Stimmen zum Buch
"Wie überzeugend man die
Thesen der beiden findet, wird letztlich (...) auch davon
abhängen, wo der Leser sich selbst sieht: Auf der Seite der
Rebellen oder auf der Seite der Angepassten, die, in den Augen
der Autoren zumindest die Klügeren sind. Eine kleine Ironie
ist es allerdings, dass das Buch nur bei Zweitausendeins
erhältlich ist, dem großen Ramschladen der Gegenkultur."
(Georg Gruber im DeutschlandRadio vom
26.09.2005)
"Heath und Potter
kritisieren den Mythos der ewig rebellierenden Jugendkultur
(...). Dagegen halten Heath und Potter nun, was anderswo das
Bohren dicker Bretter genannt wird: Sie plädieren für einen
desillusionierten, konsequent entkulturalisierten Begriff von
Politik, für die kleinteilige Arbeit an der Verbesserung jener
gesellschaftlichen Institutionen, die die Pseudorevolutionäre
zum »System« totalisieren. Denn sämtliche historisch messbaren
Fortschritte »wurden durch den mühsamen Prozess demokratischen
politischen Handelns erzielt, durch Menschen, die
argumentieren, Studien durchführen, Koalitionen bilden,
Gesetze machen«.
Heath und Potter (...) entwerten jene Manipulation von Zeichen
und Symbolen, die lange Zeit als überlegener Modus der
Gesellschaftskritik gehandelt wurde. Denn hier blieben am Ende
blanke Folgenlosigkeit und die uneingestandene Komplizenschaft
mit jenen Kräften des Kapitalismus, denen die Symbolarbeiter
der, wie es bei Matias Faldbakken heißt,
»Widerstandsindustrie« angeblich die Stirn bieten. Und
tatsächlich: wenn der Widerstand gegen die Verhältnisse mit
nichts als den Waffen des Lebensstils und der Zeichentheorie
geführt wird, neigt das Politische auf Dauer dazu, in eins zu
fallen mit den Ritualen der sozialen Distinktion. Die
Abweichung vom Konsumverhalten des Kollegen im Nachbarbüro ist
dann bereits ein mikropolitisches Ereignis."
(Tom Holert in der Zeitschrift Literaturen,
Oktober 2005)
"Man
wird Joseph Heath und Andrew Potter selbst in die von ihnen
erzählte Geschichte hineinstellen müssen, eine Geschichte, die
vom Konsumdruck vorangetrieben wird. Man wird dann vermuten
dürfen, daß ihre echt coole Kritik der Konsumrebellen
wahrscheinlich gut bei den Konsumenten der einfachen Ideen
ankommen wird, die neue coole Ideen brauchen, um sich von
anderen und deren dann vielleicht nicht mehr so coolen Ideen
abzusetzen. (...). Der reformwillige Geist des Kapitalismus
braucht seine Marken, seitdem die große Kritik des
Kapitalismus auf den Hund gekommen ist.
Die beiden
Kanadier setzen mit ihrem Buch eine Zäsur: Das Ende der
Konsumrebellen ist der Anfang der jungen Staatsbürger, das
Ende der Gegenkultur ist der Anfang der Staatsbürgerkunde."
(Eberhard Rathgeb in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung vom 19.10.2005)
"Trotz
einer gewissen inquisitorischen Schnoddrigkeit ist das Buch
nicht unsympathisch, weil es nicht von der Position eines
kulturkonservativen Anti-Avantgardismus aus argumentiert,
sondern von einem traditionellen, linken Sozialdemokratismus
aus. Was die Autoren antreibt, ist folgende Hypothese: Während
die alte Linke darauf bedacht war, auch den einfachen Leuten
ein normales Leben in Würde, mit ihrem Teil am Reichtum zu
erkämpfen, habe die gegenkulturelle Linke gerade das
diskreditiert - normales Leben als Konformismus, das Streben
nach einem gerechten Anteil am Wohlstand als mieser
Materialismus. Sozialreformen gelten als oberflächlich. Der
Gegenkultur geht es um die psychische Befreiung der
Unterdrückten."
(Robert Misik in der TAZ vom 19.11.2005)
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
TEIL 1
1
Die Geburt der Gegenkultur
2 Freud kommt nach Kalifornien
3 Konformismus, Zwang und Normalität
4 "I Hate Myself and Want to Buy"
5 Extreme Rebellion
TEIL 2
6
Die uniformierte Gesellschaft
7 Vom Statusjäger zum "Coolhunter"
8 Coca-Colonisierung
9 Danke, Indien!
10 Raumschiff Erde