Guy Debord in der
Debatte
"Der Gruppe »Sozialsimus oder Barbarei«
nahe stehend, einer trotzkistischen
Splittervereinigung, der damals auch Jean-François
Lyotard angehörte, wurde Debord (...) schnell zum
Außenseiter, der totalitaristische Ideologien als
Spektakel verstand und Systeme aller Art ablehnte.
Das ließ ihn früh zum Stalin-Gegner und Maokritiker
werden."
(Hans-Peter Kunisch in der
Süddeutschen Zeitung vom 14.07.2001)
"Sein Hauptwerk Die Gesellschaft
des Spektakels (1967) liest und kennt kaum mehr
jemand, aber überall ist permanent und mit Verweis
auf Debord von »Spektakelgesellschaft«,
»Spaßgesellschaft«, »Kultur- und Theaterspektakeln«
die Rede. Dem Subversiven seines Denkens wurde der
Stachel gezogen".
(Rudolf Walther in der Frankfurter
Rundschau vom 03.06.2002)
"Mit den Zigarettenkippen und Rotweinflecken einer
Bar mitten im Pariser Quartier Saint-Germain wurden
die flüchtigen Spuren weggewischt, die uns den Weg
in den nächtlichen Kern der letzten Avantgarde
weisen könnten: In der Bar «Chez Moineau» nämlich
versammelte sich zu Beginn der fünfziger Jahre eine
Gruppe von wütigen und lebensmüden Rebellen, die
später als «Situationisten» berüchtigt und als
Auslöser von «1968» berühmt werden sollten. Die
Kunst sollte nicht mehr wie bei den Surrealisten in
den Dienst der Revolution gestellt werden, sondern
die Revolution der Gesellschaft sollte zur Kunst
werden. Die neue Poesie des Alltags sollte von allen
geschaffen werden. Das Vorbild war «die grosse Fete»
der Pariser Kommune von 1870 (...). Sie hatten sich
geschworen, sich nicht von der Gesellschaft des
Spektakels vereinnahmen zu lassen, und glänzten
dermassen in der Kunst der Verweigerung, dass die
seit einigen Jahren dutzendweise publizierten
Studien, Biographien, Spezialnummern von
französischen Zeitschriften und Dokumentationen je
und je daran scheitern, das Phänomen Situationismus,
das «Phantom Avantgarde» wirklich in den Griff zu
bekommen."
(Stefan Zweifel in der Neuen
Zürcher Zeitung vom 03.05.2003)
Die Gesellschaft
des Spektakels in der Debatte
"Für Debord war die Gesellschaft des
Spektakels die moderne Gesellschaft schlechthin, in
keiner Hinsicht natürlich, ein interessenbestimmtes
Konstrukt, aber dessen ungeachtet unveränderlich
vollständig:»Realität erhebt sich mit dem Spektakel,
und das Spektakel ist real«."
(Greil Marcus "Lipstick Traces",
1996, S.103)