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Honoré de Balzac: Die Frau von dreißig Jahren

 
       
     
       
   
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    Honoré de Balzac in der Debatte

     
       
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    Pathologie des Soziallebens (2002)
    Leipzig: Reclam

     
       
     
     

    Klappentext

    "Zum ersten Mal in deutscher Sprache: der Schlussteil der »Menschlichen Komödie« - eine Kulturgeschichte des Alltags. Die Tradition des französischen Moralismus hat hier ihren Ernst abgelegt. Der große Romancier zeigt sich als gewandter Essayist und gewitzter Physiognomiker."

    Pressestimmen

    "Wie ein gutes Jahrhundert später Pierre Bourdieu analysiert er akribisch die Bedeutung der feinen Unterschiede. Wenn der alte Adel abgetreten und der neue Adel von Geist, politischer Klasse und Gewerbe an seine Stelle getreten ist, müssen die Insignien der neu gewonnenen Position gefunden werden, um den feinen Unterschied zu markieren. Das ist sogar notwendiger als beim ursprünglichen Adel, der nach Balzacs Beobachtung durch seine Geburt hinreichend legitimiert war und ansonsten leben und sein konnte, wie es ihm gefiel: klug und verfeinert oder dumm und ordinär. Die entscheidenden Differenzierungen des gesellschaftlichen Lebens entfalten sich dagegen erst mit dem bürgerlichen Zeitalter. Entsprechend groß ist dann auch die Gefahr des Absturzes."
    (Jochen Schimmang in der Welt v. 17.05.2002)

     
     
     
           
       
    • Rezensionen

      • SCHIMMANG, Jochen (2002): Du bist, wie du gehst.
        Balzacs "Pathologie des Soziallebens",
        in: Welt v. 17.05.
      • MÉTRAUX, Alexandre (2002): Stolpern, Stampfen, Stolzieren.
        Was uns am meisten erschöpft, sind Überzeugungen: Honoré de Balzac entschlüsselt gebeugte Leiber im Gehen,
        in: Süddeutsche Zeitung v. 26.11.
     
           
       

    Die Frau von dreißig Jahren (1981)
    (Original: La femme de trente ans)

    Zürich: Diogenes

     
       
     
     

    Stimmen zum Buch

    "»Ihre Leidenschaft wird stark in der Ahnung einer erschreckenden Zukunft.« Das ist einer jener Schlüsselsätze des Romans, die aus der einen Julie d'Aiglemont den Typus der Frau von dreißig Jahren machen sollen. Die »erschreckende Zukunft« ist auf vielen Gängen des Comédie-Labyrinths in ihrer Extremform ausgemalt: jener der »alten Jungfer«. Die Frau von dreißig Jahren ist die Larvenform der alten Jungfer, auch als Ehefrau, als Geliebte: durchdrungen von der Angst vor einem geschlechtslosen Leben. Das lädt sie so mit Leidenschaft auf - einer Leidenschaft, die sich »zum letzten Male« sammelt und entladen will, auf der Schwelle zur Resignation. Die Leidenschaft ist das Produkt der Kürze des Lebens - jener sozialen Kürze des erotischen Frauenlebens (...).
    Um die Angst vor dem Älterwerden zu begreifen, bedarf es der Einsicht in den Zusammenhang der Ehe. (...). Der Ehebruch hat nur deshalb seinen sinistren Glanz, weil die Ehe mit ihrer Unauflöslichkeit eine so abgründige Tristesse besitzt. Diese Unauflöslichkeit ist ein Alptraum (...).
    Der ganze Typus der »Frau von dreißig Jahren« hat als Hintergrund diesen Alptraum."
    (Joachim Kalka im Kursbuch 154, Dezember 2003)

     
     
     
           
         
       
    • Die Frau von dreißig Jahren in der Debatte

      • KEGEL, Sandra (2001): Die Frau von dreißig Jahren.
        Ally McBeal, der Sex und die Stadt: Mutmaßungen über eine neue Condition féminine, die die Frauenfrage nicht obsolet macht, aber anders stellt,
        in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.09.
        • Inhalt:
          Ein umfangreicher Essay über die dreißigjährige ledige Frau in den Medien.
                
          KEGEL kann "Sex and the City" nichts abgewinnen. Sie sehnt sich nach AUSTENs "Emma" zurück, die sie als Vorgängerin von Frauenfiguren wie Bridget Jones und Ally McBeal sieht.
                
          KEGEL sieht zwischen diesen Frauen nur einen einzigen Unterschied: Emma ist zehn Jahre jünger. Der Grund: "Die Fragen, die heute eine Dreißigjährige beschäftigen, stellten sich vor zwei Jahrhunderten einfach früher."
      • FALLER, Heike (2003): Schwieriges Alter.
        Es ist so eine Sache mit uns Frauen um die 30. Das Glück ist immer woanders,
        in: Die ZEIT Nr.48 v. 20.11.
        • Kommentar:
          Das demnächst erscheinende Kursbuch ist den Dreißigjährigen gewidmet - hechelt also dem Zeitgeist, der inzwischen die 35jährigen entdeckt hat, etwas hinterher.

                
            Die ZEIT druckt einen Text vorab, der sich mit einem Lieblingsthema unserer Rentenreformrepublik beschäftigt, und insofern immer wieder aktuell ist:
                
            "Torschlusspanikbeziehung, aus Angst, von der Evolution abgewiesen zu werden, wie von einem gemeinen Türsteher, dessen Selektionskriterien man nicht versteht?
          Horrorvorstellung. Wie war ich noch mal darauf gekommen? Weil es mit 30, allein im Bett liegend, neben sich nur einen Spiegel mit einer Titelgeschichte, in der steht, dass die Fruchtbarkeit von Frauen nicht, wie bisher angenommen, mit 39, sondern schon mit 32 rapide abnimmt und ihren Höhepunkt eigentlich mit 13 überschritten hat, nur eine Vorstellung gibt, die noch furchterregender ist, als jedes Wochenende und jeden Urlaub mit einem Mann zu verbringen, den man nicht liebt, und vielleicht sogar Kinder zu haben, die ein bisschen so sind wie der Mann, den man nicht liebt: allein zu bleiben. Kinderlos. Bis man schließlich mit 60 beim Fensterputzen ausrutscht und zwei Jahre später skelettiert aufgefunden wird, von seinem Neffen, der netterweise alle zwei Jahre auf ein Käffchen vorbeigekommen ist.
          "

                
            Gewollte Kinderlosigkeit ist dagegen das neue Tabuthema, Ausnahmen wie Susie REINHARDT bestätigen nur die Regel.
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 09. Dezember 2000
    Update: 09. Dezember 2003
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