen Kröhnert und Iris Hoßmann vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

München: Deutscher Taschenbuch Verlag

 
   
     
 

Kappentext

"Wie entwickelt sich das gute »alte« Europa? Vielerorts liegen die Kinderzahlen auf niedrigem Niveau und immer mehr Menschen kommen ins Rentenalter. Überall stehen die Sozialsysteme vor großen Herausforderungen. Alte wie neue Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wollen von der EU-Erweiterung profitieren. Billige Produktion wandert gen Osten, aber am meisten verdient wird nach wie vor in den Innovationszentren im Norden und im Westen. Gleichzeitig hat sich halb Europa auf die Wanderschaft gemacht - immer den Arbeitsplätzen hinterher. Eines ist sicher. Das Europa von 2030 wird völlig anders aussehen wie der Kontinent von heute. Alle 27 EU-Länder und wichtigen Nicht-EU-Länder wie Island, Norwegen und die Schweiz werden mittels eines statistischen Indikatorensystems in ihrer demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung analysiert und bewertet. Daneben finden die anderen europäischen Nationen eine gesonderte Betrachtung. Allgemeine Kapitel analysieren, wie die verschiedenen Länder auf die Veränderungen reagieren und was daraus zu lernen ist. Wie Island oder Italien, Frankreich oder Bulgarien mit ihren Migranten umgehen, wie sie ihr Bildungssystem reformieren, was sie mit entleerten Regionen anfangen und welche Familienpolitik sie betreiben."

Rangliste der Länder (Note)

1 Island (1,91)
2 Schweiz (2,08)
3 Schweden (2,17)
3 Norwegen (2,17)
5 Dänemark (2,33)
6 Niederlande (2,58)
7 Irland (2,71)
7 Finnland (2,71)
7 Großbritannien (2,71)
10 Zypern (2,74)
11 Österreich (2,83)
12 Luxemburg (2,86)
13 Frankreich (2,92)
14 Deutschland (3,13)
15 Belgien (3,17)
15 Spanien (3,17)
17 Portugal (3,33)
18 Slowenien (3,38)
19 Italien (3,50)
20 Estland (3,54)
21 Tschechien (3,58)
22 Malta (3,61)
23 Litauen (3,63)
24 Griechenland (3,75)
25 Lettland (3,79)
26 Ungarn (4,00)
26 Slowakei (4,00)
28 Polen (4,33)
29 Bulgarien (4,43)
30 Rumänien (4,50)

     
 
       
   

Die Studie in der Debatte

GESTERKAMP, Thomas (2008): Europas Osten zieht westwärts.
Demografiestudie des Berlin-Instituts: Polen, Bulgarien und Rumänien leiden unter Abwanderung. In Moldawien fehlt ein Drittel der jungen Generation,
in: TAZ v. 22.08.

SOTSCHECK, Ralf (2008): Einwanderungsland Irland.
Irland steht wirtschaftlich sehr gut da, auch wenn der Wirtschaftsboom zu Ende geht. Wirtschaftsinstitute prophezeien Nullwachstum,
in: TAZ v. 22.08.

WOLFF, Reinhard (2008): Aus- und Einwanderung gefürchtet.
In den baltischen Ländern macht sich der "Irlandfaktor" bemerkbar: Qualifizierte Arbeitskräfte wandern ab, die aber für eine Modernisierung der einheimischen Wirtschaft dringend gebraucht würden,
in: TAZ v. 22.08.

GRIM, Catherine (2008): Die Sehnsuchtsinsel der Demographen.
Island hat in demographischer Hinsicht Vorbildcharakter,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.08.

LEBER, Fabian (2008): Zu wenig Kinder: Ostdeutschland wird Krisenregion.
Studie sieht nirgendwo in Europa größere Probleme Und Berlin zählt nicht zu "florierenden Metropolen",
in: Tagesspiegel v. 22.08.

C.W. (2008): Europas "Zukunftsfähigkeit",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 03.10.

KAMANN, Matthias (2008): Island ist bankrott?
Gerade wurde uns die Insel in einer Zukunftsstudie noch als Musterregion Europas verkauft,
in: Welt v. 09.10.

Single-generation.de machte bereits gestern darauf aufmerksam, dass das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung die Zukunft Islands aufgrund der demografischen Faktoren zu rosig gesehen hat. Matthias KAMANN sieht das heute in der Welt  auch so:

"Bei der Ermittlung der »Zukunftsfähigkeit« weit überschätzt wurde Demografisches wie die Kinderzahl, einseitig positiv bewertet wurde Gesellschaftspolitisches wie die Frauenerwerbsquote. Und wie sich jetzt zeigt, hat das Berlin-Institut die finanzpolitischen Risiken des isländischen Booms offenbar schlicht ausgeblendet, obwohl sie gerade in eine Studie hätten einfließen müssen, die sich mit der Bewältigung des demografischen Wandels befasst."

 
       
   

Ungewollt kinderlos (2007).
Was kann die moderne Reproduktionsmedizin gegen den Kindermangel in Deutschland tun?
(Von Sabine Sütterlin & Iris Hoßmann; herausgegeben  vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

Download als PDF-Datei

 
   
     
 

Die ideale Zielgruppe der Familienpolitik

"Es gibt (...) eine Gruppe von Menschen, die eine ideale Zielgruppe für die Familienpolitik sein müssten: Jene, die sich sehnlich Kinder wünschen, aus medizinischen Gründen aber kinderlos bleiben. 1,4 Millionen Menschen in Deutschland im Alter zwischen 25 und 59 Jahren, das zeigt die Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach für diese Studie durchgeführt hat, hätten gerne Nachwuchs (gehabt), sie haben auch eine Partnerin oder einen Partner, mit dem sie eine Familie gründen würden, sie haben es seit mindestens einem Jahr versucht - nur geklappt hat es nicht"
(
2007, S.4)

     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Kinderlose in der Debatte

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise - Eine Bibliografie der Debatte um Geburtenrückgang und ungewollte Kinderlosigkeit

Kinder machen
Andreas Bernard beschreibt die Reproduktionsmedizin als Stütze der bürgerlichen Kleinfamilie. Aber sein Blick bleibt individualisierend und vernachlässigt dadurch den aktuellen Trend zur Demografisierung gesellschaftlicher Probleme

 
   

Die Studie in der Debatte

BRÜNING, Anne (2007): Mehr Reagenzglaskinder für das Land.
Die Reproduktionsmedizin könnte helfen, den Bevölkerungsrückgang in Deutschland abzuschwächen,
in: Berliner Zeitung v. 28.06.

BRÜNNING hat die einseitige Agenturmeldung zur Studie unkritisch übernommen.

KAMANN, Matthias (2007): Künstliche Befruchtung soll den Geburtenrückgang abschwächen.
Laut Umfrage sind 1,4 Millionen Deutsche aus medizinischen Gründen ungewollt kinderlos - Überprüfung der Zuschussregeln gefordert - Schwierige Datenlage,
in: Welt v. 27.06.

Matthias KAMANN weist auch auf die Problematik der Studie des Berlin-Instituts hin, die bei den Agenturberichten, die auf den Webseiten von so genannten Qualitätszeitungen verbreitet werden (z.B. sueddeutsche.de), ausgeblendet bleiben:

"Einem Teil der von Allensbach erhobenen 1,4 Millionen Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können, kann allerdings die Reproduktionsmedizin nicht mehr helfen. Denn zumindest bei den älteren Frauen dieser Gruppe liegen nicht mehr medizinische, sondern biologische Gründe für die Kinderlosigkeit vor (...).
             Hinzu kommt, dass bei der Erhebung nicht nachgefragt wurde, warum die Menschen trotz Beischlafs kinderlos blieben.
             (...). Die bei der Vorstellung der Studie anwesende Reproduktionsmedizinerin Bettina Pfüller von der Berliner Charité erklärte auf Nachfrage, dass nur 50 Prozent ihrer Patienten an Formen der Unfruchtbarkeit leiden, die medizinische Interventionen ratsam er scheinen lassen. Bei den anderen liegen psychische Gründe vor so wie bisher unbekannte biologische Ursachen und zuweilen mangelhafte Kenntnisse über die Einzelheiten der natürlichen Zeugung. Unterstützt wurde die Erstellung der Studie laut Berlin-Institut von der Serono GmbH. Diese bezeichnet sich selbst als „weltweit führend in der Behandlung von Unfruchtbarkeit“ und erklärt: „Unser Marktanteil liegt in diesem Bereich bei über 60 Prozent."

KAMANN, Matthias (2007): Zum Wohle der Paare,
in: Welt v. 27.06.

Matthias KAMANN möchte künstliche Befruchtungen nicht mehr von den Krankenkassen finanzieren lassen, sondern aus dem allgemeinen Steueraufkommen, lehnt jedoch bevölkerungspolitische Begründungen ab:

"Dass nun auch schon der Zustand weiblicher Eierstöcke und männlicher Hoden über unsere Zukunft entscheiden soll, dass weiterhin das Rauchen oder die Dickleibigkeit als Fertilitätsrisiken von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sein sollen, ist eine gefährliche Tendenz, bei der sich zeigt, wie die demografische Panik in immer weitere Bereiche unseres Lebens ausgreift - von den wirtschaftlichen Interessen der Reproduktionsmediziner ganz zu schweigen."

BERGER, Annette (2007): Die bezahlte Kinderlosen-Studie,
in: ftd.de v. 27.06.

HESENER, Britta (2007): Raus aus der Demografie-Falle - aber wie?
Die Deutschen kriegen zu wenige Kinder, das Land vergreist - eine Alptraumvorstellung. In einer neuen Studie untersuchen Wissenschaftler, was man mit moderner Reproduktionsmedizin dagegen tun kann. Das Ergebnis: Mit ihr alleine wird man das Problem nicht lösen,
in: stern.de v. 27.06.

Die Online-Schlagzeile des Sterns lehnt sich an eine neue Demografie-Serie der Wirtschaftswoche an.

KAMANN, Matthias (2007): Künstliche Befruchtung soll den Geburtenrückgang abschwächen.
Laut Umfrage sind 1,4 Millionen Deutsche aus medizinischen Gründen ungewollt kinderlos - Überprüfung der Zuschussregeln gefordert - Schwierige Datenlage,
in: Welt v. 28.06.

 
       
   

Not am Mann (2007).
Von Helden der Arbeit zur neuen Unterschicht? Lebenslagen junger Erwachsener in wirtschaftlichen Abstiegsregionen der neuen Bundesländer
(zusammen mit Steffen Kröhnert; herausgegeben  vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

 
   
     
 

Ergebnisse

"Durch die besseren Bildungsabschlüsse haben junge Frauen höhere Ansprüche an einen Ausbildungs- oder einen angemessenen Arbeitsplatz - auch wenn diese häufig im Westen oder im Ausland liegen. Gerade in den wirtschaftsschwachen, peripheren Landstrichen stellen Frauen einen besonders hohen Anteil unter den Abiturienten, mit der Folge, dass dort auch die Frauenabwanderung am stärksten ausgeprägt ist. Junge Frauen in den neuen Bundesländern reagieren damit früher und deutlich zielgerichteter auf den Strukturwandel als Männer.

Als Reaktion auf berufliche Perspektivlosigkeit bildet sich in der jungen Bevölkerung eine Schicht von überwiegend männlichen Personen heraus (...). Diese neue Unterschicht hat vielerorts den Glauben an den Aufstieg der eigenen Kinder verloren und ist deshalb nicht mit Unterschichten der Vergangenheit zu vergleichen.

Durch die Abwanderung von jungen Frauen und den daraus resultierenden Männerüberschuss verschlechtert sich nicht nur das soziale Klima, es schwinden auch die demografischen Zukunftschancen, denn es fehlen künftige potenzielle Mütter. Ebenso verdüstert sich die Wirtschaftslage, da hohe Anteile von schlecht qualifizierten und womöglich langzeitarbeitslosen Männern kaum neue Unternehmen zur Ansiedlung einladen.

Trotz niedriger Geburtenraten ist in weiten Teilen der neuen Bundesländer eine erhebliche Zunahme von Teenager-Schwangerschaften zu verzeichnen. Diese Entwicklung ist zum Teil als Anpassungsstrategie im Umgang mit der wirtschaftlich und sozial angespannten Lage junger Männer zu verstehen. Junge Frauen könnten in Kindern eine Form von Bestätigung suchen - und die Möglichkeit zusätzlicher finanzieller Transferleistungen.

Da sich Frauen in Deutschland bei der Partnerwahl tendenziell sozial »nach oben« orientieren oder zumindest einen Partner auf gleicher sozialer Höhe suchen, hat der große Bildungsunterschied zwischen Frauen und Männern in den neuen Bundesländern einen enormen Einfluss auf die Partnerfindung. Es fehlt schlicht an Männern, die den Ansprüchen der Frauen genügen würden. Abgewanderte Frauen finden entsprechend leichter einen Partner in ihrer neuen Heimat, zumal dort die Einkommen der Männer durchweg höher liegen als im Osten. Damit fehlen den Frauen auch mögliche Anreize für eine spätere Rückwanderung. Entsprechend ist nicht zu erwarten, dass alleinstehende Frauen in größerer Zahl in die neuen Bundesländern einwandern, selbst wenn ihnen dort eine gute Arbeitsstelle geboten würde.

Die Hypothese, dass lokale Männerüberschüsse das Kriminalitätsniveau zwangsläufig erhöhen, kann widerlegt werden. Regionen mit deutlicher Frauenabwanderung leiden nicht unter ungewöhnlicher Belastung durch Verbrechen.

Die Vermutung, dass lokale Männerüberschüsse im Zusammenhang mit rechtsextremem Wahlverhalten stehen, wird allerdings bestätigt. Tendenziell wird dort mehr rechtsradikal gewählt, wo viele jungen Frauen abgewandert sind. Als Hintergrund für diese Entwicklung werden die Entwertung männlicher Rollenbilder durch das Wegbrechen männlich dominierter Berufszweige sowie Partnerlosigkeit gesehen."
(2007, S.7)

 
     
 
       
   

Die Studie in der Debatte

DIETRICH, Stefan (2007): Männer in Not,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.05.

SCHWÄGERL, Christian (2007): Hilfe, wo sind all die Frauen hin?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.05.

HONNIGFORT, Bernhard (2007): Frau = schlau = weg.
Sie geht, er bleibt. In Ostdeutschlands Dörfern leben zunehmend Problem-Männer,
in: Frankfurter Rundschau v. 31.05.

OSCHLIES, Renate & Andrea Beyerlein (2007): Junge Frauen verlassen den Osten.
Sozialstudie: 18- bis 29-Jährige suchen Jobs im Westen. Dramatischer Männerüberschuss in den neuen Ländern / Forscher warnen vor neuer Unterschicht und rechten Tendenzen,
in: Berliner Zeitung v. 31.05.

SCHLEGEL, Matthias (2007): Osten ohne Frauen,
Schwestern, zur Sonne...,
in: Tagesspiegel v. 31.05.

TRETBAR, Christian (2007): Junge Frauen verlassen den Osten.
Studie warnt vor "neuer männerdominierter Unterschicht". Grund ist unterschiedliches Bildungsniveau,
in: Tagesspiegel v. 31.05.

BURGER, Reiner (2007): Zurückgelassen in der Ödnis,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.

WEDEL, Mathias (2007): Not am Mann.
Dem Osten laufen die Frauen weg,
in: Freitag Nr.23 v. 08.06.

 
       
   

Die demografische Lage der Nation (2006).
Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?
(zusammen mit Steffen Kröhnert und Franziska Medicus vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

München: Deutscher Taschenbuch Verlag

 
   
     
 

Kappentext

"Deutschland wird sich von Grund auf verändern. Weil seit Jahrzehnten weniger Kinder geboren werden, als Menschen sterben. Weil wir immer älter werden. Und weil nur Zuwanderer die demografischen Lücken füllen können. Regional wird diese Entwicklung zu enormen Verwerfungen führen. Schon jetzt leiden die neuen Bundesländer, aber auch die klassischen Industriereviere Ruhrgebiet und Saarland unter massiver Überalterung und Bevölkerungsschwund. Bis 2020 wird über die Hälfte aller deutschen Kreise vom Schrumpfen betroffen sein.
Wie gut sind die Regionen auf den vorhersagbaren Wandel vorbereitet? Wo wird die Wirtschaft blühen - wo wird sie untergehen? Wo und wie werden wir wohnen, arbeiten und unseren Lebensabend verbringen? Auf der Basis aktueller Zahlen dokumentiert und bewertet das Berlin-Institut bundesweit die demografische Zukunftsfähigkeit aller deutschen Kreise."

     
 
       
   

Rezensionen

FAERBER-HUSEMANN, Renate (2006): Jung, qualifiziert, weiblich.
Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?
in: DeutschlandRadio v. 31.07.

 
   

Die Studie in der Debatte

BERLINER ZEITUNG-Serie: Volk mit Falten

BERG, Lilo (2006): Das Land zerfällt.
Serie: Volk mit Falten.
Eine neue Studie benennt die Gewinner und Verlierer der demografischen Wende. Die Schere zwischen starken und schwachen Regionen öffnet sich immer weiter,
in: Berliner Zeitung v. 16.03.

ZYLKA, Regine (2006): Deutschlands Osten schrumpft.
Serie: Volk mit Falten,
in: Berliner Zeitung v. 16.03.

BRAUN, Stefan (2006): Erfrischend.
Rezepte gegen Geburtenschwund,
in: Stuttgarter Zeitung v. 16.03.

HULVERSCHEIDT, Claus & Cordula TUTT (2006): Deutschland Schlusslicht bei Geburten.
Neugeborenenrate so niedrig wie nirgendwo sonst auf der Welt. Teile der Republik werden 2020 weitgehend entvölkert sein,
in: Financial Times Deutschland v. 16.03.

KAHLWEIT, Cathrin (2006): Die Angst vor dem Kind,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.

MÜLLER, Uwe & Joachim PETER (2006): "Es droht Einwohnerkannibalismus".
Berliner Institut blickt in die demographische Zukunft - Durch Deutschland zieht sich eine "Verlustschneise" von Görlitz bis Gelsenkirchen,
in: Welt v. 16.03.

SCHRÖDER, Miriam (2006): Der Osten verliert, der Süden profitiert.
Eine aktuelle Studie zeigt: Große Teile Ostdeutschlands und manche Gebiete im Westen verlieren schon jetzt dramatisch viele Einwohner. In den nächsten 15 Jahren drohen ganze Landstriche auszubluten,
in: Spiegel Online v. 15.03.

SCHUH, Hans (2006): Systematischer Frauenklau.
Demografische Analysen zeigen: Städte ziehen junge Frauen an, im Osten droht regional der Niedergang,
in: Die ZEIT Nr.12 v. 16.03.

KISTENFEGER, H./KRISCHER, M./PLEWNIA, U./SCHWAB, F. (2006): Die fitten Männer sind weg.
Überall fehlen Kinder, und im Osten fehlen den wenigen gebärfähigen Frauen attraktive Partner - die "Gewinner-Regionen" liegen im Süden,
in: Focus Nr.12 v. 20.03.

LICHTERBECK, Philipp (2006): Gebremste Fliehkraft.
Bernburg hat keine Zukunft, sagen die Demografen und raten zum Wegziehen. Viele Frauen sind schon weg. Warum bleibt der Rest?
in: Tagesspiegel v. 10.12.

 
   
  • Studie "Deutschland 2020 - Die demographische Zukunft der Nation"

    GEO-Titelgeschichte: Deutschlands Zukunft.
    Wie werden wir leben? Wo werden wir leben? Welche Aussichten hat unsere Gesellschaft?

    KLINGHOLZ, Reiner (2004): Aufbruch in ein anderes Land.
    Geburtenrückgang, Überalterung, Zuwanderung: Die demographischen Veränderungen werden die Gesellschaft von Grund auf und nachhaltig verändern. Die Deutschen müssen sich vom alten Wachstumsdenken verabschieden - und im radikalen Wandel nach Chancen für einen Neuanfang suchen,
    in: GEO. Das neue Bild der Erde, Mai

 
   
GEO -Extrabeilage: Kreise und Städte im Test.
Der demographische Wandel: Daten, Trends und Analysen
 
       
   

Die Studie "Deutschland 2020 - Die demographische Zukunft der Nation" in der Debatte

PETER, Joachim (2004): Die Gegensätze verschärfen sich.
Bevölkerungswanderungen in wohlhabende Gebiete - Dramatischer Geburtenrückgang - Der Osten verliert,
in: Welt v. 23.04.

Das Berlin-Institut hat die Zukunftsfähigkeit deutscher Regionen bis ins Jahr 2020 prognostiziert. In den Medien wird entweder der demografische Wandel und/oder die ökonomische Situation als Ursache mangelnder Zukunftsfähigkeit in den Mittelpunkt gerückt. Welt und WamS nutzen die Studie, um gegen Kinderlose zu hetzen. Obwohl die Wissenschaftler 22 Indikatoren zur Beurteilung der Zukunftsfähigkeit herangezogen haben, interessieren sich die wertkonservativen Medien nur für die Geburtenentwicklung.

Die Studie zeigt jedoch, dass der heutige Altersaufbau das Produkt von Entwicklungen ist, die zum Teil vor den 1960er und 1970er Jahren datieren. Bayern verdankt z.B. seine gegenwärtig günstige Altersstruktur den Flüchtlingsströmen aus den Ostgebieten während der 1950er Jahre. Ländliche Gebiete mit hohen Geburtenraten profitieren von nahen Städten mit einer florierenden Wirtschaft. Das größte Manko: Eine Studie, die ihre Ergebnisse aus der Sicht politischer Gebietskörperschaften aufbereitet, verzerrt zwangsläufig den Blick auf die Ursachen. Menschen halten sich mit ihrem Verhalten nicht an politische Grenzen. Eine Politik, die nicht über ihre kleinkarierten Grenzen schaut, führt deshalb zu kontraproduktiven Maßnahmen. Standortkonkurrenz verhindert den effiziente Einsatz der Mittel und führt dazu, dass Regionen gegeneinander ausgespielt werden.

Das Mai-Heft der Zeitschrift GEO präsentiert in ihrer 32seitigen Beilage zu den demographischen Perspektiven Deutschlands ausführlich die Ergebnisse der Studie. Es werden die Länderprofile dargestellt, die alle Kriterien der Zukunftsfähigkeit genannt und die Benotung aller Städte in einer Tabelle aufgeführt. Das grundsätzliche Problem der Studie besteht darin, dass die einzelnen Kriterien nicht gewichtet werden, sondern unverbunden nebeneinander stehen. Die Gesamtnote ist deshalb durchaus fragwürdig.

Die Stadt Heidelberg hat z.B. mit 0,88 die niedrigste Geburtenrate in Deutschland. Eine Universitätsstadt wie Heidelberg, lebt zu allererst durch seine Studenten. Man kommt nicht zum Kinderkriegen, sondern zum Studieren in die Stadt. Junge Familien ziehen dagegen ins Umland. Ausnahme: Family Gentrifier. Städte sind für Menschen also vor allem in einer ganz bestimmten Lebensphase attraktiv.
Wer Städten ihre historisch gewachsene Kinderarmut zum Vorwurf machen möchte, der stellt die moderne, arbeitsteilige Gesellschaft grundlegend in Frage. Es geht dabei zentral um die Frage, ob die Einnahmen zwischen einzelnen Kommunen gerecht verteilt werden. Darf es sein, dass der Wohnort höher bewertet wird als der Arbeitsort, der Bildungsort oder der Freizeitort? Eine kleinräumige Betrachtung von Geburtenzahlen führt möglicherweise zu weitreichenden Fehlschlüssen, wenn nicht die besondere Funktion einer Stadt berücksichtigt wird. Wenn auf die vielen Alten in Baden-Baden hingewiesen wird, als ob das ein Defizit sei, dann wird dies sofort fragwürdig. Ein Kurort zeichnet sich nun einmal durch einen höheren Anteil an älteren Menschen aus. Daraus jedoch waghalsige Prognosen über die Zukunftsfähigkeit abzuleiten, das wirft eher ein seltsames Licht auf die Forscher und ihre Herangehensweise.

BAUER, Friederike (2004): Der Süden hat die Zukunft noch vor sich.
Eine Studie des Berlin-Instituts für Demographie macht große regionale Unterschiede in Deutschland aus,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.

SCHWÄGERL, Christian (2004): Im alten Land.
Raum ohne Volk: Zwischen Usedom und Fichtelgebirge wird man schon im Jahr 2020 kaum noch Menschen begegnen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.04.

GRASSMANN, Philip (2004): Forscher sehen Deutschland auf dem Weg in die zweite Liga.
Studie über Folgen der Überalterung und des Wegzugs junger Menschen. Schlechte Zukunftschancen für den Osten, aber auch für einige Regionen im Westen/Bayern und Baden-Württemberg am besten gerüstet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.04.

HERRMANN, Ulrike (2004): Wo Deutschland jung ist.
In religiös geprägten Gegenden kommen viele Kinder zur Welt. Bald öd und leer: Gelsenkirchen und Löbau-Zittau
in: TAZ v. 23.04.

DSI (2004): "Immer weniger Kinder in bildungsfernen Schichten",
in: Welt v. 23.04.

PETER, Joachim (2004): Die Gegensätze verschärfen sich.
Bevölkerungswanderungen in wohlhabende Gebiete - Dramatischer Geburtenrückgang - Der Osten verliert,
in: Welt v. 23.04.

SIEMS, Dorothea (2004): Die Schlauen sterben aus,
in: Welt v. 23.04.

ADAM, Konrad (2004): Von Bayern lernen,
in: Welt v. 26.04.

BÄUMLISBERGER, B/BEHREND, T./FUHRER, A./HEISSMEYER, A./SCHWAB, F. (2004): Die geteilte Republik.
Bis zum Jahr 2020 öffnet sich eine Riesenkluft zwischen Boomregionen und Landschaften, die veröden. Der Abstieg trifft nicht nur den Osten, sondern auch Teile des Westens,
in: Focus Nr.18 v. 26.04.

MONATH, Hans (2004): Junge, Junge.
Menschen wohnen hier schon lange nicht mehr – ein Satz, der für viele Landstriche in Deutschland Wirklichkeit werden könnte. Immer mehr Senioren, immer weniger Kinder: Die Politik steht dem hilflos gegenüber. Dabei sind neue Konzepte dringender denn je,
in: Tagesspiegel v. 27.04.

OLOEW, Matthias (2004): Kinder, Küche, Kirche.
Warum die Stadt Cloppenburg keine Nachwuchssorgen hat,
in: Tagesspiegel v. 27.04.

TSP (2004): Kinder, Kinder.
Wie die Bevölkerungsstruktur Deutschlands 1980 aussah und wie sie sich bis 2020 verändert haben wird. Gründe und Konsequenzen,
in: Tagesspiegel v. 27.04.

 
   

Reiner Klingholz im WWW

www.berlin-institut.org/reiner_klingholz.htm
 
   

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Update: 13. Februar 2016