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Klaus Theweleit: Männerphantasien

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1942 in Ostpreußen geboren
    • Studium der Germanistik und Anglistik
    • 1977 Buch "Männerphantasien"
    • 2002 Buch "Der Knall"
    • 2004 Buch "Tor zur Welt"
    • 2008 Buch "Jimi Hendrix"
    • Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
    • Lehrbeauftragter am Soziologischen Institut in Freiburg
 
       
     
       
   

Klaus Theweleit in seiner eigenen Schreibe

 
   

THEWELEIT, Klaus (1999): Über die 68er,
in: konkret, Nr.5, Mai

THEWELEIT, Klaus (2006): Im Pop und in der Liebe ist alles erlaubt.
Warum Sigmund Freud die Rockmusik beeinflußt hat wie kein Denker zuvor: Eine Spurensuche zu seinem 150. Geburtstag,
in: Welt am Sonntag v. 30.04.

THEWELEIT, Klaus (2007): Die großen Verlage hätten mich ausgelacht.
Der Kurt-Wolff-Preis geht diesmal an den Stroemfeld-Verlag,
in: Berliner Zeitung v. 24.03.

In seiner Laudatio geht Klaus THEWELEIT auf den Entstehungskontext seines Buches Männerphantasien ein:

"Mein erstes Buch, Männerphantasien, ging aus einem Text hervor, der als Unterkapitel über den Weißen Terror in Erhard Lucas' Märzrevolution 1920 geplant war; dem ersten Großprojekt des jungen Verlages Roter Stern, in den KD Wolff den Autor Erhard Lucas, Ex-SDSler wie wir alle, aus dem Konkurs von Schröders März-Verlag, wo KD Wolff Lektor war, hinübergezogen hatte. Als mein Kapitel sich auszuwachsen begann zu einem eigenen Buch, war klar, dass es als Komplettierung der Märzrevolution im Roten Stern erscheinen müsse. Ich hatte also einen Verlag, bevor ich einen wirklichen Text hatte; und der Verlag einen Autor, ohne dessen Text zu haben. Die Menschen im Verlag sind dann auch nie nur »Verleger« für mich gewesen, auch nicht Genossen einer gewesenen »Seilschaft«, sondern von Anfang an Freunde; d.h. es gab eine Ebene von Gleichheit, wie sie sich im üblichen Betrieb zwischen Verlegern und Autoren eher nicht einstellt.
             Das spielte seine Rolle vor allem in der Gestaltung der Bücher. Ich hatte ziemlich genaue Vorstellungen, wie das Buch Männerphantasien aussehen sollte, von der Typographie bis zur Bildmontage bis zum Umschlag; nämlich, z. B., auf keinen Fall: Grün. Alle Bücher des Verlags bis dahin waren in Grün gekleidet, gedacht als Signalfarbe des Roten Stern in den Buchhändlerregalen (wie zuvor das knallige Gelb von Schröders März-Büchern). Dies Grün, das ja bis heute von den Einbänden der Hölderlin-Ausgabe herableuchtet, fand ich - als Dauerfarbe - nicht das Gelbe vom Ei. Es gab erbitterte Diskussionen. Für mich waren Theoriebücher damals weiß; suhrkamp-weiß; ich setzte Weiß durch. Suhrkamp-Imitat sollte es allerdings nicht sein. Farbige Umschlagbilder also."

 
       
   

Klaus Theweleit im Gespräch

 
   

LAU, Mariam (2000): Der Sex und das Schweigen Pocahontas, Geschlechterkampf und Männerfantasien.
Ein Gespräch mit Klaus Theweleit,
in: Welt v. 08.01.

GRISSEMANN, Stefan (2003): "Sterben mit der Schönheit im Hirn".
Der Philosoph Klaus Theweleit über die zwiespältigen Anti-Bush-Interventionen von Künstlern und Intellektuellen, über Glamour, Tod und Denksplitter, über Jayne Mansfields Wahrheiten und Gerhard Schröders Lügen,
in: Profil Nr.10 v. 03.03.

Eine popkulturelle Stellungnahme angesichts des neuen Madonna-Videos:

"Pop hat, jedenfalls bei bestimmten Bevölkerungsteilen der Welt, inzwischen die Religionen ersetzt. So tritt Glamour an die Stelle des Glaubens. Man stirbt dann im Angesicht des Models, mit der Schönheit im Hirn, das wurde schon für den Ersten Weltkrieg so beschrieben".

An welchen Roman THEWELEIT gedacht hat, das ist nicht überliefert, aber dazu passt auch eine Szene aus Demian  von Hermann HESSE:

"Jetzt auf meinem dunklen Posten dachte ich mit Innigkeit an die Bilder meines bisherigen Lebens, an Frau Eva, an Demian.
            (...). In den Wolken war eine große Stadt zu sehen, aus der strömten Millionen von Menschen hervor (...). Mitten unter sie trat eine mächtige Göttergestalt, funkelnde Sterne im Haar, groß wie ein Gebirge, mit den Zügen der Frau Eva (...).
            Einer von den Sternen brauste mit hellem Klang gerade zu mir her, schien mich zu suchen. - Da krachte er brüllend in tausend Funken auseinander, es riß mich empor und warf mich wieder zu Boden, donnernd bracht die Welt über mir zusammen." 

HARNISCH, Henning & Norbert THOMMA (2004): "Ich wollte Helmut Rahn sein".
Die Europameisterschaft tritt in die entscheidende Phase. Und Klaus Theweleit? Er erklärt uns den Fußball – und warum er Günter Netzer für einen Schurken hält,
in: Tagesspiegel v. 27.06.

THEWELEIT erklärt u. a. was die Männerphantasien mit Fußball zu tun haben: "In Ihrem Buch heißt es: »Mein fußballgeschädigtes Knie entwickelte ein Denken, übernahm also Aufgaben des Gehirns.« Was hinkt sei »oft ein verletzter Körper auf der Suche nach dem Weg.« Das ist doch auch verrückt, esoterischer Stuss.
            Ohne den nötigen Schuss Selbstironie wäre es das. Aber mein rechtes Knie hat oft Dinge entschieden, die sich mir entzogen, es hat mich korrigiert. Ich wäre nie aus Kiel weggegangen ohne das verletzte Knie, das mich zu sechs Wochen in der Klinik zwang. (...).
Das Denken des Knies half entscheidend beim Problem Bundeswehr. Ich wäre blöd genug gewesen, nicht zu verweigern, ich wollte das heroisch durchziehen. Wegen des Knies wurde ich freigestellt. Mein Leben wäre ohne das Knie völlig anders verlaufen. Ich war später noch einmal im Freiburger Krankenhaus und hatte vier Wochen Zeit, gründlich den Anti-Ödipus von Gilles Deleuze und Felix Guattari zu lesen. Ich habe gemerkt, das ist es doch, danach habe ich seit zwei Jahren für meine Promotion gesucht!
Diese Promotion wurde als Buch bekannt, »Männerphantasien«; darin geht es um den Typus des soldatisch verhärteten deutschen Manns."

ROSENFELDER, Andreas (2011): Klaus Theweleit.
Tischgespräch: Das muss kesseln - Der Theoretiker bestellt Jakobsmuscheln und Aquavit,
in: Welt v. 05.03.

 
       
   

Männerphantasien (1977/78).
Bd. 1 + 2
Stroemfeld Verlag
(Neuauflage:
Piper Verlag 2000)

 
   
     
 

Das Buch in der Debatte

"Ich habe meiner ersten Freundin Theweleits Männerphantasien geschenkt. Und ich erinnere mich noch gut an die Enttäuschung darüber, daß diese streberhafte Geste der Selbstdenunziation nicht angemessen gewürdigt wurde. Daß der zur Faschismustheorie aufgemotzte männliche Selbsthaß, von dem Theweleits Schriften triefen, nicht sehr attraktiv war für eine junge Frau, die mit ihren eigenen Unsicherheiten zu kämpfen hatte, konnte man damals nicht sehen. Meine Freundin jedenfalls hatte offenbar keine Lust, unsere Kämpfe als Fortsetzung der Résistance mit anderen Mitteln zu bewundern, wie es Theweleit anbot."
(Jörg Lau im Merkur, September/Oktober 2004, S.938)

 
     
 
       
   

Das Buch in der Debatte

LAU, Jörg (2004): Männerhaß und Männerselbsthaß als kultureller Mainstream,
in: Merkur. Doppelheft: Ressentiment! Zur Kritik der Kultur Nr.665/666, September/Oktober, S.934-943

Jörg LAU arbeitet an seiner Männlichkeit und stellt die These auf, dass das die antideutschen Ressentiments der 68er bei den 78ern auf dem Felde der Geschlechterbeziehungen wiedergekehrt sind. Als Beispiel führt LAU Klaus THEWELEITs Männerphantasien auf, in denen

"das Ressentiment gegen die deutsche (stets schon proto- und kryptofaschistische) Kleinfamilie als Inbild einer im innersten Kern verrotteten Normalität (...)(zusammenfließt) mit dem feministischen Ressentiment gegen die Männerherrschaft".

Die Folge:

"Theweleit machte es möglich, daß man als westdeutscher Heranwachsender seine Ablösungs- und Liebesnöte als antifaschistischen Kampf verstehen konnte."

CONRADS, Martin (2008): Die Frau als Angstgegner,
in: fluter.de v. 23.05.

Neu:
SCHWILK, Heimo (2012): Theweleits Sonderweg,
in: Welt v. 07.02.

 
   

Klaus Theweleit im www

www.soziologie.uni-freiburg.de/theweleit
 
   

Weiterführende Links

 
     
   
 
     
   
 
   
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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 13. Oktober 2004
Update: 16. April 2015