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Eva Illouz: Der Konsum der Romantik

 
       
     
       
     
       
   

Eva Illouz in ihrer eigenen Schreibe

 
   

ILLOUZ, Eva (2005): Berechnung und Hingabe.
Der Kapitalismus hat einst die Trennung von Ökonomie und Leidenschaft ermöglicht. Darin lag seine Kreativität. Heute verschmelzen wieder Markt und Gefühl,
in: Die ZEIT Nr.23 v. 02.06.

ILLOUZ, Eva (2006): Der Weltmarkt der Liebe.
Das Kennenlernen hat sich verändert: Weltweit suchen Menschen online nach der perfekten Romanze,
in: Kulturaustausch, H.1

Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt
Philosophie Magazin-Dossier: Sind wir dafür geschaffen, in Paaren zu leben?

Neu:
ILLOUZ, Eva (2013): Das überforderte Paar.
Guter Sex, Erlebnisreichtum, emotionale Intimität: Die moderne Beziehung ist überfrachtet mit Erwartungen, die kaum zu erfüllen sind. Gleichzeitig bildet das Paar, das auf Kontinuität angelegt ist, einen Gegenentwurf zum kapitalistischen Imperativ der Flexibilität. Ist es gerade deshalb wegweisend?
in:
Philosophie Magazin, Nr.3, April/Mai

Eva ILLOUZ beschreibt das traditionelle, symbiotische Paar, als Ideal, das es gegen den flexiblen Kapitalismus zu verteidigen gilt. Nachdem vor einem Jahrzehnt der Familienmensch zum Widerstandskämpfer stilisiert wurde, ist jetzt der Paarmensch dran. Zu Recht fragt deshalb Wolfram EILENBERGER

"erklärt, wer das Paar als letzte Insel in der tobenden See des Kapitalismus stilisiert, den eigentlichen Kampf nicht für endgültig verloren?"

Müsste nicht statt über zuviel Freiheiten über Zwangsmobilität geredet werden? In unserer Hartz-IV-Gesellschaft ist potentiell jeder ein Zwangsmobiler!

 
       
   

Eva Illouz: Porträts und Gespräche

 
   

GRAW, Isabelle (2003): Der Liebe wegen.
Ein Interview mit Eva Illouz,
in: Texte zur Kunst, Heft 52, Schwerpunkt "Liebe"

Isabelle Graw - Texte zur Kunst: Liebe

LANG, Susanne (2004): "Werther würde heute nicht mehr Selbstmord begehen. Er würde im Internet nach einer anderen Frau suchen".
Die Soziologin Eva Illouz über die romantische Liebe in Zeiten des Kapitalismus, Partnerwahl im Internet und das Dilemma der Konservativen,
in: TAZ v. 26.04.

Eva ILLOUZ hat mit Der Konsum der Romantik ein Buch über die Liebe in der modernen Gesellschaft geschrieben. Im Interview geht sie u. a. auf die Koexistenz zweier Liebesmodelle ein:

"Ich glaube, in unserer Kultur existieren zwei konkurrierende Liebesmodelle. Das romantische besteht in einer Erfahrung: spontan, plötzlich und überwältigend. Man ist fasziniert von einer Person, in die man verliebt ist. Das andere Modell ist das realistische. Es macht uns sehr misstrauisch gegen diese Romantik, sagt uns, dass es nicht von Dauer ist, nur ein Produkt von Hollywood-Klischees. Es kreist im Gegenzug darum, den Arbeitsalltag mit all seinen Schwierigkeiten zusammen zu meistern und dem andern die Hand zu halten, wenn er krank ist. Beide Modelle existieren gleichzeitig."

Der französische Soziologe Jean-Claude-KAUFMANN hat in seinem Buch Der Morgen danach die Koexistenz der beiden Liebesmodelle und ihre Konsequenzen aufgezeigt. ILLOUZ sieht in der Online-Partnersuche eine Beschleunigung des pragmatischen Liebesmodells:

"Das Internet hat die Einstellung von Männern und Frauen zur Liebe grundsätzlich verändert, weil es einen riesigen Pool an möglichen Kandidaten eröffnet. Eine Suchmaschine kann bis zu 200 Treffer auf eine sehr individuelle Anfrage liefern. Im 19. Jahrhundert hatte eine Frau vielleicht drei Angebote in ihrem ganzen Leben. Beim zweiten überlegte sie sehr gut, ob sie es ablehnen sollte. Heute ist man extrem wählerisch. Liebe ergibt sich aus einem rationalen Suchprozess, den das Internet verstärkt hat: Man wählt nicht auf der Grundlage von körperlicher Präsenz oder Merkmalen, sondern nach Vorlieben, Bildungsgrad, Status, Alter und so weiter. Erst danach wartet die Hürde des ersten Treffens."

Hans-Peter BLOSSFELD hat anhand einer europäischen Untersuchung nachgewiesen, dass die von ILLOUZ genannten Kriterien der gemeinsamen Vorlieben, Bildungsgrad und Status bereits für die Offline-Partnersuche gelten. Bildungssysteme und die damit verbundene Infrastruktur haben als Heiratsmärkte bereits zur Durchsetzung dieser Kriterien geführt.

USTORF, Anne-Ev (2007): "Der Liebesbegriff wird neu definiert".
Die Soziologin Eva Illouz über das Internetdating,
in:
Psychologie Heute, August

Die Soziologin Eva ILLOUZ sieht im Internetdating weniger die Chancen, sondern insbesondere die Gefahren. Es erscheint ziemlich fragwürdig, wenn ILLOUZ dem Internet die Schuld am Trend zur Bindungslosigkeit und zur Ökonomisierung der Partnersuche gibt. Die Behauptung dieser Trends sind im Übrigen so alt wie die Soziologie selber. Empirische Untersuchungen zum Wandel partnerschaftlicher Lebensformen zeichnen dagegen ein differenzierteres Bild. Im Gegensatz zu ILLOUZ hängt für Michel HOUELLEBECQ die Vermarktung der Liebe mit dem Liberalismus und nicht mit dem Aufkommen neuer Technologien zusammen. Die Kritik am Pragmatismus der jungen Generation in Sachen Liebe teilen z.B. Soziologen wie Jean-Claude KAUFMANN nicht. Und Christian SCHULDT sieht durch das Internet sogar die Möglichkeit einer Re-Romantisierung der Welt gegeben. Dass das Internet für "schüchterne, einsame oder sozial weniger kompetente Menschen eine Möglichkeit darstellt, Beziehungen aufzubauen", sieht jedoch selbst ILLOUZ.

MISIK, Robert (2009): "Zur nächsten Affäre zappen".
Die Soziologin Eva Illouz über Liebe in Zeiten des Kapitalismus, Konsum als Romantikturbo und Onlinedating,
in:
Falter Nr.4 v. 21.01.

THADDEN, Elisabeth von (2009): Am Seelenmarkt.
Wer denkt für morgen? (3): Die Soziologin Eva Illouz untersucht, was der Kapitalismus mit den Gefühlen anstellt. Und umgekehrt,
in: Die ZEIT Nr.17 v. 16.04.

SCHMID, Birgit (2009): Ihr fühlt zu viel!
Im Gespräch: Niemand seziert den Kult um die Gefühle des modernen Menschen so gnadenlos wie die israelische Soziologin Eva Illouz,
in: Das Magazin des Tages-Anzeiger Nr.25 v. 20.06.

JANTSCHEK, Thorsten (2009): Von Glückssuchern und Seelenklempnern.
Die israelische Soziologin Eva Illouz im Gespräch mit Thorsten Jantschek über die Folgen und Risiken der heutigen Therapiegesellschaft,
in: radiobremen.de v. 01.09.

GUTMAIR, Ulrich (2010): "Jeder soll sein Glück maximieren".
Emotionen: Warum ist es unprofessionell, Gefühle zu zeigen? Wie wird man mit den Geschichten des eigenen Versagens zum Millionär? Ein Gespräch mit der Soziologin Eva Illouz über den Siegeszug der Psychologie,
in: TAZ v. 02.01.

HABERL, Tobias (2011): Freiheit als Schicksal.
Männer haben Angst, sich zu binden, Frauen haben Angst, allein zu bleiben. Die Soziologin Eva Illouz erklärt, warum wir in der Liebe so unsicher und verletzlich sind wie nie zuvor,
in: SZ-Magazin Nr.40 v. 07.10.

WAAK, Anne (2011): "Liebe darf wehtun".
Internet-Dating, Wahlfreiheit, Unverbindlichkeit: Gerade weil wir so modern lieben, leiden wir. Ein Gespräch mit der Soziologin Eva Illouz,
in: Welt am Sonntag v. 09.10.

KRUSE, Katrin (2011): "Macht euren Kinderwunsch nicht von Liebe abhängig!"
Wer ist schuld, wenn die Beziehung scheitert? In ihrem neuen Buch "Warum Liebe weh tut" zeigt Forscherin Eva Illouz, warum Männer emotionale Kapitalisten sind und Frauen sich an Homosexuellen orientieren sollten. Im Interview erklärt sie ihr radikales neues Beziehungsmodell,
in: Spiegel Online v. 11.10.

ADORJÁN, Johanna (2012): Ist das Zeitalter der Paare vorbei?
Ein Gespräch mit der Soziologin Eva Illouz und der Musikerin Christiane Rösinger: über Männer, Frauen und die Probleme, die sich heutzutage daraus ergeben,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.05.

EMMA-Dossier: Ist die Liebe noch zu retten?

EMMA (2012): Warum Liebe weh tut.
Die Soziologin Eva Illouz, 51, spricht im Interview über die Liebe in der Moderne. Die deklarierte Feministin steht in der Tradition von Simone de Beauvoir und Shulamith Firestone und veröffentlichte 2011 das nach den Publikationen aus der Frauenbewegung am stärksten diskutierte Buch über die Liebe. Sie hat den Anspruch, das Liebeskonzept, das die Frauen benachteiligt, weiterzudenken. Und hat eine überraschende Lösung parat,
in:
Emma, Sommer

THADDEN, Elisabeth von (2012): Alles eine Frage des Gefühls.
Emotionen: Was interessiert den Geist heute so lebhaft an den Emotionen? Geht es uns nur ums Wohlfühlen? Ein Gespräch mit der Historikerin Ute Frevert und der Soziologin Eva Illouz,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 06.09.

 
       
   

Warum Liebe weh tut (2011)
Berlin: Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Warum tut Liebe weh, jedenfalls gelegentlich? Was fasziniert uns noch heute an Figuren wie Emma Bovary oder Heathcliff und Catherine, den unglücklich Liebenden aus Emily Brontës Sturmhöhe? Und vor allem: Was unterscheidet uns von ihnen? Gibt es einen Unterschied zwischen dem Liebeskummer zu Zeiten Jane Austens und der Art und Weise, wie wir ihn heute erfahren und damit umgehen?

»Ja«, sagt Eva Illouz, die Meisterin der soziologischen Analyse der Gefühlswelt moderner Menschen, und widmet sich in ihrem neuen Buch der Schattenseite der Liebe. Sie zeigt, inwiefern der Liebesschmerz wesentlich von den gesellschaftlichen Bedingungen der jeweiligen Zeit geprägt wird und keineswegs ein rein individuelles Problem ist, wie uns etwa Beziehungsratgeber weismachen wollen. Das Leiden an der Liebe ist ein soziologisches Phänomen, das Illouz untersucht wie einst Marx die Ware im Kapitalismus: in Begriffen des Tauschs zwischen ungleichen Marktteilnehmern. In sechs Kapiteln entfaltet sie die Ursachen zeitgenössischen Liebesleidens sowie die Spezifika des heutigen Umgangs mit Beziehungskrisen. Die digitalen Heiratsmärkte spielen dabei ebenso eine Rolle wie die neuen Mechanismen der Partnerwahl und der strategische Umgang mit der romantischen Vorstellungskraft."

 
     
 
       
   

Rezensionen

MAYER, Susanne (2011): Liebe und solche Sachen.
Eva Illouz blickt uns ins Herz und entdeckt darin so manches Schmerzliche. Ihre Analyse ist gnadenlos die Aussichten sind mau,
in: Die ZEIT Nr.41 Literaturbeilage v. 06.10.

BISKY, Jens (2011): Verflucht das Herz, das sich noch mäßigen kann.
In der Liebe gilt heute das Gesetz des Eigeninteresses: Wir müssen nur auf einem unbegrenzten Markt mit ausgefeilten Techniken den richtigen Partnerfinden. Leid ist nicht vorgesehen. Die Soziologin Eva Illouz weiß, dass Liebe darum weh tut,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 11.10.

Die Schwäche des Buches sieht Jens BISKY in einer fehlenden sozialwissenschaftlichen Analyse:

"Die Rolle der Einkommensdifferenzen wie der feinen Unterschiede auf den Heiratsmärkten bleibt in diesem Buch unterbelichtet. Es fehlt ein (...) eine Analyse von Lebensläufen und sozialer Mobilität. Wie genau verhalten sich ökonomisches, kulturelles und sexuelles Kapital zueinander? Und sind sexuelles Feld und Heiratsmarkt nicht tendenziell entkoppelt?"

Stattdessen konfrontiert ILLOUZ Befragungsergebnisse, Auskünfte aus Selbsthilfeforen und Ratgeberweisheiten mit der Literatur von Jane AUSTEN. Die Stärke des Buches liegt deshalb für BISKY in der Kritik des "neoliberal verfassten Ich".

HÖGE, Helmut (2011): Die Liebe erforschen.
Von der Quelle der Gleichberechtigung der Geschlechter bis zur Aufrechterhaltung einer "intensiven Leidenschaft": Die Soziologin Eva Illouz prüft die Bedingungen moderner Partnerschaften,
in: Literaturbeilage der jungen Welt v. 12.10.

Helmut HÖGE referiert die Sicht von ILLOUZ auf die historische Herausbildung der romantischen Liebe aus der religiösen Liebe. Nebenbei zeigt HÖGE Parallelen zur Sicht von Islamgelehrten und ihrer Kritik am westlichen Lebensstil auf:

"Alles in allem fällt es Eva Illouz (...) nicht leicht, sich uneingeschränkt auf die Seite der Moderne zu schlagen, »weil diese in ihrer westlichen kulturellen Ausprägung noch nie dagewesene Formen enotionalen Elends und der Zerstörung traditioneller Lebenswelten herbeigeführt und ontologische Verunsicherung zu einem dauerhaften Merkmal des modernen Lebens gemacht hat«. Auch dies ist ein Grund, warum die Islamgelehrten die westlichen Lebensformen vehement ablehnen."

HÖGE hebt 5 Punkte hervor, die nach ILLOUZ etwas Neuartiges in die Erfahrung von Liebeskummer bringen, um am Schluss ILLOUZ selbst zu Wort kommen zu lassen. Was ist die Lehre des Buches? Soziologische Aufklärung:

"Viele Menschen sind davon überzeugt, daß es bei ihnen in der Liebe nicht klappt, weil in ihrer Kindheit irgendetwas schief gelaufen ist. Ich denke, das ist of falsch. Mindestens soviel Anteil haben die Moderne und der zeitgenössische Kapitalismus".

DUSINI, Matthias (2011): Liebe unter dem Regime der Authentizität.
Soziologie: Eva Illouz unternimmt einen erneuten Versuch, das Thema Liebe der Psychologie zu entreißen,
in: Falter Nr.41 Buchbeilage v. 12.10.

SCHIRACH, Ariadne von (2011): Ewiges Leid der Emotionen.
Die Soziologin Eva Illouz analysiert in "Warum Liebe weh tut", warum das moderne Subjekt zum emotionalen Scheitern verurteilt ist. Dass Männer mit diesem Schicksal besser zurechtzukommen scheinen als Frauen, ist eine der Pointen ihres meisterhaften Sachbuches,
in: DeutschlandRadio v. 13.10.

Infos zu: Ariadne von Schirach - Autorin der Generation @

ZINKANT, Kathrin (2011): Zwischen Körper und Kapital.
Eben noch Molekül, heute schon Kalkül: Die Sachbuchliteratur hat die Liebe aus allen wissenschaftlichen Perspektiven durchdekliniert. Was ist das Ergebnis?
in: Freitag Online v. 21.10.

DECKERT, Sarah Maria (2011): Ich liebe, also bin ich,
in: Cicero Online v. 23.10.

SCHMITTER, Elke (2011): Liebeskummer leicht gemacht.
Soziologie: Mann und Frau - eine gute Idee? Man weiß nicht recht,
in: Spiegel Nr.44 v. 31.10.

ROEDIG, Andrea (2011): Liebeskummer soll sich lohnen.
Liebe heute: In "Warum Liebe weh tut" zeigt die Soziologin Eva Illouz, dass auch die Liebe ökonomischen Prinzipien unterworfen ist, und bricht eine Lanze für die Leidenschaft,
in:
TAZ v. 03.11.

BACHMANN, Cordula (2011): Die Transformation der Liebe.
Für Slavoj Žižek ist sie das Partikulare, für Alain Badiou das Universale. Für die Soziologin Eva Illouz ist die Liebe unter den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen des Kapitalismus eine Quelle ständigen Kummers,
in:
Jungle World Nr.45 v. 10.11.

MÜLLER-LISSNER, Adelheid (2011): Liebe in Zeiten der Marktwirtschaft.
Die Soziologin Eva Illouz aus Jerusalem erklärt, wie der Kapitalismus Gefühle und romantische Beziehungen verändert,
in: Tagesspiegel v. 11.12.

Infos zu: Adelheid Müller-Lissner - Autorin der Single-Generation

BUIS, Claire (2012): Die Liebe ist ein seltsames Spiel.
Biologie, Psychoanalyse und der Feminismus haben der Liebe schwer zugesetzt, sie regelrecht entzaubert, meint die Soziologin Eva Illouz. Jetzt müsse sie sich gegen das Internet behaupten, das Sex ohne Emotionen und Partner auf Knopfdruck verspricht. Auch in der Liebe wollten wir schließlich immer mehr, bekämen aber immer weniger. Bleibt am Ende also nur die nackte Wahrheit und ein Gefühl der Leere - oder gibt es doch Hoffnung?
in: Psychologie Heute, Januar

FESSMANN, Meike (2012): Wo das Innerste zu Markt getragen wird.
Entzauberung oder Verzauberung? Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim und Eva Illouz untersuchen in ihren Büchern "Fernliebe" und "Warum Liebe wehtut" die Zukunft der Liebe,
in:
Tagesspiegel v. 01.01.

Infos zu: Meike Feßmann - Autorin der Single-Generation

ROSSUM, Walter van (2012): Ich werde geliebt, also bin ich.
Eva Illouz entwirft einen historischen Verlauf der Liebe, um zu zeigen, dass diese heute anders funktioniert als in vormodernen Zeiten. Der Titel des Buches winkt mit lebensberatendem Versprechen ein größeres Publikum heran, doch es ist das Buch einer Soziologin, das sich ganz und gar im Rahmen ihrer Zunft entfaltet,
in: DeutschlandRadio v. 29.01.

 
   

Das Buch in der Debatte

NOVOTNY, Rudolf (2012): Weg mit dem Panzer.
Die Angst vor dem Schmerz macht die Liebe kaputt, sagt die Soziologin Eva Illouz. Ein paar Vorschläge für die Rettung eines Gefühls,
in:
Magazin der Berliner Zeitung v. 10.03.

LIERE, Judith (2012): Fang den Mann.
Ab dreißig überkommt Männer die große Bindungsangst. Frauen glauben dann, die einsamen Wölfe an sich binden zu müssen. Doch damit wird alles nur schlimmer,
in: Neon, Oktober

Anhand von Eva ILLOUZ' Thesen zum Partnermarkt erläutert Judith LIERE die Ratgeberliteratur für partnersuchende Frauen à la Catch him and keep him und warum partnerwillige Frauen mit Kinderwunsch ab 30 im Nachteil sind:

"Je gebildeter und älter Frauen sind, für desto weniger Männer kommen sie (...) in Frage. Männer haben also ab einem gewissen Alter und Bildungsniveau eine größere Auswahl und damit die stärkere Position - was bedeutet, dass sie die Regeln bestimmen: dass sie Frauen, von denen sie sich genervt, eingeengt oder überfordert fühlen, sofort den Rücken kehren können: Es wartet ja die nächste. Das meint Illouz mit »emotionaler Herrschaft«."

LIERE kann der Alternative entweder als "Flittchen" ausgesondert bzw. als "devotes Weibchen" auf dem Partnermarkt agieren zu müssen, nichts abgewinnen und setzt lieber auf das Prinzip Hoffnung und einen Freiburger Familiensoziologen:

"Beruhigenderweise sieht Jan KRUSE das Ungleichgewicht beim Paarungsverhalten als Phänomen, das sich wieder ändern könnte. »Wir leben gerade in einer Erdbebenzone, alles bewegt sich und sortiert sich neu, auf beiden Seiten (...).« Eventuell ja in die Richtung, die Illouz wünscht: Sie plädiert für ein neues Männlichkeitsmodell, bei dem Abhängigkeit, Verletzbarkeit und Leidenschaft zu einem echten Mann gehören. Ich werde ihn finden, da bin ich sicher."

 
       
   

Die Errettung der modernen Seele (2009)
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Wir leben in einer durchpsychologisierten Gesellschaft. Selbsthilfegruppen schießen wie Pilze aus dem Boden, Beziehungsratgeber erzielen gigantische Auflagen und die Einschaltquoten von Serien wie Die Sopranos oder Pseudo-Dokus wie Zwei bei Kallwass lassen die Herzen der Programmacher höher schlagen. Was früher verschämt verschwiegen wurde, gehört in westlichen Gesellschaften heute zum festen Repertoire einer aufgeklärt-bürgerlichen Mittelschicht: der Gang zum Therapeuten. Ehekrisen löst man nicht mehr in den eigenen vier Wänden, sondern in der Praxis eines Paartherapeuten, Spezialpsychiater für Milliardäre helfen bei der seelischen Bewältigung großer Vermögen und jeder Spitzensportler, der etwas auf sich hält, hat einen Psychologen an seiner Seite.

In ihrem neuen Buch untersucht die israelische Soziologin Eva Illouz, wie sich der therapeutischen Diskurs auf unser kulturelles und emotionales Leben auswirkt. Sie zeichnet den Siegeszug der Psychoanalyse in den USA nach, der 1909 mit Freuds Amerikareise begann und über die kulturellen Eliten rasch zur festen Verankerung psychologischer Denkmuster zunächst in der amerikanischen Kultur führte. Anhand zahlreicher empirischer Beispiele und mit den scharfen Instrumenten einer kritischen soziologischen Theorie seziert sie die Facetten und Funktionsweisen eines Diskurses, der die Vorstellungen von der Identität des modernen Subjekts tiefgreifend verändert. Therapien und die Kultur der Selbsthilfe, so eines ihrer Ergebnisse, verändern den emotionalen Stil einer Gesellschaft und machen das Leben nicht leichter, sondern im Gegenteil komplizierter."

 
     
 
       
   

Rezensionen

MÄRZ, Ursula (2009): Therapie als Erfolgsmodell,
in:
DeutschlandRadio v. 19.05.

Infos zu: Ursula März - Autorin der Single-Generation

BEAHA (2009): "Willst du darüber reden?".
Lebensberatung von Oprah Winfrey und Unmengen von Ratgeberliteratur - Die Soziologin Eva Illouz untersuchte die Kultur der Selbsthilfe,
in: dieStandard.at v. 24.05.

HEIDEMANN, Britta (2009): Homo psychologicus - über Freud und Psychoanalyse.
Wie Freud und die Psychoanalyse unser Denken und Fühlen verändert haben: Die Thesen der Kultursoziologin Eva Illouz,
in: WAZ Online v. 10.06.

WULFF, Matthias (2009): Dieses Buch macht Sie schlauer.
Die Soziologin Eva Illouz berichtet über den Siegeszug der Psychologen in unserer Gesellschaft: Im Job wie in der Liebe ist die therapeutische Perspektive zum Standard geworden. Was das Leben nicht einfacher macht,
in: Welt am Sonntag v. 21.06.

PFOHLMANN, Oliver (2009): Das Gefühl in der Schablone,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.06.

SCHÖNHERR-MANN, Hans-Martin (2009): Nicht ohne meine Therapie.
Wie lebt es sich in einer durchpsychologisierten Gesellschaft, fragt die israelische Soziologin Eva ILLOUZ,
in: Psychologie heute, Juli

FEßMANN, Meike (2009): Der Einfluss der Psychoanalyse.
Und manchmal hilft der Therapeut ein wenig nach: Eva Illouz' "Die Errettung der modernen Seele" entpuppt sich als ein versteckt kritischer Versuch, den Einzelnen aus den Klauen der Psychoanalyse zu befreien,
in: Tagesspiegel v. 26.07.

Infos zu: Meike Feßmann - Autorin der Single-Generation

THOMÄ, Dieter (2009): Die Therapie als Zigarette für alle.
Eva Illouz will unsere Seelen retten - oder lieber doch nicht,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.07.

JANTSCHEK, Thorsten (2009): Seelenklempner ohne Meisterbrief.
Die israelische Soziologin Eva Illouz über die Risiken und Nebenwirkungen der Gefühlskultur,
in: Berliner Zeitung v. 30.07.

PFOHLMANN, Oliver (2009): Das Gefühl in der Schablone.
"Die Errettung der modernen Seele": Eva Illouz über Entstehung, Funktionsweisen und Folgen des allgegenwärtigen Psycho-Talks,
in: Literaturkritik v. 20.08.

LÜHE, Marion (2009): Die Allmacht Sigmund Freuds.
Eva Illouz schaut nach Amerika und beklagt die Psychologisierung der westlichen Gesellschaft,
in: Welt v. 05.09.

 
       
   

Gefühle in Zeiten des Kapitalismus (2006)
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Wer in diesem Buch die Annahme bestätigt bekommen möchte, daß der Kapitalismus zu einer distanzierten, kühlen und unemotionalen Welt geführt habe, in der sich ökonomisches Handeln und das Reich der authentischen Gefühle unversöhnlich gegenüberstehen, wird sich verwundert die Augen reiben. Die israelische Soziologin Eva Illouz geht vielmehr von der These aus, daß die Kultur des Kapitalismus eine intensive emotionale Kultur ausgebildet hat: am Arbeitsplatz, in der Familie und in jeder Form von sozialen Beziehungen. Und sie geht weiter: Während ökonomische Beziehungen immer mehr und immer weitgehender durch Gefühle bestimmt werden, gilt für das Reich der Gefühle das Umgekehrte: Sie werden ihrerseits durch eine Ökonomisierung geprägt, die von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Trennung das Gefühlsleben reguliert. Dieses wird in immer deutlicherer Weise geprägt durch Verhandlungen, Austausch, Investitionen und Eigenkapital. Wer hat noch nicht davon gesprochen, etwas in eine Beziehung zu investieren? Illouz faßt dieses eigentümliche Verhältnis als emotionalen Kapitalismus und geht ihm in verschiedenen Feldern nach. Sie untersucht die neue Form der Gefühle im Internet-Chat und in Partnerbörsen, in Lifestyle-Magazinen und in Filmen, nimmt aber auch jene Berufsgruppe in den Blick, die aus den Irrungen und Wirrungen der Gefühle ihr Kapital zieht: die klinischen Psychologen."

 
     
 
       
   

Rezensionen

ENGELS, Bettina (2006): Unsere Gefühle in höchster Gefahr.
Beziehungsarbeit mit Eva Illouz,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.03.

GUTZEIT, Angela (2006): Wo klebt der soziale Kitt?
Eva Illouz fragt nach den Gefühlen im Kapitalismus,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 16.03.

BISKY, Jens (2006): Jetzt sind wir Herr im Hause, auch wenn es brennt.
Liebe als Profil: Eva Illouz erzählt vom Aufstieg des Homo Sentimentalis und skizziert unseren emotionalen Kapitalismus,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.07.

Jens BISKY findet das Buch als eines der interesantesten des Jahres, "gerade weil man an vielen Stellen geneigt ist, zu widersprechen und nachzufragen".

 
   

Das Buch in der Debatte

HÖGE, Helmut (2007): Na, wie habe ich mich verkauft?
Viele Singles setzen ihre Hoffnung auf das wachsende Angebot von Partnersuchdiensten im Internet. Mit Romantik hat diese Art des Kennenlernens jedoch wenig zu tun. Denn dort herrschen die Regeln des Marktes: Prostituiere dich und bekomme deinen Lohn dafür,
in: TAZ v. 17.07.

Der 68er Helmut HÖGE hat bei Eva ILLOUZ nachgelesen und übernimmt deren kulturpessimistischen Töne. Mit den gleichen Vorurteilen hatten zuerst Heiratsanzeigen, dann seit den 1970er Jahren die Kontaktanzeigen zu kämpfen. HÖGE verknüpft seine Abneigung gegen das Internet mit einer politischen Psychologie, als ob HÖGE Partnersuchende zum neuen revolutionären Subjekt ausrufen möchte. War da nicht mal was?   

 
       
   

Der Konsum der Romantik (2003).
Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus
Frankfurt a/M:
Campus

 
   
     
 

Klappentext

"Romantische Liebe gilt als letztes Refugium in einer kommerzialisierten Welt. Dieses Buch dagegen beleuchtet, wie sich die Paarbeziehung unter dem Einfluss des totalen Konsums verändert hat.

Zu den kulturellen Widersprüchen, die den Kapitalismus kennzeichnen sollen, gehört der Gegensatz von romantischem Liebesideal und der kalten Welt der Ökonomie. Das in den USA preisgekrönte Buch zeigt dagegen auf, inwiefern die beiden Sphären sich längst wechselseitig beeinflussen und ineinander übergehen: So, wie die Konsumsphäre in wachsendem Maße auf die Erzeugung romantischer Gefühlszustände abzielt, so geraten die Intimbeziehungen immer stärker in Abhängigkeit von der Inszenierung und dem Erlebnis des Konsums. Die kollektive Utopie der Liebe, einst als Transzendierung des Marktes idealisiert, ist im Prozess ihrer Verwirklichung zum bevorzugten Ort des kapitalistischen Konsums geworden.
"

Pressestimmen

"Eva Illouz' Studie ist (...) ein weiterer - und adäquater - Meilenstein jener wissenschaftlichen «Soziologie der Liebe», die man, vielleicht, mit Georg Simmel beginnen lassen darf. Wenn die Romantik als eine kulturelle Praxis verstanden wird, mit der fühlende Wesen jenem Glücksversprechen hinterherjagen, das im Terminus Liebe liegt, dann sieht es in der kapitalistischen Moderne schlecht aus: Die Liebe transzendiert nicht mehr den Markt, sondern sie ist zu ihrem Gegenstand geworden."
(Lx in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15.11.2003)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von Axel Honneth

Eine Einführung in die Soziologie der Liebe

Romantische Liebe als kulturelle Praxis
Romantische Liebe als Utopie der Überschreitung
Anordnung und Aufbau der Kapitel
Zur Methode

1 Als die Liebe auf den Markt traf

Die Säkularisierung der Liebe oder Liebe als neue Religion
Liebe zu verkaufen
Der Preis der Liebe
Allein in der Öffentlichkeit
Das Rendezvous und der Geist des Konsumismus

2 Von der romantischen Utopie zum amerikanischen Traum

»You could be here, now«
»Natürliche« Liebe
Liebe als unsichtbarer Reichtum
Codes verlieren an Kraft

3 Eine alles verzehrende Liebe

Die Welt wieder verzaubern
Eine verzehrende Leidenschaft
Der Luxus der Liebesromantik
Reise, Natur und Liebesromantik
Romantik als Liminalität
Liebe als Ware: Ideologie oder Utopie?

4 Reale Fiktionen und fiktionale Realitäten

Liebe auf den ersten Blick
Realistische Liebe
Realität als Fiktion
Fiktion als Realität
Zur postmodernen Lage der Liebe

5 Motive der Leidenschaft

Eine sehr vernünftige Verrücktheit
Sozioökonomische Grenzziehungen
Moralische und persönliche Grenzziehungen
Bildungsspezifische und kulturelle Grenzziehungen
Ich rede und deshalb liebst du mich
Liebe umsonst

6 Die Liebes-Klassen

Die elementaren Formen romantischer Liebe
Liebe als Differenz
Liebe und symbolische Dominanz
Klasse, Liebe und die Struktur des Alltagslebens

Schluss: Ein Happy End?
Die Geschichte von der Liebe

 
     
 
       
   

Rezensionen

GEYER, Christian (2003): Wir blickten über Paris, und dann der Eiffelturm.
Romantischer als Bier ist immer noch der Champagner: Eva Illouz über wahre Liebe und souveräne Verschwendung in den Zeiten des Kapitalismus,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 07.10.

STIEGLER, Bernd (2003): Küssen wie im Kino.
Die Soziologin Eva Illouz schildert die Verführung der romantischen Liebe durch die kapitalistische Warenwelt,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 08.10.

THADDEN, Elisabeth von (2003): Der Preis der Liebe.
Die israelische Soziologin Eva Illouz hat erforscht, wie heillos das großartigste aller Gefühle in den Kapitalismus verstrickt ist,
in: Literaturbeilage der ZEIT Nr.42 v. 09.10.

Für Konservative gehören Paar und Familie untrennbar zusammen, weswegen THADDEN gleich voranstellt:

"Wer sich dafür interessiert, warum es in den postindustriellen Gesellschaften an Kindern fehlt, kann in diesem Buch erstaunlich gute Erklärungen finden. Allerdings fragt das Buch nicht danach. Es untersucht nicht die Betreuungsschlüssel in Kindergärten, nicht die Frauenbeschäftigungsquoten und Gleichstellungsgesetze. Es stellt die Frage nach den Geburtenraten nicht mal. Kinder kommen fast gar nicht vor.
Das Buch fragt vielmehr, was mit der Liebe sei.
"

Auch die traditionelle Soziologie hat das Paar bisher nicht als eigenständiges Sozialsystem in den Blick genommen. Eine Soziologie des Paares fristet deshalb ein Nischendasein, obwohl in unserer paarorientierten Gesellschaft (Dorothea KRÜGER) nichts wichtiger wäre. Konservative Romantiker wie Michel HOUELLEBECQ sehen in der Familie das letzte Bollwerk gegen den Kapitalismus. Eva ILLOUZ ist da realistischer:

"Ist die Geschichte der Liebe eine Verfallsgeschichte?
»Jeder Versuch, das soziale Geflecht wiederherzustellen«, schreibt Illouz am Ende gegen die konservativen Apologeten der Familie, »muss sich mit der Tatsache auseinander setzen, dass sich die Verbindung von Liebe und postmoderner Konsumkultur tief in die Seelen der gebildetsten und kreativsten Gesellschaftsteile eingeprägt hat und eine Macht ausübt, die sich nicht leicht im Schnellverfahren abschaffen lässt.« Was der Markt von jedem Einzelnen an Selbstdarstellung und Unverwechselbarkeit verlangt, was in der Sphäre des Warentauschs notwendig ist, kann nicht an der privaten Tür wie ein Arbeitskittel abgestreift werden.
"

KOMMERELL, Kathrin (2003): Er hat mir nie Blumen gebracht.
Venus und Marx: Eva Illouz hat ein melancholisch-kluges Buch über das Schicksal der Liebe geschrieben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.10.

"Was wäre unsere Werbung, unsere Warenwelt ohne die Energie der Liebesutopie, mit der sie die Waren zu Sehnsuchtsobjekten auflädt, zum abrufbaren Traum?
(...). Wie halten es die Kinder und Kindeskinder von Marx und Coca-Cola mit der Liebe? Es wird fleißig weiter geliebt, nur anders. Aber wie anders? Da wird es erst eigentlich interessant. Das wusste Eva Illouz (...) und schrieb ein Buch darüber"

weis KOMMERELL zu berichten. Gegen Schluss geht die Rezensentin auch auf die soziale Ungleichheit in Liebesdingen ein:

"Eva Illouz stellt einleuchtend dar, wie Liebende aus der Mittel- und oberen Mittelschicht dabei privilegiert sind: Ihnen stehen nicht nur durch ein höheres Einkommen und mehr Freizeit die Konsum-Mittel zur Verfügung, ihr Liebesverhältnis rituell zu erneuern. Sie verfügen auch über eine höhere »kulturelle Kompetenz« und damit über ein größeres Repertoire, besonders über den Weg des Redens ihre Liebesutopie mit dem Alltag zu verweben. Die soziale Ungleichheit, die daraus erwächst, ist ein Preis, der im Kapitalismus zu zahlen ist."

LX (2003): Liebe, konsumiert,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.11.

KLUY, Alexander & Michael PRELLBERG (2003): Kostspielige Romantik,
in: Financial Times Deutschland v. 23.12.

MAURER, Rainer (2004): Wer liebt, der kauft.
Die Soziologin Eva Illouz hat erforscht, wie stark Konsum und Liebe verbunden sind,
in: Magazin der Schweriner Volkszeitung v. 10.01.

NASSEHI, Armin (2005): Geld oder Leben!
in: Soziologische Revue, 28, April

Armin NASSEHI rezensiert in seinem Essay 4 Bücher (u. a. Eva ILLOUZ' Der Konsum der Romantik und Christine WIMBAUERs Buch Geld und Liebe) aus differenzierungstheoretischer Perspektive. Mehrfachcodierung ist hierfür der Zentralbegriff, der die Polarisierung Geld oder Leben auflöst. Im Zusammenprallen verschiedener Funktionslogiken auf dem Felde gesellschaftlicher Praktiken sieht NASSEHI die Beschränkung einzelner Medien wie Geld oder Liebe. Unter diesem Gesichtspunkt sieht NASSEHI sowohl bei ILLOUZ als auch bei WIMBAUER Interpretationsdefizite, dennoch hat er beide Bücher mit Gewinn gelesen.

STADTHAUS, Steffen (2005): Konsumier mir Liebe.
Romantisch. Eva Illouz und Ditmar Larcher untersuchen den Funktionswandel der Liebe im entwickelten Kapitalismus,
in: Freitag Nr.25 v. 24.06.

 
   

Das Buch in der Debatte

BEYER, Susanne & HENSEL, Jana (2004): Die romantische Utopie.
In einer von wirtschaftlichen Sorgen und Zukunftsangst geprägten Gegenwart arbeiten Werbung und Kulturindustrie emsig an der Rekonstruktion des Romantischen: Von Liebe redeten die Menschen lange nur ironisch - nun ist sie das Zauberwort der Stunde,
in: Spiegel Nr.3 v. 12.01.

"Die postmoderne Kultur habe den Zusammenbruch von übergreifenden, lebenslangen, romantischen Liebesentwürfen bewirkt, so Illouz, »und sie in die kürzere und wiederholbare Form der Affäre komprimiert«"

zitieren die Autorinnen aus Der Konsum der Romantik. Was hier als postmoderne Kultur beschrieben wird, das hat der Soziologe Niklas LUHMANN in Liebe als Passion noch positiv als das französische Entlastungs-Modell der Ehe herausgearbeitet. Von Susanne GASCHKE wurde das dann als "Rebellion im Reihenhaus" für die Generation Berlin propagiert.  Bei BEYER & HENSEL geht dagegen der Niedergang der Ehe mit der Affärenkultur einher. Das Konkurrenzmodell dazu nennt sich serielle Monogamie: wenn die Liebe endet, dann endet auch die Ehe oder die Paarbeziehung. Affären sind in diesem Modell - idealtypisch - nicht vorgesehen. Im Spiegel-Artikel werden diese unterschiedlichen Vorstellungen nicht deutlich, weswegen eine Ursachenanalyse scheitern muss. Stattdessen wird der Zeitgeist herbei geschrieben. 200 Jahre Romantik, da wird es doch wieder einmal Zeit für eine "Wiederverzauberung der entzauberten Welt" im Geiste von NOVALIS, TIECK und der Gebrüder SCHLEGEL. In Werbung und Kino finden die Autorinnen Anzeichen dafür. Die Sehnsucht nach Romantik wird auch mit veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erklärt:

"Die Hoffnung auf die Verheißungen der Globalisierung ist häufig der konkreten Angst um den eigenen Arbeitsplatz gewichen; im Gebälk des lange Zeit so bequemen Sozialstaats knarzt es bedenklich, und die Träume der New Economy sind schnöde zerplatzt.
Da ist Romantik (...) willkommener Seelenbalsam."

Wenn dies stimmen sollte, dann hätte der Spiegel als Teil der Kulturindustrie jedoch einen gewissen Anteil an dieser "Rekonstruktion der Romantik".

MAYER, Verena (2004): Du bist nicht allein.
Ein Konsumartikel wie jeder andere: Ein Besuch der "Hochzeitswelt", eine Art Fachmesse,
in: Frankfurter Rundschau v. 13.01.

Im Gegensatz zu Andreas MERKEL hat Verena MAYER die Studie Der Konsum der Romantik von Eva ILLOUZ zur Kenntnis genommen:

"Es ist interessant, wie wenig die »Hochzeitswelt« den Eindruck erwecken soll, dass es sich beim Heiraten um ein individuelles Erlebnis handelt, um eine romantische Angelegenheit zwischen zwei Personen. Durch die Brille der israelischen Soziologin Eva Illouz betrachtet, deren Studie Der Konsum der Romantik gerade so viel Aufsehen erregt, hieße das: Hier werden Paare ihrer vielleicht authentischen Liebe entfremdet, indem sie auf Konsumrituale der Oberschicht hereinfallen. »Die Formeln romantischer Liebe werden heute nur noch von kulturell Benachteiligten für bare Münze genommen«, schreibt Illouz.
         Tatsächlich gibt es überall rote Herzen und Blumengestecke, um die Besucher romantisch zu stimmen, die alle acht Euro Eintritt gezahlt haben. Es sind festlich geschmückte Tafeln aufgebaut, mit Stoffservietten und goldenen Stühlen, an den Wänden hängen Schilder, auf denen »Trau dich!« steht.
"

Am Ende verteidigt Verena MAYER ganz unromantisch das Hochzeitsritual:

"Besucher der kulissenhaften »Hochzeitswelt« den Sinn von Hochzeiten erkannt: Hochzeiten werden der Repräsentation wegen gefeiert, sie sind dazu da, gesellschaftliche Potenz zu demonstrieren.
(...).
Indes stiften jene, die bei einer Hochzeit eigentlich imitiert werden sollen, nur Verwirrung: Der Adel hat in Heiratsangelegenheiten die wahre Liebe jenseits der Konvention für sich gepachtet. (...).
Nicht die Leute, die auf eine Hochzeitsmesse gehen und für hartes Geld romantische Leistung sehen wollen, sind zu belächeln. Wir sind es, die wir erschüttert Eva Illouz lesen, die wir mit unserem von Ironie durchsetzten Bewusstsein kunstseidene Brautkleider und herzförmige Hochzeitstorten doof finden, Britney Spears mit ihrer Las-Vegas-Nummer aber
»irgendwie witzig«, wir, die wir eine ungekünstelte Hochzeit wollen - wir sind die mit den hoffnungslos falschen Illusionen."

 
   

Eva Illouz in den Medien

FREUNDEL, Natascha (2003: Es blitzt, ich werde geliebt.
Vom Charme einer Bibelstunde. Eine Tagung auf Schloss Elmau "Über die Liebe",
in: Freitag Nr.35 v. 2208.

ADRIAN, Michael (2005): Wir sind hyper-rationale Narren.
Emotionen im Kapitalismus: Bei den Frankfurter Adorno-Vorlesungen las die Soziologin und Anthropologin Eva Illouz der Liebe und den Liebenden ganz gehörig die Leviten,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.05.

 
   

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Update: 30. Juni 2015