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Götz Aly:
Sozialpolitik während der Zeit des Nationalsozialismus
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Götz Aly in seiner
eigenen Schreibe
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-
ALY, Götz (1991): Vorruhestand und Klassenkampf.
Wie Blüm, SPD & DGB eine ganze Generation wegbilanzieren,
in: TAZ v. 17.05.
- Inhalt:
Götz ALY kritisiert di Vorruhestandsregelungen, mit
denen Ex-DDR-Bürger als Altlast entsorgt werden sollen.
-
ALY, Götz (2004): Ich bin das Volk.
Alle reden von Hitler, wir reden von Hitler-Deutschland,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.09. (online bei
Perlentaucher)
- Inhalt:
ALY propagiert den Umbau des
Sozialstaates als Abschied von Hitler-Deutschland:
"Hitler regierte nach dem Prinzip »Ich
bin das Volk« und er zeichnet damit die politisch-mentalen Konturen
des späteren Sozialstaats Bundesrepublik vor. Die Regierung
Schröder/Fischer steht vor der historischen Aufgabe des langen
Abschieds von der Volksgemeinschaft."
-
ALY,
Götz (2005): Wie die Nazis ihr Volk kauften.
Warum standen so viele Deutsche treu zu Hitler? Weil sie von seinen
mörderischen Raubzügen profitierten. Diese These des Historikers Götz
Aly hat eine heftige Debatte entfacht. Hier antwortet Aly seinen
Kritikern,
in: Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.
-
ALY, Götz (2005): Explodierender Haß.
Die deutschen Achtundsechziger waren ihren Eltern schrecklich
ähnlich - vor allem im Antisemitismus. Das zeigt Wolfgang Kraushaar in
einer Aufsehen erregenden Studie,
in: Welt v. 16.07.
- Inhalt:
Götz ALY rechnet mit sich und seiner
Generation ab:
"Wolfgang Kraushaar zitiert
Hunderte (...) Dokumente aus dem Kreis der Achtundsechziger-Bewegung
in das Gedächtnis zurück. Darin besteht die aufklärerische Leistung
seines Buches. Wer - wie der Rezensent - damals an der Freien
Universität Berlin dazugehörte, muß sich nicht wenige
selbstkritische Fragen stellen. Auch wer selbst keine Bomben
bastelte, las die Untergrundzeitung »Agit 883« doch sehr gern. Aber
wenigstens ich habe - bis zur Lektüre dieses Buches - alle Details
verdrängt, selbst die Tatsache, daß es überhaupt einen
Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus gegeben hat, der in der
linksradikalen Publizistik ein zumindest hämisches, wenn nicht offen
positives Echo gefunden hatte. Der spiritus rector der
Aktion, Dieter Konzelmann, galt uns lange Zeit als ein zwar etwas
übergeschnappter, aber in seiner Authentizität doch akzeptabler, in
seiner entschlossenen Antibürgerlichkeit sogar bewundernswerter
Kampfgenosse. Wir kannten und respektierten Leute, die ihm halfen,
sich zu verstecken. Seine Texte las ich damals bestimmt, habe aber
vergessen - so gnädig arbeitet das menschliche Gedächtnis -, wie er
zum »Kampf gegen die heilige Kuh Israel« aufrief, wie er die erste
Nachkriegsgeneration immer wieder dazu aufforderte, zugunsten
propalästinenscher Solidarität endlich den »Judenknax« zu
überwinden.
(...).
Wer heute bei den allfälligen 60. Geburtstagen der einstigen
Protestfreunde zu Gast ist, erlebt nicht selten, wie die eigene
Vergangenheit als heroische Kampfesphase verklärt wird gegenüber
einer Jugend von heute, die angeblich nichts mehr will. Die
Feiernden erzählen sich dort gern die Märchen von einer sozial
engagierten, stets den Schwachen, der weltweiten Gerechtigkeit und
dem allgemeinen Fortschritt zugewandten Revolte, die das Klima der
Bundesrepublik doch insgesamt so positiv beeinflußt habe. Mit
solchen Lügen ist nun Schluß.
Die deutschen
Achtundsechziger waren ihren Eltern auf elende Weise ähnlich."
-
ALY, Götz (2009): Gegen den Muff von 40 Jahren,
in: Perlentaucher v. 23.03.
- Neu:
ALY, Götz (2009): Wir alle haben uns geirrt.
Karl-Heinz Kurras, der Benno Ohnesorg erschoss, war ein Stasi-Mann.
Was bedeutet das für den Gründungsmythos der 68er - und was für die
"Springer-Presse"?
in: Die ZEIT
Nr.23 v. 28.05.
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Götz Aly: Porträts und
Gespräche
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- LAT (2003): Ein Mann mit Geschichte.
Der Historiker Götz Aly ist ein Enkel des ersten Berliner Türken,
in: Tagesspiegel v. 23.11.
-
FUHR, Eckhard (2005): Hitlers Volksstaat war eine
Gefälligkeitsdiktatur.
Verbrechen und Sozialstaat:
Der Berliner Historiker Götz Aly zeigt, warum die Deutschen ihrem
Führer bis zum bitteren Ende folgten,
in: Welt v. 10.03.
- SCHAPER, Rüdiger (2005): Wie kauft man
ein Volk?
Rente und Rasse: Gespräch mit
dem Historiker Götz Aly über Hitlers "Wohlfühldiktatur" und den
deutschen Sozialstaat,
in: Tagesspiegel v. 31.03.
- GÜNTNER, Joachim (2005): Der Blick auf
problematische Kontinuitäten.
Akribie und Originalität - der Zeithistoriker Götz Aly,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.05.
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Rezensionen
- MOMMSEN, Hans (2005): Die
sozialpolitisch bestochenen Volksgenossen.
Wie konnte es geschehen? Heute erscheint Götz Alys Buch
über "Hitlers Volksstaat" - eine neue Deutung des Dritten
Reiches,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.03.
-
ULLRICH, Volker (2005): Hitlers zufriedene Räuber.
Ein Buch, das einen
neuen Blick auf die Nazizeit wirft: Götz Aly deutet den
Holocaust als größten Massenraubmord der Geschichte,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 10.03.
- ESCH, Christian (2005):
Bewaffnete Butterfahrer.
Der Nationalsozialismus als Gefälligkeitsdiktatur: Götz Aly
deutet "Hitlers Volksstaat",
in: Berliner Zeitung v. 11.03.
-
TOOZE, J. Adam (20059: Einfach verkalkuliert.
Der Historiker Götz
Aly wagt eine große These: Hitler erkaufte sich die Zustimmung
zu seiner "Wohlfühldiktatur" vor allem, indem er die eroberten
Länder und die Juden ausbeutete. Dazu erschließt Aly neue
Quellen und erforscht akribisch den deutschen
Ausbeutungskrieg. Nur: Ihm unterläuft ein grober,
folgenschwerer Rechenfehler,
in: TAZ v. 12.03.
-
REUTH, Ralf Georg (2005): Das korrumpierte Volk.
Der Historiker Götz Aly liefert ein neues Motiv für das
Schweigen der Deutschen zum Holocaust,
in: Welt am Sonntag v. 13.03.
- RICHTER,
Peter (2005): Wem schenkte Hitler das rosa Kaninchen?
Götz Aly schildert in einem spektakulären Buch, wie der
deutsche Normalverbraucher von Eroberungskrieg und Holocaust
profitierte,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
13.03.
- HERBST, Ludolf (2005): Jeder
Deutsche hat profitiert.
Götz Aly erklärt
"Hitlers Volksstaat" zu einer effizienten Zustimmungsdiktatur,
in: Tagesspiegel v. 16.03.
- VOLKMANN, Hans-Erich (2005):
Erkaufte Volksgemeinschaft.
Auch die Finanz- und Steuerpolitik stabilisierte das
"Dritte Reich",
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung v. 16.03.
- WERBER, Niels (2005): Kaufen
statt Rauben.
Götz Aly erschließt
in seinem Buch über "Hitlers Volksstaat" die Wirkmächtigkeit
der Finanz- und Wirtschaftspolitik im Dritten Reich,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.03.
-
YÜCEL, Deniz (2005): Antifa heißt Hartz IV.
Das Volk war
korrumpiert, die Shoah ein rationaler Massenraubmord, der
Nationalsozialismus ein räuberischer Sozialismus, sagt Götz
Aly in seinem Buch »Hitlers Volksstaat«. deniz yücel stellt es
vor,
in: Jungle World Nr.12 v. 23.03.
- Kommentar:
In der
WELT vom 10.03.2005
hat Götz ALY ein Motiv für sein neues Buch beschrieben:
"Ich
(...) war einige Jahre für die Meinungsseite der »Berliner
Zeitung« zuständig. Eines der großen Themen war damals die
Entschädigung für ehemalige Zwangsarbeiter. Weil ich es
besser wußte, störte mich von Anfang an das einseitige
Abschieben der Schuld auf die deutsche Industrie, auf
Banken, Lebensversicherungen usw. Meine Leserschaft, die zum
Teil dem alten SED-Milieu entstammte, bevorzugte jedenfalls
damals die Reduktion der historischen Schuld auf »das
Kapital« im Vollgefühl historischer Rechthaberei. Ich
schrieb deshalb einen Leitartikel, in dem ich
auseinandersetzte, daß auch die deutschen Rentenkassen von
der Zwangsarbeit profitiert hatten, und warf die Frage auf,
wie es wäre, wenn die deutschen Rentner fünf Jahre lang drei
Prozent ihrer Rente in den Entschädigungsfond zahlten. Am
nächsten Tag erlebten die Sekretärinnen und die
Leserbriefredaktion den Aufstand der neudeutschen
Volksgemeinschaft. Da habe ich mir gesagt: Na wartet!"
Bei der globalen Klasse
darf ALY deshalb auf gewisse Sympathie hoffen.
"Hitlers Volksstaat" wird
und muss im Zusammenhang mit den gegenwärtigen
Sozialstaatsreformen gelesen werden, denn Geschichte ist
nicht einfach nur Geschichte, sondern immer
Geschichtspolitik, d.h. Geschichtsbetrachtung im Hinblick
auf gegenwärtige Politikziele. YÜCEL geht darauf ein:
"Eine
mögliche Konsequenz aus dieser Analyse, die im Buch
allenfalls angedeutet bleibt, hat Aly Anfang September, auf
dem Höhepunkt der Proteste gegen Hartz IV, in der
Süddeutschen ausgesprochen: »Die Regierung Schröder/Fischer
steht vor der historischen Aufgabe des langen Abschieds von
der Volksgemeinschaft.« Seitdem hütet er sich jedoch davor,
diese Aussage zu wiederholen. »Ich will nicht die Idee der
sozialen Gerechtigkeit diskreditieren«, sagte er der taz und
ergänzte in Berlin: »Den Sozialstaat hätte man auch auf dem
französischen oder schwedischen Weg verwirklichen können.«
Dieser Hinweis auf die in allen
kapitalistischen Zentren nach 1929 sukzessive etablierte
keynesianisch-korporatistische Regulation, die nur
hierzulande zeitweise mit einem völkischen Wahn einherging
(...) wird gegen manchen Rezensenten Alys verfolgt werden
müssen. Gegen Peter Richter etwa, der in
der FAZ notierte: »Die Härten, die man nicht zumuten
könne, und die Grenzen der Belastbarkeit, die allmählich
erreicht seien – all diese Argumentationsbausteine jeder
politischen Fernsehdiskussion verlieren deutlich an Unschuld
nach der Lektüre von ›Hitlers Volksstaat‹«."
- GÜNTNER, Joachim (2005): Waren
die Deutschen willige Profiteure?
Götz Alys Buch über "Hitlers Volksstaat" provoziert,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.03.
-
THEIßEN, Hermann (2005): Götz Aly - Hitlers Volksstaat,
in: DeutschlandRadio v. 11.04.
-
AGUIGAH, René (2005): Der große Ruck.
Hitler als Stimmungspolitiker, Roosevelt als Regent im Notstand:
Götz Aly und Wolfgang Schivelbusch tauchen in die Vergangenheit und
schreiben an einer Geschichte der Gegenwart,
in: Literaturen Nr.5, Mai
- RULFF, Dieter (2005): Die Liebe
zum hässlichen Detail.
Götz Aly bringt uns das NS-Regime unangenehm nahe,
in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Mai
- Kommentar:
Dieter RULFF lobt das Buch "Hitlers
Volksstaat" von Götz ALY, weil es die Habgier des "deutschen
"Normalverbrauchers" in den Mittelpunkt stellt und damit das
Großkapital und die Bourgeoisie aus der Schusslinie nimmt.
RULFF hebt hervor,
dass die Kontinuitäten von Drittem Reich und Bonner Republik vor allem
im Sozialstaat bestehen. Das Buch gewinnt in diesem Sinne als
Legimitationsbasis für einen arbeitgeberfreundlichen Umbau des
Sozialstaats an Bedeutung:
"Die Deutschen profitierten
auf vielfache Weise von der Liquidierung der Juden wie der brutalen
Ausbeutung der besetzten Länder. Mit diesen blutigen Ressourcen wurde
ein völkisches Gleichheitsversprechen eingelöst, das den überwiegenden
Teil der Bevölkerung nicht nur von den Kriegskosten weitgehend
verschonte, sondern ihn mit einer ganzen Palette an Gefälligkeiten bei
Laune hielt.
Darunter befinden sich auch
sozialpolitische Maßnahmen, die noch heute als Errungenschaften des
modernen Sozialstaates gefeiert werden, das Kindergeld ebenso wie das
Ehegattensplitting, die steuerfreien Zuschläge für Nacht- und
Feiertagsarbeit, wie die Krankenversicherung der Rentner."
- JAHR, Christoph (2005):
Völkische Raubgemeinschaft.
Götz Aly über die nationalsozialistische
"Gefälligkeitsdiktatur",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 14.05.
- Inhalt:
JAHR kritisiert, dass ALY nicht
entschieden genug zwischen Propaganda und Praxis des
Nationalsozialismus differenziert:
"Problematisch
erscheint (...), dass Aly die sozialpolitische Propaganda und
die Wirklichkeit zu dicht beieinander sieht. Wie
sozialpolitisch «modern» der Nationalsozialismus gewesen sei,
wird in der Geschichtswissenschaft seit langem debattiert,
ebenso wie die von Aly suggerierte Kontinuität zum
Wirtschaftswunder-Wohlfahrtsstaat nach 1945."
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Das Buch in der Debatte
-
KESSEN, Peter (2005): White Trash im NS.
Götz Aly, die Flicks,
die Elite und die Auftragsforschung,
in: Jungle World Nr.13 v. 30.03.
- Inhalt:
KESSEN kritisiert das
Geschichtsverständnis von Götz ALY:
"Götz
Aly hat mit einer Pseudokritik der »Volksgemeinschaft« einen
neuen Diskurs des Nationalen geschaffen. Sein
Vulgärmaterialismus lässt den tödlichen Antisemitismus der
Deutschen verschwinden, streicht die Elite der Bourgeoisie
aus der Volksgemeinschaft, um mit dem beliebten Topos von
der »Banalität des Bösen« eine sanft verständige und
aktuelle Kritik der Unterschichtsmentalität in die
Geschichte zu projizieren: »Die Menschen in Deutschland
waren während des Zweiten Weltkrieges weithin passiv. Sie
jagten dem kleinen Vorteil hinterher, frei nach dem Motto:
Geld ist geil.«
Übrig bleiben nur noch die abstraktesten
Motive der Tatlosigkeit, Beschränktheit, Unmoral und
Geldgier, quasi als Motive eines White Trash vieler Länder,
der bei Gelegenheit ebenso gen Stalingrad gezogen wäre. In
diesem Sinne hat Götz Alys »Volksstaat« den Holocaust
internationalisiert und entgermanisiert."
- WEHLER, Hans-Ulrich
(2005): Engstirniger Materialismus.
Der Historiker Hans-Ulrich Wehler kritisiert Götz Alys
Darstellung von Hitlers Volksstaat,
in: Spiegel Nr.14 v. 04.04.
-
KLOPOTEK, Felix (2005): Die Fakten deuten.
Eine materialistische
Geschichtsschreibung braucht einen Begriff von Staat, Nation,
Bevölkerung. Sonst wird sie krude oder zu einer beliebig
interpretierbaren Faktensammlung,
in: Jungle World Nr.14 v. 06.04.
- ARNING, Matthias (2005): Mit
Hitlers Hilfe.
Sozialstaat und Nationalsozialismus,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.04.
- Inhalt:
ARNING stellt ALYs Buch in den
Zusammenhang eines letzten Gefechtes um den Sozialstaat:
"Warum bringen die Totengräber des
Sozialstaats den Nationalsozialismus, dieses furchtbarste Erbe
deutscher Geschichte, überhaupt gegen den Sozialstaat in
Stellung? Weil sie sich ihrer Sache so sicher sind. Der
Gebrauch des Nationalsozialismus als Keule dient dem finalen
Stoß. Die Sache ist erledigt. Eine historische Betrachtung,
die die grundgesetzliche Fixierung der rechts- wie
sozialstaatlich orientierten Republik in den Blick nimmt, ist
das allerdings nicht."
-
HANLOSER, Gerhard (2005): Versorgen und vernichten.
Die
nationalsozialistische Wirtschaftspolitik lässt sich als
keynesianische Krisenlösung interpretieren. Doch der
Ökonomismus übersieht den entscheidenden Unterschied,
in: Jungle World Nr.15 v. 13.04.
-
KUCZYNSKI, Thomas (2005): Kapital brutal.
Götz Aly nutzt den
Nachweis, dass »ganz normale Deutsche« von Krieg, Raub und
Mord profitierten, zu einer Entlastung des deutschen Kapitals.
So liefert er eine neue Variation der Totalitarismustheorie,
in: Jungle World Nr.16 v. 20.04.
-
TOOZE,
Adam (2005): Stramme junge Männer in brauen Uniformen,
Götz Alys Thesen
führen in die Irre. Nicht deutsche »Hirnlosigkeit«, sondern
Amerikas Aufstieg machte die »Volksgenossen« für Hitler
anfällig,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 28.04.
- MOMMSEIN, Hans (2005):
Profiteure des Untergangs.
Das Sozialsystem als Machtinstrument.
Erkauften sich die Nazis die
Zustimmung der Deutschen durch wirtschaftliche Vorteile? Der
Historiker Götz Aly provoziert Widerspruch,
in:
Rheinischer Merkur Nr.17 v. 28.04.
-
WILDT, Michael (2005): Vertrautes Ressentiment.
Der moderne
Sozialstaat hat mit dem »Volksgemeinschafts«-Konzept des
Nationalsozialismus nichts zu tun. Eine Antwort auf Götz Aly,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 04.05.
- Inhalt:
Michael WILDT kritisiert
Götz ALYs Sicht der Kontinuität von nationalsozialistischem
und bundesrepublikanischem Sozialstaat in dem Buch "Hitlers
Volksstaat":
"Ohne
Zweifel war das NS-Regime bemüht (...) mittels
sozialpolitischer Maßnahmen vor allem die Integration der
Arbeiter in die »Volksgemeinschaft« zu betreiben. Die
Klassenstruktur der Gesellschaft verschwand deswegen nicht,
aber die Verheißung eines sozialen Aufstiegs nach Leistung,
unabhängig von Schichtzugehörigkeit, band einen Großteil der
Bevölkerung ein. Die nationalsozialistische Zielperspektive
war jedoch keineswegs eine moderne, leistungs- und
aufstiegsorientierte Individualgesellschaft freier Bürger,
sondern eine rassistisch formierte »Volksgemeinschaft«, die
Elitebildung und Vorwärtskommen nicht nur von Leistung,
sondern ebenso von biologistischen Kriterien abhängig
machte. Wer abwich, zum Beispiel behinderte Kinder gebar,
als »asozial«, »arbeitsscheu« oder homosexuell galt, erfuhr
sehr rasch und gnadenlos die Grenzen der
»Gefälligkeitsdiktatur«. Insbesondere die Ermordung von
Behinderten und Kranken, die von den Nationalsozialisten als
»erbbiologisch minderwertig« definiert wurden, zeigt, wie
unangemessen und fehlleitend die Gleichsetzung des
NS-Regimes mit dem »modernen Sozialstaat« ist.
Hier liegt ein
grundsätzliches Missverständnis von Gleichheit und
Homogenität, von politischer und sozialer Gleichheit vor.
Modernisierung wird mit Moderne verwechselt, Rationalität
mit Vernunft. Die bürgerliche Forderung nach Gleichheit, wie
sie in den Schriften von Thomas Jefferson, John Locke oder
Condorcet nachzulesen ist, meint mitnichten die Egalisierung
von materiellen Verhältnissen, sondern ganz im Gegenteil die
Anerkennung der naturrechtlichen Gleichheit der Menschen,
deren pursuit of happiness nun nicht mehr von
irgendwelchen Privilegien abhängig sein sollte. Paradox
formuliert, soll die Gleichheit der Menschen dazu führen,
dass sie ihre Ungleichheit entwickeln können"
-
Podiumsdiskussion
"Hitlers williges Volk - Raub und nationaler Sozialismus" im
Frankfurter IG Farben-Haus am 03.05.2005
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Rezensionen
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GUTMAIR, Ulrich (2003): Der Sozialismus des guten Blutes.
Warum unterstützten
die Deutschen Hitlers Politik so zahlreich und so lange?
Wegen seiner «völkischen Gleichheitsversprechen», deren
Einlösung dem kleinen Mann zugute kam. Eine Textsammlung von
Götz Aly widmet sich Hitlers Volksstaat,
in: Netzeitung.de v. 11.03.
-
WILDT, Michael (2003): Niemand steht auf der sicheren Seite.
Provokateur und Moralist: Götz Alys gesammelte Essays,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 20.03.
- Inhalt:
Michael WILDT über das Grundthema von
ALYs Arbeiten:
"Das
bereitwillige Mitmachen von vielen, ob Intellektuellen,
Wissenschaftlern oder Arbeitern, bildet das Grundthema von
Alys Arbeiten. »Hitlers Volksstaat« erscheint als
Zustimmungsdiktatur, die der großen Mehrheit der Deutschen
sozialen Aufstieg, materiellen Gewinn und eine große Zukunft
im Osten versprach. Mit der ihm eigenen Lust an der
Zuspitzung stellt Aly den Nationalsozialismus bewusst in
einen Zusammenhang der egalitären Bewegungen und Utopien im
20. Jahrhundert."
-
DITFURTH, Christian von (2004): Das Reich der kleinen Leute.
Götz Aly über den "Sozialismus des guten Bluts", der
Millionen an die Nazis band,
in: Welt v. 03.05.
- Inhalt:
DITFURTH über ALYs Sicht des deutschen
Volksstaates:
"Was
erklärt Hitlers Erfolg? Für den Diktator habe das Volkswohl
an erster Stelle gestanden, antwortet Aly. In ironischer
Anlehnung an die Diktion der SED schreibt er: »Es war die
Einheit von Wirtschafts-, Sozial-, Rassen- und
Kriegspolitik, die diesem Staat die Unterstützung sicherte.«
Das NS-Regime sei das "Reich der kleinen Leute" gewesen -
und jener Intellektuellen, die beschlossen hätten, ihren
Klassendünkel aufzugeben. Die Hälfte der Kriegskosten wurden
über Steuern aufgebracht, davon mussten die Unternehmer den
Löwenanteil bezahlen, die Arbeiter und Angestellten wurden
weitgehend verschont. »Hitlerdeutschland wurde im Krieg zum
Umverteilungsstaat par excellence«, und zwar zugunsten der
Armen, so erklärt sich dessen innere Stabilität."
-
SL (2003): Schädel zu 25.- RM,
in: Berliner Zeitung v. 05.05.
-
WALTHER, Rudolf (2003): Am deutschen Wesen hat es nicht
gelegen.
Götz Alys Texte in
"Rasse und Klasse" sind ebenso hintergründig wie polemisch.
Zudem kommt eine Frankfurter Zeitung sehr schlecht weg,
in: TAZ v. 13.05.
- Inhalt:
Rudolf WALTHER darf
ausgiebig gegen den Lieblingsfeind der TAZ wettern:
"Ein
Beitrag wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände in
der konservativen Presse. Im Januar 2002 erhielt Aly von den
FAZ-Redakteuren
Thomas Schmid und Volker Zastrow den Auftrag, die
revidierte Fassung der Wehrmachtsausstellung zu besprechen.
Aly vergleicht die beiden Ausstellungen, zählt Fehler der
ersten auf und räumt auch eigene Irrtümer ein. Allerdings
verweist er auch darauf, dass die revidierte Ausstellung
eindeutig den Beleg erbringt, dass das »systematische
Verhungernlassen« (Aly) von sowjetischen Kriegsgefangenen
und Zivilisten zur Strategie des Generalquartiermeisters des
Heeres - Eduard Wagner - gehörte. (...).
Derlei wollte die FAZ, die bisssige
Ressentiments gegen die Wehrmachtsausstellungen lancierte,
lieber nicht drucken. Der Redakteur Zastrow teilte Aly mit,
dessen Artikel sei »ein Kotau vor Reemtsma« und entspreche
obendrein »nicht dem Profil der Zeitung«. Derlei ist nicht
ganz neu, zeigt jedoch das intellektuelle Niveau und das
tatsächliche Profil des Frankfurter Blattmachers."
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"Wofür
wirst du eigentlich bezahlt?" (1977).
Möglichkeiten praktischer
Erzieherarbeit zwischen Ausflippen und Anpassung
Berlin: Rotbuch Verlag
(vergriffen)
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Klappentext
"Erziehung
ist auch Anpassung an die gesellschaftlichen Zwänge, aber
ohne das Träumen zu verlernen und das Hoffen vergessen zu
machen. Das erfordert Erzieher, öffentliche Väter und
Mütter, die bereit sind, den Konflikt mit den Jugendlichen
zu suchen, und nicht - wie heute üblich - diesen Konflikt
mit den Tricks von Mitbestimmung und Selbstverwaltung zu
umschiffen."
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Jugendheime, Jugendliche, Wohnviertel, Ämter - Bedingungen
unserer Arbeit
Unsere
Arbeit im Jugendfreizeitheim Gelse
Politisch
Bildung im Jugendheim
Malerei
und Theater im Jugendheim
Die
Jugendarbeitslosigkeit und der Jugendrichter als
grenzziehende Zurichtungsinstanzen
Schlußfolgerungen
Zitat:
Selbstbeschreibung des Autors
"Ich habe
drei Jahre als Erzieher und Heimleiter im Falkenhagener Feld
gearbeitet. Das Falkenhagener Feld ist eine Neubausiedlung
des sozialen Wohnungsbaus. Dort leben 30 000 Menschen. Die
»Gelse« ist mehr als 10 Jahre nach Baubeginn der Häuser als
Jugendheim für die Kinder und Jugendlichen gebaut worden.
Sie ist eine »Einrichtung« des Jugendamtes Berlin-Spandau,
Amt für Jugendpflege. Dem Amt steht ein Amtsleiter vor.
Ich selbst hatte für
meine Arbeit keine besondere Vorbildung. Als
Diplompolitologe ging es mir, von der Studentenbewegung
geprägt, zunächst darum, meine theoretischen Kenntisse über
die Lage der Arbeiterjugend praktisch anzuwenden. Ich habe
dabei gelernt, daß die Theorien, die ich kannte, oft an der
Wirklichkeit vorbeigehen. Sie sind also keine Theorien. Die
Schlußfolgerungen dieses Buches sind Ergebnisse von
Lernprozessen".
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Weiterführende
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