| |
|
[
Singles in Frankreich ] [
Index:
Singleforscher/innen ] [
News ] [
Suche ] [ Homepage ]
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Alain Ehrenberg in seiner
eigenen Schreibe
|
|
| |
|
Alain Ehrenberg (2000): Die Müdigkeit,
man selbst zu sein,
in: Carl Hegmann (Hg) Endstation. Sehnsucht.
Kapitalismus und Depression I, Berlin:
Alexander-Verlag
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Alain Ehrenberg im
Gespräch
|
|
| |
|
HURET, Marie (2000): "La psychanalyse a encore des billes dans son
sac",
in: L'Express v. 03.08.
RUTSCHKY, Katharina (2005): Mein Unglück, das bin Ich.
Der
Soziologe Alain Ehrenberg über den ungeheuren Stress der
Selbstverwirklichung,
in: Berliner Zeitung v. 03.01.
"Beim
Leser hinterlässt Ehrenberg die Einsicht, dass die Psychiatrie
und die Wissenschaft unserem Verlangen nach Gesundheit und
Glück ohne Ende keine Aufklärung entgegenzusetzen hat.
Das
in Frankreich schon vor Jahren veröffentlichte Buch war dort
ein Bestseller und gilt inzwischen als ein Klassiker der
Sozialforschung. Hierzulande hat es mit dem Handicap zu
kämpfen, dass Ehrenberg (...) sich vor allem mit französischen
Debatten befasst. Man möchte hoffen, dass er deutsche
Soziologen dazu inspiriert, im Interesse der Reformen im
Gesundheitswesen und vor allem der Aufklärung sozialer
Medikalisierung eine ähnliche Untersuchung vorzunehmen",
hofft
Katharina RUTSCHKY. |
REBENTISCH, Juliane & Felix ENSSLIN (2008): "Nur glücklich zu leben
ist unvorstellbar".
Alain Ehrenberg begreift Melancholie als eine
Krankheit des Ausnahmemenschen in früheren elitären Gesellschaften. In
den heutigen Demokratien verliere die Melancholie ihre heroischen
Momente, so der französische Soziologe, und werde damit zur
Depression, zur bloßen Krankheit,
in: TAZ v. 14.07.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Das
Unbehagen in der Gesellschaft (2011)
Berlin:
Suhrkamp Verlag
|
|
| |
|
| |
|
|
| |
|
|
Klappentext
"In den
letzten Jahrzehnten sind in den westlichen
Gesellschaften die Freiheitsspielräume und
Wahlmöglichkeiten bei der individuellen
Lebensgestaltung enorm gewachsen. Im Zuge der
Liberalisierung und Privatisierung wurden
traditionelle Rollenvorgaben und gesellschaftliche
Bindungen aufgelöst. Die alte Frage »Was darf ich
tun?« ist abgelöst worden von der neuen Frage »Wozu
bin ich fähig, was kann ich tun?«. Dadurch sehen
sich die Menschen heute mit einer neuen Quelle des
Leidens konfrontiert: ihrer Unfähigkeit, die
Freiheitsspielräume und Wahlmöglichkeiten für ein
gelingendes Leben zu nutzen. Eine rapide Zunahme
narzißtischer Persönlichkeitsstörungen und
depressiver Erkrankungen ist nach Alain Ehrenberg
die Folge.
In seiner
monumentalen Studie verfolgt Ehrenberg diese
Entwicklung und ihre diskursive Verarbeitung unter
anderem anhand zweier großangelegter Fallstudien in
Frankreich und den USA. Autonomie ist auf je
spezifische Weise zum höchsten Wert dieser
Gesellschaften geworden; zugleich kommt es in diesen
Gesellschaften mit dem Scheitern am Ideal des
selbstbestimmten Lebens zunehmend zu psychischen
Pathologien. Diese individuellen Pathologien sind
jedoch für Ehrenberg immer auch soziale Pathologien:
Phänomene einer individualistischen und
privatisierten, einer kranken Gesellschaft."
|
|
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
SPEICHER, Stephan (2011): Vom Zwang ein Ich zu sein.
Nicht mehr die
Triebunterdrückung des Menschen ist sein Problem, sondern die
Selbstbestimmung. Ob darin der Keim eines neuen Unglücks liegt,
untersucht Alain Ehrenberg in seinem Buch "Das Unbehagen in der
Gesellschaft",
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.05.
NUTT, Harry (2011): Jammern auf hohem Niveau.
Dass die Seele leidet ist
heute ein anerkannter Massenbefund. Doch warum schwächelt das
autonome Ich? Alain Ehrenbergs Studie über "Das Unbehagen in der
Gesellschaft" untersucht dieses Phänomen,
in: Frankfurter Rundschau v. 31.05.
SABIN, Stefana (2011): Die Schwierigkeit, gesund zu sein.
Der Soziologe Alain Ehrenberg
beschreibt das «Unbehagen in der Gesellschaft»,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 22.06.
BOEHME, Tim Caspar (2011): Leiden gehört zur Demokratie.
Autonomie und
Krankheit: Der französische Soziologe Alain Ehrenberg geht der Frage
nach, ob der westliche Individualismus in der Krise steckt,
in: TAZ v. 09.07.
Neu:
DUSINI, Matthias (2011): Die Freiheit des Müssens, der Drill des
Dürfens.
Der
französische Soziologe Alain Ehrenberg analysiert, warum die
Freiheit – und der Neoliberalismus – die Menschen depressiv macht,
in: Falter Nr.28 13.07.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Das
erschöpfte Selbst (2004).
Depression
und Gesellschaft in der Gegenwart.
Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie, Band 6
(Original: Frankreich 1999)
Frankfurt a/M:
Campus Verlag
|
|
| |
|
| |
|
|
| |
|
|
Klappentext
"Eigenverantwortung,
Selbstverwirklichung, Erfolg und Glück sind
Ansprüche, die in der modernen kapitalistischen
Gesellschaft wie selbstverständlich von jedem und
jeder übernommen werden. Viele Menschen scheitern
daran und reagieren mit innerer Leere, mit
Depression, Antriebslosigkeit und Suchtverhalten, so
die Analyse des französischen Soziologen Alain
Ehrenberg, dessen Buch in Frankreich zum Bestseller
wurde."
|
|
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Essays zum Thema
Der
Sozialstaat als Angstschutz
Der
Terror der Individualisierungsthese
|
|
| |
|
BAETHGE, Christopher (2004): An Freiheit leiden.
Alain Ehrenbergs sozialphilosophischer Blick auf die
Depression als zeittypische Erkrankung,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v.
06.10.
BAETHGE referiert ausgiebig EHRENBERGs
Ausführungen über die depressive Gesellschaft:
"Für Ehrenberg ist die
Depression die Krankheit der Freiheit. Sie ist die
Schattenseite der Emanzipation von den rigiden Normen und
Verboten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der Preis für
den Übergang aus der hierarchischen in die moderne
klassenlose Gesellschaft, in der es nicht mehr um
Anpassung und Unterordnung gehe, dafür aber umso mehr um
Individualität und Eigeninitiative. Durch diese kulturelle
Veränderung erscheine auch das seelische Leiden in neuer
Form: Der moderne Mensch sei nicht mehr durch Beschränkungen
bedroht, sondern durch die Möglichkeiten, die ihm zur
Selbstverwirklichung offen stünden, die ihn aber oft genug
überforderten."
Der Rezensent findet das
Buch anregend und widersprüchlich zugleich:
"Ehrenberg weist immer wieder
sehr gewinnbringend auf die Strukturen hin, in denen sich
das depressive Zeitalter entfaltet. (...).
Konflikte? Es überrascht, dass Ehrenberg (..) doch nicht auf
den Konflikt im psychoanalytischen Sinne verzichten möchte,
wo er ihn schließlich in seiner Hauptthese feierlich hinaus
expediert hatte. Ehrenberg führt zwar aus, dass im Rahmen
des therapeutischen Paradigmenwechsels in Richtung der
Antidepressiva nun auch Erkrankungen medikamentös behandelt
werden, bei denen Konflikte nach wie vor eine Rolle spielten
(etwa Persönlichkeitsstörungen), aber warum sollte das Gros
der Depressionen, deren Entstehung nach Ehrenberg nichts
mehr mit innerpsychischen Konflikten zu tun hat, nun durch
solche Konflikte aufrecht erhalten werden?
Detailverliebte könnten weitere Widerhaken finden: etwa
Ehrenbergs inflationären Depressionsbegriff (...). Auch
beantwortet er die Frage, warum eine narzisstische
Überforderungssituation mit Antriebsschwäche einhergehen
muss (...) eher mit einer Metapher (der der
»Hemmung«) als mit einer psychopathologischen
Herleitung; und er versäumt es, eine solche depressive
Symptomverschiebung im historischen Maßstab zu zeigen.
Zudem stören einige sachliche Fehler, deren
korrekturbedürftigster sicher ist, dass
Angsterkrankungen
nicht, wie Ehrenberg meint, seltener als Depressionen
vorkommen, sondern häufiger, und daher die Depression die
Angst keineswegs überflügelt hat. Doch insgesamt sind solche
Unschärfen und kleineren Widersprüche nur der faire Preis
für einen erhellenden sozialphilosophischen Panoramablick
auf die Landschaft - und auf die Krankheit - der Freiheit."
|
RATHGEB, Eberhard (2004): Die
Gesellschaft im Brunnen der eisenblauen Müdigkeit.
Das erschöpfte Selbst: Alain Ehrenberg fragt, warum immer
mehr Menschen depressiv werden,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung v. 06.10.
Eberhard RATHGEB passt die
ganze Richtung nicht: zu wenig Empirie, zu viel
unreflektierte Selbsttheorie:
"Wir erfahren
nichts Genaues über die sozialen Schichten, in denen sich
die Depression als Krankheit durchsetzt. (...). Auch nimmt
Ehrenberg das Selbst etwas auf die leichte Schulter. Es ist
einfach da, weil das Selbst im französischen Diskurs der
Psychoanalytiker und Psychiater da ist, so wie man sicher
ist, daß der Kühlschrank in der Küche rumsteht. Ehrenbergs
Ansicht, daß die Menschen heute verzweifelt sie selbst sein
wollen - die ist als ein sozialpsychologischer Fund
vielleicht neu, doch grundsätzlich neu ist sie eben nicht,
sondern sie wurde von Sören Kierkegaard in »Die Krankheit
zum Tode« lange vorm Strukturwandel des Kapitalismus als
Existenzproblem ausgeführt."
Für
RATHGEB ist das erschöpfte Selbst also weder Ausfluss
postmoderner
Individualisierungsprozesse,
noch
neoliberaler Strukturen,
dennoch findet er EHRENBERGs Ausführungen bedenkenswert:
"Es bleiben Befund,
These und Aussicht: Die traditionelle Politisierung des
Einzelnen über den Konflikt mit der Gesellschaft hat sich
aufgelöst. An dessen Stelle ist die Psychologisierung der
sozialen Beziehungen getreten. Die Institutionen werden zu
Betreuern der Subjekte. Wenn das stimmt: Das wäre eine
Katastrophe."
|
THADDEN, Elisabeth von (2004): Der Souverän dankt ab.
Die Seele kann
nicht mehr. Der Soziologe Alain Ehrenberg analysiert, wie im
20. Jahrhundert die Erschöpfung zur Massenerkrankung wurde,
in: Literaturbeilage der ZEIT Nr.42 v. 07.10.
|
|
| |
|
Alain Ehrenberg in der
Debatte
Paul VIRILIO würdigt in seinem
Streifzug durch die Wissenschaft des Spektakels auch Alain
EHRENBERG:
"Der Soziologe Alain Ehrenberg
veranschaulicht in seinem Buch über den
»Überdruss, man selbst zu sein«(...),
einen Satz Flauberts (»Die tiefgründigste Art, etwas zu
empfinden, ist, daran zu leiden«), indem er die Schäden
aufzählt, die der Rhythmus des Fortschritts und dessen neue
Propaganda anrichten: »Die Depression, in den 1950er-Jahren
für den Psychiater kaum noch von Interesse, ist zur weltweit
häufigsten seelischen Störung geworden. [. . .] Die Neurose
ist die Tragödie der Schuld; die Depression das Drama des
Ungenügens. Sie entsteht
dann, wenn sich der Mensch nach der Liberalisierung der
Sitten in den 1960er-Jahren nicht mehr fragt: ,Was ist mir
erlaubt?', sondern: ,Was ist mir möglich?'«"
|
BETHKE, Ricarda (2003): Depressive aller Länder...
Offen stehende Türen. Ein Plädoyer für "Programme", die
von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz vertrieben
werden,
in: Freitag Nr.26 v. 20.06.
BETHKE zitiert
Guillaume PAOLIs Kritik an
Alain EHRENBERG:
"Während
Alain Ehrenberg in Kapitalismus und Depression I
behauptet: »Depression ist die Melancholie in einer
Gesellschaft, in der alle gleich und frei sind«, stellt sich
Guillaume Paoli in Kapitalismus und Depression III
dem entgegen: »Ich glaube nicht, dass wir im Reich der
Gleichheit und Freiheit leben ...« Kampf sei angesagt. »Um
den kämpferischen Geist zu stärken«, müsse man üben, »Typen
in der Öffentlichkeit: Besatzungstruppen, Kollaborateure,
Gewinnler, Agenten der Zeit ... von einfachen
Besatzungssoldaten, nervende Marketinganrufer vom
›Obersturmdesigner‹ zu unterscheiden.«"
|
BUSCH, Hans-Joachim (2004):
Das "gemeine Unglück" nicht einfach hinnehmen.
Bei der Bearbeitung der melancholischen Grundstimmung
unserer Gesellschaft kann die Psychoanalyse ihre
unverminderte Aktualität unter Beweis stellen,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.09.
SCHÖN, Wolf (2004): Ratlos im
Supermarkt,
in: Rheinischer Merkur Nr.41 v. 07.10.
Anlässlich des Erscheinens von Alain
EHRENBERGs Buch "Das
erschöpfte Selbst" deutet
der Rheinische Merkur EHRENBERG institutionentheoretisch
um in das "überforderte Ich". Das Anliegen des
Merkur-Spezial fasst
SCHÖN folgendermaßen zusammen:
"Von
der Vereinzelung der Einzelnen handeln die breit
gefächerten Beiträge auf diesen Seiten. Deutschland bleibt
auf dem Egotrip, aber er ist – abzüglich der Schar
wohlhabender Hedonisten – ein unfreiwilliger und kein
lustvoller mehr. Die Befunde sind jedoch trotz fehlender
Patentlösungen kein Anlass zur Resignation. Die
menschliche Natur duldet auf Dauer keine
unübersichtlichen, ungeordneten Zustände, die Unbehagen
erzeugen. Es werden sich neue Strukturen bilden, die
Wohlbefinden auf der Basis von Sicherheit schaffen".
|
ALTMEYER, Martin (2005): Na, wie bin ich?
Früher hatten wir Neurosen, die in all ihrer Zwanghaftigkeit
letztlich auch unser Selbst konstituierten. Heute haben
wir keine solchen Störungen mehr - aber auch keine
wirkliche Identität. Ein Fortschritt?
in: TAZ v. 09.04.
Martin ALTMEYER
vergleicht u. a. die Ansätze von Reimut REICHE und Alain EHRENBERG
im Hinblick auf den modernen Sozialcharakter:
"Während
Reiche die
neuen Störungen als zeitgemäße Verkleidungen der guten alten
Neurose enttarnt, kommt der französische Soziologe Alain
Ehrenberg in gewisser Weise zum umgekehrten Schluss. Er hat
die depressive Verstimmung als neue Zeitkrankheit
ausgemacht, die bloß klingt wie eine alte Bekannte: Die
heutige Depression ist nicht mehr die klassische »Krankheit
der Schuld«, sondern eine »Krankheit der Verantwortung«. Das
von der
Multioptionsgesellschaft überforderte Selbst leide an
einem Überschuss an Freiheit und trage schwer an den ihm
zugemuteten Entscheidungen. Die unablässige Suche nach einer
Lösung seiner Lebensprobleme ermüde auf Dauer das Subjekt.
Im Zentrum des subjektiven Leidens stehe eine Mischung aus
Ungenügen, Niedergeschlagenheit und Verlangsamung, die
allmählich ein Loch im Selbst verursache. Die zunehmenden
Süchte in Gestalt von Essstörungen, Medikamenten- und
Drogenmissbrauch, manischer Arbeits- oder Geltungssucht
sowie suchtartiger Therapiebedürftigkeit hätten die
Funktion, die depressive Leere zu füllen. Die Sucht sei aber
nur »das zweite Gesicht der Depression«, die den Kern des
gegenwärtigen Sozialcharakters ausmache."
|
REICHERT, Martin (2006): Ich kann nicht mehr!
Affektive Störung oder zerebrale Dysfunktion, Zeitgeistkrankheit
oder kodifiziertes Chaos: Was ist eine Depression, und
wie wird sie behandelt?
in: TAZ v. 14.01.
Das taz-Dossier
beschäftigt sich heute mit der Depression.
Während
Jan FEDDERSEN eher die medizinischen
Aspekte behandelt, widmet sich
Martin REICHERT
den soziokulturellen Aspekten der Depression:
"Der französische
Soziologe Alain Ehrenberg hat sich dem Modethema Depression
diskursanalytisch genähert und ist auf eine Art
kodifiziertes Chaos gestoßen - Mediziner und Psychologen
wissen gar nicht genau, was sie behandeln, und bemühen sich
umso wackerer, das menschliche Elend Bibliotheken füllend zu
beschreiben. »Das erschöpfte Selbst«, in Frankreich bereits
1998 veröffentlicht, erschien vor zwei Jahren (...) auf
Deutsch und zeichnet nach, wie der mentale
Erschöpfungszustand im Laufe des 20. Jahrhunderts zur
Massenerkrankung wurde. Ehrenberg kommt im Anschluss an
Foucaults »Überwachen und Strafen« zu dem Schluss, dass die
Depression die Krankheit einer Gesellschaft sei, »deren
Verhaltensnorm nicht mehr auf Schuld und Disziplin gründet,
sondern auf Verantwortung und Initiative«. Mit anderen
Worten: Der moderne Mensch ist dem »Anything goes« einfach
nicht gewachsen und verfällt angesichts zu vieler Optionen
der schier unmöglichen Anforderung, »man selbst« zu werden,
in eine Angststarre. Die deutsche Depression wäre dem
entsprechend eine natürliche Reaktion auf die
»Herausforderung« der Globalisierung."
|
Der Soziologe Günter G. VOß
sieht im Wandel der Arbeitswelt eine entscheidende Ursache für
die Zunahme speziell depressiver Symptomatiken einschließlich
Angsterkrankungen, die eine aktuelle Metastudie der
Bundestherapeutenkammer ergeben hat. Der Wandel von
Arbeitnehmer zum "Arbeitskraftunternehmer" und der
"Umbau der Gesellschafts-
und Sozialverfassung in Richtung einer umfassenden
Reduzierung sozialer Strukturen und Sicherungen",
den der Soziologe Berthold
VOGEL in seinem Buch Wohlstandskonflikte auch als Umbau
vom vorsorgenden zum gewährleistenden Sozialstaat beschrieben
hat, bringt psychosoziale Belastungen mit sich, von denen
insbesondere auch die Mittelschicht betroffen ist. Die
Individualisierungsverheißungen haben sich mittlerweile in ihr
Gegenteil verwandelt:
"Die These von der »Subjektivierung«
betont (...) eine ganz andere Seite der seit den 1980er
Jahren diskutierten »Individualisierung« der Gesellschaft:
Statt einer neuen Vielfalt und Freiheit des Handelns (...)
hat sich ein Zwang zur Selbstzuständigkeit unter immer
prekäreren Lebensbedingungen bei keineswegs verschwindenden
sozialen Kontrollen entwickelt, mit der Folge einer
wachsenden Überlastung und, wie sich zeigt, psychosozialen
Gefährdung großer Gruppen."
In Anlehnung an Alain
EHRENBERG spricht der Soziologe angesichts der Zunahme von
psychischen Problemen sogar von einer "erschöpften
Gesellschaft". Aufgrund der Betroffenheit gerade der
Mittelschicht, geht VOß davon aus, dass sich die Gesellschaft
diesen Problemen stellen muss. |
DIEZ, Georg (2010): Traktate der schlechten Laune.
Der Kapitalismus ist ein Monster, das Internet macht dumm, die
Leistungsgesellschaft führt in die Depression - viele Sachbücher
dieses Herbstes erklären unsere Gesellschaft für krank. Es sind die
Wutbücher eines aufgebrachten Bürgertums,
in: Spiegel Nr.48 v. 29.11.
Georg DIEZ
zählt Die Kunst, kein
Egoist zu sein von
Richard David PRECHT,
Müdigkeitsgesellschaft von Byung-Chul HAN und Der kommende
Aufstand zu den Wutbüchern eines aufgebrachten Bürgertums. Der
Urheber dieser Traktate der schlechten Laune sieht DIEZ in Alain
EHRENBERG und seinem Buch
Das erschöpfte Selbst:
"Ehrenberg
ist der Stichwortgeber all der antimodernistischen Traktakte der
letzten Jahre. Er verbindet Kritik an Konsum,
Kreativwirtschaft,
Internet, Individualismus zu einem Bündel von Klischees, die zu
Philosophie werden."
Nicht
weniger klischeehaft ist aber, wenn DIEZ den sozialen bzw.
demografischen Wandel zur Ursache der Wut erklärt:
"Dass
diese Bücher gerade jetzt geschrieben, gekauft und gelesen werden, hat
mit ganz realen Veränderungen zu tun, die zu eher irrealen oder
zumindest wunschhaften Ausflüchten führen. Die
alternde Gesellschaft,
die Angst vor dem Abstieg der Mittelschicht, das
Schwinden des
Westens, das Outsourcing unserer Intelligenz an eine Maschine".
Weder
demographischer Wandel noch sozialer Wandel sind neu. Ganz einfach
wird es, wenn DIEZ behauptet
"Angst steckt hinter diesen Versuchen,
die Wirklichkeit zu reduzieren".
Mit LUHMANN gesprochen könnte man
auch sagen: Komplexitätsreduktion ist funktional und notwendig. Die
Frage, die sich zu allererst stellt, ist doch die: Wie kann jemand im
Spiegel, der eine treibende Kraft in allen diesen Angstdebatten
ist, diesen Sachverhalt vollkommen ausblenden und sich dabei auch noch
toll finden? Der Artikel ist in diesem Sinne Teil des Problems.
Aufklärung geht anders. |
|
|
| |
|
weiterführende
Links
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die
Inhalte externer Internetseiten
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|