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Aldous Huxley: Schöne neue Welt

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1884 in England geboren
    • 1932 Roman "Brave New World"
      (deutsch:
      "Schöne neue Welt")
    • 1954 Buch "Doors of Perception"
    • 1958 Buch "Brave New World Revisited"
      (deutsch: ("Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt")
    • 1963 gestorben
    • ausführliche Biografie (BBC)
 
       
     
       
   

Schöne neue Welt (1981)
Ein Roman der Zukunft

Frankfurt: Fischer

 
   
     
 

Klappentext

"Die schöne neue Welt, die Huxley hier beschreibt, ist die Welt einer konsequent verwirklichten Wohlstandsgesellschaft »im Jahre 632 nach Ford«, einer Wohlstandsgesellschaft, in der alle Menschen am Luxus teilhaben, in der Unruhe, Elend und Krankheit überwunden, in der aber auch Freiheit, Religion, Kunst und Humanität auf der Strecke geblieben sind. Eine totale Herrschaft garantiert ein genormtes Glück. In dieser vollkommen »formierten« Gesellschaft erscheint jede Art von Individualismus als »asozial«, wird als »Wilder« betrachtet, wer - wie einer der rebellischen Außenseiter dieses Romans - für sich fordert: »Ich brauche keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirkliche Gefahren und Freiheit und Tugend. Ich will Sünde!«

Aldous Huxleys Roman und die Skepsis gegenüber der Reproduktionsmedizin

"Aldous Huxleys »Schöne neue Welt« liegt aus historischen und biographischen Gründen viel näher an der wissenschaftlichen Realität der In-vitro-Fertilisation. Anfang der 1930er Jahre arbeitet Gregory Pincus in Cambridge bereits an seinen künstlichen Befruchtungsversuchen mit Mäusen und Kaninchen, und Huxley hat über seinen Bruder Julian, einen in der Eugenik-Bewegung aktiven Embryologen, direkten Zugang zu den neuesten Forschungen und gesellschaftspolitischen Visionen der Reproduktionsbiologie. Anregungen für seinen Science-Fiction-Klassiker über einen Staat, der keine sexuelle Fortpflanzung mehr duldet und die Entstehung neuer Menschen von der Befruchtung bis zur »Entkorkung« in fabrikartige Labore verlegt, erhält Aldous Huxley durch die eugenischen Manifeste im Umfeld seines Bruders (...). Aldous Huxley verfasst den Roman also zeitgleich mit den ersten tatsächlichen Experimenten zur extrakorporalen Befruchtung (Pincus veröffentlicht seinen bahnbrechenden Aufsatz 1934), und es ist bemerkenswert, dass schon die allerfrühesten Reaktionen auf diese wissenschaftliche Zäsur einen Zusammenhang zu der gerade erschienenen literarischen Dystopie herstellen. »Die 'schöne neue Welt Huxleys scheint Realität zu werden«, heißt es 1937 in einem Editorial des New England Journal of Medicine über Pincus' Versuche:
Vierzig Jahre später, nach der Geburt der ersten in vitro gezeugten Menschen, wird das Buch geradezu als prophetische Vorwegnahme der aktuellen Ereignisse gedeutet. Um die Detailgenauigkeit der Schilderungen zu unterstreichen, ergänzen die Zeitungen ihre Artikel über Louise Brown um den Abdruck langer Passagen des Romans (...) oder veröffentlichen, wie die »Zeit« im Februar 1979, Dossiers über den Zusammenhang von Huxleys Schreckensvision und der Wirklichkeit der Reproduktionsmedizin. Eines der ersten populärwissenschaftlichen Bücher über die neue Zeugungstechnik trägt den Untertitel »Brave New Hope - or Horror?« Bis weit in die achtziger Jahre hinein bleibt der totalitäre Zukunftsstaat ein Leitbild der Berichterstattung über neue Reproduktionstechnologien."
(aus: Andreas Bernard "Kinder machen", 2014, S.431f.)

Die Debatte um Aldous Huxley nach dem Erscheinen von Houellebecqs Roman "Elementarteilchen"

"Ich weiß natürlich (...), daß man Huxleys Welt im allgemeinen als einen totalitären Alptraum beschreibt und versucht, in diesem Buch eine scharfe Anklage zu sehen; doch das ist reine Heuchelei. Brave New World ist für uns in jeder Hinsicht - sei es, was die genetische Kontrolle, die sexuelle Freiheit, den Kampf gegen das Altern oder die Freizeitkultur betrifft - ein Paradies, in Wirklichkeit ist es haargenau die Welt, die wir anstreben, wenn auch bisher noch ohne Erfolg."
(aus: Michel Houellebecq "Elementarteilchen", 1999, S.177)

"Nicht ohne Staunen wies der Schweizer Publizist Arnold Künzli in seinem Buch »Menschenmarkt« darauf hin, daß einer der Verfechter einer modernen Eugenik Julian Huxley war, ein Halbbruder von Aldous Huxley (...).
Julian Huxley (...) formulierte die These,  »Schöne neue Welt« (...) sei ursprünglich als positive Utopie intendiert gewesen, erst in der allgemeinen Depression nach dem zweiten Weltkrieg habe Aldous seinem Buch eine negativ-kritische Interpretation gegeben (...).
Man kann nicht sagen, Houellebecq habe (...) abwegige Ideen darstellen wollen. Gefährliche Ideen vielleicht, aber keine abwegigen. Die Bruderschaft der Huxleys könnte ihn zu der seines Figurenpaars inspiriert haben: hier der Notleidende, Scheiternde - dort der entrückte Überwinder."
(aus: Leopold Federmair "Human Trash", 2002, S.301f.)

 
     
 
       
   

Die schöne neue Welt in der Debatte

FEDERMAIR, Leopold (2002): Human Trash.
Von Goethe zu Houellebecq,
in: Sinn und Form, H.3, Mai-Juni, S.293-309

Infos zu: Leopold Federmair - Autor der Single-Generation

DATH, Dietmar (2009): Der Möchtegernschamane,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.03.

Infos zu: Dietmar Dath - Autor der Generation Golf

Neu:
WACKWITZ, Stephan (2013): Hass auf die Massen.
Was bleibt von Huxleys "Schöne neue Welt"? Zum 50. Todestag des Autors gibt es eine Neuübersetzung. Eine Wiederbegegnung,
in:
Welt v. 16.11.

Stephan WACKWITZ, einst K-Gruppen-Angehöriger, danach zu Mode & Verzweifelung konvertiert und mittlerweile Verteidiger des "demokratischen Massenkonsums", beschäftigt sich mit Aldous HUXLEYs Utopie bzw. Dystopie (je nach Lesart) Schöne neue Welt. Er wirft dem Autor elitäre Massenverachtung vor, die zwar vom kalifornischen Way of Life profitierte, ihn zugleich aber geißelte. Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern WACKWITZ nicht eine Geisteshaltung vertritt, die lediglich ein modernes Update dessen ist, was HUXLEY zu seiner Zeit angetrieben hat.

Ist die Gleichsetzung des Massenkonsums mit Demokratie in Zeiten der neuen Klassengesellschaft, in der Individualisierung für immer mehr Menschen nicht mehr Verheißung ist, sondern eine Klassengrenze zwischen jenen, die integriert und jenen, die ausgeschlossen sind, markiert, noch fortschrittlich oder schon reaktionär?

Kommt heutzutage also elitäre Massenverachtung nicht im Gewande einer scheinbar demokratischen Verteidigung des Konsumkapitalismus daher?    

 
   

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Update: 04. August 2014