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Florian Coulmas: Die Kultur Japans

 
       
     
       
     
       
   

Florian Coulmas in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

COULMAS, Florian (2003): Im Preis inbegriffen.
Made in Japan: Erfahrungen einer "alten" Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.10.

"Japan war (...) das erste Land, in dem es nach 1945 zu einem drastischen Geburtenrückgang kam",

lesen wir und fragen uns erstaunt, wie konnte Japan trotz Geburtenrückgang derart lange wirtschaftliches Vorbild für Deutschland sein? Den Autor interessiert das jedoch gar nicht.
          
Und auf der Strecke bleibt auch die Tatsache, dass Japan in den 70er Jahren einen "Alters-Schock" erlebte.  Arthur E. IMHOF beschreibt,

"daß erwachsene (20jährige) Menschen nicht länger, wie noch unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg durchschnittlich mit 60,9 Jahren (Männer) und 64,9 Jahren (Frauen) starben, sondern (im Jahr 1970) mit 71,3 und 76,1 Jahren. Doch war nicht nur die Lebenserwartung in kurzer Zeit sprunghaft angestiegen; im Zusammenhang damit hatte ein ebenso rascher Wandel vom alten zum neuen Sterbemuster stattgefunden, weg von den ehedem rasch tötenden Infektionskrankheiten und hin zu langwierigen chronischen degenerativen Leiden, zu Senilität und langer Abhängigkeit von Fremdbetreuung." (Individualismus und Lebenserwartung in Japan. Japans Interesse an uns, 1986).

IMHOF erwähnt einen japanischen Bestseller aus dem Jahr 1972, der das Problem auf den Punkt brachte. Die Schriftstellerin Sawako ARIYOSHI beschreibt in der Novelle Kokukotsu no hito das Dilemma einer modernen japanischen Frau angesichts des Pflegeproblems, für das im damaligen Japan kein Bewusstsein vorhanden war.
          Die Entstehung des Schimpfwortes vom "parasitären Single", das modernen berufstätigen Singlefrauen gerne angehängt wird, hat seine Ursache u. a. auch in dieser rasanten Entwicklung der Zunahme der Lebenserwartung.

COULMAS, Florian (2005): Nasses Herbstlaub.
Die Langeweile der japanischen Männer,
in: Neue Zürcher Zeitung  v. 23.02.

Waren bislang "parasitäre Singles", also Frauen, das Gesellschaftsthema Nr.1, wenn es um Japan ging, so hat nun COULMAS den freigesetzten Mann als Problemfall der alternden Gesellschaft entdeckt:

"Als «Sperrmüll» wurden die Männer bezeichnet, die nach Jahrzehnten der Arbeit plötzlich tagsüber zu Hause waren - sie stehen im Weg und sind schwer loszuwerden. «Nasses Herbstlaub» ist ein anderer wenig schmeichelhafter Ausdruck - klebt an den Schuhen und ist zu nichts zu gebrauchen. Frauen, die mit derart nichtsnutzigen Männern geschlagen sind, gestehen offen ein, ihre verwitweten Freundinnen zu beneiden. Das «Mann-zu- Hause-Stress-Syndrom» wurde zum Gesprächsthema. Die Zahl der Scheidungen im Rentenalter nimmt in Japan schneller zu als in jeder anderen Altersgruppe.
            Mittlerweile schenkt man dem Problem nicht mehr nur in Talkshows Aufmerksamkeit; auch die Wissenschaft hat sich seiner angenommen. Der Soziologe Hidehiko Sekizawa bezeichnet die ausgebrannten Männer der heutigen Rentnergeneration als das grösste Problem der alternden Gesellschaft, sie noch einmal einen Sinn im Leben finden, neue Erfahrungs- und Tätigkeitsfelder erschliessen zu lassen, als eine vordringliche Aufgabe, zu deren Lösung die Betroffenen selbst nicht in der Lage sind."

COULMAS, Florian (2005): Arbeit auf Zeit.
Abschied von der Mittelschichtgesellschaft,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 11.06.

Florian COULMAS beschreibt die demografische Krise in Japan als Folge der Zunahme flexibler Doppelverdiener-Arbeitsverhältnisse in der "Freeta-Generation":

"Vorübergehende Arbeitsverhältnisse nehmen ständig zu. Ihre Inhaber sind als Freeta bekannt - ein Wortbastard aus «free» und «Arbeit». Mehr als vier Millionen sind es bereits. Was als vermeintlich erstrebenswerte Alternative zur Tretmühle des Angestelltendaseins mit dem vorgezeichneten Lebensplan begann, ist zum Strukturelement der Neuordnung der Gesellschaft geworden. Denn die erste Freeta-Generation ist jetzt bereits Mitte 30. Eine feste Stelle mit Pensionsberechtigung werden nur die allerwenigsten von ihnen noch bekommen. Die Mittelschicht mit Festanstellung und gleichmässig steigenden Löhnen schmilzt dahin. Das Brotverdiener-Modell der Familie ist obsolet. Schon mehr als 60 Prozent aller Haushalte beruhen heute auf zwei Einkommen. Unterdessen geht die Geburtenrate weiter zurück, die Zahl der Scheidungen steigt, und Eheschliessungen werden immer länger hinausgeschoben. Alternative Partnerschaftsformen nehmen zu."

COULMAS, Florian (2005): Wenn Frau Nakai vergeblich klingelt.
Japan schrumpft - und macht eine letzte Volkszählung von Haus zu Haus,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.10.

COULMAS berichtet aus Japan: "Die Volkszählung (...) soll die Datengrundlage für die Entwicklung neuer politischer Konzepte in den Bereichen Familie, Rente und Gesundheit liefern. Nach den Wahlen im September kam eine aktive Bevölkerungspolitik unter den bei den Bürgern erfragten Erwartungen an die Politik immerhin auf den fünften Platz. Viele Menschen sehen in der niedrigen Geburtenrate und der ihr folgenden Bevölkerungsschrumpfung eine Bedrohung."

COULMAS, Florian (2005): Eine Last und keine Lust.
Die Japaner heiraten nicht gern und wünschen sich keine Kinder: Das Land schrumpft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.10.

Florian COULMAS erzählt die Geschichte von Midori Ohara, einer gut gebildeten, 30jährigen Nesthockerin als typische Frau einer jungen Generation, die sich der Tradition verweigert:

"Das traditionelle Verhältnis der Geschlechter und damit das Brotverdienermodell der japanischen Familie ist obsolet, ein neues, in dem zwei arbeitende Partner und Kinder Platz haben und auch die Großeltern nicht nur als Last angesehen werden, ist noch nicht etabliert."

COULMAS sieht im steigenden Heiratsalter und der niedrigen Geburtenrate ein Symptom dieses gesellschaftlichen Wandels, bei dem Bevölkerungsalterung und neoliberale Ökonomisierung des Lebens zusammenwirken. In Tokio ist für COULMAS dieser Trend am ausgeprägtesten:

"Die Geburtenrate der japanischen Hauptstadt liegt mit 1,0 noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt."

COULMAS, Florian (2006): Wenn Frauen keine Kinder kriegen.
Prinzessinnen, Spitzenjobs und die demographische Krise,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 20.01.

"Japans Bevölkerung, das zeigen die letzten Zahlen, hat zwei Jahre früher als noch vor wenigen Monaten prognostiziert begonnen zu schrumpfen. 2005 überstieg die Zahl der Todesfälle die der Geburten um 10 000. Wenn die Frauen weiterhin so gebärunfreudig sind, wird die Depopulation rasch an Fahrt gewinnen.
          
Dem entgegenzuwirken, soll jetzt wenigstens ein Zeichen gesetzt werden. Wie ernst das Problem genommen wird, zeigt sich daran, dass im neuen Kabinett Koizumi ein Ministerium für Geburtenrückgang und Gleichstellung eingerichtet wurde", berichtet Florian COULMAS.

COULMAS, Florian (2006): Keine Angst!
Die Japaner blicken nach vorn und sehen nichts Gutes,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.07.

Florian COULMAS berichtet über Japan, dessen Bevölkerung seit letztem Jahr schrumpft.

COULMAS, Florian (2007): Die Unfähigkeit, allein zu bestehen.
Hikikomori - der pathologische Rückzug junger Menschen aus der alternden Gesellschaft,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 29.06.

"Hikikomori ist ein Begriff, den vor einigen Jahren der Psychologe Tamaki Saito geprägt hat. Er bedeutet «akuter Rückzug aus der Gesellschaft» und bezeichnet sowohl das Syndrom als auch die davon Befallenen.
             (...). Hikikomori ist heute in Japan eine anerkannte Zivilisationskrankheit, deren Auftreten den Rahmen individueller Fehlentwicklung längst gesprengt hat. Die Zahl der Betroffenen wird auf über eine Million geschätzt.
             (...).
Achtzig Prozent der Hikikomori sind junge Männer über achtzehn",

berichtet Florian COULMAS, der das Phänomen der Hikikomori auch im Zusammenhang mit der Modernisierung Japans sieht:

"Kollektivismus war die herrschende Ideologie, die von dem Einzelnen verlangte, sich im Interesse des Gemeinwohls unterzuordnen, es ihm aber auch erlaubte, sich einzuordnen, mit dem Strom zu schwimmen in der Gewissheit, voranzukommen und nichts falsch zu machen.
Inzwischen sind die Grundlagen des steten gleichförmigen Aufstiegs zerbrochen. Die Deregulierung des Arbeitsmarkts im Zuge der Globalisierung und der lang anhaltenden Wirtschaftsflaute seit Beginn der neunziger Jahre hat zu einem drastischen Rückgang dauerhafter Beschäftigungsverhältnisse geführt. Statt durch Wachstum und Konformitätsdruck ist das Leben durch Risiko und Konkurrenzdruck gekennzeichnet, eine Entwicklung, die an der ideologischen Front durch die Propagierung des Individualismus als wertvoller Lebenshaltung noch verstärkt wird."

Zu den demographischen Ursachen des Phänomens hat COULMAS Spekulatives zu bieten, nämlich die Verringerung der Personen pro Haushalt, die COULMAS als Vormarsch er Ein-Kind-Familie beschreibt:

"Begleitet wurde diese Entwicklung von tiefgreifendem demografischem Wandel mit vielen Folgen für die Gesellschaft."
             (...).
Alle Energie, alle Hoffnungen und Erwartungen der Eltern konzentrieren sich auf die wenigen Kinder, deren Wünsche erfüllt werden und die nicht lernen, einem Druck standzuhalten und sich durchzusetzen.
             Die Verkleinerung der Familie bringt neue Persönlichkeitstypen und neue Interaktionsmuster hervor, wie sie die Hikikomori exemplifizieren. Beweise dafür, dass diese Art der Unangepasstheit eine Folge der verminderten Familiengrösse ist, gibt es nicht, aber die wachsende Zahl von Einzelkindern wird von vielen Japanern mit Sorge betrachtet. Die Einzelkind-Familie ist auf dem Vormarsch."

COULMAS, Florian (2008): Muttersprache: Japanisch.
Roboter sind nicht länger Spielzeug, sie werden in unserem Leben eine immer grössere Rolle spielen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.05.

COULMAS, Florian (2008): Zwischen Japan und Amerika.
Okinawa – die bittere Idylle einer Insel im Ostchinesischen Meer,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.11.

"Okinawa ist die ärmste Präfektur Japans, aber auch die, wo die Menschen am längsten leben und die meisten Kinder bekommen", berichtet Florian COULMAS.

COULMAS, Florian (2008): Die Grenzen des Reichtums.
Glück hat Konjunktur, doch wird es durch seine konsumgestützte Verwirklichung immer schaler – in Japan und anderswo auf der Welt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 24.11.

COULMAS, Florian (2010): Der müde Samurai.
Die Japaner sind erschöpft - Sie sind alt geworden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 09.04.

COULMAS, Florian (2011): Wenn sich der Wasserkocher sorgt.
In Japan trifft die Lust an technischen Neuerungen auf fehlenden Sinn für Privatheit – eine Erkundung im halböffentlichen Raum,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.06.

Neu:
COULMAS, Florian (2017): Versuchsstation des Weltuntergangs.
Japan wird immer älter - und geht uns voran in eine Zukunft der Roboter und der Einsamkeit,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.

Faktenarmer Artikel, der lediglich die üblichen Klischees über Japan verbreitet, die eher der Demografiepanik in den deutschsprachigen Ländern geschuldet ist als dass uns die Lage der Japaner vermittelt wird.

 
       
       
   

Die Gesellschaft Japans (2007).
Arbeit, Familie und demografische Krise
München:
C. H. Beck

 
   
     
 

Klappentext

"Nure ochiba, »nasses Laub«, das an den Schuhen klebt, wurde in Japan zum Wort des Jahres gekrönt. Es bezeichnet boshaft pensionierte Männer, die ohne Aufgabe zuhause ihr Dasein fristen und zum Problem für ihre Angehörigen werden.

Die Japaner sind reich, leben sicher und gesund und erfreuen sich hoher Bildung. Trotzdem sind sie nicht sehr zufrieden; denn starke Kräfte zwingen die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt zu tiefgreifenden Veränderungen, allen voran die Globalisierung der Märkte und die Alterung. Der Autor untersucht die Auswirkungen dieser beiden Entwicklungen auf das Verhältnis der Geschlechter und Generationen, die sozialen Netzwerke, die Politik und den Arbeitsmarkt, aber auch auf gesellschaftliche Normen und Vorstellungen von Leben und Tod. Um ihren Wohlstand zu erhalten, muß die Gesellschaft umgebaut werden. Ein eindrücklicher Blick auf ein Land, das in rasanter Weise Veränderungen durchmacht, die sich in Deutschland erst langsam abzeichnen."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I Zeichen der Veränderungen

II Das Problem der Generationen und die Struktur der Gesellschaft

III Soziale Beziehungsnetzwerke

IV Das einsame Kind

V Frauen und Männer an der Arbeit

VI Die Vergesellschaftung der Pflege

VII "Reife" Kunden

VIII Das Risiko der Langlebigkeit und die Renten

IX Politik der Alten von Alten für Alte?

X Grenzen des Alterns?

XI Ausländer rein?

XII Bevölkerungsalterung und sozialer Wandel

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

KOHL, Ronald (2007): Ledige Schmarotzer.
Ein Buch über die demographische Zukunft Japans,
in: junge Welt v. 17.11.

 
       
       
   

Die Kultur Japans (2003).
Tradition und Moderne
München:
C. H. Beck

 
   
     
 

Klappentext

"Denkt man an Japan, so kommen einem zunächst einmal vor allem Stereotype in den Sinn. Das »Land des Lächelns« gilt als Kulturraum, in dem die Menschen bis zum Umfallen arbeiten, strenge Förmlichkeit das Verhalten bestimmt und Tradition und Moderne eine eigenartige Symbiose eingegangen sind. Entsprechend changiert unsere Vorstellung von Japan zwischen Zen-Buddhismus und Japan-Pop, zwischen Kalligraphie und Manga. Ausgehend von der doppelten Frage, was an der japanischen Kultur japanisch und was kulturell ist, zeigt Florian Coulmas, was die heutige japanische Kultur von anderen unterscheidet, und verdeutlicht, was unter Kultur zu verstehen ist: das Verhalten im Alltag und die sozialen Beziehungen (Umgangsformen, Verwandtschaft etc.); Werte und Überzeugungen (vor allem religiöser Art); Institutionen wie der Jahreszyklus, die Schule oder die Firma; schließlich Formen materieller Kultur (u.a. Kleidung und Mode, Behausung und Architektur, Essen und Ästhetik). Die Analyse des geistigen Hintergrunds kultureller Traditionen ermöglicht es, Verhaltensweisen, Wertvorstellungen und Formen der ästhetischen Gestaltung zu verstehen, die auch dem hyper-modernen Japan von heute einen ganz eigenen, unverwechselbaren Platz in der zunehmend globalisierten Welt erhalten haben."

Pressestimmen

"Kultur im konventionelleren, engeren Sinne (...) hat in diesem Buch keinen Platz. Literatur, bildende und darstellende Künste werden lediglich als »kulturelles Subsystem« erwähnt."
(Irmela Hijya-Kirschnereit in der Frankfurter Rundschau vom 26.11.)

"Florian Coulmas, ursprünglich Linguist, hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Kulturwissenschaftler und Ethnologen entwickelt - übrigens auch der deutschen Gesellschaft, die er nach einem langjährigen Japanaufenthalt durch die verfremdende ethnografische Brille gelesen hat. Nun hat er eine Synthese der »Kultur Japans« vorgelegt. Das ist ein sehr anspruchsvolles Unterfangen.
Coulmas will zeigen, dass auch in einer modernen Gesellschaft wie der japanischen die Handlungsspielräume nicht in erster Linie durch die Sozialstruktur bestimmt werden, sondern dass Soziales und kulturelle Muster in beständiger Wechselwirkung stehen.
(...).
Wer eine Analyse des modernen Japan sucht, wird bei Coulmas nur in Ansätzen bedient. Wer jedoch nach der Wirkung kultureller Traditionen fragt, die auch im gegenwärtigen Japan eine mehr oder weniger große Rolle spielen, wird in diesem schönen Buch gut informiert."
(Sebastian Conrad in der Berliner Zeitung vom 26.04.2004)

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

HIJYA-KIRSCHNEREIT, Irmela (2003): Die Nudeln der Anderen.
Florian Coulmas bahnt sich einen Weg durch die Klischees vom Land des Lächelns, der Arbeitsdisziplin und der Teezeremonie,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.11.

CONRAD, Sebastian (2004): Essstäbchen bitte kreuzen.
Florian Coulmas wirft einen Blick auf die "Kultur Japans" und übersieht die blondierten Haare,
in: Berliner Zeitung v. 26.04.

 
       
       
   

Japan außer Kontrolle (1998).
Vom Musterknaben zum Problemkind
Darmstadt: Primus Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Bis vor kurzem galt Japan als das Vorbild einer modernen Industriegesellschaft ohne Schattenseiten. Wohlstand für alle, kaum Arbeitslosigkeit, sozialer Frieden, heile Familien und eine geringe Kriminalitätsquote. Die Illusion, daß sich diese Erfolgsgeschichte unendlich fortsetzen würde, ist mittlerweile zerplatzt wie eine Seifenblase. Florian Coulmas aktueller Bericht gibt einen spannenden Einblick in die Phänomene und Hintergründe der japanischen Krise."

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Risutora

1 Von der Internationalisierung zur Globalisierung

2 Zwischen Asien und der Welt

3 Nachkriegszeit, Postmoderne, Jahrhundertende

4 Der Kampf um die Geschichte

5 Träume: Von Produzenten zu Konsumenten

6 Umbruch in der Politik: Reform und Trägheit

7 Von Homogenität zu (mehr) Pluralität

8 Frauen und Männer: Lebensmodelle im Wandel

9 Auf Messers Schneide: Jugend ohne Vorbild

10 Abschied von Traditionen: Mehr Offenheit statt Korruption?

Zitat:

Die vergreisende Gesellschaft als zukünftiges Problem

"In Japan ehrt man das Alter, aber diese Tendenz betrachten doch viele mit gewisser Beklemmung. 1947 war die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen 54, die für Männer 50 Jahre. Ein halbes Jahrhundert später war sie für beide Geschlechter fast 30 Jahre länger. Mit 83 bzw. 77 Jahren hatten Japanerinnen und Japaner die höchste Lebenserwartung der Welt. Rückblickend ist darin gewiß ein Beweis ihres Wohlstands und ihrer gut funktionierenden Gesellschaft zu sehen, aber vorausschauend vor allem eine gigantische Herausforderung. Die Probleme, die die Vergreisung der Gesellschaft mit sich bringt, können nicht länger übersehen werden.
            Was das Sozialsystem betrifft, hinkt Japan hinter anderen Industrieländern her, konnten sich doch die meisten bis vor einer Generation für die Altersversorgung auf die Familie verlassen. Das ist heute, wo die große Mehrheit der Bevölkerung in den Städten wohnt und Drei-Generationen-Haushalte zur Ausnahme geworden sind, anders. Der Staat muß eine größere Rolle übernehmen, ob er will oder nicht. Denn auf die Jungen kommen unvermeidlich größere Lasten zu. Schon jetzt ist die Altersgruppe der bis 14jährigen kleiner als die der über 65jährigen. Der dem Gesundheitsministerium unterstehende Rat für Bevölkerungsprobleme hat eine Rechnung vorgelegt, nach der die sozialen Lasten - Steuern, Krankenversicherung, Rente - für den durchschnittlichen Arbeitnehmer von 38,5 % seines Einkommens Ende der neunziger Jahre auf 55,5 % im Jahre 2025 anwachsen werden. Dabei wurde ein durchschnittliches jährliches Wirtschaftswachstum von 1,5 % bis 1,75 % vorausgesetzt. Bei geringerem Wachstum werden die Lasten für die Steuerzahler noch größer sein. Es wird erwartet, daß die japanische Bevölkerung bis 2007 weiter auf 127 Millionen anwächst und dann abnimmt. Als Folge dieser Entwicklung werden um die Mitte des nächsten Jahrhunderts 1,7 Menschen im arbeitsfähigen Alter für einen Senior sorgen müssen, während das Verhältnis jetzt noch 4,7 zu 1 ist." (S.112f.)

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. Juni 2005
Update: 25. Dezember 2017