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Das Buch in der Debatte
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- JOFFRIN, Laurant (2002):
Sommes-nous tous
devenus réacs ?
Insécurité, famille, école, mœurs...
in: Nouvel
Observateur Nr.1985 v. 21.11.
- LANCELIN, Aude & Fabrice PLISKIN
(2002): Les pavés anti-68.
Est-ce la fin de l’hégémonie intellectuelle de la
gauche ?,
in: Nouvel Observateur Nr.1985 v. 21.11.
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WETZEL, Johannes
(2002): Die Entmythologisierung des Mai 1968.
Frankreichs Linksintellektuelle geraten in Erklärungsnot,
in: Berliner Zeitung v. 23.11.
- Inhalt:
WETZEL berichtet über die neueste
Coverstory des französischen
Nachrichtenmagazins Nouvel Observateur, in dem es um
das Buch
«le Rappel à l’ordre»
("Ordnungsruf") von Daniel LINDENBERG geht.
Der
französische Historiker zählt darin Schriftsteller
Schriftsteller wie
Michel
HOUELLEBECQ, Maurice DANTEC oder Renaud CAMUS und
Intellektuelle wie Régis DEBRAY, Pierre-André TAGUIEFF
oder Marcel GAUCHET zu den "néoréactionnaires" (Neuen
Reaktionären), von denen viele früher einmal links
standen.
Das Anliegen
des Buchs fasst WETZEL folgendermaßen zusammen:
Lindenberg
beschreibt eine Offensive gegen die »Massenkultur, die
Menschenrechte, gegen den Mai 1968, gegen den Feminismus,
den Antirassismus und den Islam«, die, mit Carl Schmitt im
Marschgepäck, letztlich in einer Kritik der Demokratie
gipfele. Denn »in Wahrheit haben die französischen
Intellektuellen die Demokratie nie gemocht«. Lindenbergs
Denunziation ist pauschal, aber gut dokumentiert.
Besonders fündig wird er bei Michel Houellebecq. Auch
deutsche Kritiker bewunderten Houellebecqs Romane voller
»Tabubrüche« in Form von ressentimentgetränkten Ausfällen
gegen Massentourismus und Islam (in
»Plattform«) Freizügigkeit und Liberalität (in
»Elementarteilchen«)."
Die Aufregung
um das Buch stellt WETZEL in den Zusammenhang einer
Neuausrichtung der
politischen
Linken nach dem Desaster der letzten Wahlen und dem
Tod des Soziologen Pierre
BOURDIEU:
"Lindenbergs
Text (wurde) von Pierre Rosanvallon veröffentlicht (...),
seines Zeichens Soziologie-Professor am legendären Collège
de France, an dem auch
Pierre Bourdieu lehrte: Der sozialdemokratisch
gesonnene Rosanvallon, so wird vermutet, will die seit
Bourdieus Tod vakante Stelle der maßgebenden
intellektuellen Autorität der Linken übernehmen.
Rosanvallon wünscht die »intellektuelle Neugründung einer
reformistischen Linken«, weil ihm die üblichen
»politischen Posen« - »Widerstand leisten gegen den
Zeitgeist, gegen die Globalisierung«, wie Bourdieu es
vertrat - an der Realität vorbeizugehen scheinen."
-
ASAL, Sonja (2002):
Lechte und rinke Leaktionäle.
Alles Verräter: Wer darf sich in Frankreich noch zur
Linken zählen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.11.
- Inhalt:
ASAL berichtet ebenfalls von LINDENBERGs
Buch, beschreibt aber auch die vorangegangene Debatte, die
mit
einem Beitrag von Maurice MASCHINO in
der Oktober-Ausgabe von Le Monde diplomatique
ihren aktuellen Anfang genommen
hat.
Dagegen
betrachtet der konservative FIGARO das Problem der "Neuen
Reaktionären" über einen längeren historischen Zeitraum:
"Die
Verschmelzung zwischen der rechten und der linken Mitte habe
die Grenzen so durchlässig gemacht, dass der
Erziehungsminister Luc Ferry von einem Premier Raffarin zu
einem Premier Fabius würde wechseln können, ohne dass er
seine Weste zu wenden bräuchte."
- ZITZMANN, Marc
(2002): Feinde des »Menschenrechtlertums«.
Wirbel um Frankreichs "Neue Reaktionäre",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.11.
- Inhalt:
ZITZMANN kritisiert das neue Label,
weil es zu unterschiedlichen Persönlichkeiten einen
einheitlichen Denkstil zuschreibt:
"Zu
heterogen ist die Liste der von Lindenberg als «nouveaux
réactionnaires» abgestempelten Zeitgenossen; sie reicht von
Marcel Gauchet über Luc Ferry,
Alain Finkielkraut und
Alain Renaut bis zu den - als Hauptzielscheiben fungierenden
- Schriftstellern Maurice Dantec und
Michel
Houellebecq. Zu beliebig ist die Reihe ihrer
angeblichen Inspiratoren, von Joseph de Maistre über
Baudelaire, Flaubert und Pius IX. bis zu Charles Maurras,
Léon Bloy, Céline und Drieu La Rochelle; zu wenig stringent
die Beweisführung des Opuskulums, als dass es als eine
gültige Antwort auf eine Frage gelten könnte, die einer
eingehenderen Untersuchung wohl wert wäre.
Denn das Thema liegt in Frankreich in der Luft. «Le Monde
diplomatique» hatte bereits in seiner Oktoberausgabe einen
langen Artikel gebracht, der mit längst bekannten Argumenten
gegen «Medienintellektuelle» wie
Bruckner, Ferry,
Finkielkraut,
Glucksmann, Lévy und Sollers zu Felde zog und sie unter dem
Schlagwort «les nouveaux réactionnaires» vereinte."
-
WALTHER, Rudolf
(2002): Links
bleiben.
Reaktionäre in Frankreich,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.11.
- Inhalt:
WALTHER beschreibt u.a. die Vorgeschichte der
jetzigen Fraktionierung innerhalb der französischen Linken
und deren neuen Frontverlauf durch die Lindenberg-Debatte:
"Seit 1995 geht ein
Riss durch die traditionell linke Gruppe französischer
Intellektueller. Damals wollte die konservative Regierung
unter Alain Juppé den Staatshaushalt und die
Sozialversicherungssysteme auf Kosten der kleinen
staatlichen Angestellten und Beamten in einem Aufwasch
sanieren. Gegen den Sozialabbau formierte sich eine soziale
Bewegung, mit der sich Teile der Intellektuellen
solidarisierten. Insbesondere Pierre Bourdieu engagierte
sich auf allen Kanälen, in vielen Zeitungen und mit der
äußerst erfolgreichen Buchreihe Raisons d'agir. Der Streit
um dieses Engagement führte zum Bruch zwischen jenen, die
die Reform- und Sparpläne der Regierung begrüßten, und
jenen, die darin einen Anschlag des Neoliberalismus auf die
Demokratie sahen. Fortan gab es links von der Mitte zwei
Intellektuellenfamilien: die radikaldemokratische und die
sozialliberale.
Das Buch des Historikers Daniel Lindenberg (...) spaltet nun
die sozialliberalen Intellektuellen, denn als »neue
Reaktionäre« werden darin nicht etwa Journalisten und
Professoren aus dem konservativen Lager angesprochen,
sondern ein Teil der bisherigen Familienmitglieder.
Lindenberg unterscheidet wie sein Mentor Pierre Rosanvallon
- Professor am Collège de France und Herausgeber einer
Buchreihe nach Bourdieus Vorbild unter dem Titel République
des idées - zwischen »authentischen Liberalen« und »neuen
Reaktionären«".
-
HAHN, Dorothea (2002): Das Phantom einer heroischen Politik.
Unter Pariser Intellektuellen machen die "neuen
Reaktionäre" von sich reden, Autoren und Theoretiker wie
Alain Finkielkraut und Bernard-Henri Lévy. Sie arbeiten sich
ab am Feindbild 1968 - und ernten dafür nun auch Kritik,
in: TAZ v. 05.12.
-
WALTHER, Rudolf
(2002): Pflastersteine.
Ein neues Pariser Manifest,
in: Frankfurter Rundschau v. 11.12.
-
UTHMANN, Jörg (2002): Die neuen Reaktionäre.
Zurück zur Ordnung: Richtungskämpfe zerfleischen die
französische Linke,
in: Welt v. 12.12.
-
FLÜGGE, Manfred (2002): Die Papiertiger fauchen wieder.
Linke im Phantomschmerz. In Frankreich provoziert Daniel
Lindenberg mit einem Essay über die "neuen Reaktionäre",
in: Freitag Nr.51 v. 13.12.
- HOUELLEBECQ,
Michel (2003): L'homme de gauche est mal parti,
in: Le Figaro v. 06.01.
- Inhalt:
Michel
HOUELLEBECQ meldet sich erstmalig zum Thema "neue
Reaktionäre" zu Wort. Er bekennt sich zu diesem
"Intellektuellen-Club", der seine Existenz dem Buch von
Daniel Lindenberg verdankt.
HOUELLEBECQ denkt
u.a. das auf den ersten Blick Unmögliche: die Synthese von
Friedrich NIETZSCHE und Katholizismus.
- HANIMANN, Joseph (2003): Rekrut
Houellebecq,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.
- Inhalt:
HANIMANN berichtet über den Artikel von
HOUELLEBECQ im französischen Le Figaro.
- MM (2003): Jenseits.
Moral mit Houellebecq,
in: Frankfurter Rundschau v. 11.01.
- Inhalt:
Der Autor widmet
sich HOUELLEBECQs Stellungnahme im Le Figaro, bei der es
um die "moralische Lufthoheit" geht:
"Houellebecq (...) bleibt (...) ein Meister der
Luftblase, ein exzellenter Provokateur, der unter den
polemischen Girlanden seines Textes eine klare Botschaft
formuliert. Sie lautet: Die politischen Grabenkämpfe, die
sich das intellektuelle Frankreich diesen Herbst liefert,
sind pseudo-politisch und werden längst auf dem Terrain
der Moral ausgefochten."
- Neu:
MATZNER,
Egon (2003): Exodus ans rechte Ufer.
Vom Fehlen einer konstruktiven Utopie oder: der
Niedergang der Sozialdemokratie,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.02.
- Kommentar:
Eine grundsätzliche Kritik am
sozialdemokratischen Neoliberalismus der Neuen Mitte mit
einem kurzen Abstecher nach Frankreich:
"Viele
Intellektuelle befinden sich in einem klinischen
Angstzustand. Darauf weist die große Erregung hin, die
Daniel Lindenberg in Frankreich mit seinem Ordnungsruf an
die Transformierten hervorrief. Gleiches gilt für den
Artikel "Die neuen Reaktionäre" (LE MONDE diplomatique,
Oktober 2002), der den Weg kritisch beleuchtet, auf dem
ehemals Linke es mittlerweile zu beliebten
Medien-Philosophen und Talkshow-Stars brachten".
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