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Thomas Schmid: Die Kinder von Schelsky und Coca Cola

 
       
     
       
     
       
   

Thomas Schmid in seiner eigenen Schreibe

 
   

SCHMID, Thomas (1978): Stämme und Stammtisch. Oder Bescheidener Vorschlag, die alternativen Institutionen wieder abzuschaffen. In: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.) Autonomie oder Getto? Kontroversen über die Alternativbewegung, Frankfurt: Verlag Neue Kritik, S.86-94

SCHMID, Thomas (1987): Die Chancen der Risikogesellschaft,
in: Freibeuter, Nr.31, S.149-154

Thomas SCHMID rezensiert das Buch Risikogesellschaft von Ulrich BECK. U. a. kritisiert SCHMID den Flexibilisierungswahn in Wirtschaft und Politik, dem BECK ein anderes Konzept entgegensetzt:

"Die tumben Toren, die derzeit zu regieren vorgeben, schätzen das Wort Flexibilisierung über die Maßen: im Namen der Wahlfreiheit reden sie einer Verflüssigung von Biographien, Lebensentwürfen und Tagesabläufen das Wort, die nur im Dienste einer vampirhaften ökonomischen Rationalität stünde. Man könnte, schlägt Ulrich Beck vor, dieser Rede auf unerwartete Weise Sinn geben. In der Gesellschaft, die hilfsweise als Zwei-Drittel-Gesellschaft bezeichnet wird und die auf die prekäre Disponibilität aller hinauslaufen würde, wäre von der frühindustriellen Wahlunfreiheit direkt in den spätindustriellen Wahlzwang gesprungen - unter Umgehung eben der vielfach gepriesenen Wahlfreiheit. Genau diese gälte es daher - auch als die Freiheit, nicht wählen zu müssen - zäh zu fördern, etwa durch ein Mindesteinkommen. Und, weit darüber hinaus, durch einen beharrlichen gesellschaftlichen Kampf, der die Alternative Refamiliarisierung oder Durchmarktung, Flucht in die entmachtete Autonomie des Familialen oder die Mühsal der generalisierten Single-Existenz meidet und dem es um die »institutionelle Wiedervereinigungsmöglichkeiten von Arbeit und Leben« (S.201), auch von Haus- und Erwerbsarbeit geht." 

SCHMID, Thomas (1988): Die Wirklichkeit eines Traums. Versuch über die Grenzen des autopoetischen Vermögens meiner Generation. In: Lothar Baier u.a. (1988) Die Früchte der Revolte. Über die Veränderung der politischen Kultur durch die Studentenbewegung, Berlin: Wagenbach, S.7 - 34

SCHMID, Thomas (2001): Ein deutsches Wunder.
Wie die Bürgergesellschaft laufen lernte und was die Staatsfeinde von ehedem damit zu tun haben,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.02.

SCHMID, Thomas (2002): Selbst schuld,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.11.

Thomas SCHMID stellt u.a. sein Feindbild der Kulturlinken vor: "So wie Tante Frieda jeden Politiker danach beurteilt, ob ihr dessen Krawatte und deren Sitz gefallen , hat die Kulturlinke über Jahre, ja Jahrzehnte hinweg die rot-grünen Spieler unter vordergründigen ästhetisch-moralischen Gesichtspunkten verfolgt: Sind sie nicht die, mit denen man gerne in der Kneipe säße? Sind sie nicht die, die sich so überzeugend geschichtsbelehrt geben können?"
          Ansonsten beklagt er ein "Bürgertum ohne Bürgerlichkeit":
          "Wo das Bürgertum Führungskraft beweisen, Staatsfreundschaft an den Tag leben und skeptische Zukunftsneugier entwickeln müßte, verzagt es - oder liebäugelt, noch blöder, mit der Barrikade."

SCHMID, Thomas (2002): Weihrauch, Drogen, Bürgerkraft.
Schwarz-Grün hat Zukunft. Aber nur dann, wenn es nicht folkloristisch begründet wird. Sondern aus der Gegenwart des sozialen Rückbaus,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.12.

Thomas SCHMID bastelt sich seine Lieblingskoalition aus dem Materiallager von Union und Grünen: "Die Union hat eine christliche Fundierung, ist aber keine christliche, sondern eine moderate Fortschrittspartei (...). Die Grünen (...) sind (...) eine moderne Mittelstandspartei, die von konformistischen, zugleich aber bindungswilligen Individualisten am Leben erhalten wird."
          Im zweiten Schritt wird die Schnittmenge von Schwarz-Grün konstruiert:
          "Von höchst unterschiedlichen Ausgangpunkten kommend, treffen sich Union und Grüne in einer gewissen Skepsis gegenüber der staatlichen Intervention; und das, was beiden Parteien heilig ist, die »Subsidiarität«, zielt - von seinem nostalgischen Bodensatz befreit - durchaus auf das, was jetzt gebraucht wird."

SCHMID, Thomas (2003): Merkels Mobilmachung.
Unerbittlich rückt die CDU-Vorsitzende mit ihrem Erweckungsprogramm der Union zu Leibe und lähmt ihre überrumpelten Gegner,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.

Der 68er-Veteran SCHMID berichtet über den Kongress "Zukunft Deutschland - Mut zum Aufbruch" der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Die Sozialausschüsse sind aus der Sicht des sozialdarwinistischen Neobourgeois ein überflüssiges Relikt:

"Sie waren ein hübsches Biotop, das - ein wenig abseits von den großen Arenen bundesdeutscher Wirtschaft - der Bilderbuchvorstellung vom rheinischen Kapitalismus ziemlich nahe kam".

Wenn er Horst SEEHOFERs Gesellschafts- und Menschenbild beschreibt, in dem eine "Gesellschaft der Egoisten und Ichlinge" nicht vorkommen darf, dann wird dies als "Herz-Jesu-Rhetorik" oder als "Büttenreden von Verlierertypen" diffamiert. Einzig der "Thatcherismus mit menschlichem Antlitz" von Angela MERKEL wird gelobt:

"Ohne sonderliche Mühe bekommt Merkel die Todsünde der Union, die Kopfpauschale samt der Horrorzahl 264 Euro, über die Bühne. Sie bemüht dazu - wie auf der anderen Seite Stoiber, Seehofer, Blüm und andere auch - den allmählich legendär werdenden Hausmeister. Sie selbst, die privat Versicherte, leiste keinen Beitrag dafür, daß sich der Hausmeister medizinisch sicher fühlen könne; das sei falsch und ungerecht (...). Das Publikum läßt den Taschenspielertrick (...) fast gleichgültig über sich ergehen".

SCHMID, Thomas (2004): Die Altenrepublik.
Eine Studie über das Wahlverhalten der Deutschen kommt zu Ergebnissen, die unerfreulich sind für die von Umfragen verwöhnte Union,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.04.

Für die CDU/CSU war in den 50ern die Welt noch in Ordnung. "Natürliche Gesetze" gab es da noch, jetzt ist alles anders! Orientierungslosigkeit! Individualisierung! Möglicherweise gab es bereits in den 50ern keine natürlichen Gesetze und die Zukunftsoffenheit ist keine Erfindung der zweiten Moderne. Im Grunde schreibt Thomas SCHMID über einen Sachverhalt, der heutzutage Allgemeingut sein sollte: Das Alter entscheidet über Sieg oder Niederlage einer Partei. Generation 50 + titelte schon der Focus. Darüber hinaus erfährt der Leser nichts darüber wie man die Alten für eine Partei gewinnt. Viel Buchstaben für wenig Information...

SCHMID, Thomas (2004): Die Reformeliten entdecken das Volk.
Doch ihr Lied von Bürgergeist und Eigeninitiative klingt wie Katzenmusik,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.05.

Thomas SCHMID berichtet darüber, dass sich am Donnerstag die neoliberalen Rucker Deutschlands zum Dachverband Aktionsgemeinschaft Deutschland zusammengeschlossen haben. Das Wirtschaftsbürgertum und ihre Helfershelfer wie Meinhard MIEGEL sehen sich als Stimme des schweigenden Volkes gegen die Volksparteienherrschaft. Diese im Grunde unpolitischen Bourgeois möchten die erfolgreichen sozialen Bewegungen kopieren, aber die alten Herren der neuen Bürgerbewegungen sind keine rechtlosen Minderheiten, sondern die Wirtschaftselite dieser Gesellschaft.

Für SCHMID haben diese Eliten nur ein Kommunikationsproblem, tatsächlich gibt es jedoch auch einen Interessengegensatz zwischen diesen Besitzstandswahrern des Kapitals und den Interessen der von ihnen abhängigen Beschäftigten. Auf dröge Manifeste wie Für ein besseres Deutschland können wir deshalb verzichten. Sie werden nicht richtiger dadurch, dass neoliberale Parolen seit 30 Jahren ständig wiederholt werden...

SCHMID, Thomas (2005): Fluchtpunkt Kirchhof,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.08.

Der Alt-68er Thomas SCHMID, der in den 1980er Jahren zum Ökolibertären konvertierte, rüffelt seinen alten Sponti-Kumpel Joschka FISCHER und verteidigt das reaktionäre Familienbild von Paul KIRCHHOF: Wo Sozialstaat war, soll Familie und Sicherheitsstaat werden.  

SCHMID, Thomas (2006): Das alte Lied,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.04.

Für den Thomas SCHMID will Ursula von der LEYEN aus dem "Modell »Kinder und Karriere« eine neue Norm" machen, "die um so verbindlicher wirkt, als die siebenfache Mutter für die spielerische Verwirklichung des Modells im XXL-Format zu stehen scheint".

Das Bündnis für Erziehung nimmt er deshalb nicht ernst und sieht darin lediglich ein Trostpflaster für die enttäuschten konservativen Unions-Anhänger.

Neu:
SCHMID, Thomas (2007): Eine alte Gesellschaft muss nicht vergreisen.
Karl Otto Hondrich zeigt, dass die Propheten der demografischen Katastrophe sauertöpfischen Unsinn verbreiten,
in: Welt v. 17.03.

"Die demografischen Warner sagen, viele Kinder bedeuteten viel Zukunft, gerade auch für die Sozialsysteme: Viele Kinder, erwachsen geworden, zahlen viel ein. Falsch, ruft Hondrich: Viele wirkliche Kinder sind im Zeitalter langer Kindheit, Adoleszenz und Ausbildung eher ein Feind der Sozialsysteme. Denn sie zahlen ziemlich lange nicht ein, sondern erheischen Auszahlungen", merkt Thomas SCHMID zum Buch Weniger sind mehr von Karl Otto HONDRICH an.
 
       
   

Entstaatlichung (1988).
Neue Perspektiven auf das Gemeinwesen
Berlin: Verlag Klaus Wagenbach (vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"»Uns werden noch die Augen übergehen vor lauter Staat«, prophezeite der Berliner Pfarrer und frühere Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz schon Mitte der 70er Jahre. Er hatte recht - daß der Staatsapparat unsinnig aufgebläht ist, steht inzwischen vor aller Augen.

Dagegen entwickelt dieser Band die Staatsferne als Lebensentwurf, das heißt: sich verantwortlich den Anmaßungen des Staates zu entziehen, ihm nur das Nötige an Versorgung zuzuschieben und zugleich das soziale Verhalten in der Gesellschaft zu entwickeln.

Neun Perspektiven auf eine eigenverantwortliche Bürgergesellschaft mit weniger Staat von oben und mehr regionalen und individuellen Kompetenzen."

Zitat:

Die Kinder von Schelsky und Coca Cola

"Heute ist »68« in seinen Zeugnissen stumm.
Es wurde viel photographiert damals; aber die Bilder übermitteln wenig, vor allem eine geradezu vorzeitliche Starre, einen großen Ernst. Sie sehen eher nach Drei-Personen-Haushalt als nach Revolution aus. Das sind noch die Kinder von Schelsky und Coca Cola, fast ängstlich wirken sie, buchstabengläubig und guten Willens und nicht gut eingerichtet in einer Zwischenzeit, deren Ende sich noch nicht abzuzeichnen scheint. Noch stecken sie in den alten Kleidern. Zu Beginn eines Romans, der ein paar Jahre früher spielt, heißt es: »In diesen Tagen hatten sie nichts Bestimmtes vor, keiner von ihnen (...) Ein Pulk unter der Straßenlampe, der sich allmählich verlief, in spätere Jahre, ohne Begründung«"
(aus: Thomas Schmid "Die Wirklichkeit eines Traums", 1988, S.10)

 
     
 
       
   

Die Beiträge des Sammelbands

KASCHUBA, Wolfgang - Fortschrittsuntertanen? Historische Dimensionen "moderner" deutscher Staatlichkeit

SACHS, Wolfgang - "Mannigfaltigkeit der Situationen". Über Wilhelm von Humboldts Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen

KIRSCH, Guy - Die Deregulierungsdebatte. Anmerkungen zu einem bornierten Streit

BECK, Ulrich - Wir Fatalisten. Im Labyrinth der Risikogesellschaft

KRETSCHMANN, Winfried - Rekommunalisierung: Provinz gegen Staat

GÄNG, Peter - Von einigen Widersprüchen des staatsfernen Lebens

ERLER, Gisela Anna - Die Ent-Fesselung der Frau durch den Staat. Oder: gibt es eine Alternative zu Abraham Lincoln?

HAUSMANN, Ulrich - Der Staat im Kopf

SCHMID, Thomas - Gemeindefreiheit. Über die Kontinuität einiger staatsabgeneigter Traditionen
 
       
   

Befreiung von falscher Arbeit (1984).
Thesen zum garantierten Mindesteinkommen
Berlin: Verlag Klaus Wagenbach (vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"Seit die Krise der Arbeitsgesellschaft für jeden erkennbar ist, wird von verschiedenen Seiten das Recht auf ein Mindesteinkommen gefordert: Ralf Dahrendorf vertritt es ebenso wie die Grünen, rechtsliberale Ökonomen propagieren es ebenso wie linksradikale Alternative.
Die Forderung nach einem Mindesteinkommen liegt quer zu überkommenen politischen Fronten: Arbeit und Einkommen würden entkoppelt, die Gesellschaft wäre nicht mehr nur von den Bedürfnissen der Industrie, sondern auch von denen der Menschen geprägt.
Die Autoren des Bandes zeigen, daß das realisierbar wäre: das Mindesteinkommen ist zahlbar, vernünftig und der strukturellen Arbeitslosigkeit angemessen - es hilft, die vorsintflutliche Logik des Industrialismus zu durchbrechen."

 
     
 
       
   

Die Beiträge des Sammelbands

SCHMID, Thomas - Einleitung: Industrie ohne Glück - Argumente für eine blockübergreifende Abrüstung der Arbeit

GERHARDT, Klaus-Uwe & Arnd WEBER - Garantiertes Mindesteinkommen. Für einen libertären Umgang mit der Krise

SPIEGEL, Yorick - Evangelische Sozialethik und garantiertes Mindesteinkommen

SCHWAB, Josef - Mindesteinkommen als sozialpolitische Perspektive

HAUSMANN, Ulrich - Was ist ökonomisches Handeln? Argumente für die Einführung der Marktwirtschaft

OPIELKA, Michael - Das garantierte Mindesteinkommen - ein sozialstaatliches Paradoxon? Warum ein garantiertes Einkommen den Sozialstaat zerstören, retten oder aufheben kann

HANESCH, Walter - Einkommenssicherung in der Krise
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 07. Oktober 2003
Update: 21. Juni 2015