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Pressestimmen
"Weil
er während eines Flugs in eine Schlägerei verwickelt
wurde und (...) für den Initiator der Klopperei
gehalten wurde, verurteilt ihn eine rigide Richterin
zur Teilnahme am Anti-Wut-Training. Damit er
elementare zivilisatorische Regeln erlernt,
verknackt sie ihn zu einer Therapie bei eben jenem
Mann, der im Flugzeug neben ihm saß und den Buznik
als den eigentlich Schuldigen an dem Tumult
ausgemacht hat. Alles Jammern hilft dem
überangepassten Nerd nicht – er landet in der
Gruppensitzung. Und was dort passiert, lässt sich
leicht absehen. Rydell setzt auf konfrontative
Verhaltenstherapie: Seinen jungen, sozialphobischen
Patienten bringt er in absurde Situationen (...).
Aggressionen, so lehrt der Therapeut, sind nichts
Schlechtes, sie müssen aber ihren richtigen Platz
finden.
Zunächst muss der eigentliche Gegner besiegt werden,
derjenige, der Buznick sein Kindheitstrauma zugefügt
hat: Ein Straßenschlägerkid hatte ihm beim ersten
Kuss mit der Angebeteten die Hose heruntergezogen.
Heute lebt der Schläger von damals gewaltfrei in
einem buddhistischen Kloster und kriegt die Fresse
poliert.
Auf diese und ähnliche Touren erlernt Buznik neue
Verhaltensweisen und ist schließlich sogar imstande,
seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen.
(...). »Die Wutprobe« folgt einem zur Zeit populären
Muster bei der filmischen Darstellung von
psychischen Störungen, die zum Motiv eines
Entwicklungsromans werden."
(Jürgen Kiontke in der Jungle World vom 07.05.2003)
"»Die
Wutprobe« ist (...) kein umstürzlerisches Werk,
sondern soll Dave ganz archaisch zu einem richtigen
Mann machen - und folgt damit dem American Way Of
Life. Nur die Starken überleben. Wer Konfrontationen
scheut und sich gängeln lässt, verschuldet seine
irrelevante Existenz selbst. Als Beweis für die
Coolness einer solchen Haltung dient ein
Cameo-Auftritt vom Wüterich John McEnroe."
(Oliver Hüttmann im
Spiegel Online vom 09.05.2003)
"Zu
Beginn sieht man den kleinen Dave Buznik in seinem
Viertel Unterhose und Lebensmut verlieren. Als er
seinen ersten Kuss bekommen soll, reißt ihm ein
Unhold das Beinkleid bis zu den Knien herunter - und
überlässt sein anscheinend etwas klein geratenes
Geschlecht dem Gespött der Straße. Zwanzig Jahre
später bringt es Buznik immer noch nicht über sich,
seine Freundin in aller Öffentlichkeit zu küssen.
Von Gott an wichtigster Stelle im Stich gelassen,
wird an diesem Hiob in Westentaschenformat nun eine
Plage erprobt, die ihm die Duldsamkeit endgültig
austreiben wird."
(Michael Kohler in
der Frankfurter Rundschau vom 13.05.2003)
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Filmkritiken
-
KIONTKE, Jürgen (2003): Her mit der großen Ich-Reform!
"Die Wutprobe" erzählt von der Zurichtung des Ichs für
den Arbeitsmarkt,
in: Jungle World Nr.20 v. 07.05.
-
BUSCHE, Andreas (2003): 36 Kammern,
in: TAZ v. 08.05.
- MÜHLING, Jens (2003): Der
Erniedrigte und der Beleidigte.
Lachen, bis der Arzt kommt: Jack Nicholson und Adam
Sandler bestehen Peter Segals "Wutprobe",
in: Tagesspiegel v. 08.05.
- MÜLLER, Peter E. (2003):
Wehe, wenn sie losgelassen werden.
Nicholson und Sandler geben ihr Alberernstes in "Die
Wutprobe",
in: Welt v. 08.05.
-
NICODEMUS, Katja (2003): Eine Axt für Amerika.
"Die Wutprobe". Jack Nicholson spielt einen
Aggressionstherapeuten,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 08.05.
-
VAHABZADEH, Susan (2003): Wut gemeint.
Jack Nicholson entwickelt heilende Kräfte in der Komödie "Anger
Management",
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.
- Kommentar:
Die Filmkritikerin findet den Film gelungen, denn
es war "an
der Zeit, dass das Kino eine Hymne abliefert an den
Behandlungsbedarf und die Segnungen der modernen Seelenklempnerei.
Genau das ist Peter Segals »Die
Wutprobe«, im
Original mit dem schönen, dem entsprechenden Fachlatein
entliehenen Titel »Anger Management« versehen. Wut ist gut".
In dem Film geht es um einen Single
(im Sinne der Familienstandsdefinition), der überängstlich und
schüchtern ist. Solche Eigenschaften sind in
Zeiten des Individualisierungszwangs schädlich für das
Ausschöpfen der eigenen Potenziale.
Single-dasein.de hat diesem
Zukunftsthema Nr.1 eine vierteilige Serie gewidmet.
Der Film zeigt anhand einer Komödie
die Effektivität verhaltenstherapeutischer Techniken, mit denen
die eigenen Ängste bewältigt werden können. Der Protagonist ist
ein typischer Jedermann, der komödienhaft überzeichnet wird:
"Dave (Adam Sandler), ein in New York
aufgewachsener Neurotiker, wird beispielsweise nie wütend. Geistig
gesund ist er aber deswegen noch lange nicht: Er ist nicht in der
Lage, seiner Freundin Linda (Marisa Tomei) am Flughafen einen
Abschiedskuss zu geben, weil ihn ein Kindheitstrauma plagt –
runtergezogene Hose während des ersten Kussversuchs bei einem
Straßenfest. Ob sie ihn heiraten will, kann er Linda auch nicht
fragen, weil sein Selbstwertgefühl sich im nicht messbaren Bereich
befindet. Sein Boss darf ihn rumschubsen".
Im Teil 2 der single-dasein.de-Serie "Singles und ihre Ängste"
wird am Beispiel des allein lebenden Angestellten Abschaffel das
Phänomen der Angst in vielen Facetten dargestellt. Im nächsten
Teil wird dann die Angst des Partnersuchenden im Mittelpunkt
stehen, während im letzten Teil die Bewältigungsmöglichkeiten
vorgestellt werden.
Die Filmkritikerin der SZ hat auch gleich die
negative Kritik in der ZEIT vorweggenommen, die der Linie der
New York Times folgt und die "Rechtfertigung cholerischer
Überreaktionen" bemäkelt:
"Unter der sorgsamen Anleitung seines Therapeuten
trainiert der schüchterne Dave, Frauen aufzureißen, Buddhisten zu
beleidigen und herumzubrüllen. Er bietet seinem schikanösen Chef
die Stirn, schlägt den blasierten Rivalen nieder und lernt, »die
Aggression, die sich immer nach innen richtete, endlich nach außen
zu kehren«."
Gleichzeitig wird in der ZEIT jedoch die Agenda
2010 begrüßt. Dort wird die "Eigenverantwortung" des Einzelnen
eingefordert. Eigenverantwortung ist jedoch nur eine wohlklingende
Umschreibung für das psychologische Erfordernis aggressiven
Verhaltens.
Ein mangelndes Selbstwertgefühl kann sich in dieser
zunehmend sozialdarwinistischen, neoliberalisierten Gesellschaft
bald niemand mehr leisten, der nicht zu den
Modernsierungsgewinnern gehört.
-
HÜTTMANN, Oliver (2003): Wer schlägt, wird selig,
in: Spiegel Online v. 09.05.
-
KOHLER, Michael (2003): Hiob im Westentaschenformat.
Von einem Schlamassel in den nächsten: Adam Sandler und
Jack Nicholson in Peter Segals Emanzipationsdrama "Die
Wutprobe"
in: Frankfurter Rundschau v. 13.05.
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