"Wer verliebt ist, möchte am liebsten
mit dem anderen auf einer rosaroten Wolke der
Realität entschweben. Dass dieses Gefühl der
Leichtigkeit des Seins in der Regel nicht lange
anhält, merkt man spätestens dann, wenn morgens die
Zahnpasta nicht aus der Tube kommen will, weil die
Herzallerliebste sie völlig zerknautscht hat, oder
wenn plötzlich ein ausgestopfter Fischkopf das
Wohnzimmer ziert, weil der geliebte Hobbyangler
seinen ersten Hecht gefangen hat. Die eigenartigen
Vorstellungen und Verhaltensweisen unserer Partner
können uns gewaltig auf die Nerven gehen. Dieser
Ärger ist jedoch keineswegs zufällig und
bedeutungslos, sondern läuft stets nach präzisen
Mechanismen ab, die Aufschluss darüber geben, wie
Beziehungen insgesamt funktionieren.
Für sein neues
Buch hat Jean-Claude Kaufmann zahlreiche ebenso
verzweifelte wie unwiderstehlich komische Aussagen
von Frauen und Männern über ihren Beziehungsärger
gesammelt und ausgewertet. Durch die Infragestellung
der traditionell vorgeschriebenen Rollen und das
Streben nach Gleichberechtigung und
Selbstverwirklichung scheint das Ärgerpotenzial seit
den 1960er-Jahren kontinuierlich anzusteigen.
Kaufmann zeigt
die Ursachen auf und untersucht, welchen Einfluss
das soziale Umfeld hat. Er geht der Frage nach, ob
Frauen und Männer sich auf unterschiedliche Art und
Weise ärgern, und schildert, welche Kriegslisten und
Liebestaktiken sie ersinnen, um den Ärger zu beheben
oder mit ihm klarzukommen. Denn glücklicherweise hat
auch diese Fähigkeit zugenommen."