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Lothar Baier:
Double Income, no Kids als Konsumentenideal
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Nachrufe zum Tod von Lothar
Baier
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BUSCHE, Jürgen (2004): Französische Zustände jenseits des Atlantiks.
Aus der Welt gefallen: Ein
Nachruf auf den Essayisten, Schriftsteller und Literaturmenschen
Lothar Baier, der sich in Montreal das Leben nahm,
in: TAZ v. 14.07.
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SCHÜTTE, Wolfram (2004): Enfant perdu.
Zum Tod von Lothar Baier,
in: Titel-Magazin v. 14.07.
- STEINFELD, Thomas (2004): Mit hängendem
Bart.
Zum Tod des Essayisten und Schriftstellers Lothar Baier,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.07.
- GÜNTNER, Joachim (2004): Der Zeit
entfremdet.
Zum Tod des Essayisten Lothar Baier,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.07.
- JEISMANN, Michael (2004): Keine Zeit.
Zum Tod des Schriftstellers und Essayisten Lothar Baier,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.07.
-
WALTHER, Rudolf
(2004): Ohne Chef und auf eigene Rechnung.
Ein bedingungsloser Aufklärer: Zum Tod des Frankfurter
Schriftstellers und Intellektuellen Lothar Baier,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.07.
- WIDMANN, Arno (2004): Gegen das
Lagerdenken.
Zum Tode des Essayisten Lothar Baier,
in: Berliner Zeitung v. 15.07.
-
WLF (2004): Die Flucht des Buchstabenmenschen.
Zum Tod von Lothar Baier,
in: Welt v. 15.07.
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BITTERMANN, Klaus (2004): Zeichen und Wunder.
Zum Tod des Essayisten, Autors und Übersetzers Lothar Baier,
in: junge Welt v. 16.07.
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KELLER, Stefan (2004): Ein Schweigen aus Montreal.
Zwanzig Jahre lang
WOZ-Mitarbeiter, fest angestellter Redaktor von 1998 bis 2003:
Vorletzte Woche starb der Schriftsteller, Essayist, Journalist und
Übersetzer Lothar Baier,
in: Die Wochenzeitung Nr.30 v. 22.07.
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PARIN, Paul (2004): Einen Meister verloren,
in: Die Wochenzeitung Nr.30 v. 22.07.
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SCHNEIDER, Felix (2004): Der Schlüssel zum Ganzen,
in: Die Wochenzeitung Nr.30 v. 22.07.
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BOOS, Susan (2004): In einer anderen Welt,
in: Die Wochenzeitung Nr.30 v. 22.07.
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ZÜFLE, Manfred (2004): In Kants Republik,
in: Die Wochenzeitung Nr.30 v. 22.07.
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HACKL, Erich (2004): Geteilte Geschichte.
Lothar Baier und das Ende der Freundschaft,
in: Freitag Nr.31 v. 23.07.
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LEDER, Dietrich (2004): Unsere wahren Väter.
Radikaler Selbstzweifel. Lothar Baier - Journalist, Literat,
Gesellschaftskritiker,
in: Freitag Nr.31 v. 23.07.
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AUBERG, Jörg (2004): Tod eines Unzeitgemäßen.
Abschied von Lothar Baier (1942 - 2004),
in: Literaturkritik.de, Nr.8, August
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Aus den Nachrufen
"Mit dem Ende der achtziger Jahre wuchsen
Baiers Enttäuschungen. Rückblickend auf 1968 sah er in der
Revolte nicht viel mehr als eine «Entfesselung
individualistischer Triebregungen», ein Nebenprodukt eines
Konsumismus, der sich ohnehin durchgesetzt hätte, nur dies
eben dank der «rebellischen Aura» noch etwas rascher tat."
(Joachim Güntner in der Neuen Zürcher
Zeitung vom 15.07.2004)
"Dem Konformismus des 68er Juste Milieu, das
sich für Karriere und politisch-intellektuelle Begradigung
seiner Geschichte mehr interessiert als für das Erbe von
Kritik und Aufklärung, konnte er schon vor 1989 nichts
abgewinnen. Danach attackierte er die rundgeschliffenen
unter seinen Gefährten mit Vehemenz."
(Rudolf Walther in der Frankfurter
Rundschau vom 15.07.2004)
"Die große Zeit des 1942 in Karlsruhe geborenen
Essayisten waren die siebziger und achtziger Jahre. Er
spielte eine zentrale Rolle bei der Entdogmatisierung der
bundesrepublikanischen Linken. Er tat es nicht als einer der
Renegaten. Er war nie orthodoxer Linker gewesen. Er
überzeugte nicht durch Argumente, sondern durch sein
Beispiel. Er widerlegte nicht, sondern er spornte an, es ihm
nach zu tun."
(Arno Widmann in der Berliner Zeitung vom
15.07.2004)
"Als Nachgeborenen der so genannten 68er
riss mich Baier mit seiner Melange aus Leidenschaft und
Ernüchterung in seinen Bann, mit der er die ergraute neue
Linke im Büßerhemd betrachtete, während er sich ihren
umfunktionierten Avantgarden auf ihrem Marsch durch die
Institutionen zunehmend entfremdete. (...). Was mittlerweile
eine indiskutable Minderheitenposition ist, die den Urheber
ins politische wie ins gesellschaftliche Abseits befördert,
ließ sich in den achtziger Jahren in einer halbwegs
funktionierenden Öffentlichkeit noch artikulieren, (...).
In diesen Jahren gab Klaus Wagenbach das Terrain für eine
Reorientierung der Linken frei, doch kulminierte das
vorgeblich neue Denken schließlich in der Annäherung
ehemaliger Autonomer wie Thomas Schmid an die Fleischtöpfe
der Renegaten-Presse oder in der bruchlosen Angleichung
einstiger totalitärer Mundstücke aus dem Bockenheimer
Abschnitt der Weltrevolution an den bürokratischen Apparat
rosa-olivgrüner Prägung. (...). In Projekten wie »Die Linke
neu denken!« oder »Die Früchte der Revolte«, an denen Baier
mitwirkte, schien er fehl am Platz, denn mit der »libertär«
gestylten Einbettung von der Geschichte ausgemusterter
Intellektueller ins Lager der Klientelpolitiker und
Unterhaltungsbarden (der postmodernen Form der Prostitution)
hatte er nichts gemein."
(Jörg Auberg in Literaturkritik.de, August
2004)
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Lothar Baier in seiner
eigenen Schreibe
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BAIER, Lothar (1977): Die Angestelltenwelt im Kopf,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.07.
- Inhalt:
Rezension des Romans
"Abschaffel" von
Wilhelm Genazino.
- BAIER, Lothar (1978): Mauern im
Körper,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.09.
- BAIER, Lothar
(1988): Lob der Extreme - ein Rückblick aus dem Reich der Mitte.
In: Lothar Baier u.a. (1988) Die Früchte der Revolte. Über die
Veränderung der politischen Kultur durch die Studentenbewegung,
Berlin: Wagenbach, S.73 - 92
-
BAIER, Lothar (2003): Über den Wolken.
In der Luft. Tanja Dückers' neuer Roman "Himmelskörper",
in: Freitag Nr.35 v. 22.08.
- BAIER, Lothar (2004): Von Stadt zu
Stadt.
Eindrücke eines umgezogenen Zeitgenossen,
in:
Wespennest Nr.135 v. 16.06.
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Lothar Baier in der Debatte
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Neu:
BRAUN, Michael (2004): Zerwürfnisse.
Zeitschriftenrundschau. Die österreichische Zeitschrift
"Wespennest" wird 35 Jahre alt,
in: Freitag Nr.37 v. 03.09.
- Inhalt:
BRAUN geht auf den kürzlich verstorbenen 68er
Lothar BAIER ein, der im Jubiläumsheft der Zeitschrift
"Wespennest" mit einem Text
vertreten ist:
"Der zweite bewegende Text im
neuen Heft ist ein Aufsatz von Lothar Baier, eine kleine diskrete
Autobiographie. Baier bilanziert hier sein Dasein als
nomadisierender Städtebewohner, den es endgültig nach Montréal und
in die kanadische Provinz Quebec verschlagen hat. In seinem letzten
Lebensjahr wohnte Baier im Montréaler Stadtteil Saint-Henri, einer
Hochburg der Elendsprostitution. Hier, unter den Ärmsten der Armen,
hat er noch einmal jene »Wärme« gefunden, die ihm im »lieblosen«
Frankfurt versagt blieb. Am Ende seines Textes berichtet Baier von
seinem Versuch, das lärmende »Stadtgetriebe« hinter sich zu lassen.
Dies gelingt ihm im einsamen »Zwiegespräch mit einer Katze«, die der
Autor in »Montréaler Französisch« anspricht. Woraufhin die Katze zu
schnurren beginnt. Mit diesem zarten Schlussbild hat sich Lothar
Baier aus der Welt verabschiedet."
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Die
Früchte der Revolte (1988).
Über die Veränderung
der politischen Kultur durch die Studentenbewegung
Berlin: Verlag
Klaus Wagenbach
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Klappentext
"Dieser
Band, von 68ern geschrieben, die wesentlich an der
Studentenrevolte beteiligt waren, wirft mit der Erfahrung
von heute einen prüfenden Blick zurück. Er geht der
ungeheuren Emphase der Revolte nach, die sich als Idee
und Praxis verstand, dem Traum von einer anderen
Wirklichkeit und der Wirklichkeit dieses Traums."
Zitat:
DINKs als neues
Konsumtenideal
"Zwanzig Jahre nach 1968
wird die Frage diskutiert, ob die Revolte überhaupt mehr
hinterlassen hat als die allmähliche Entfesselung
individualistischer Triebregungen. Und wenn die
Hinterlassenschaft hauptsächlich im Individualismus besteht,
läßt sich fragen, ob sich die Geschichte der letzten vierzig
Jahre den Umweg über 1968 nicht auch hätte sparen können.
Denn es liegt auf der Hand, daß der Adenauersche Versuch,
permanentes Wachstum mit der Restauration einer ständisch
gegliederten, an traditionellen Werten orientierten
Gesellschaft zu vereinen, so oder so zum Scheitern
verurteilt war. Entfesseltes Wachstum verlangte auch nach
dem entfesselten Konsumenten, der sich weder
Kleiderordnungen noch Familienpflichten vorschreiben läßt.
Ohne die Revolte und ihre rebellische Aura hätte sich die
Modellierung des neuen, lustgetriebenen, anspruchsvollen,
gegen jede kulturelle Bevormundung allergischen Konsumenten
wahrscheinlich etwas langsamer durchgesetzt, aber
durchgesetzt hätte sie sich in jedem Fall. Denn eine
wachstumsfördernde Inlandsnachfrage kann sich nicht auf die
Bedürfnisse kinderreicher Familien stützen, deren
Haushaltsvorstände in den Regalen der Supermärkte nach
Kartoffelbreisonderangeboten kramen. Sie braucht den
Konsumenten, der dürre Bedürfnisse durch pralle Wünsche
ersetzt hat und den Kaufakt selbst als befreienden Akt
erlebt, durch den sich ihm die Welt als Spiegel seiner
Sehnsüchte erschließt. Wenn die Revolte von '68 auch dazu
beigetragen haben mag, in Gestalt des
double-income-no-kids-Paares den idealen neuen Konsumverein
zu formen, so lag seine Herausbildung jedenfalls im Zug der
ökonomischen Entwicklung, und eine intensive Werbekampagne
hätte möglicherweise das 68er Werk getan."
(aus: Lothar Baier "Lob der Extreme - ein
Rückblick aus dem Reich der Mitte", S.78f.)
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Die Beiträge des
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- SCHMID, Thomas - Die Wirklichkeit
eines Traums. Versuch über die Grenzen des autopoietischen Vermögens
meiner Generation
-
SICHTERMANN, Barbara - 1968 - ein Symbol
- REICHE,
Reimut - Sexuelle Revolution - Erinnerung an einen Mythos
- BAIER, Lothar - Lob der Extreme - ein
Rückblick aus dem Reich der Mitte
- GOTTSCHALCH, Wilfried - Als
Hochschullehrer zwischen APO und Studentenbewegung
- SCHMIERER, Joscha - Der Zauber des
großen Augenblicks. 1968 und der internationale Traum
- SOFRI, Adriano - Das große Sackhüpfen
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Das
neue Konsumentenideal in der Debatte
- BROST,
Marc (2002): Konjunktur ohne Kinder.
Wie
die Babyboomer für Wachstum sorgen,
in: Die ZEIT Nr.12 v.
14.03.
- Kommentar:
"Sie sind jung?
Sind verheiratet und haben keine Kinder?
Schämen Sie sich!
Längst ist es zum Schimpfwort geworden,
ein Dink zu sein: double
income, no kids,"
so beginnt BROST seine Verteidigung der
Marketingzielgruppe "DINK".
Die
Volkswirte der Investmentbank UBS Warburg
haben dieses Phantom der Sozialpolitiker
angeblich studiert. Der Autor liefert
jedoch keinerlei demografische Daten,
sondern schließt aus der zahlenmäßigen
Stärke der 30- 49jährigen, dass sich in
dieser Gruppe besonders viele DINKS
tummeln müssen. Falls dies zuträfe,
dann ergäbe sich folgender positive
Effekt:
"Viele Dinks bedeuten (...) hohe
Produktivität und hohe Wachstumsraten,
sagen die Investmentbanker. Und weil die
Rente unweigerlich näher rückt und weil
die Dinks das wissen, sparen sie
verhältnismäßig viel - und hohe
Sparquoten drücken die Inflation."
Die DINKs
sind jedoch ein Phantom, das sich
einerseits aus der Differenz zwischen
Haushaltsstatistik und
Verheiratetenziffern und andererseits aus
der Ausblendung der Lebenslaufperspektive
ergibt.
Per
Haushaltsstatistik werden Eltern in
Kinderlose umdefiniert, d.h. die älteren
DINKs sind mehrheitlich Doppelverdiener,
deren Kinder nicht mehr in der
elterlichen Wohnung leben.
Bei den
jüngeren DINKs handelt es sich dagegen
mehrheitlich um Paare vor der
Familiengründung.
Lebenslang
Kinderlose sind - entgegen dem Gerede der
Sozialstaatsgegner - weiterhin eine
Minderheit, die garantiert keinen
Wachstumsschub auslösen wird.
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Weiterführende
Links
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