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Sawako Ariyoshi: Das Altersbeben in Japan und das Dilemma der berufstätigen Frau

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1931 geboren
    • 1972 Erzählung "Kokotsu no hito"
      (englisch: "The Twilight Years")
    • 1984 gestorben
 
       
   

The Twilight Years (1984)
(Original 1972 erschienen)

Tokio: Kodansha

 
   
     
 

Inhaltsangabe

"Die Familie Tachibana lebt am Rande Tokyos in einem bescheiden komfortablen Einfamilienhaus. Ehemann Nabutoshi ist Angestellter in einer Handelsfirma. Seine Ehefrau Akiko arbeitet ganztätig als Sekretärin in einer Anwaltspraxis. Beide sind in ihren »besten Jahren«, das heißt im mittleren Alter. Sie haben einen einzigen Sohn, Satoshi. Er bereitet sich intensiv auf das für seine spätere Karriere entscheidende Eintrittsexamen auf die höhere Schule vor. - Auf dem zum Haus gehörigen Gartengrundstück leben Nabutoshis Eltern in einem eigens für sie errichteten kleinen Heim. Der Vater Shigezo ist 84, die Mutter ein Jahrzehnt jünger. Völlig unerwartet stirbt sie an einem Schlaganfall. Erst jetzt wird allen deutlich, wie senil Shigezo geworden ist. Er kann nicht mehr allein für sich sorgen, sondern braucht permanente Betreuung. Das Drama kann beginnen.
Entsprechend japanischer Tradition ist es die Aufgabe des ältesten Sohnes, seinen Vater bei sich aufzunehmen, und Aufgabe der Schwiegertochter, ihn zu betreuen. Doch Akiko hängt an ihrem Beruf und weigert sich, zu Hause zu bleiben. Da Shigezo wiederholt von zu Hause wegläuft, findet sich keines der sowieso seltenen Alters- und Pflegeheime bereit, ihn aufzunehmen. Einzige Alternative wäre die permanente Unterbringung in einer Irrenanstalt - ein für Japaner unakzeptierbarer Gedanke. Schließlich bahnt sich eine Lösung insofern an, als Akiko ihren Beruf nur noch an drei Tagen in der Woche ausübt und die restlichen vier nach ihrem Schwiegervater schaut, während ein Studentenehepaar, das die leere Gartenwohnung bezieht, an drei Tagen die Betreuung Shigezos übernimmt."
(aus: Arthur E. Imhof "Individualismus und Lebenserwartung in Japan. Japans Interesse an uns", 1986) 

Der historische Hintergrund

"Wie in mehreren anderen europäischen Ländern hatten wir (...) auch in Deutschland bereits mehr Zeit, uns an die Situation eines hohen Anteils von älteren Menschen zu gewöhnen und historische Erfahrungen zu sammeln. die Japaner dagegen erlebten vor allem in den 1950er und 1960er Jahren einen Alterungs-Schock, und viele leben noch heute darunter. (Swako Ariyoshis Novelle »Kokotsu no hito« (...) war 1972 erschienen und sofort zum vielhunderttauschenfachen Bestseller in Japan geworden. Die Nation hatte offensichtlich auf die Behandlung des Themas gewartet."
(aus: Arthur E. Imhof "Individualismus und Lebenserwartung in Japan. Japans Interesse an uns", 1986) 

Japan auf dem Weg zu einer Gesellschaft der Einzelgänger?

"Ariyoshis Postulat »Growing old should not be someone else's problem« (...) richtet sich in erster Linie an jeden einzelnen von uns. Wir müssen selbst dafür sorgen, daß die quantitativ zusätzlichen Jahre auch qualitativ tatsächlich gewonnene Lebensjahre werden.
Dies leitet zur zentralen abschließenden Frage über. Wollte Ariyoshi andeuten, daß sich auch die Japaner zunehmend zum Einzelgängertum bekennen sollten? Sie werden nun einmal, genauso wir wir auch, älter als nur pensionsreif. (...) Shigezo täglich vor Augen, der die zusätzlichen Jahre bloß vergeudet hatte, entschied sie (Anm.: Akiko) sich dafür, vorbeugend etwas zu tun, für ihren Körper und ihren Geist. Dabei dachte sie offensichtlich nur an sich, nur an ihre eigene Zukunft, als Individuum. (...). Japan auf dem Weg zu einem Volk von Einzelgängern?"
(aus: Arthur E. Imhof "Individualismus und Lebenserwartung in Japan. Japans Interesse an uns", 1986) 

Vergleich der Haushaltsentwicklung in der Bundesrepublik und Japan

"Bundesrepublik bereits 1950 an einem Punkt angelangt, auf den Japan eben erst zugeht (...). Würde nun diese parallele, wenn auch zeitverschobene Entwicklung im selben Tempo weiterverlaufen, würde Japan im Jahr 2000 etwa dort angelangt sein, wo die Bundesrepublik 1970 stand.
(...). Schon 1950 bestand in der Bundesrepublik jeder fünfte Haushalt aus einer einzigen Person (19,4 %), 1970 jeder vierte (25,1 %), 1982 fast schon jeder dritte (31,3 %). In gut dreißig Jahren dürfte Japan (...) ebenfalls dort angelangt sein.
(aus: Arthur E. Imhof "Individualismus und Lebenserwartung in Japan. Japans Interesse an uns", 1986) 

Individualisierung als Fortschritt

"Man sollte m. E. (...) die zunehmende Zahl alter Menschen, die allein leben (wollen) (...) als eines der deutlichen Anzeichen für einen allgemeinen Trend zum Einzelgängertum nehmen. Vor diesem breiten Hintergrund gäbe es denn auch weniger Veranlassung schockiert zu sein.
Pointiert ließe sich die These aufstellen, daß der Mensch - gleichgültig ob jung, ob alt - an sich gar kein soziales Wesen ist, das in irgendwelchen »Gemeinschaften« völlig aufgehen möchte. Er war bloß situationsbedingt bis vor kurzer Zeit dazu gezwungen gewesen. Wenn er jedoch die Möglichkeit hat und ihm die Möglichkeiten von einer Gesellschaft bereitgestellt werden, als einzelner durchs Leben zu gehen, dann tut er das und nimmt die Gelegenheit dazu wahr."
(aus: Arthur E. Imhof "Individualismus und Lebenserwartung in Japan. Japans Interesse an uns", 1986) 

 
     
 
       
   
  • Das Buch in der Debatte

IMHOF, Arthur E. (1986): Individualismus und Lebenserwartung in Japan. Japans Interesse an uns,
in: Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaft, 14, S.361-391

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 28. Oktober 2003
Update: 19. Januar 2011