[ Autoren der Single-Generation ] [ News ] [ Homepage ]

 
       
   

Reiner Klingholz: Wahnsinn Wachstum

 
       
   

Reiner Klingholz bei single-generation.de

zur Hauptseite von Reiner Klingholz: Gespräche, Porträts und weitere Bücher
 
       
       
   

Wahnsinn Wachstum (1994).
Wieviel Mensch erträgt die Erde?
GEO im Verlag Gruner & Jahr

 
   
     
 

Klappentext

"Trotz Kriegen, Seuchen und Verhütung wächst die Menschheit so schnell wie nie zuvor. Schon in naher Zukunft muß der Planet sechs Milliarden Erdenbürger ertragen. In vielen Ländern der Dritten Welt raubt der Zuwachs an hungrigen Mündern dem Fortschritt jede Chance. Zugleich überschwemmt der Konsumrausch in den Industrienationen den Globus mit mehr Unrat, als er verkraften kann. Das macht die reichen Länder zu den eigentlich überbevölkerten dieser Welt. Das Wachstum wird zum Wahnsinn. In Reportagen, Analysen und Prognosen untersucht der Wissenschaftsjournalist, Buchautor und GEO-Redakteur Reiner Klingholz das Menschheitsproblem Nummer eins."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Kann den Wachstum Sünde sein?
Der maßlose Alltag
Der Aufstieg zum Homo technicus
Konsum - oder Kinder?
Bangladesch: Im Land der großen Flut
Wieviel Mensch erträgt die Erde?
Heizen, bis der Globus dampft
Reicht das Brot für die Welt?
Mann und Frau - der kleine Unterschied
China: Milliarden im Goldrausch
Deutschland: Raum ohne Volk?
Kein Leben ohne Seuchen
Die Erde wird zum Pferch
Von der Allmacht zur Ohnmacht
Der Planet der Frauen
Vorfahrt der Vernunft

Raum ohne Volk in Ostdeutschland?

"In zehn bis 15 Jahren, schreiben Rainer Münz und sein Kollege Ralf Ulrich in einer Studie, würden im Osten wieder mehr Kinder geboren werden - wenn auch wahrscheinlich nicht mehr so viele wie zu DDR-Zeiten. Auf jeden Fall aber werde der gegenwärtige Geburtenschwund einen »historischen Fingerabdruck« im Altersaufbau hinterlassen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, daß die Bevölkerung der ehemaligen DDR bis 2000 um fast zwei Millionen Menschen abnimmt. Einige Regionen, so die strukturgeschwächten Industriegebiete Halle/Bitterfeld und Bautzen/Görlitz, könnten bis 2010 sogar ein Viertel ihrer Einwohner verlieren. In manchen Landstrichen, etwa im bäuerlichen Vorpommern, droht die Zahl der Schulkinder um 70 Prozent zurückzugehen. Dafür wird der Anteil der Alten an der Bevölkerung massiv steigen.
Die neuen Bundesländer machen damit beschleunigt eine Entwicklung durch, die alle Industrienationen trifft: Sie vergreisen."
(1994, S.159f.)

Die Pyramide steht Kopf

"Die für Deutschland vor hundert Jahren typische, nach oben hin spitz zulaufende »Alterspyramide«, auf der die jüngsten Jahrgänge am meisten und die ältesten am wenigsten Platz einnahmen, verändert sich immer mehr zu einem »Alterspilz«, bei dem die jungen Jahrgänge den dünnen Stiel bilden und die alten den ausladenden Hut.
Ein Blick in die Zukunft macht diese Entwicklung deutlich: Im Jahr 2030 werden von 100 Deutschen nur noch 17 jünger als 20 Jahre sein, mehr als doppelt so viele - nämlich 35 - jedoch älter als 60 Jahre. Die Jahrgänge 1945 bis 1965 - die sogenannten Nachkriegs-Babyboomer - bilden dann die stärkste Gruppe im Altersaufbau. (...).
Der Hut des Alterspilzes wird mittlerweile so mächtig, daß die Mediziner und Soziologen längst dazu übergegangen sind, in der Klasse der mehr als 65jährigen zwischen »jungen Alten« (65 bis 75) und »alten Alten« (über 75) zu unterscheiden. Sie müssen die Skala bald wohl um eine weitere Rubrik ergänzen - um die »Super-Alter«: In den heutigen Industrienationen werden gegen Ende des nächsten Jahrhunderts, statistisch hochgerechnet, zehn Prozent aller Menschen mehr als 80 Jahre alt sein. In den Vereinigten Staaten, wo derzeit 37000 Methusalems von mehr als hundert Jahren leben, werden nach Schätzungen des »Census Bureau« im Jahr 2050 beachtliche 1,2 Millionen die magische Hundertergrenze überschritten haben."
(1994, S.160f.)

Die Sozialversicherung wird überlastet

"Für jeden Rentner kommt im Jahr 2030 nur noch ein einziger Beitragszahler auf. Zwangsläufig werden dann entweder die Alten vernachlässigt - oder die Jungen geschröpft. Von einer gesicherten Altersversicherung nach heutigem Vorbild jedenfalls kann in Zukunft keine Rede mehr sein.
Dies werden nicht die einzigen Kosten der Überalterung bleiben. So ist es eine Binsenweisheit, daß ältere Menschen mehr und öfter medizinische Versorgung brauchen als junge. Die über 65jährigen nehmen in einem Industrieland heute knapp ein Drittel des Gesundheitsetats in Anspruch. Im Jahr 2000 wird es die Hälfte sein. Tendenz: steigend."
(1994, S.163)

Die Geburtenrate wird weiter sinken

"Ein Ausweg aus dem Dilemma von Geburtenschwund und Rentenkrise zeichnet sich nicht ab. Denn um die solide Basis der Alterspyramide wiederherzustellen, müßten die Deutschen sich erneut vermehren wie zuletzt vor dem Ersten Weltkrieg. Das aber sei »eine absurde Vorstellung«, meint der Bielefelder Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg. Er geht - im Gegenteil - davon aus, daß die Geburtenraten in den Industrienationen noch weiter sinken werden.
Nach allen Erfahrungen der Geschichte würde nicht einmal eine erklärt geburtenfördernde Familienpolitik etwas an der Unlust zur Vermehrung ändern. (...). Birg hält eine Rückkehr zur Erhaltungsquote eines Volkes von 2,1 Kindern pro Frau in Deutschland für »demographische Utopie«. Selbst bei »guter Propaganda« lasse sich die Geburtenziffer höchstens von 1,4 auf 1,6 erhöhen. Eine Gesellschaft, die der Bevölkerungsexplosion entronnen ist, läßt sich offensichtlich unter keinen Umständen auf eine neue ein."
(1994, S.165f.)       

 
     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch

 
       
   

Die Entwicklung der Weltbevölkerung in der Debatte

ZINKANT, Kathrin (2011): In eurer Hand.
Freitag-Thema Nr. 7.000.000.000: Bringt die wachsende Zahl von Menschen auf Erden nur Hunger und Krieg? Die Antwort gibt nicht das Schicksal,
in: Freitag Nr.39 v. 29.09.

BRÜGGEMANN, Axel (2011): Najims Leben.
Freitag-Thema Nr. 7.000.000.000: 2011 als sieben Milliardster Mensch der Erde geboren, erlebt ein Junge aus Lagos, wie die Welt auf den Kopf gestellt wird. Ein Projektion,
in: Freitag Nr.39 v. 29.09.

TASCH (2011): Wann wir wirklich sieben Milliarden werden.
Wiener Demografen stellen den 31. Oktober als Stichdatum infrage - es könnte sogar sein, dass diese Grenze erst im Jahr 2020 erreicht wird,
in: Der Standard v. 15.10.

RIENHARDT, Joachim (2011): 7 Milliarden.
Die Weltbevölkerung scheint zu explodieren. Der Zuwachs von sechs auf sieben Milliarden dauerte nur zwölf Jahre. So kann es doch nicht weitergehen. Wird es auch nicht, sagen Experten,
in: Stern Nr.44 v. 27.10.

SENTKER, Andreas (2011): Der volle Planet.
In diesem Oktober leben auf der Welt erstmals sieben Milliarden Menschen. Doch die Masse ist nicht das Problem,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 27.10.

Typisch deutsch! SENTKER hätte gerne, dass die Zukunft der Menschheit in Deutschland entschieden wird. Zur Menschheitsproblemdefinition "rapides Altern" heißt für ihn die Lösung Reform des Bildungs- und Sozialsystems und drastisch veränderter Umgang mit begrenzten Ressourcen.

HERBERMANN, Jan Dirk (2011): Ballungsraum Erde.
Am Montag wird der siebenmilliardste Mensch geboren. Die Welt ist für das Tempo des Bevölkerungswachstums nicht gerüstet ,
in: Tagesspiegel v. 27.10.

STEINBERGER, Petra (2011): Was soll nur werden.
SZ-Thema Grenzen des Wachstums: Planspiele - Wieder eine Rekordzahl. In Wahrheit aber haben wir Angst vor der Masse, die noch kommt: Ein Blick in unsere Zukunft mit zehn Milliarden Menschen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.10.

BECK, Sebastian (2011): Zehn Prozent Hoffnung.
SZ-Thema Grenzen des Wachstums: Paul R. Ehrlich warnt seit mehr als drei Jahrzehnten vor den Folgen der Bevölkerungsexplosion. Bisher trafen seine Prognosen nicht ein. Was nicht heißt, dass sie nicht doch noch wahr werden könnten. Ein Gespräch,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.10.

RÜHLE, Alex (2011): Mehret euch nicht!
SZ-Thema Grenzen des Wachstums: Die Bewegung der Fortpflanzungsverweigerer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.10.

HORDYCH, Harald (2011): Alles sind zu viel.
SZ-Thema Grenzen des Wachstums: Der siebenmilliardste Mensch: Zwei Mal kürten die UN ein Baby zum Symbol der Überbevölkerung. Diesmal fällt die Wahl aus,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.10.

GROSSARTH, Jan (2011): Die Welt mag uns noch.
In diesen Tagen wird der siebenmilliardste Erdenbürger geboren. Wahrscheinlich wird es ein Inder. Im Jahr 2041 wird er 30 Jahre alt sein. Dies ist sein Bericht aus der Zukunft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.10.

"vor fünfzehn Jahren ritten sie in Berlin zur Zeit der Ökodiktatur vorübergehend wieder auf Eseln! (...) Aber jetzt sind die Deutschen wieder auf dem asiatischen Weg der Vernunft".

Auf diesem Niveau skizziert GROSSARTH die Lösung unserer Zukunftsfragen. Auf ähnlich schlichtem Niveau bewegt sich SENTKER in der ZEIT.

SCHWENTKER, Björn (2011): Wie viele werden wir sein?
FAS-Thema Weltbevölkerung: Von morgen an leben sieben Milliarden Menschen auf der Erde - laut einer Prognose der UN. Ob die allerdings stimmt, ist fraglich. Denn die Methoden, mit denen Demographen die Zukunft vorhersagen, sind nicht nur eine Frage der Wissenschaft. Sondern auch der Weltanschauung,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.10.

SCHWENTKER, Björn (2011): Bestenfalls ungenau.
FAS-Thema Weltbevölkerung: Bevölkerungsdaten können helfen, die Vergangenheit der Menschheit besser zu verstehen. Doch wo exakte Zahlen fehlen, müssen Historiker die Lücken füllen: mit Verständnis, Wissen und Spekulation,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.10.

GLÜSING, Jens/KNAUP, Horand/THIELKE, Thilo/TRAUFETTER, Gerald/WINDMANN, Antje (2011): Das große Schrumpfen.
In dieser Woche wird der siebenmilliardste Mensch geboren - die Vereinigten Nationen warnen vor Überbevölkerung. Dabei sinken weltweit die Geburtenraten. Experten prognostizieren, ab 2060 werde die Zahl der Erdenbürger abnehmen,
in: Spiegel Nr.44 v. 31.10.

ILLINGER, Patrick (2015): Der volle Planet.
Weltbevölkerung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.07.

"28 Länder in Afrika werden ihre Bevölkerung in den kommenden 35 Jahren verdoppeln. Bis 2100 soll der Kontinent 4,4 Milliarden Menschen beherbergen - so viele, wie 1980 auf der gesamten Erde wohnten. Und das ausgerechnet in Afrika, wo der Klimawandel sich auf dramatische Weise zeigt und das sowieso schon karge Ackerland zunehmend verdorrt. Man muss kein Orakel befragen, um zu ahnen, dass die heutigen Flüchtlingsströme nur Vorboten künftiger Migrationswellen sind",

meint Patrick ILLINGER. Im Jahr 1969 erschien das Buch Die menschliche Springflut des Spiegel-Chefredakteurs Claus JACOBI. Dort heißt es:

"Europa wird nach den gegenwärtigen Zuwachsraten seine Einwohnerzahl in achtundachtzig Jahren, Amerika in siebzig Jahren verdoppeln. Bald werden daher auch in der alten und der neuen Welt rigorose Maßnahmen zur Geburtenbeschränkung notwendig sein." (S.204)

Was ist daraus zu lernen? Offenbar sieht die Zukunft immer so aus wie die Gegenwart! Haben wir gerade einen Geburtenboom, dann muss das auch in Zukunft so sein. Haben wir gerade einen Flüchtlingsboom, dann muss das in Zukunft auch so sein. Die Realität kennt jedoch keine lineare Entwicklung, sondern ist gekennzeichnet durch Brüche und Diskontinuitäten.

Sah JACOBI in den 1960er Jahren noch das Heil von China in einer 1-Kind-Politik, so beschreibt nun ILLINGER die Folgen des verordneten Geburtenrückgangs als "heillos überalternde Gesellschaft". Dabei liegen die Prognosen von JACOBI nicht einmal 50 Jahre zurück, während uns die UN Zahlen für das Jahr 2100 liefert. Geht es noch absurder?

Übrigens konnte JACOBI weit und breit keinerlei Migrationswellen erkennen, denn Gastarbeiter war damals eher noch ein Fremdwort und die Flüchtlingswellen der Nachkriegszeit waren längst aus dem Kurzzeitgedächtnis der Medien getilgt. 

 
       
   

Weiterführende Links

 
       
     
       
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 28. November 2014
Update: 31. Mai 2017