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Leander Haußmann
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Herr Lehmann
(Deutschland, 2003)
Single in
Berlin-Kreuzberg vor dem Fall der Mauer
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Inhalt
"Wir
schreiben das Jahr 1989: Berlin-Kreuzberg SO36 ist
ein kleiner Kosmos in einer riesigen Galaxie, schon
das angrenzende Kreuzberg 61 ist befremdendes
Ausland, Charlottenburg ein anderer Kontinent und
die DDR ein fremder Planet. Kreuzberg SO36 ist der
Kiez, in dem Herr Lehmann zu Hause ist. Er ist der
Guru einer beschaulichen, übersichtlichen Welt
voller Philosophen, Künstler, Biertrinker, Kokser,
Heteros, Schwuler und anderer Lebenskünstler, die
inmitten einer feindlich gesinnten Welt ihre Enklave
und das Recht auf Stillstand gegen jede Form von
Veränderung verteidigen. Herr Lehmann heißt
eigentlich Frank, aber da er schon bald dreißig
wird, nennen ihn alle nur noch »Herr Lehmann«. Doch
unaufhaltsam schleichen sich Störungen in die lieb
gewordenen Gewohnheiten seines Lebens: Ein
aufdringlicher Hund, der Besuch seiner Eltern, die
schöne Köchin Katrin, sein bester Freund Karl und
ein bis dato unbekannter Kristallweizen-Trinker
werden in kurzer Zeit für mehr als nur Unruhe
sorgen. Während sich im Ostteil der Stadt und in der
ganzen DDR große Umbrüche ankündigen, hat Herr
Lehmann alle Hände voll zu tun, die an ihn
herangetragenen Herausforderungen zu bewältigen."
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Porträts und Gespräche
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KAPELS, Anke (2003): "Herr Lehmann".
Philosophie am Zapfhahn,
in: Stern Nr.40 v. 25.09.
- ADORJÀN, Johanna (2003): Mich hat die Furcht durch diesen Film
getragen.
MTV-Moderator Christian Ulmen über seine erste Hauptrolle in "Herr
Lehmann" und seine geheime Lust an der Provokation,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.09.
-
HEINE, Matthias (2003): "Am anstrengendsten bin ich selbst".
Leander Haußmann über Suchtstoffe, Prügel einstecken, die
Sehnsucht nach Faulheit und über seinen neuen Film "Herr
Lehmann",
in: Welt v. 29.08.2
- GEISENHANSLÜKE, Ralph (2003): Hefe
oder Kristall, das ist hier die Frage!
Leander Haußmann und Sven Regener unterhalten sich über
"Herrn Lehmann", die Vorzüge des Flaschenbiers und die 80er
Jahre,
in: Tagesspiegel v. 01.10.
- Inhalt:
Die Bierfrage:
"SVEN
REGENER: Ich bin mehr für Flasche. Bei Fassbier weiß man
nie. Außerdem dauert es länger.
LEANDER HAUßMANN: Ich gehe doch nicht in die Kneipe, um ein
Flaschenbier zu trinken. Ein gut gezapftes Fassbier – das
hat was mit Kultur zu tun.
REGENER: Das ist Unsinn. Kultur ist ohnehin zum Kampfbegriff
der Reaktion geworden."
- GÖTTLER, Fritz (2003): Der Zirkus
ist wieder da.
Leander Haußmann, der "Lehmann" und die Freiheit im Kino,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.10.
- Kommentar:
Leander HAUßMANN fragt sich "warum
sollten wir nicht mal wieder einen Zirkusfilm machen, einen
Revuefilm.
»Sonnenallee« geht ja ein bisschen in diese Richtung.
Das waren große Genres, und man muss sich der
Boulevardkomödien der Fünfziger nicht schämen, die halfen,
über die Schrecken des Krieges wegzukommen". Dann hilft das
gegen die heutigen
Schrecken der Sozialreformen erst recht...
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Filmkritiken
-
TASZMAN, Jörg (2003): "Herr Lehmann".
Verfilmung des Erfolgsromans von Sven Regener,
in: Fazit. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v.
29.09.
- MOHR, Reinhard (2003): Soundtrack
eines Biotops.
"Herr Lehmann", Leander Haußmanns Romanverfilmung, ist
Milieustudie und Männerfilm,
in: Spiegel Nr.40 v. 29.09.
- Inhalt:
Der 78er
Reinhard MOHR schreibt nostalgisch über den Film "Herr
Lehmann":
"Am
Ende zerbricht diese Idylle zwischen Mehringdamm und Kottbusser Tor
am Lauf der Welt und der Liebe. Anders als Eichendorffs
»Taugenichts« treibt Herr Lehmann jedoch keine antibürgerliche
Erlösungssehnsucht, keine Vision einer erträumten Gegenwelt, sondern
die Hoffnung, der morgige Tag möge ungefähr so sein wie der gerade
vergangene.
In der alkoholgestützen Betriebsamkeit dieses übrig gebliebenen
Soziotops ist die konkrete Utopie das nächste »Beck's« - und
Männerfreundschaft wird zur tragenden Konstruktion des Alltags".
-
HEINE, Matthias (2003): Liebling Kreuzberg.
Leander Haußmanns Film "Herr Lehmann" vereinigt alle
Schwächen und Stärken der Romanvorlage,
in: Welt v. 01.10.
- MARTENSTEIN, Harald (2003): Die
letzten Tage von Kreuzberg.
Theke, Tresen, Temperamente: Leander Haußmann verfilmt
Sven Regeners Bestseller "Herr Lehmann",
in: Tagesspiegel v. 01.10.
- Kommentar:
Harald MARTENSTEIN
gibt sich erst einmal als "aktiver Zeitzeuge" der
beschriebenen Epoche aus, als ob man das nicht auch so
sofort erkennen würde:
"»Herr
Lehmann« ist eine Geschichte über die Wende, aber aus
westlicher Sicht. Das heißt, die Leute interessieren sich
herzlich wenig für die DDR, bis sie am 9. November plötzlich
vor der Haustür steht. Sven Regeners Roman erzählt von der
West-Berliner Lumpenbohème der Vorwendejahre, der
Szene
in Kreuzberg, von SO 36. »Karriere«, Schlüsselbegriff
der 90er, ist noch ein Schimpfwort. Die Leute definieren
sich nicht über Stil, sondern über Posen. Das Leben steht
still. Man braucht nicht viel Geld.
Der zentrale Ort ist
die Kneipe. Hin und wieder findet eine so genannte
Beziehung statt. Man pflegt ein paar Restbestände der linken
Rebellenkultur der 70er. Man will aber nirgendwo hin, im
Grunde ist man linkskonservativ. Der Schlüsselsatz dieser
Zeit lautet: »Irgendwas wird sich schon ergeben.« Man denkt
tribalistisch, in Stämmen. Nur das eigene Milieu ist
wichtig, die Außenwelt wird ignoriert, so gut es geht. Die
Kreuzberger Bohème versucht, ihrem Staat desinteressiert den
Rücken zuzudrehen, ähnlich wie die Bohème vom Prenzlauer
Berg.",
doziert
MARTENSTEIN im Volkshochschulton. Der Rezensent liefert dann
noch eine Passage, die seine
Archivierungskunst (Moritz BAßLER)
unter Beweis stellen soll und auch einen Einblick ins
Gefühlswirrwarr der damaligen Protagonisten gibt:
"Das
wohligschreckliche Gefühl des Wiedererkennens stellt sich
eher selten ein. In den abgefuckten Szenekneipen der
beschriebenen Art haben zum Beispiel nie und niemals
West-Berliner Rentner herumgesessen, die hatten nämlich ihre
eigenen abgefuckten Kneipen. Und die typischen Szenefrauen
von SO 36 waren auch ganz anders als die wie eine milde
Spätsommersonne in die Kamera strahlende Katja Danowski. Sie
waren härter drauf. Der Feminismus war als einzige Ideologie
noch relativ jung und stark, und
zwischen den
Geschlechtern herrschte gelegentlich ein scharfer Ton,
den man sich heute kaum noch vorstellen kann."
- ALTHEN, Michael (2003):
Kreuzberg kann sehr alt sein.
Der MTV-Moderator Christian Ulmen glänzt in Leander
Haußmanns Verfilmung von Sven Regeners Roman "Herr Lehmann",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.10.
- Kommentar:
Michael ALTHEN nimmt die
Gegenposition zu Harald MARTEINSTEIN
ein, denn bei Musik kommt es nicht auf
"historische Authentizität (an)(...), sondern
auf die Verlängerung eines Lebensgefühls in eine Gegenwart
hinein. (...).
Konsequenterweise ist die Titelrolle völlig gegen den Strich
besetzt. Christian Ulmen dürfte (...) wahrscheinlich das
natürliche Feindbild eines Mannes wie Herr Lehmann sein."
-
HAAS, Daniel (2003): "Herr Lehmann".
Viel Bier, wenig Dramatik,
in: Spiegel Online v. 01.10.
- BALZER, Jens (2003): Wie war
das noch mal mit der Wiedervereinigung?
Leander Haußmanns "Herr Lehmann"-Version,
in: Berliner Zeitung v. 02.10.
- Inhalt:
"Man
sieht sich den Kinofilm »Herr Lehmann« wohl am besten so an,
wie Herr Lehmann sich »Herr Lehmann« im Kino ansehen würde:
breit wie drei Reiher, mit viel Flaschenbier und vielleicht
auch ein bisschen Koks; müde, aber schlaflos; gegen
Zusammenhänge gänzlich ertaubt, aber mit sekundenkurzen
Momenten der Klarheit beschenkt, in denen sich der Verstand
ruhelos immer wieder in irgendwelchen halb- bis unwichtigen
Details verhakt und diese von allen Seiten bestaunt und
analysiert und sich verhakt und verhakt und verhakt",
empfiehlt Jens BALZER
-
JESSEN, Jens (2003): Nichts wollen, können, brauchen.
Leander Haußmanns tapsige Literaturverfilmung "Herr
Lehmann",
in: Die ZEIT Nr.41 v. 02.10.
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Hintergrundberichte
- LVT (2002): Es war einmal in
SO36.
Sein Kreuzberg-Roman "Herr Lehmann" machte
Element-of-Crime-Sänger Sven Regener zum Literaturstar.
Jetzt verfilmt Leander Haußmann den Bestseller mit Detlev
Buck und Christian Ulmen,
in: Tagesspiegel v. 10.11.
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weiterführende Links
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