"Tony Takitani
hatte eine einsame Kindheit. Seine Mutter starb
wenige Tage nach seiner Geburt, und sein Vater
verbrachte mehr Zeit mit seiner Jazzband als mit
seinem Sohn. Einsamkeit schien für Tony ein
natürlicher Zustand zu sein. Auch sein
amerikanischer Vorname isolierte Tony von seinen
Mitmenschen. In der Schule widmete er sich mit
besonderer Hingabe der Kunst, eine Leidenschaft, die
ihn später zu einem Studium an der Kunstakademie
führte. Als in sich gekehrter Student fertigte er
naturalistische und detailgetreue Zeichnungen an,
die jedoch jede Form von Emotion vermissen ließen
und eine Art mechanischer Kälte ausstrahlten. Daran
gewöhnt, allein zurechtkommen zu müssen, schien Tony
das Aufkommen von Gefühlen für irrational, ja für
ein Zeichen von Unreife zu halten.
Eines Tages jedoch begegnet Tony Eiko, verliebt sich
in die attraktive, junge Frau und heiratet sie wenig
später. Sein Leben verändert sich dadurch
grundlegend: Zum ersten Mal erlebt Tony das Glück
von Nähe und Geborgenheit. Zwar fühlt er sich jetzt
lebendiger denn je, aber er fürchtet sich nun auch
davor, wieder einsam zu sein – denn erst jetzt wird
ihm bewusst, was Einsamkeit überhaupt bedeutet und
wie leer sein Leben ohne Eiko war.
Etwas aber trübt Tonys Glück: Eikos obsessive
Leidenschaft für Designer-Kleidung. Immer wieder
zieht es sie in die teuersten Boutiquen, ihre
Kleider füllen schließlich ein ganzes Zimmer. Es
werden so viele, dass sich Tony schließlich Sorgen
macht. Doch als er sie dazu zu bewegen versucht,
ihrem unstillbaren Drang zu widerstehen, hat dies
tragische Folgen."
Pressestimmen
"In der
Geschichte finden sich die Murakami-Themen in
kondensierter Form: Einsamkeit, die Rituale des
Alltags, das Verhältnis von Mode und Jazz zum Tod
und das Verschwinden von Menschen."
(Nils Minkmar in der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung v. 05.06.2005)
"Ichikawa,
der (...) ein großer Verehrer von Ozus ist, nimmt
seine Darsteller wie dieser bevorzugt aus Hüfthöhe
auf, rückt sie aber weiter von der Kamera weg und
betont so ihr Alleinsein. Sie alle sind Reste
japanischer Großfamilien, tote Äste wie Tony
Takitani oder hektisch blühende Triebe wie seine
Frau."
(Andreas Kilb in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung v. 08.06.2005)