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Eva Illouz: Der Konsum der Romantik

 
       
     
       
     
       
   

Eva Illouz in ihrer eigenen Schreibe

 
     
       
   

Eva Illouz im Gespräch

 
   
  • GRAW, Isabelle (2003): Der Liebe wegen.
    Ein Interview mit Eva Illouz,
    in: Texte zur Kunst, Heft 52, Schwerpunkt "Liebe"
  • LANG, Susanne (2004): "Werther würde heute nicht mehr Selbstmord begehen. Er würde im Internet nach einer anderen Frau suchen".
    Die Soziologin Eva Illouz über die romantische Liebe in Zeiten des Kapitalismus, Partnerwahl im Internet und das Dilemma der Konservativen,
    in: TAZ v. 26.04.
    • Kommentar:
      Eva ILLOUZ hat mit "Der Konsum der Romantik" ein Buch über die Liebe in der modernen Gesellschaft geschrieben. Im Interview geht sie u.a. auf die Koexistenz zweier Liebesmodelle ein:

            
        "Ich glaube, in unserer Kultur existieren zwei konkurrierende Liebesmodelle. Das romantische besteht in einer Erfahrung: spontan, plötzlich und überwältigend. Man ist fasziniert von einer Person, in die man verliebt ist. Das andere Modell ist das realistische. Es macht uns sehr misstrauisch gegen diese Romantik, sagt uns, dass es nicht von Dauer ist, nur ein Produkt von Hollywood-Klischees. Es kreist im Gegenzug darum, den Arbeitsalltag mit all seinen Schwierigkeiten zusammen zu meistern und dem andern die Hand zu halten, wenn er krank ist. Beide Modelle existieren gleichzeitig."
            
        Der französische Soziologe Jean-Claude-KAUFMANN hat in seinem Buch "Der Morgen danach" die Koexistenz der beiden Liebesmodelle und ihre Konsequenzen aufgezeigt.
            
        ILLOUZ sieht in der Online-Partnersuche eine Beschleunigung des pragmatischen Liebesmodells:
            
        "Das Internet hat die Einstellung von Männern und Frauen zur Liebe grundsätzlich verändert, weil es einen riesigen Pool an möglichen Kandidaten eröffnet. Eine Suchmaschine kann bis zu 200 Treffer auf eine sehr individuelle Anfrage liefern. Im 19. Jahrhundert hatte eine Frau vielleicht drei Angebote in ihrem ganzen Leben. Beim zweiten überlegte sie sehr gut, ob sie es ablehnen sollte. Heute ist man extrem wählerisch. Liebe ergibt sich aus einem rationalen Suchprozess, den das Internet verstärkt hat: Man wählt nicht auf der Grundlage von körperlicher Präsenz oder Merkmalen, sondern nach Vorlieben, Bildungsgrad, Status, Alter und so weiter. Erst danach wartet die Hürde des ersten Treffens."
            
        Hans-Peter BLOSSFELD hat anhand einer europäischen Untersuchung nachgewiesen, dass die von ILLOUZ genannten Kriterien der gemeinsamen Vorlieben, Bildungsgrad und Status bereits für die Offline-Partnersuche gelten. Bildungssysteme und die damit verbundene Infrastruktur haben als Heiratsmärkte bereits zur Durchsetzung dieser Kriterien geführt.
  • USTORF, Anne-Ev (2007): "Der Liebesbegriff wird neu definiert".
    Die Soziologin Eva Illouz über das Internetdating,
    in:
    Psychologie Heute, August
  • MISIK, Robert (2009): "Zur nächsten Affäre zappen".
    Die Soziologin Eva Illouz über Liebe in Zeiten des Kapitalismus, Konsum als Romantikturbo und Onlinedating,
    in:
    Falter Nr.4 v. 21.01.
  • THADDEN, Elisabeth von (2009): Am Seelenmarkt.
    Wer denkt für morgen? (3): Die Soziologin Eva Illouz untersucht, was der Kapitalismus mit den Gefühlen anstellt. Und umgekehrt,
    in: Die ZEIT Nr.17 v. 16.04.
  • SCHMID, Birgit (2009): Ihr fühlt zu viel!
    Im Gespräch: Niemand seziert den Kult um die Gefühle des modernen Menschen so gnadenlos wie die israelische Soziologin Eva Illouz,
    in: Das Magazin des Tages-Anzeiger Nr.25 v. 20.06.
  • JANTSCHEK, Thorsten (2009): Von Glückssuchern und Seelenklempnern.
    Die israelische Soziologin Eva Illouz im Gespräch mit Thorsten Jantschek über die Folgen und Risiken der heutigen Therapiegesellschaft,
    in: radiobremen.de v. 01.09.
 
       
   

Die Errettung der modernen Seele (2009)
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
 
 

Klappentext

"Wir leben in einer durchpsychologisierten Gesellschaft. Selbsthilfegruppen schießen wie Pilze aus dem Boden, Beziehungsratgeber erzielen gigantische Auflagen und die Einschaltquoten von Serien wie Die Sopranos oder Pseudo-Dokus wie Zwei bei Kallwass lassen die Herzen der Programmacher höher schlagen. Was früher verschämt verschwiegen wurde, gehört in westlichen Gesellschaften heute zum festen Repertoire einer aufgeklärt-bürgerlichen Mittelschicht: der Gang zum Therapeuten. Ehekrisen löst man nicht mehr in den eigenen vier Wänden, sondern in der Praxis eines Paartherapeuten, Spezialpsychiater für Milliardäre helfen bei der seelischen Bewältigung großer Vermögen und jeder Spitzensportler, der etwas auf sich hält, hat einen Psychologen an seiner Seite.

In ihrem neuen Buch untersucht die israelische Soziologin Eva Illouz, wie sich der therapeutischen Diskurs auf unser kulturelles und emotionales Leben auswirkt. Sie zeichnet den Siegeszug der Psychoanalyse in den USA nach, der 1909 mit Freuds Amerikareise begann und über die kulturellen Eliten rasch zur festen Verankerung psychologischer Denkmuster zunächst in der amerikanischen Kultur führte. Anhand zahlreicher empirischer Beispiele und mit den scharfen Instrumenten einer kritischen soziologischen Theorie seziert sie die Facetten und Funktionsweisen eines Diskurses, der die Vorstellungen von der Identität des modernen Subjekts tiefgreifend verändert. Therapien und die Kultur der Selbsthilfe, so eines ihrer Ergebnisse, verändern den emotionalen Stil einer Gesellschaft und machen das Leben nicht leichter, sondern im Gegenteil komplizierter."

 
 
 
       
     
       
   

Gefühle in Zeiten des Kapitalismus (2006)
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
 
 

Klappentext

"Wer in diesem Buch die Annahme bestätigt bekommen möchte, daß der Kapitalismus zu einer distanzierten, kühlen und unemotionalen Welt geführt habe, in der sich ökonomisches Handeln und das Reich der authentischen Gefühle unversöhnlich gegenüberstehen, wird sich verwundert die Augen reiben. Die israelische Soziologin Eva Illouz geht vielmehr von der These aus, daß die Kultur des Kapitalismus eine intensive emotionale Kultur ausgebildet hat: am Arbeitsplatz, in der Familie und in jeder Form von sozialen Beziehungen. Und sie geht weiter: Während ökonomische Beziehungen immer mehr und immer weitgehender durch Gefühle bestimmt werden, gilt für das Reich der Gefühle das Umgekehrte: Sie werden ihrerseits durch eine Ökonomisierung geprägt, die von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Trennung das Gefühlsleben reguliert. Dieses wird in immer deutlicherer Weise geprägt durch Verhandlungen, Austausch, Investitionen und Eigenkapital. Wer hat noch nicht davon gesprochen, etwas in eine Beziehung zu investieren? Illouz faßt dieses eigentümliche Verhältnis als emotionalen Kapitalismus und geht ihm in verschiedenen Feldern nach. Sie untersucht die neue Form der Gefühle im Internet-Chat und in Partnerbörsen, in Lifestyle-Magazinen und in Filmen, nimmt aber auch jene Berufsgruppe in den Blick, die aus den Irrungen und Wirrungen der Gefühle ihr Kapital zieht: die klinischen Psychologen."

 
 
 
       
   
  • Rezensionen

  • ENGELS, Bettina (2006): Unsere Gefühle in höchster Gefahr.
    Beziehungsarbeit mit Eva Illouz,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.03.
  • GUTZEIT,Angela (2006): Wo klebt der soziale Kitt?
    Eva Illouz fragt nach den Gefühlen im Kapitalismus,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 16.03.
 
       
   

Der Konsum der Romantik (2003).
Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus
Frankfurt a/M: Campus

 
   
 
 

Klappentext

"Romantische Liebe gilt als letztes Refugium in einer kommerzialisierten Welt. Dieses Buch dagegen beleuchtet, wie sich die Paarbeziehung unter dem Einfluss des totalen Konsums verändert hat.

Zu den kulturellen Widersprüchen, die den Kapitalismus kennzeichnen sollen, gehört der Gegensatz von romantischem Liebesideal und der kalten Welt der Ökonomie. Das in den USA preisgekrönte Buch zeigt dagegen auf, inwiefern die beiden Sphären sich längst wechselseitig beeinflussen und ineinander übergehen: So, wie die Konsumsphäre in wachsendem Maße auf die Erzeugung romantischer Gefühlszustände abzielt, so geraten die Intimbeziehungen immer stärker in Abhängigkeit von der Inszenierung und dem Erlebnis des Konsums. Die kollektive Utopie der Liebe, einst als Transzendierung des Marktes idealisiert, ist im Prozess ihrer Verwirklichung zum bevorzugten Ort des kapitalistischen Konsums geworden.
"

Pressestimmen

"Eva Illouz' Studie ist (...) ein weiterer - und adäquater - Meilenstein jener wissenschaftlichen «Soziologie der Liebe», die man, vielleicht, mit Georg Simmel beginnen lassen darf. Wenn die Romantik als eine kulturelle Praxis verstanden wird, mit der fühlende Wesen jenem Glücksversprechen hinterherjagen, das im Terminus Liebe liegt, dann sieht es in der kapitalistischen Moderne schlecht aus: Die Liebe transzendiert nicht mehr den Markt, sondern sie ist zu ihrem Gegenstand geworden."
(Lx in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15.11.2003)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von Axel Honneth

Eine Einführung in die Soziologie der Liebe

Romantische Liebe als kulturelle Praxis
Romantische Liebe als Utopie der Überschreitung
Anordnung und Aufbau der Kapitel
Zur Methode

1 Als die Liebe auf den Markt traf

Die Säkularisierung der Liebe oder Liebe als neue Religion
Liebe zu verkaufen
Der Preis der Liebe
Allein in der Öffentlichkeit
Das Rendezvous und der Geist des Konsumismus

2 Von der romantischen Utopie zum amerikanischen Traum

»You could be here, now«
»Natürliche« Liebe
Liebe als unsichtbarer Reichtum
Codes verlieren an Kraft

3 Eine alles verzehrende Liebe

Die Welt wieder verzaubern
Eine verzehrende Leidenschaft
Der Luxus der Liebesromantik
Reise, Natur und Liebesromantik
Romantik als Liminalität
Liebe als Ware: Ideologie oder Utopie?

4 Reale Fiktionen und fiktionale Realitäten

Liebe auf den ersten Blick
Realistische Liebe
Realität als Fiktion
Fiktion als Realität
Zur postmodernen Lage der Liebe

5 Motive der Leidenschaft

Eine sehr vernünftige Verrücktheit
Sozioökonomische Grenzziehungen
Moralische und persönliche Grenzziehungen
Bildungsspezifische und kulturelle Grenzziehungen
Ich rede und deshalb liebst du mich
Liebe umsonst

6 Die Liebes-Klassen

Die elementaren Formen romantischer Liebe
Liebe als Differenz
Liebe und symbolische Dominanz
Klasse, Liebe und die Struktur des Alltagslebens

Schluss: Ein Happy End?
Die Geschichte von der Liebe

 
 
 
       
   
  • Rezensionen

  • GEYER, Christian (2003): Wir blickten über Paris, und dann der Eiffelturm.
    Romantischer als Bier ist immer noch der Champagner: Eva Illouz über wahre Liebe und souveräne Verschwendung in den Zeiten des Kapitalismus,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 07.10.
  • STIEGLER, Bernd (2003): Küssen wie im Kino.
    Die Soziologin Eva Illouz schildert die Verführung der romantischen Liebe durch die kapitalistische Warenwelt,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 08.10.
  • THADDEN, Elisabeth von (2003): Der Preis der Liebe.
    Die israelische Soziologin Eva Illouz hat erforscht, wie heillos das großartigste aller Gefühle in den Kapitalismus verstrickt ist,
    in: Literaturbeilage der ZEIT Nr.42 v. 09.10.
    • Kommentar:
      Für Konservative gehören Paar und Familie untrennbar zusammen, weswegen THADDEN gleich voranstellt:

                "Wer sich dafür interessiert, warum es in den postindustriellen Gesellschaften an Kindern fehlt, kann in diesem Buch erstaunlich gute Erklärungen finden. Allerdings fragt das Buch nicht danach. Es untersucht nicht die Betreuungsschlüssel in Kindergärten, nicht die Frauenbeschäftigungsquoten und Gleichstellungsgesetze. Es stellt die Frage nach den Geburtenraten nicht mal. Kinder kommen fast gar nicht vor."
      Das Buch fragt vielmehr, was mit der Liebe sei.
      "
                Auch die traditionelle Soziologie hat das Paar bisher nicht als eigenständiges Sozialsystem in den Blick genommen. Eine Soziologie des Paares fristet deshalb ein Nischendasein, obwohl in unserer paarorientierten Gesellschaft (Dorothea KRÜGER) nichts wichtiger wäre.
      Konservative Romantiker wie Michel HOUELLEBECQ sehen in der
      Familie das letzte Bollwerk gegen den Kapitalismus. Eva ILLOUZ ist da realistischer:

                "Ist die Geschichte der Liebe eine Verfallsgeschichte?
      »Jeder Versuch, das soziale Geflecht wiederherzustellen«, schreibt Illouz am Ende gegen die konservativen Apologeten der Familie, »muss sich mit der Tatsache auseinander setzen, dass sich die Verbindung von Liebe und postmoderner Konsumkultur tief in die Seelen der gebildetsten und kreativsten Gesellschaftsteile eingeprägt hat und eine Macht ausübt, die sich nicht leicht im Schnellverfahren abschaffen lässt.« Was der Markt von jedem Einzelnen an Selbstdarstellung und Unverwechselbarkeit verlangt, was in der Sphäre des Warentauschs notwendig ist, kann nicht an der privaten Tür wie ein Arbeitskittel abgestreift werden.
      "
  • KOMMERELL, Kathrin (2003): Er hat mir nie Blumen gebracht.
    Venus und Marx: Eva Illouz hat ein melancholisch-kluges Buch über das Schicksal der Liebe geschrieben,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 23.10.
  • Inhalt:
    "Was wäre unsere Werbung, unsere Warenwelt ohne die Energie der Liebesutopie, mit der sie die Waren zu Sehnsuchtsobjekten auflädt, zum abrufbaren Traum?
    (...). Wie halten es die Kinder und Kindeskinder von Marx und Coca-Cola mit der Liebe? Es wird fleißig weiter geliebt, nur anders. Aber wie anders? Da wird es erst eigentlich interessant. Das wusste Eva Illouz (...) und schrieb ein Buch darüber" weis KOMMERELL zu berichten.

              Gegen Schluss geht die Rezensentin auch auf die soziale Ungleichheit in Liebesdingen ein:
              "Eva Illouz stellt einleuchtend dar, wie Liebende aus der Mittel- und oberen Mittelschicht dabei privilegiert sind: Ihnen stehen nicht nur durch ein höheres Einkommen und mehr Freizeit die Konsum-Mittel zur Verfügung, ihr Liebesverhältnis rituell zu erneuern. Sie verfügen auch über eine höhere »kulturelle Kompetenz« und damit über ein größeres Repertoire, besonders über den Weg des Redens ihre Liebesutopie mit dem Alltag zu verweben. Die soziale Ungleichheit, die daraus erwächst, ist ein Preis, der im Kapitalismus zu zahlen ist."
  • LX (2003): Liebe, konsumiert,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.11.
  • KLUY, Alexander & Michael PRELLBERG (2003): Kostspielige Romantik,
    in: Financial Times Deutschland v. 23.12.
  • MAURER, Rainer (2004): Wer liebt, der kauft.
    Die Soziologin Eva Illouz hat erforscht, wie stark Konsum und Liebe verbunden sind,
    in: Magazin der Schweriner Volkszeitung v. 10.01.
  • NASSEHI, Armin (2005): Geld oder Leben!
    in: Soziologische Revue, 28, April
  • Inhalt:
    NASSEHI rezensiert in seinem Essay 4 Bücher (u.a. Eva ILLOUZ' "Der Konsum der Romantik" und Christine WIMBAUERs Buch "Geld und Liebe") aus differenzierungstheoretischer Perspektive.

              Mehrfachcodierung ist hierfür der Zentralbegriff, der die Polarisierung Geld oder Leben auflöst. Im Zusammenprallen verschiedener Funktionslogiken auf dem Felde gesellschaftlicher Praktiken sieht NASSEHI die Beschränkung einzelner Medien wie Geld oder Liebe.
              Unter diesem Gesichtspunkt sieht NASSEHI sowohl bei ILLOUZ als auch bei WIMBAUER Interpretationsdefizite, dennoch hat er beide Bücher mit Gewinn gelesen.
  • STADTHAUS, Steffen (2005): Konsumier mir Liebe.
    Romantisch. Eva Illouz und Ditmar Larcher untersuchen den Funktionswandel der Liebe im entwickelten Kapitalismus,
    in: Freitag Nr.25 v. 24.06.
 
   
  • Das Buch in der Debatte

  • MAYER, Verena (2004): Du bist nicht allein.
    Ein Konsumartikel wie jeder andere: Ein Besuch der "Hochzeitswelt", eine Art Fachmesse,
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.01.
    • Kommentar:
      Im Gegensatz zu Andreas MERKEL hat Verena MAYER die Studie "Der Konsum der Romantik" von Eva ILLOUZ zur Kenntnis genommen:

            
        "Es ist interessant, wie wenig die »Hochzeitswelt« den Eindruck erwecken soll, dass es sich beim Heiraten um ein individuelles Erlebnis handelt, um eine romantische Angelegenheit zwischen zwei Personen. Durch die Brille der israelischen Soziologin Eva Illouz betrachtet, deren Studie Der Konsum der Romantik gerade so viel Aufsehen erregt, hieße das: Hier werden Paare ihrer vielleicht authentischen Liebe entfremdet, indem sie auf Konsumrituale der Oberschicht hereinfallen. »Die Formeln romantischer Liebe werden heute nur noch von kulturell Benachteiligten für bare Münze genommen«, schreibt Illouz.
            
        Tatsächlich gibt es überall rote Herzen und Blumengestecke, um die Besucher romantisch zu stimmen, die alle acht Euro Eintritt gezahlt haben. Es sind festlich geschmückte Tafeln aufgebaut, mit Stoffservietten und goldenen Stühlen, an den Wänden hängen Schilder, auf denen »Trau dich!« steht."
            
        Am Ende verteidigt Verena MAYER ganz unromantisch das Hochzeitsritual:
            
        "Besucher der kulissenhaften »Hochzeitswelt« den Sinn von Hochzeiten erkannt: Hochzeiten werden der Repräsentation wegen gefeiert, sie sind dazu da, gesellschaftliche Potenz zu demonstrieren.
      (...).
      Indes stiften jene, die bei einer Hochzeit eigentlich imitiert werden sollen, nur Verwirrung: Der Adel hat in Heiratsangelegenheiten die wahre Liebe jenseits der Konvention für sich gepachtet. (...).
      Nicht die Leute, die auf eine Hochzeitsmesse gehen und für hartes Geld romantische Leistung sehen wollen, sind zu belächeln. Wir sind es, die wir erschüttert Eva Illouz lesen, die wir mit unserem von Ironie durchsetzten Bewusstsein kunstseidene Brautkleider und herzförmige Hochzeitstorten doof finden, Britney Spears mit ihrer Las-Vegas-Nummer aber
      »irgendwie witzig«, wir, die wir eine ungekünstelte Hochzeit wollen - wir sind die mit den hoffnungslos falschen Illusionen.
      "
 
   
  • Eva Illouz in den Medien

  • FREUNDEL, Natascha (2003: Es blitzt, ich werde geliebt.
    Vom Charme einer Bibelstunde. Eine Tagung auf Schloss Elmau "Über die Liebe",
    in: Freitag Nr.35 v. 2208.
  • ADRIAN, Michael (2005): Wir sind hyper-rationale Narren.
    Emotionen im Kapitalismus: Bei den Frankfurter Adorno-Vorlesungen las die Soziologin und Anthropologin Eva Illouz der Liebe und den Liebenden ganz gehörig die Leviten,
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.05.
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 08. Oktober 2003
Update: 05. September 2009