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Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab

 
 
     
 
     
 
 

Thilo Sarrazin in seiner eigenen Schreibe

 

SARRAZIN, Thilo (2010): "Die SPD-Spitze kann nicht lesen".
Sigmar Gabriel stilisiert mich zum Wegbereiter von Hasspredigern, weil ich von der Evolutionsbiologie nicht schweigen will. Meine Thesen zur Sozialpolitik verfälscht er. Eine Antwort auf die Anklage meines Parteivorsitzenden,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.09.

"Es ist richtig und wissenschaftlich unbestritten, dass Intelligenz auch vererblich ist (zu welchen Anteilen auch immer) und dass deswegen ein Land Wert darauf legen müsste, dass auch die beruflich erfolgreichen Frauen und Männer trotz ihrer starken Beanspruchung Kinder »wollen« können",

meint Thilo SARRAZIN.
          
 
Wo hat SARRAZIN eigentlich die Daten her, die das beweisen sollen? In der ganzen Debatte um die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen ging es ausschließlich um das BILDUNGSNIVEAU, nicht jedoch um BERUFLICHEN ERFOLG. Ist eine Akademikerin also automatisch beruflich erfolgreich?
            Dieser Fehlschluss von SARRAZIN und denjenigen, die Bildungsniveau mit Berufserfolg gleich setzen, bestimmt eine Debatte, die die gesellschaftliche Realität prekärer Arbeitsverhältnisse außen vor lässt.
            Fakt ist etwas anderes. In einer Untersuchung von Universitäten in NRW wurde z.B. deutlich, dass Kinderlosigkeit vor allem das Merkmal des universitären Mittelbaus ist, während die ProfessorInnenschaft seltener kinderlos ist. Mit dem Berufserfolg steigt also die Wahrscheinlichkeit von Mutterschaft - selbst in jenen Milieus, mit der höchsten Kinderlosigkeit in Westdeutschland.
            Wo also bleibt die Diskussion über den Zusammenhang von Geburtenrate und Berufserfolg, statt einzig einen Zusammenhang zwischen Geburtenrate und Bildungsniveau zu konstruieren, der zudem nicht zwingend ist? Warum wird die entscheidende Frage ausgeklammert? Bereits die Elterngelddebatte hat gezeigt, dass die wirklich unangenehmen Fragen in der Debatte gar nicht erst gestellt werden. Die Elite ist in Deutschland lieber unter sich.

SARRAZIN, Thilo (2010): "Ich hätte eine Staatskrise auslösen können".
Soeben teilt mir der Verlag mit, dass sich mein Buch "Deutschland schafft sich ab" 1,2 Millionen Mal verkauft hat. Noch ist Zeit, es der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten unter den Weihnachtsbaum zu legen. Christian Wulff sollte man auch Goethes "West-östlichen Divan" schenken, damit er nicht mehr verharmlosend daraus zitiert. Goethe wusste vor zweihundert Jahren mehr vom Islam als unser Bundespräsident. Lektionen aus einem Jahr,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.12.

"Es ist nicht nur so, dass keineswegs keiner Sarrazins Thesen bestritten hat - sondern es ist vielmehr so, dass die Experten geradezu kohortenweise über Sarrazins Kurzschlüsse hergefallen sind. Es sind nämlich nicht die Daten falsch, die er nutzt. Sondern die Schlüsse, die er daraus zieht"

behauptet Jakob AUGSTEIN im Freitag Online. Es sind aber nicht nur die Schlüsse von Thilo SARRAZIN falsch, sondern auch die Daten sind falsch! Zur Kinderlosigkeit hält SARRAZIN in seinem Buch an empirisch widerlegten Daten fest. Der eigentliche Skandal ist also, dass unsere Journalisten SARRAZIN in jeglicher Hinsicht schonen und ihm falsche Daten durchgehen lassen. Denn im Grunde sympathisieren sie mit ihm.

SARRAZIN, Thilo  (2011): Erdogans Ghostwriter.
Warum verfolgt Patrick Bahners all jene mit solchem Ingrimm, die es wagen, bei der Integration von Muslimen auf Probleme hinzuweisen? Wir Islamkritiker sind weder blind für die Wirklichkeit noch Panikmacher. Eine Kritik an einem zornigen Buch,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.02.

Neu:
SARRAZIN, Thilo (2011): Die Lücken eines Gutachtens.
Über die Unterschiede in den Integrationserfolgen zwischen Muslimen und anderen Migranten verliert Professor Klaus Bade, Vorsitzender des Sachverständigenrats Migration, keine Worte. Er weiß ja, dass die Fakten stimmen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.07.

 
   

Thilo Sarrazin im Gespräch

 
 

LUKE, Christiane (2010): "In 80 Jahren gibt es keine Deutschen mehr".
Seine "Wahrheiten" tun weh und haben ihm schon einigen Ärger eingebracht. Die Rede ist von Dr. Thilo Sarrazin (65), Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank,
in: WAZ Online v. 18.05.

Bislang war der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG fürs Aussterben zuständig. Jetzt mischt sich der Gelegenheitsdemograf SARRAZIN ein, der immer dann vorgeschoben wird, wenn man eine BILDreife Schlagzeile benötigt. Ganz andere Sorgen haben die Österreicher mit den Deutschen:

"Deutschland ist das wichtigste Herkunftsland für Migration nach Österreich geworden. 2009 stellten die Deutschen mit 138.225 Personen erstmals die größte Ausländergruppe in Österreich, das geht aus den aktuellen Zahlen der Statistik Austria hervor",

ist auf den Onlineseiten der österreichischen Zeitung Der Standard nachzulesen. Die Deutschen sterben also auf keinen Fall aus, sondern sie wandern - wenn überhaupt - höchstens aus.

TOPCU, Özlem & Bernd ULRICH (2010): Sind Muslime dümmer?
Integration: Weil Migranten mehr Kinder bekommen, sinke in Deutschland die durchschnittliche Intelligenz, behauptet der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin. Meint er das ernst? Ein Streitgespräch,
in: Die ZEIT Nr.35 v. 26.08.

SEIBEL, Andrea/FAHRUN, Joachim/SCHUMACHER, Hajo (2010): "Mögen Sie keine Türken, Herr Sarrazin?"
Thilo Sarrazin löste mit seiner Kritik an muslimischen Migranten eine Welle der Empörung aus. Der "Welt am Sonntag" sagte er: "Ich bin kein Rassist",
in: Welt am Sonntag v. 29.08.

DIETRICH, Stefan (2010): "Mein SPD-Parteibuch will ich mit ins Grab nehmen".
Im Gespräch: Thilo Sarrazin (SPD), Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.08.

DIETRICH, Stefan (2010): "Böswillige Interpretation".
Mit seinen Äußerungen zur Migrationsdebatte löst Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin heftige Kritik aus. In der F.A.Z. spricht er über umstrittene Aussagen seines Buchs, Provokation, Reaktion - und die Gründe, warum er nicht aus der SPD austreten will,

in: faz.net v.
30.08.

SCHIRRMACHER, Frank (2010): Die Zustimmung beunruhigt mich etwas.
Sein Buch wurde bisher 1,1 Millionen Mal gedruckt. In diesem Gespräch wollen wir herausfinden, wie sehr Thilo Sarrazin an seine biologistischen Thesen glaubt: Werden die Deutschen zu Fossilien in einer muslimisch dominierten Welt? Gehen wie unter, weil sie immer dümmer werden?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.10.

 

Thilo Sarrazin in der Debatte

 

STUMBERGER, Rudolf (2009): Sarrazin nicht allein zu Haus.
Gesammelte Ratschläge und Erkenntnisse zum Problem der Unterschicht,
in: Telepolis v.
03.10.

Infos zu: Rudolf Stumberger - Autor der Single-Generation

WALTHER, Rudolf (2010): Geliebte Propaganda.
Die Nicht-Experten Heinsohn und Sarrazin sind so erfolgreich, weil sie Ressentiments gegen Arme mit der Sorge um Rohstoffknappheit verbinden,
in: TAZ online v. 15.07.

 
   

Deutschland schafft sich ab (2010).
Wie wir unser Land aufs Spiel setzen
DVA Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Thilo Sarrazin beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang, problematischer Zuwanderung und wachsender Unterschicht ergeben. Er will sich nicht damit abfinden, dass Deutschland nicht nur älter und kleiner, sondern auch dümmer und abhängiger von staatlichen Zahlungen wird. Sarrazin sieht genau hin, seine Analyse schont niemanden. Er zeigt ganz konkret, wie wir die Grundlagen unseres Wohlstands untergraben und so den sozialen Frieden und eine stabile Gesellschaft aufs Spiel setzen. Deutschland läuft Gefahr, in einen Alptraum zu schlittern. Dass das so ist, weshalb das so ist und was man dagegen tun kann, davon handelt dieses Buch"

 
     
 
 
 
   
  • Das Buch in der Debatte

GEYER, Christian (2010): So wird Deutschland dumm.
Thilo Sarrazin hat ein antimuslimisches Dossier verfasst. Das Buch erscheint am Montag und will elementare Lebenszusammenhänge auf den Punkt bringen. Die Botschaft ist klar: Die islamische Immigration nach Deutschland muss gestoppt werden - aus "letztlich" genetischen Gründen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.08.

Infos zu: Christian Geyer - Autor der Single-Generation

PREISENDÖRFER, Bruno (2010): "Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent angeboren".
Sarrazins Buch: Von links bis rechts verhasst und verehrt, deckt Thilo Sarrazin, der zur Bundesbank entlaufene Berliner Ex-Senator, das ganze Spektrum des politischen Erregungspotenzials ab. Deutschland schafft sich ab, behauptet er in seinem neuen Buch. Eine Rezension,
in: Tagesspiegel v. 27.08.

Infos zu: Bruno Preisendörfer - Autor der Single-Generation

KAMANN, Matthias (2010): Nur als Provokateur originell.
Noch vor der Veröffentlichung seines Buches brach ein Sturm der Entrüstung über Thilo Sarrazin herein. Bei der Lektüre aber findet sich viel Unproblematisches und Altbekanntes. Das Neue an dem Werk allerdings ist haltlos,
in: Welt v. 27.08.

Infos zu: Matthias Kamann - Autor der Single-Generation

BRUNS, Tissy (2010): Die Stunde der Selbstgerechten.
Sarrazins Thesen: Von der Kanzlerin bis zu den Migrantenvereinen hat sich, erwartungsgemäß, eine öffentliche Empörungsfront aufgestellt. Doch Sarrazins Thesen beziehen ihre Durchschlagskraft aus den Körnchen Wahrheit, die sich in der Realität finden,
in: Tagesspiegel v. 28.08.

Infos zu: Tissy Bruns - Autorin der Single-Generation

WIDMANN, Arno (2010): Das Buch eines Besessenen.
Thilo Sarrazin genießt in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" seine Angriffe auf die Menschenwürde. Das ist nicht nur ein Fall für die Justiz,
in: Frankfurter Rundschau v.
28.08.

Infos zu: Arno Widmann - Autor der 68er-Generation

KADDOR, Lamya (2010): Warum es mich nicht geben darf.
Jung und weiblich, muslimisch, fromm und aufgeklärt - das passt nicht in Thilo Sarrazins islamfeindliche Thesen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.08.

SCHIRRMACHER, Frank (2010): Ein fataler Irrweg.
Thilo Sarrazin ist der Ghostwriter einer verängstigten Gesellschaft. Aber er verschweigt die Pointe seines Thrillers,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
29.08.

  • Wenn Frank SCHIRRMACHER den Aufmacher im Feuilleton der FAS schreibt, dann wird sie bei uns immer kostenlos verteilt, als ob es sich um ranzige Butter handelt, die man anderweitig nicht los würde.  SCHIRRMACHER und SARRAZIN ähneln sich darin, dass sie es mit den demographischen Fakten nicht so genau nehmen. Ersterer hat mit "Minimum" ein Pamphlet verfasst, das in die gleiche Richtung zielt. Wir möchten uns hier deshalb ausdrücklich dagegen verwahren, dass SARRAZIN unser Ghostwriter ist! Wenn sich SCHIRRMACHER darunter subsumiert ist das allein seine Sache!

BURCHARDT, Rainer (2010): Sarrazins Mittel zum Zweck,
in: DeutschlandRadio v.
29.08.

KLINGHOLZ, Reiner (2010): Ausländer her.
Wir wissen nicht, ob es der Plan von Thilo Sarrazin war, die Diskussion um die Zuwanderung nach Deutschland abzuwürgen. Sicher ist, dass seine Streitschrift genau das bewirkt,
in: Spiegel Nr.35 v. 30.08.

Infos zu: Reiner Klingholz - Autor der Single-Generation

KELEK, Necla (2010): Ein Befreiungsschlag.
Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln. Aber die politische Klasse, der seine Kritik gilt, verweigert sich der Debatte,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
30.08.

BUTTERWEGGE, Christoph (2010): Rechtspopulismus pur.
Nur ein Demagoge wie Sarrazin kann Verbündete in etablierten Kreisen finden,
in: Frankfurter Rundschau v.
30.08.

Infos zu: Christoph Butterwegge - Autor der Single-Generation

HARMSEN, Torsten (2010): "Hier wird Kulturrassismus gepredigt".
Populismus: Bundesbankvorstand und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin erntet mit seinen Thesen zur Einwanderung Applaus bei strammen Islamfeinden. Aber taugt er als ihre Frontfigur? Gespräch mit dem Historiker Wolfgang Benz,
in: Berliner Zeitung v. 30.08.

DROBINSKI, Matthias (2010): Alle mal herhören: Das Ende naht!
Wie muslimische Migranten und "Gutmenschen" das Land in den Ruin führen: Thilo Sarrazin versucht seine Polemiken der vergangenen Jahre mit einem Buch seriös zu untermauern. Es wimmelt von Zahlen, Grafiken - und Fehlern. Aber dies ist noch nicht einmal die größte Schwäche dieses Werkes,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.08.

KOLB, Matthias (2010): Zu kurz gedacht, zu kurz gesprungen.
Seit Tagen diskutiert die Republik über das neue Buch von Thilo Sarrazin. Heute stellt der Bundesbanker den dicken Wälzer vor. Darin entwirft das Noch-SPD-Mitglied unter anderem zwei Szenarien über Deutschland in 100 Jahren - und zeigt in diesen Gedankenspielen all seine finsteren Tricks,
in: sueddeutsche v. 30.08.

LEICHT, Robert (2010): Sarrazin und Intelligenz.
Anstand ist wichtiger als Verstand,
in: Tagesspiegel v. 30.08.2010

  • "Vor ein paar Jahren fing hierzulande eine Debatte darüber an, was es für die zukünftige Gesellschaft bedeutet, wenn vor allem die akademisch erfolgreichen Frauen aus beruflichen Gründen immer weniger Kinder bekommen, aber gleichzeitig die Kinderzahl in den beruflich gering qualifizierten Schichten weniger stagniert. Da diese Debatte seinerzeit genderpolitisch korrekt konnotiert war, hat sich niemand aufgeregt. Greift jedoch Sarrazin dieselbe Debatte auf, verlängert allerdings um die Frage, wie es aussieht, wenn sich der größte Anteil einer fehlgesteuerten Immigration im unteren Stratum der Gesellschaft versammelt, dann soll er des Teufels sein",

    kritisiert Robert LEICHT.

HERRMANN, Ulrike & Alke WIERTH (2010): Die Gene sind schuld.
Faktencheck: Thilo Sarrazin vermischt in seinem neuen Buch Halbwahrheiten mit Unsinn - und das in einem schrillen Tonfall,
in: TAZ v. 30.08.

KÖNIG, Jürgen (2010): "Demokratie lebt von Falschmeinungen".
Publizist Henryk M. Broder plädiert für Vielfalt der Standpunkte,
in: DeutschlandRadio v. 30.08.

ARMBRÜSTER, Tobias (2010): "Ein Missbrauch des öffentlichen Amtes".
Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Gerd Langguth,
in: DeutschlandRadio v. 30.08.

POKATZKY, Klaus (2010): Onkel Thilo erklärt die Welt,
in: DeutschlandRadio v. 30.08.

BURCHARDT, Rainer (2010): Populistische Pauschal-Diffamierung.
Vorabdrucke, Interviews, zahllose Debattenbeiträge in Zeitungen, Magazinen, Blogs: Es war eine beispiellose Marketingmaschinerie, die schon lange vor Erscheinen des Buchs von Thilo Sarrazin in Gang gesetzt wurde. Dessen krude Thesen bedürfen jedoch eines Warnhinweises: Lesen auf eigene Gefahr,
in: DeutschlandRadio v. 30.08.

HONDL, Kathrin (2010): "Wer zuerst Nazi brüllt..."
Der Fall Sarrazin und die Streitkultur in Deutschland,
in: DeutschlandRadio v. 30.08.

Infos zu: Thea Dorn - Autorin der Generation Golf

KILB, Andreas (2010): Erst mal lesen, dann gratulieren.
Bei der Buchvorstellung von Thilo Sarrazin drehten sich die Kompassnadeln der Berliner Republik in eine Richtung: Drinnen versuchte der Autor, zur Sache zu kommen, draußen probten die Abzuschaffenden den Aufstand,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
31.08.

ORDE, Sabine am (2010): Zirkus Sarrazani.
Buchpräsentation: Sarrazin stellt sein Buch vor und überlässt es Necla Kelek, seine These zu verteidigen,
in: TAZ v. 31.08.

KAMANN, Matthias (2010): Der Preis der Ungenauigkeit.
Thilo Sarrazin hat sich von einigen seiner Thesen distanziert. Dennoch erklärt er immer noch nicht, was er genau meint. Seinen Gegnern liefert der Autor damit gute Argumente,
in: Welt v. 31.08.

STEINFELD, Thomas (2010): Sich selbst rationalisieren.
Deutschland und sein imaginärer Verwalter: Die Verwandlung eines Volks in eine Humanressource,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.08.

Infos zu: Thomas Steinfeld - Autor der Single-Generation

KÄPPNER, Joachim (2010): Tage des Zorns.
Auch wenn sich Sarrazin verrannt hat, stößt er eine überfällige Debatte an: Integration ist möglich, der Weg dahin weit. Wer den Rauswurf des Bundesbankers fordert, handelt unsouverän - so würde nur ein Märtyrer geschaffen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.08.

GÜVERCIN, Eren (2010): "Viel später wird man dann die Skelette der Hunde in der Wüste zählen".
Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu zur Integrationsdebatte rund um Sarrazin,
in: Telepolis v. 31.08.

Infos zu: Feridun Zaimoglu - Autor der Single-Generation

WALTER, Franz (2010): Sozialdemokratische Genetik.
Sarrazins Thesen sind keineswegs neu. Im Gegenteil: Die Idee von der Optimierung der Gesellschaft war lange Zeit Bestandteil sozialdemokratischer Politik,
in: Zeit Online v. 31.08.

  • Der Politikwissenschaftler Franz WALTER weist darauf, dass SARRAZINs Thesen durchaus auch in sozialdemokratischer Tradition stehen. Dies ist ausführlich in Thomas ETZEMÜLLERs hervorragendem Buch "Ein ewigwährender Untergang" nachzulesen.

SCHIRRMACHER, Frank (2010): Sarrazins drittes Buch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
01.09.

BÜSCHEMANN, Karl-Heinz & Thomas ÖCHSNER (2010): "Sozialer Sprengstoff".
Demographen zeichnen ein dramatisches Bild der misslungenen Integration von Einwanderern, die Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin anprangert. Sie haben die schlechtesten Bildungschancen und das größte Armutsrisiko. In Verbindung mit dem Fachkräftemangel ist das eine Gefahr für die ganze Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.09.

STEINFELD, Thomas (2010): Der Volksverbesserer.
Thilo Sarrazin und das Erbe der Sozialdemokratie,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.09.

KEKULÉ, Alexander S. (2010): Verquaste Theorie.
Thilo Sarrazin beschäftigt mit seinen provokativen Thesen seit Wochen die Republik. Doch die sind biologisch unhaltbar,
in: Tagesspiegel v. 01.09.

SICHTERMANN, Barbara (2010): Hyper, Hyper.
Sarrazin bei "Beckmann": Blässe, Bauchgefühl und rosarote Wölkchen
in: Tagesspiegel v. 01.09.

Infos zu: Barbara Sichtermann - Autorin der 68er-Generation

ZAIMOGLU, Feridun u.a. (2010): Radikalismus der Mitte.
Was Schriftsteller, Islamforscher, Bildungs- und Migrationsexperten zu Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" sagen,
in: Tagesspiegel v. 01.09.

MISIK, Robert (2010): Sarrazynismus.
Über den medialen Umgang mit einem dummen Demagogen,
in: TAZ v. 01.09.

Infos zu: Robert Misik - Autor der Generation Golf

GEPP, Josef (2010): Thilo Sarrazin schafft sich ab.
In seinem neuen Buch erklärt der SPD-Provokateur und deutsche Bundesbanker die ganze Welt mit einem Problem: dem Islam,
in: Falter Nr.35 v. 01.09.

WAGNER, Richard (2010): ...weil nicht sein kann, was nicht sein darf?
Neues vom "Schlachtfeld der Tugendwächter",
in: Der Standard v. 01.09.

HÖDL, Klaus (2010): Sarrazin und der Zeitgeist.
Sarrazin argumentiert zweifellos rassistisch,
in: Der Standard v. 01.09.

DEDIAL, Jürg (2010): Thilo Sarrazin und der Krieg der Korrekten.
Deutschland empört sich über den vorlauten ehemaligen SPD-Politiker Sarrazin. Dabei sollte es froh sein, dass es noch solch kritische Stimmen gibt,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 01.09.

BUIS, Claire-Lise (2010): Die Grenzen verwischen.
Integration: Sarrazins Thesen provozieren. Der SPD-Politiker bedient sich biologistischer Argumente und zitiert Vordenker der Eugenik,
in: Rheinischer Merkur Nr.35 v. 02.09.

LORENZO, Giovanni di (2010): Zu viel der Ehre?
Wir Werbeträger für Thilos Sarrazin: Eine Rechtfertigung,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 02.09.

  • Die ZEIT - allen voran Susanne GASCHKE - kämpfte nach der Jahrtausendwende an vorderster Front für die Durchsetzung einer qualitativen Bevölkerungspolitik in Deutschland, nichts anderes ist das Elterngeld, das die Förderung des Akademikernachwuchses sichern sollte (wie Robert LEICHT einwarf, war das aber wenigstens "genderpolitisch korrekt"). Seitdem sind Akademikerkinder mehr wert als Unterschichtkinder.
                Dies ist Kritikern schon immer zu wenig gewesen. Gunnar HEINSOHN z.B., der hinsichtlich Hartz IV-Empfängern nichts anderes fordert wie Thilo SARRAZIN, darf seit Jahren seine Thesen verkünden ohne, dass dies die bürgerliche Mitte (inklusive taz) sonderlich gestört hätte. Die Unterschichtendebatte und die jetzige Migrantendebatte sind in dieser Logik der qualitativen Bevölkerungspolitik also lediglich konsequent.
                Man benötigt in der Mediengesellschaft immer einen Polarisierer wie SARRAZIN, um harte Maßnahmen reibungsloser durchsetzen zu können. Ob wie in der Elterngelddebatte Kinderlose als Sündenböcke fungieren oder nun Unterschichten oder Migranten - immer geht es um politische Versäumnisse der Vergangenheit, die vertuscht werden sollen.
                Während die Öffentlichkeit lautstark über SARRAZINs mediale Inszenierung diskutiert (das Buch konnte ja bislang kaum einer lesen und der SPIEGEL-Vorabdruck enthält keine Rassismen, höchstens einen unseriösen Umgang mit Bevölkerungsstatistiken, den man bereits von Herwig BIRG oder Frank SCHIRRMACHER kennt), schafft die Bundesregierung Fakten. Gestern wurde z.B. das Elterngeld für Hartz IV-Empfänger gestrichen während die Besserverdienenden auf gerade einmal 2 Prozent verzichten müssen.
                Die SARRAZIN-Debatte ist eine bürgerliche Wohlfühldebatte (Wir tollen Kulturmenschen gegen populistische Barbaren), derweil der politische Paradigmenwechsel längst vollzogen wurde.

ULRICH, Bernd (2010): Wo Rauch ist, da ist auch Feuer.
Muss man türken kennen, um über Türken zu urteilen? Warum Debatten über Migranten in Deutschland so schwierig sind. Acht Thesen,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 02.09.

Infos zu: Bernd Ulrich - Autor der Single-Generation

LAU, Mariam (2010): "Der Ali ist in Ordnung".
Aber der Thilo nicht. Warum die SPD-Spitze so empfindlich auf die Äußerungen ihres Parteifreundes Sarrazin reagiert,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 02.09.

Infos zu: Mariam Lau - Autorin der Single-Generation

JOFFE, Josef (2010): Die Rassismus-Falle.
Exorzismus hilft nicht gegen Sarrazin. Scharfer Disput macht klüger,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 02.09.

BAHNSEN, Ulrich/SCHMITT, Stefan/SPIEWAK, Martin (2010): Sarrazins Thesen - Was ist Intelligenz?
Deutschland streitet über "drohende Verdummung" – und damit über Intelligenz. Was weiß die Wissenschaft über unsere geistige Fähigkeit? Zehn Fragen und Antworten,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 02.09.

STERN, Elsbeth (2010): Was heißt hier erblich?
Die Intelligenzforscherin widerspricht der Verdummungsthese,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 02.09.

SEZGIN, Hilal (2010): Deutschland schafft mich ab.
Debatten, wie Thilo Sarrazin sie führt, haben mich als türkischstämmige Intellektuelle muslimifiziert. Was ist in diesem Land nur schiefgelaufen?
in: Die ZEIT Nr.36 v. 02.09.

LINDEN, Markus (2010): Lob des Populismus.
Demagogie: Provokateure wie Thilo Sarrazin sind gut für die Demokratie. Sie zwingen zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ressentiments,
in: TAZ v. 02.09.

KREYE, Andrian & Christian WEBER (2010): Gehirn und Erbse.
Es gibt ja auch kein Strick-Gen: Thilo Sarrazin politisiert mit seinen Aussagen über erbliche Intelligenz wissenschaftliche Ungewissheiten. Und was ist überhaupt Intelligenz?
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.09.

Infos zu: Andrian Kreye - Autor der Single-Generation

SEIBEL, Andrea (2010): "Nicht Sarrazin, sondern die Diskussion spaltet das Land".
Die beiden Schriftstellerinnen Necla Kelek und Monika Maron kennen und schätzen SPD-Politiker. Ein Gespräch darüber, warum Parteien und Meinungsführer so erregt sind,
in: Welt v. 02.09.

HUBER, Joachim (2010): Goethe und Radau.
Wer will, kann Thilo Sarrazin beikommen – das immerhin hat "Hart aber fair" gezeigt,
in: Tagesspiegel v. 03.09.

  • HUBER zeigt, wie man SARRAZIN beikommt, z.B. in der Sendung "Hart aber fair":

    "Untersucht wurde seine Rechnung, in Deutschland würden bei Fortschreibung der aktuellen Bevölkerungsentwicklung in 120 Jahren mehr als 71 Prozent Migranten leben. Das Statistische Bundesamt förderte nach der Sarrazinschen Logik zutage, dass 2010 über 230 Millionen Menschen in Deutschland leben müssten. Gerade mal 80 Millionen sind es tatsächlich."

    Wer die Sendung gesehen hat, der weiß: SARRAZIN wurde dadurch so aus der Fassung gebracht, dass er nur noch rumstottern konnte.

    Auch Veit Medick geht auf Spiegel Online auf die Rechnung des Statistischen Bundesamtes ein, die bei "Hart aber fair" gesendet wurde. Jedoch ausführlicher:

    "Plasbergs Redaktion nahm sich eine Schätzung aus Sarrazins Buch vor, der zufolge der Anteil der Migranten an der deutschen Bevölkerung langfristig dramatisch wachsen wird. Sarrazin geht dabei davon aus, dass Geburten- und Zuwanderungsraten über 120 Jahre konstant bleiben. In 120 Jahren würden dann 71,5 Prozent der Menschen in Deutschland aus der Türkei, anderen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens oder Afrika stammen, behauptet er und beruft sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
              
     Eben jenes Statistische Bundesamt lieferte der Redaktion dagegen eine andere Rechnung. Die Beamten legten Sarrazins Annahmen einer konstanten Geburten- und Zuwanderungsrate einfach auf die vergangenen 120 Jahre um. Auf der Basis von 1890 gerechnet, müssten heute rund 253 Millionen Menschen in Deutschland leben - etwa dreimal so viele wie tatsächlich. "Mehr als fragwürdig" seien die langfristigen Prognosen des Bundesbankers, schlussfolgerten die Bundesstatistiker, denn es seien nun mal zwei Weltkriege, die Pille und einige andere Faktoren dazwischengekommen. Die Botschaft: Solch langfristige Vorhersagen sind unmöglich bis unredlich. Sarrazin hatte dem in der Sendung inhaltlich wenig entgegenzusetzen und verwies darauf, er habe den Charakter der Schätzung im Text ja kenntlich gemacht."

    Das Pikante an dieser Art der Argumentation des Statistischen Bundesamtes ist, dass bis heute in allen größeren Tageszeitungen Argumentationsfiguren abgedruckt wurden wie sie SARRAZIN in dem Beispiel benutzte, um in den letzten Jahren den Sachzwang demografischer Wandel als Rechtfertigung für massive Einschnitte in das Sozialsystem verwenden zu können. Auch das Elterngeld als expliziter Einstieg in die qualitative Bevölkerungspolitik wäre ohne solche Praktiken nicht so einfach durchsetzbar gewesen.
                Auf single-generation.de wurde bereits im Mai 2002 das Prinzip der "Projektion" angewandt, um ein Deutschland ohne Pillenknick zu veranschaulichen. Erst im Jahr 2004 problematisierte der gewerkschaftsnahe Statistiker Gerd BOSBACH erstmals ebenfalls in der Presse Vorausberechnungen über 50 und mehr Jahre, die z.B. immer wieder von dem nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG verbreitet wurden. Nun hat also das Statistische Bundesamt die Methode von BOSBACH übernommen und auf den Fall SARRAZIN angewandt. Es bleibt die Frage: Warum erst jetzt? Obwohl der Missbrauch von Bevölkerungsstatistiken in der Art und Weise wie sie SARRAZIN betrieben hat, bislang übliche Praxis in den Medien war? Herwig BIRG hat dies z.B. nicht geschadet. Er wurde gerade wieder in der Süddeutschen Zeitung für seine "guten Analysen" gelobt. War er etwa keine Person, die öffentliche Verantwortung hatte? Offensichtlich wird hier mit zweierlei Maß gemessen. In der Welt prognostizierte Herwig BIRG im Jahr 2002 folgendes:

    "In den Großstädten kippt bei den unter 40-Jährigen schon ab 2010 das Mehrheitsverhältnis Deutscher zu Zugewanderten."

    Wir schreiben 2010. Wie sieht es mit der Prognose von BIRG aus? Die Welt hat das Interview mit BIRG mittlerweile nicht mehr Online stehen. Ein Hinweis darauf, dass man davon nichts mehr wissen möchte? Ohne die langjährige Vorarbeit von Herwig BIRG und die bürgerliche Presse wäre SARRAZINs Argumentation mit Bevölkerungsstatistiken gar nicht erst auf fruchtbaren Boden gefallen.

KÖNIG, Jürgen (2010): "Er landet furchtbar auf dem Bauch".
Historiker Ulrich Herbert nennt Sarrazin "blauäugig" und sein Werk "ziemlich traurig, auch intellektuell",
in: DeutschlandRadio v. 03.09.

STEPHAN, Cora (2010): Von Zahlenmenschen und Gefühlsspezialisten,
in: DeutschlandRadio v. 03.09.

NAUER, David (2010): "Sarrazins Thesen sind hochgefährlicher Unfug".
Michel Friedman ist der schärfste Kritiker von Thilo Sarrazin – und zwar nicht nur, weil dieser ihn unlängst als «Arschloch» beschimpfte. Nicht die Ausländer seien das Problem, so Friedman. Sondern die Angst der Menschen vor der Zukunft,
in: Tages-Anzeiger Online v. 03.09.

GÜNTNER, Joachim (2010): Biedermann als Brandstifter.
Zur Debatte um Thilo Sarrazin und zu seinem Buch «Deutschland schafft sich ab»,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 04.09.

  • GÜNTNER schlägt vor die unselige "sozialdarwinistische Gesellschaftstheorie" des Buches "Deutschland schafft sich ab" außen vor zu lassen und es als populärwissenschaftlichen Beitrag zur soziologischen Exklusionsdebatte zu lesen:

    "welche sich mit dem modernen Paradox beschäftigt, wie Empfänger von Sozialleistungen, die der staatlichen Fürsorge teilhaftig sind, gleichwohl zu «Ausgeschlossenen» und «Überflüssigen» werden. Und zwar eben dadurch, dass Sozialtransfers den Stolz des Empfängers zerreiben und seine Aktivität verkümmern lassen können. Der Soziologe Heinz Bude, der die Aufmerksamkeit auf dieses Phänomen gelenkt hat, wird nicht von ungefähr von Sarrazin zitiert."

SEIDL, Claudius (2010): Die Katastrophe hat längst begonnen.
Wer sagt denn, dass unser Aufstieg immer weitergehen wird? Und wer glaubt, Sarrazins Ächtung helfe?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung  v. 05.09.

HEINSOHN, Gunnar (2010): Die unterschlagenen fünftausend Prozent.
Als Expertin für den Bildungsaufstieg der türkischen Migranten wird gerade Naika Foroutan herumgereicht. Doch die beeindruckenderen Erfolge, von denen sie berichtet, dokumentieren eine Irreführung mittels Statistik,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v.
09.09.

FLORIN, Christiane (2010): Ach, wie reizend.
Provokateur: Wer als Enfant terrible verhaltensauffällig werden will, mischt nicht mehr mit linken Posen den Kunstbetrieb auf. Er schreibt ein Buch, das irgendwie rechts sein könnte. Chronologie einer Erschöpfung,
in: Rheinischer Merkur Nr.36 v. 09.09.

Infos zu: Christiane Florin - Autorin der Generation Golf

ZIELCKE, Andreas (2010): Vorauseilender Pessimismus.
Angst und Wahrheit: Sarrazin fürchtet die Verdummung der Deutschen. Aber tut er etwas dagegen, außer Zahlen zu fälschen?
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.09.

  • Andreas ZIELCKE weist Thilo SARRAZIN einen Missbrauch der Bevölkerungsstatistik vor. Noch vor wenigen Jahren machten dies alle Qualitätszeitungen ebenfalls. In der Elterngelddebatte, dem Einstieg in die qualitative Bevölkerungsstatistik, war es Konsens, dass MINDESTENS 40 % der westdeutschen Akademikerinnen lebenslang kinderlos seien. Diese Debatte ist auf single-dasein.de und single-generation.de ausführlich dokumentiert. Vorreiter des Missbrauchs war der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG. Es ist durchaus üblich, dass in Büchern völlig veraltete Zahlen publiziert werden - selbst innerhalb der Wissenschaften! Wenn man SARRAZIN kritisiert, dann sollte man endlich die eigenen Leichen im Keller entsorgen und das eigene Versagen aufarbeiten.

FLEISCHHAUER, Jan u.a. (2010): Das Bündnis der Weggucker.
Mit seinen umstrittenen Thesen hat Thilo Sarrazin ein Thema auf die Agenda katapultiert, das die Parteien gern verschweigen: ihr Versagen in der Integrationspolitik. Ausgerechnet in der Ausländerpolitik hat eine große Koalition aus links und rechts jahrzehntelang die Wirklichkeit ignoriert,
in: Spiegel Nr.37 v. 13.09.

Infos zu: Jan Fleischhauer - Autorin der Single-Generation

WERGIN, Clemens (2010): Herzliche Grüße von Henrico.
Thilo Sarrazins Buch, vorurteilsfrei gelesen, ist eine präzise Kritik an den falschen Anreizen des Sozialstaates. Armut ist ein geistiges, kein materielles Problem. Und, ja, auch das: Eigenverantwortung macht glücklich,
in: Welt v. 14.09.

ALY, Götz (2010): Eugenik, Juden und die SPD,
in: Berliner Zeitung v. 14.09.

  • Der umstrittene Historiker Götz ALY weist auf die bevölkerungspolitische Positionen von SPD-Mitgliedern wie Alfred GROTHJAN in den 1920er Jahren hin. Darauf hatte bereits vor einiger Zeit der Politikwissenschaftler Franz WALTER aufmerksam gemacht.

YÜCEL, Deniz (2010): Die Diktatur der Anpassung.
Seit einigen Jahren sprechen Bundesregierungen nicht mehr von Ausländerpolitik, sondern von Integration. An den Implikationen hat sich aber nichts geändert, es geht weiterhin um Anpassung,
in: Jungle World Nr.37 v. 16.09.
  • YÜCEL fragt sich, angesichts der Thesen, die der Verhaltensforscher Irenäus EIBL-EIBESFELDT in den 1980er Jahren aufgestellt hat, nicht zu einem ähnlichen Skandal wie bei Thilo SARRAZIN gekommen ist:

    "Dass es nie analog zur Causa Sarrazin zu einer Causa Eibl-Eibesfeldt kam, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen folgt heute die mediale Inszenierung von Skandalen anderen Gesetzmäßigkeiten als noch vor 20 oder 30 Jahren. Zum anderen hat sich der Diskurs um die Einwanderung verändert. Das Mantra, Deutschland sei kein Einwanderungsland, ohne das jahrzehntelang keine Regierungserklärung zum Thema Ausländer auskam, ist verschwunden, und »Integration« wurde längst parteiübergreifend zu einem der dringlichsten gesellschaftlichen Ziele schlechthin erklärt. Zugleich hat sich in der Einwanderergesellschaft die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Aufenthalt in Deutschland von dauerhafter Natur ist. Zudem hat sich die klassenmäßig ehedem homogene Einwanderergesellschaft ausdifferenziert und Figuren des öffentlichen Lebens wie Özdemir, Özkan und Özil hervorgebracht."

    Auf dieser Website wurde dagegen gefragt, warum der Bevölkerungswissenschaftlicher Herwig BIRG nicht einen ähnlichen Skandal heraufbeschwor wie Thilo SARRAZIN, obwohl er mit der Bevölkerungsstatistik einen ähnlichen Missbrauch betrieb wie Thilo SARRAZIN. Offenbar ist diese Frage noch weitaus tabuisierter als jede andere, die derzeit in der Öffentlichkeit verhandelt wird, denn sie betrifft die Konvergenz von Neuer Mitte und Neuer Rechte in Sachen qualitativer Bevölkerungspolitik (Mehr hier und hier).

STEINITZ, Matti (2010): Fans und Feinde.
Die NPD würde Thilo Sarrazin gerne als neues Parteimitglied begrüßen, und auch die Rechtspopulisten von Pro Köln und Pro Deutschland umwerben ihn. In den Internetforen der Neonazis findet der SPD-Politiker allerdings weniger Zustimmung,
in: Jungle World Nr.37 v. 16.09.
  • Gibt es einen Deal der gesellschaftlichen Mitte mit Thilo SARRAZIN wie manche Beiträge in Internetforen nahe legen?

    "Weit verbreitet ist zum Beispiel die Version, dass Sarrazin vom »System« aufgebaut wurde, um ein Ventil für den wachsenden Unmut der Deutschen über die »Überfremdung« zu schaffen. Demnach habe Sarrazin den Auftrag, eine staatlich kontrollierte Sammelpartei rechts der Union aufzubauen, was den Erfolg des »wahren« nationalen Widerstands verhindern würde."

    Die Meldungen über den Erfolg einer möglichen rechten Partei neben CDU/CSU (Die ZEIT übt sich in ihrer aktuellen Ausgabe bereits mit diesbezüglichen Planspielen) und über einen "goldenen Handschlag", der durch Verhandlungen hinter geschlossenen Türen erreicht wurde, lassen Verschwörungstheorien ins Kraut schießen. Aber diese sind zur Erklärung gar nicht nötig, denn Thilo SARRAZIN kommt der großen Koalition derjenigen, die die Einwanderungsdebatte auf die politische Agenda setzen möchte, ganz gelegen.
                Die Debatte folgt den gleichen Prinzipien der Skandalisierung, die im Bereich der Bevölkerungspolitik seit den 1980er Jahren - in zunehmendem Maße - üblich geworden ist, ob es um die Unterjüngung in der Rentenpolitik (Frank SCHIRRMACHERs "Methusalem-Komplott"), die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen (Frank SCHIRRMACHERs "Minimum") und den Kampf um das Elterngeld usw. geht. Jeweils werden Popanze aufgebaut, damit das Anvisierte als das kleinere Übel erscheint. Die Enttabuisierung der qualitativen  Bevölkerungspolitik, die in der Vergangenheit eng mit der Eugenik verbunden war - was bei SARRAZIN nur am Offensichtlichsten zum Vorschein kam, zieht sich wie ein roter Faden durch die Empörungsdebatten der letzten Jahre. Die Präsentation von Minderheiten als Sündenböcken, die als zukünftige massenhaft verbreitete Sozialfiguren die Gesellschaft der Rechtschaffenen bedroht, gehört zum Standardrepertoire der Tabubrecherrethorik. Von der Single-Gesellschaft über die Kultur der Kinderlosigkeit bis zur Einwanderung in die Sozialsysteme heißen die - je nach Thema - schnell aktualisierbaren Klischeebilder der Bedrohungszenarien, mit denen wirklich unerwünschte Debatten von vornherein verhindert werden.

LIPPHARDT, Veronika (2010): Die Bequemlichkeit des Erbes.
Ist Thilo Sarrazin ein Rassist? Eine Betrachtung über Wesen und Verwendung des biologischen Determinismus in unserer Zeit,
in: Freitag Nr.37 v. 16.09.

HOFFMANN, Martin (2010): Sarrazin und der Biologismus-Vorwurf.
Kann wirklich nur ein "Biologist" behaupten, Intelligenz sei größtenteils erblich bedingt? Und spräche die Erblichkeit von Intelligenz wirklich für die Irrelevanz von Bildung und Erziehung? In der Debatte um Thilo Sarrazins Buch gehen die Begriffe wild durcheinander,
in: faz.net v. 16.09.

  • Für HOFFMANN, einem Vertreter des Entfaltungskonzepts, ist gerade bei hohem Vererblichkeitskoeffizient ein "allgemein zugängliches und auf individuelle Talente abgestimmten Bildungssystem" das optimale pädagogische Förderungskonzept.

GABRIEL, Sigmar (2010): Anleitung zur Menschenzucht.
Warum die SPD einen Thilo Sarrazin in ihren Reihen nicht dulden kann - eine Anklage,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 16.09.

  • GABRIEL kritisiert u. a. die vorgeschlagene Fortentwicklung des Elterngeldes - ein Instrument qualititativer Bevölkerungspolitik, das bekanntermaßen von der SPD-Familienministerin Renate SCHMIDT auf den Weg gebracht wurde:

    "Thilo Sarrazin scheut sich in seinem Buch auch nicht, Vorschläge dafür zu machen, wie man diese gezielte Auswahl von scheinbar werthaltigeren Eltern voranbringen könnte: »Es könnte beispielsweise bei abgeschlossenem Studium für jedes Kind, das vor Vollendung des 30. Lebensjahres der Mutter geboren wird, eine staatliche Prämie von 50000 Euro ausgesetzt werden. (…) Die Prämie – und das wird die politische Klippe sein – dürfte allerdings nur selektiv eingesetzt werden, nämlich für jene Gruppen, bei denen eine höhere Fruchtbarkeit zur Verbesserung der sozioökonomischen Qualität der Geburtenstruktur besonders erwünscht ist.« (S. 389/390)
              
     Die Forderung, hohe staatliche Gebärprämien gezielt für unter 30-jährige Akademikerinnen auszuloben, klingt schon einigermaßen absurd. Die dann allerdings beschriebene politische Aufgabe, diese nur jenen Frauen zukommen zu lassen, die aus der richtigen gesellschaftlichen Gruppe kommen, ist zutiefst verstörend: Sarrazin würde diese Prämie eben nicht jeder Akademikerin geben, sondern nur dann, wenn sie in seinen Augen eine Förderung verdient, weil sie über ein besseres genetisches Potenzial verfügt. Wenn sie also aus einer sozial erwünschten Gruppe oder Schicht kommt. Und die Definition der zu fördernden Gruppe oder Schicht ist nach Sarrazins Auffassung die Aufgabe der Politik. Welch ein Wahnsinn! Spätestens jetzt ist klar: Thilo Sarrazin führt keine Integrations-, sondern eine Selektionsdebatte."

    Offenbar ist die harsche Kritik von GABRIEL vor allem deshalb vonnöten, um zu verschleiern, dass der Vorschlag von SARRAZIN bereits dem Grundprinzip des Elterngelds innewohnt. 2005 schrieb die renitente Elterngeld-Verfechterin und ZEIT-Redakteurin Susanne GASCHKE in ihrem Buch "Die Emanzipationsfalle":

    "Lange Zeit schien die Trennlinie innerhalb der Gesellschaft vor allem zwischen Familien und Kinderlosen zu verlaufen, doch die Schichtkomponente gewinnt an Bedeutung. Wenn wir den gegenwärtigen Trend der Kinderlosigkeit im akademischen Milieu fortschreiben, droht Nachwuchs tatsächlich zu einer Angelegenheit der Unterklasse zu werden - und zwar vor allem, weil die eine Seite aussteigt. Zynisch formuliert könnte das heißen: Kinder bekommen in Zukunft nur noch die Gefühlvollen und Blöden."

    Das Elterngeld sollte also auch in SPD-Diktion verhindern, dass die "Blöden" die Kinder bekommen. Die SPD-Familienministerin SCHMIDT sprach noch ganz vorsichtig von "bevölkerungsbewusster Familienpolitik". Und Selektionsdebatte ist nur ein anderes Wort für qualitative Bevölkerungspolitik. Selektion muss schließlich nicht genetisch begründet werden, sondern kann auch sozial durch das Bildungssystem und die Herkunftsfamilie geschehen.
                Dass diese Diskussion geführt werden würde, das war bereits im Jahr 2004 vorherzusehen, wie der Essay über die politische Konstruktion der Geburtenkrise beweist.

SCHIRRMACHER, Frank (2010): Frau Merkel sagt, es ist alles gesagt.
Über die Kälte der Macht und die Weigerung, ein Buch zu lesen: Es geht im Fall Sarrazin eben doch um nichts weniger als die Meinungsfreiheit,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.09.

MINKMAR, Nils (2010): Lesen ist nicht genug.
Thilo Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" ist ein klassischer Bildungsroman: Mittelbegabter, fauler Junge entdeckt die Literatur und rettet sich selbst. Jetzt verachtet er alle, die nicht so geworden sind wie er,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.09.

MATUSSEK, Matthias (2010): Ein Freak, ein Störenfried, ein Jahrmarktsereignis.
Sarrazin-Debatte: Kaum ist Thilo Sarrazin "erfolgreich geächtet", nehmen Kommentatoren in einer großangelegten Publikumsbeschimpfung seine Leser aufs Korn. Spekulationen über eine rechte Sammlungsbewegung schießen ins Kraut. Das Profil der potentiellen Mitglieder: männlich, allein, frauenhassend,
in: Spiegel Online v. 20.09.

FLEISCHHAUER, Jan (2010): In die Falle getappt.
Die Sarrazin-Debatte bestärkt die Einwanderer in der Opferrolle,
in: Spiegel Nr.38 v. 20.09.

MÜLLER, Martin U. (2010): Anonyme Aggression.
In den Meinungsforen großer Online-Portale sorgt der Fall Sarrazin für einen heftigen Ansturm verbaler Exzesse,
in: Spiegel Nr.38 v. 20.09.

SCHULZE, Gerhard (2010): Sarrazin - ein Fall für Schopenhauer.
Der Philosoph hätte den Migrationskritiker einen Denk-Monarchen genannt - eigenständige Ideen aber haben gegen den Vorurteilskonsens unserer Deutungselite keine Chance,  
in: Welt v. 21.09.

RÖHL, Bettina (2010): Angriff auf die Unschuldsvermutung.
Die SPD treibt das Ausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin voran und begibt sich damit auf schwieriges juristisches Terrain. Parteichef Sigmar Gabriel persönlich wird nicht müde, Sarrazin zu attackieren - und überzieht dabei maßlos,
in: Spiegel Online v. 22.09.

ZANDER, Michael (2010): Der Haßprediger.
Ohne Furcht keine Motivation. Sarrazins pseudowissenschaftliche Philippika gegen Erwerbslose und viele andere,
in: junge Welt v. 23.09.

DeLUCA, Claudio & Jens TARTLER (2010): "Ich habe das Buch mit Gewinn gelesen".
Streitgespräch: Thilo Sarrazin hat mit seinen Thesen zur Migration die Republik in Aufruhr versetzt. Doch halten sie auch einem volkswirtschaftlichen Härtetest stand? Ein Schlagabtausch mit dem Topökonomen Thomas Straubhaar,
in: Capital Nr.10 v. 23.09.

RABE, Jens-Christian (2010): Vulgärliberalismus.
Warum die Krise des Nachdenkens über Politik mindestens so ernst ist wie die Krise des Wohlfahrtsstaates,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.09.

PRECHT, Richard David (2010): Soziale Kriege.
Vom Unbehagen der bürgerlichen Mittelschicht,
in: Spiegel Nr.39 v. 27.09.

MISIK, Robert (2010): Die Freiheit, die sie meinen.
Fall Sarrazin: "Meinungsfreiheit" ist zu einem rechten Kampfbegriff geworden. Sie wird allzu häufig mit dem Recht verwechselt, nicht kritisiert zu werden,
in: TAZ v. 27.09.

NIEJAHR, Elisabeth (2010): Die Frau, die Kanzler kann.
Lange war Ursula von der Leyen das liberale Aushängeschild der CDU. Als Hartz-IV-Reformerin macht sie erstmals konservative Politik,
in: Die ZEIT Nr.40 v. 30.09.

  • Elisabeth NIEJAHR verschweigt, dass Ursula von der LEYEN genau jene Politik macht, die der Vordenker und SPD-Mitglied Thilo SARRAZIN in seinem Buch Deutschland schafft sich ab fordert. Einsparungen beim Hartz IV-Regelsatz damit zu erklären, dass Tabak und Alkohol als Genussmittel nicht zum Existenzminimum gehören, das steht dort wortwörtlich auf Seite 116:

    "In den Ist-Ausgaben des Durchschnittshaushalts sind 40 Euro für Tabakwaren und eine ähnliche Summe für den nur grob abzuschätzenden Verbrauch an alkoholischen Getränken und alkoholfreien Erfrischungsgetränken (Mineralwasser und Ähnliches) enthalten. Allein in diesen beiden Positionen liegt Einsparpotential, das es jedem, der in einem auf Transfer angewiesenen Haushalt lebt, ermöglicht, sich exakt so zu ernähren, wie das bei einem durchschnittlichen Verdienst möglich ist - wenn er will sogar besser."

DORN, Thea (2010): Tribunal der Gutmeinenden.
Nicht nur der Fall Sarrazin zeigt: Wer im öffentlichen Streit deutliche Worte riskiert, kommt für höhere Ämter nicht mehr infrage. Ein Plädoyer für die Meinungsfreiheit,
in: Die ZEIT Nr.40 v. 30.09.
  • Angeblich hat Thilo SARRAZIN das Feld des "freundlich Konsensfähigen" verlassen. Tatsächlich? Sorgt er nicht vielmehr dafür, dass große Teile seiner Forderungen von der Politik reibungsärmer verwirklicht werden können? Wird ihm sein Rausschmiss nicht mehr als vergoldet?
                Während der Vorruheständler Herwig BIRG (kennt denn noch jemand?) die quantitative Bevölkerungspolitik salonfähig gemacht hat, macht nun SARRAZIN die qualitative Bevölkerungspolitik salonfähig.
                Thea DORN gehört zu den Aufstiegswilligen der Generation Golf, die sich einem neuen Sozialdarwinismus verschrieben haben. Dazu gehört auch der Soziologe Frank HERTEL, der mit dem Buch "Knochenarbeit" ebenso wie DORN gegen den "verlogenen Kuschelsound" kämpft und dabei offenbar weit geöffnete Türen auftritt.
                Die Debatte um SARRAZIN ist verlogen, da hat DORN Recht, aber aus anderen Gründen: Die Klartextredner haben längst den neuen Konsens auf ihrer Seite. Die Kritik an SARRAZIN übt sich nur noch in traurigen verbalen Rückzugsgefechten. Längst sind jene Fakten geschaffen, um die angeblich gerungen wird.

FALKE, Gustav (2010): Gegrilltes Hänchen Brust, nein danke!
Sprachkenntnis, Bildung und Integrationsbereitschaft sind drei durchaus getrennte Felder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.09.

GUPTA, Oliver Das (2010): Gruselige Gräben.
Die Popsängerin Judith Holofernes über das Dilemma, in Kreuzberg ein schulpflichtiges Kind zu haben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.09.

NUTT, Harry (2010): Wir brauchen eine Ästhetik der Schwäche.
Für eine Politik der zweiten Chance, die den sozial Schwachen hilft, brauchen wir ein Gespür für das Scheitern. Unsere Vorstellung von Schwäche darf nicht in die Falle platter Leistungsbegriffe tappen,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.09.

BAX, Daniel (2010): Lob der Selbstzensur.
Meinungsfreiheit: Nein, man sollte nicht alles in der Öffentlichkeit sagen dürfen. Gerade in Deutschland weiß man: Tabus haben eine zivilisierende Wirkung,
in: TAZ v. 01.10.

  • Daniel BAX möchte die Thesen von SARRAZIN auf Rassismus reduzieren, statt den Kern zu benennen: die Forderung nach einer qualitativen Bevölkerungspolitik in Deutschland. Wer wie die taz Tabus fordert, statt die Zahlen, die SARRAZIN über demografische Zusammenhänge in Umlauf bringt, ernsthaft zu überprüfen, der gehört ebenfalls zu den Steigbügelhaltern des Rechtspopulismus. Zur Kinderlosigkeit in Deutschland schreibt SARRAZIN:

    "Entscheidend ist der wachsende Anteil der lebenslang kinderlosen Frauen: Beim Geburtsjahrgang 1940 hatten 10,6 Prozent der Frauen lebenslang keine Kinder, beim Geburtsjahrgang 1965 waren es bereits über 30 Prozent, und dieser Anteil scheint sich in den jüngeren Geburtsjahrgängen weiter zu erhöhen." (2010, S.345)

    Diese Zahlen sollten eigentlich mit dem Mikrozensus 2008 aus der Welt sein. Nichtsdestotrotz bezieht sich SARRAZIN weiterhin auf den nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG und dessen Buch "Die demographische Zeitenwende" aus dem Jahr 2001. In einer Fußnote begründet SARRAZIN seine Ignoranz gegenüber den Zahlen des Mikrozensus folgendermaßen:

    "Birg stützte sich dabei auf die amtliche Totalzählung der Geburtenstatistik sowie auf perinatologische Basiserhebungen der Krankenhäuser in Westfalen-Lippe. Der Unterschied zum Mikrozensus 2008, der für die Kinderlosigkeit der Jahrgänge 1964 bis 1988 einen Anteil Kinderloser von 21 Prozent errechnet, ergibt sich aus dem höheren Kinderlosenanteil der Frauen mit Migrationshintergrund und aus dem Stichprobenfehler des Mikrozensus 2008"

    Die Studie auf die sich SARRAZIN beruft, wurde im Jahr 1996 veröffentlicht. Die Erhebung liegt also mindestens 15 Jahre zurück. Wie inzwischen bekannt ist, wurde die Anzahl der Spätgebärenden damals weit unterschätzt. Außerdem ist ein Rückschluss von den Geburten des Kreises Westfalen-Lippe auf das Geburtenverhalten in Deutschland sehr gewagt, wenn man weiß, dass die Kinderzahl der Ostfrauen bis zur Jahrtausendwende weit unterschätzt wurde. In der Krankenhausstatistik fehlen zudem die Kinder, die nicht in Krankenhäusern zur Welt kamen.
                Bislang lässt uns die Wissenschaft mit exakten Zahlen für die jeweiligen Geburtsjahrgänge im Stich. Der Mikrozensus fasst lediglich mehrere Jahrgänge zusammen. Ein Arbeitspapier von Michaela KREYENFELD vom April 2010 sieht die Mikrozensusdaten - im Gegensatz zu SARRAZIN - als die beste derzeit verfügbare Datenquelle zur Kinderlosigkeit in Deutschland an(als PDF-Datei hier downloadbar). Ein weiteres Arbeitspapier der Soziologin vom März 2010 (als PDF-Datei hier downloadbar) beschäftigt sich mit der Frage der Brauchbarkeit von Perinatalstatistiken für die Erfassung der Kinderzahl von Frauen. Eine Aussage über die Anzahl der Kinderlosen bestimmter Geburtsjahrgänge fehlt jedoch.
                Es ist ein trauriges Kapitel, dass sich unsere Wissenschaftler, die sich mit dem demografischen Wandel beschäftigen, der Debatte um SARRAZIN bislang enthalten haben. Man darf sich also nicht wundern, wenn Soziologen in die Polemik flüchten und dafür nur noch Hohn und Spott ernten, wie das Beispiel Armin NASSEHI zeigt.

FAHRENHOLZ, Peter (2010): Therapeut und Brandstifter.
Er will gar nicht debattieren: Wie Thilo Sarrazins Auftritt vor dem Münchner Bürgertum zum Eklat geriet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.10.

WEHLER, Hans-Ulrich (2010): Ein Buch trifft ins Schwarze.
Anstatt über Sarrazins Thesen zu diskutieren, erteilt die regierende Klasse dem Autor ein politisches Berufsverbot,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 07.10.

Infos zu: Hans-Ulrich Wehler - Autor der Vor-68er-Generation

NASSEHI, Armin (2010): Mein Abend mit Sarrazin.
Warum eine Münchner Diskussion im Desaster endete,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 07.10.

Infos zu: Armin Nassehi - Autor der Single-Generation

WEEDE, Erich (2010): Demographie, Intelligenz und Zuwanderung.
Die Ordnung der Wirtschaft: Schafft Deutschland sich ab? Hat Thilo Sarrazin recht mit seinem Bestseller? Den Ernst der Lage erkannt zu haben ist Sarrazins Verdienst. Die Wichtigkeit umstrittener Werturteile für seine Analyse wird von vielen Kritikern und Sarrazin selbst überschätzt. Wer das nicht tut, kann ihm dankbar sein, dass er Zielkonflikte offenlegt, denen sich die deutsche Politik nicht stellt - allen voran die langfristige Unvereinbarkeit des existierenden Sozialstaates mit offenen Grenzen für Zuwanderung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.

MAIER, Andreas (2010): Das Argument und das Ich.
Thilo Sarrazin liest auf der Buchmesse. Ein Versuch, ihm zuzuhören,
in: Tagesspiegel v. 09.10.

Infos zu: Andreas Maier - Autor der Generation Golf

KAUBE, Jürgen (2010): Sarrazin und die Bildungskatastrophe.
Der Historiker Hans-Ulrich Wehler rät der SPD, sich endlich von der Polemik gegen Thilo Sarrazins Irrtümer ab- und der Diskussion über seine richtigen Beschreibungen zuzuwenden. Ein Gespräch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.10.

BAHNERS, Patrick (2010): Liest,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.10.

STUCKRAD-BARRE, Benjamin von (2010): Mit Sarrazin in der "Westend-Klause".
Eigentlich wollte sich er sich das Türkei-Spiel gar nicht angucken. Benjamin von Stuckrad-Barre konnte ihn aber überreden,
in: Welt am Sonntag v. 10.10.

Infos zu: Benjamin Stuckrad-Barre - Autor der Generation Golf

REENTS, Edo (2010): Die Messe des Thilo Sarrazin.
Am Freitag war der umstrittene Autor von "Deutschland schafft sich ab" zu Gast auf der Buchmesse. Ein Begleitungsbericht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.10.

KURBJUWEIT, Dirk (2010): Der Wutbürger.
Stuttgart 21 und Sarrazin-Debatte: Warum die Deutschen so viel protestieren,
in: Spiegel Nr.41  v. 11.10.

NASSEHI, Armin (2010): Die Biologie spricht gegen Biologismus.
Der Gegensatz von Natur und Kultur ist in den Natur- wie in den Sozialwissenschaften längst obsolet. Für die Lösung der Bildungsprobleme in Unterschichten ist zweitklassige Theorie aber nicht gut genug,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.10.

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 26. August 2010
Update: 13. Januar 2015