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Monique de Saint Martin:
Der Adel und seine Strategien in der Mediengesellschaft
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Monique de Saint Martin
in ihrer eigenen Schreibe
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Monique de Saint Martin
im Gespräch
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Klappentext
"Monique de Saint Martin arbeitete
lange gemeinsam mit Pierre Bourdieu an Studien zum
Episkopat, den Großindustriellen und Künstlern. Die
dort erarbeiteten Verfahren der soziologischen
Beschreibung wandte sie in dieser Studie auf den
Adel an. Das ist insofern ein Glücksfall, als
Monique de Saint Martin als Mitglied eines alten
französischen Adelsgeschlechts mit der Lebenswelt
des Adels vertraut ist und einen »natürlichen«
Zugang zu den Treffen, Institutionen und Personen
des französischen Adels hat. Aus der soziologischen
Arbeit mit Bourdieu verfügt sie über die Instrumente
und einen Blick, der es ihr ermöglichte, die Distanz
zu wahren und aus einer ethnologischen Perspektive
heraus das Feld des Adels zu kritisch reflektiert,
aber auch ohne Ressentiments zu beschreiben.
Die Autorin zeigt eine gesellschaftliche Gruppe, der
es noch 200 Jahre nach Abschaffung des
Adelsprivilegs gelingt, das Verständnis vom Adel als
Menschen besonderer Qualität zu erhalten. Dieser
Status wird nicht nur vom Adel selbst gepflegt,
sondern ihm auch von anderen Gruppen der
Gesellschaft zugeschrieben. Um diesen Status jedoch
erhalten zu können, bedurfte und bedarf es eines
Transformationsprozesses, den Monique de Saint
Martin als Rekonversion der politischen und
ökonomischen Macht in symbolisches, soziales und
kulturelles Kapital beschreibt. So verfügen Adlige
heute über Diplome von Elite-Hochschulen und
gewinnen auf diese Weise die Anerkennung der
modernen Leistungsgesellschaft. Andere genießen
hohes gesellschaftliches Ansehen für ihr
ehrenamtliches Engagement in Stiftungen und Vereinen
zur Unterstützung sozial Benachteiligter oder in
anderen Wohlfahrtsorganisationen.
Im Zentrum der Studie stehen die verschiedenen
Strategien der Rekonversion. Die Autorin beschreibt,
wie Adlige ihr Netzwerk als soziales Kapital
unterhalten, sich zur gegenseitigen Hilfe
verpflichten, wie sie ihr Selbstverständnis und ihre
Distinktion pflegen und in Kunst, Bildung,
Statussymbole und Vermögen investieren. Und sie
beschreibt, wie gefährdet diese Welt des Adels ist:
Allein vom Erfolg dieser Strategien hängt ab, ob es
dem Adel gelingt, auch künftig seine hervorgehobene
und damit für ihn standesgemäße Position zu wahren."
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Rezensionen
- Neu:
KÖRBER, Karen
(2003): Ritterschaft, zum Jagen geboren.
Monique de Saint Martin schießt auf den Adel,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.03.
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Strategien des Adels
-
SCHÖNBURG, Alexander von
(2003): Glanz ist in der kleinsten Hütte.
Deutschland muss lernen, in Anmut zu sinken und mit Stil zu
verarmen. Hier hilft das Nabokov-Prinzip,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.03.
- Kommentar:
Adel verpflichtet! Bei der SZ nimmt man
sich an der BUNTE ein Vorbild. Statt Frauentag ist heute Adelstag!
Der Artikel hätte natürlich nicht in
der Bunte erscheinen können, weil es hier um eine Kritik am
Kündigungsschutz in Deutschland geht:
"Auch wenn ich es in meinem persönlichen Fall
natürlich bedauere, muss ich dennoch einsehen, dass mein
ehemaliger Arbeitgeber richtig gehandelt hat. Es ist nicht ganz
von der Hand zu weisen, dass sich ein Unternehmen in Zeiten wie
diesen keine neuen Mitarbeiter leisten kann, wenn es ihm durch das
Gesetz praktisch unmöglich gemacht wird, sie je wieder
loszuwerden".
Ansonsten droht die SZ an, dass nun
SCHÖNBURG wöchentlich das
stilvolle Verarmen predigen darf,
denn:
"Der Vorteil von Familien wie meiner
ist nun, dass wir jahrhundertelang Erfahrung mit dem stetigen
sozialen Abstieg machen konnten und daher eine gewisse Übung darin
haben".
Durch das "Ein Herz für den
Adel"-Engagement der SZ gibt es wenigstens einen
Generation Golf-Arbeitslosen in
Deutschland weniger. Für den Rest seiner Sozialstaats-Generation hat SCHÖNBURG
nur Verachtung übrig:
"Angeblich laufen alleine in Berlin zehntausend
arbeitslose Journalisten herum. Wenn man jene hinzuzählt, die es
bereits beim Platzen der New-Economy-Blase erwischt hat (...), hat
Berlin endlich wieder die Chance, eine Art Bohème zu entwickeln.
Allerdings sieht man in dieser Stadt keine fröhlichen, sondern nur
abgerissene Gestalten, die in Kaffeehäusern Ideen entwickeln.
Oder mies gelaunte, bestenfalls melancholische ehemalige Kollegen.
Sie beklagen ihren Zustand und sind so damit beschäftigt, von der
Künstlersozialkasse in kunstvoll formulierten Briefen Geld zu
fordern sowie Formulare für Ich-AGs auszufüllen, dass sie keine
Zeit haben, ins Kaffeehaus zu gehen. Für die 600 Euro monatlich,
die man als Gründer einer Ich-AG vom Staat erhält, hätte Nabokov
im viel beschworenen Berlin der zwanziger Jahre hunderte Stunden
Nachhilfeunterricht (in Englisch, Französisch, Versmaß, Tennis und
Boxen) geben müssen. Das Verarmen wird einem heute durch den Staat
einerseits schwerer gemacht. Andererseits muss es wohl früher sehr
viel leichter gewesen sein, würdevoll arm zu sein – es gab noch
keinen Konsumterror".
Diedrich DIEDERICHSEN hat in
"Freiheit macht arm" (1993) beschrieben, dass es auch einmal ganz
anders ging.
Dort beschreibt er, wie im Paris um
die Mitte des 19. Jahrhunderts die Umwertung der Subversion
begann, damals als sich
"zum ersten Mal herabgesunkene
Adlige, die in der bürgerlichen Aufklärung nur den Ruin schon
erlebter oder besessener Feinheiten ausmachen konnten, und von
unten nicht zur bürgerlichen Kommunikationswelt zugelassene
Schonnichtmehrproletarier in den gleichen Lokalen trafen (...). In
diesen Lokalen fiel nämlich der ästhetische und der politische
Abstand zur sich institutierenden Kommunikationsidee zusammen. Die
ästhetische Differenz zum bürgerlichen Geschmack, seiner
Warenförmigkeit, empfand sich als politisch und, umgekehrt, die
politische als ästhetisch."
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