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Cordt Schnibben:
Operation Rot-Grün
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Aktuellster
Beitrag
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Cordt Schnibben in seiner
eigenen Schreibe
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SCHNIBBEN, Cordt
(2005): Der röhrende Hirsch.
In der letzten Woche schrieb SPIEGEL-Korrespondent
Matthias Matussek über
die ungehaltene Wahlkampfrede eines "jungen Konservativen",
in dieser Woche antwortet ihm SPIEGEL-Reporter Cordt
Schnibben,
in: Spiegel Nr.24 v. 13.06.
- Inhalt:
SCHNIBBEN beschreibt die Vor-68er-Ära
als "wilhelminische Sofakissendiktatur" und bezweifelt, dass
die
Bürgernation weiterhilft:
"Noch immer wird der Wert
der Nation am Export gemessen, und daran werden alle
Versuche, den Deutschen Stolz als Ersatz für Wohlstand
einzureden, scheitern."
Rot-Grün wirft
SCHNIBBEN vor, dass sie auf Etatismus statt auf die
Zivilgesellschaft gesetzt
hat:
"Die rot-grüne Regierung
hat es versäumt, diesen solidarischen Anspruch ihres Milieus
in Politik zu verwandeln, mehr auf den Bürger zu setzen
statt auf den Staat."
-
Neu:
SCHNIBBEN, Cordt (2006): Das bürgerliche Dilemma.
Die Große Koalition ist mehr als ein Zufallsprodukt, sie
spiegelt eine gesellschaftliche Entwicklung wider, die zur
Implosion der politischen Lager geführt hat. Die kulturelle
Kluft, die seit den sechziger Jahren linke Deutsche von
rechten Deutschen trennte, schwindet - was besonders den
Konservativen Sorgen macht,
in: Spiegel Nr.1 v. 02.01.
- Kommentar:
Cordt SCHNIPPEN zieht Parallelen
zwischen 40 Jahre Beat Club und neuem Bürgertum:
"am
25. September 1965 geschah etwas, was das Leben in der
Bundesrepublik zu verändern begann. (...).
Radio Bremen sendete von
nun an einmal im Monat den »Beat-Club»,
eine Musiksendung, die nicht nur die Botschaften von Jimi
Hendrix und Frank Zappa, den Stones, Who, Doors, Status
Quo und Steppenwolf bis in die deutschen Wohnzimmer des
letzten Provinzdorfes brachte, sondern auch die Mode, die
Sprache und die Regeln einer bis dahin undeutschen Kultur.
(...).
Die Heftigkeit, mit der über eine - aus heutiger Sicht -
rührend harmlose Fernsehsendung gestritten wurde,
beschreibt den Beginn eines Kulturkampfs, der das deutsche
Bürgertum auseinanderzutreiben begann: auf der einen Seite
die konservativen Altbürger (...); auf der anderen Seite
die Bürgerkinder, die eigentlich nicht mehr wollten als
ein freieres, toleranteres, weltoffeneres Leben."
SCHNIPPEN
beschreibt diese kulturelle Entwicklung entlang von
Denkmodellen, die zum einen der Neokonservative David
BROOKS ("Bobos"
- bourgeois bohème) und andererseits Joseph HEATH & Andrew
POTTER ("Konsumrebellen")
geprägt haben. Beide Denkmodelle kumulieren in der "neuen
Mitte", die SCHNIPPEN auf den Punkt bringt:
"die
»neue Mitte« hatte kein Programm, keine Vision, keine
Forderungen, es war ein Verteidigungsbündnis zur Abwehr
des sozialen Abstiegs."
Ihr
längst überfälliges Coming-Out als Neubürgerliche verlegt
SCHNIPPEN in den 2002er Wahlkampf:
"Teile
der rot-grünen Boheme entdeckten ihre neue Bürgerlichkeit,
die eigentlich ihre alte war, und die jüngeren von ihnen
schmückten ihre Neuentdeckung verzückt mit der Pose des
Rebellen."
Das
gesamtbürgerliche Lager ist noch kulturell gespalten:
"Das
bürgerliche Lager zerfällt in Reformbürger und Altbürger,
und die trennt mindestens so viel wie Kommunisten von
Sozialdemokraten".
Daraus
resultiert das gesamtbürgerliche Dilemma:
"Das
bürgerliche Lager fordert von seinen Anhängern und
Wählern, schizophren zu sein.
Vertraue dem Markt, aber
rechne mit seiner Willkür; plane weitsichtig, aber
riskiere alles; konsumiere aus vollen Händen, aber sorge
fürs Alter; suche das Neue, aber schätze die Tradition;
denke global, aber liebe deine Heimat; misstraue dem
Staat, aber gehorche ihm.
Der Neoliberale will, dass sich der Staat so wenig wie
möglich in die Wirtschaft einmischt, der Neokonservative
will, dass der Staat die Moral, die Familie, den
Gemeinsinn schützt."
Im
Gegensatz zur
neobourgeoisen
FEDDERSEN-taz,
findet SCHNIPPEN für
Udo Di FABIO deutliche
Worte:
"Zum
»Reformer des Jahres« haben die Initiative »Neue Soziale
Marktwirtschaft« und die »Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung« in den letzten drei Jahren nacheinander
den Steuerreformer Paul Kirchhof, den Bierdeckelökonomen
Friedrich Merz und
zuletzt den Verfassungsrichter Udo Di Fabio gekürt.
Die Wahl dieser Männer sagt einiges über die
Reformphantasie des bürgerlichen Lagers, besonders der
glückliche Familienvater Di Fabio, der strenge Bürger mit
dem Zweitagebart, beseelt von dem Gedanken, dass im
Kinderkriegen der Sinn der bürgerlichen Freiheit liege,
ist so etwas wie der
Peter Hahne
der Rechtsintellektuellen. Sein Buch »Die Kultur der
Freiheit« ist ein
Plädoyer für die Rückkehr der Heuchelei; den Deutschen
empfiehlt er den Kanon der Werte, an dem schon in den
fünfziger Jahren die bürgerlichen Familien scheiterten.
Als im besten Fall volksromantisch ist sein Glaube zu
bezeichnen, man könne ein Volk zu Werten und Sinn
bekehren, mittels Debatten, Werbekampagnen oder
Fernsehserien. Die Überschätzung der Propaganda, der er
erliegt, ist die Umkehrung seiner Behauptung, die
Deutschen seien von Hitler mit allen Mitteln moderner
Propaganda verführt worden."
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Cordt Schnibben im Gespräch
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Klappentext
"Wir sind an allem
schuld! – Vierzig Jahre danach: Was 68 war und was
daraus wurde
I can’t get
no« erzählt von einem Wochenende, das als heiteres
Fest begann und zu einem wütenden Schlagabtausch
wurde. 15 Leute, die Ende der 60er gemeinsam zur
Schule gingen und den Aufstand probten, sehen sich
nach 40 Jahren wieder und reden über ihr Leben. Sind
sie, die 68er, wirklich an allem schuld:
Kindermangel, Verfall der Werte, Hedonismus – also
an all dem, was seinerzeit begann?
Damals
blockierten sie in Bremen Straßenbahnen, kifften
zusammen, warfen Scheiben ein, bemalten ihre Gymnasien
mit Parolen, gingen zu Dutschke in die »Lila Eule«,
tanzten im »Beat-Club«. Heute sind sie Staatsanwälte,
Werber, Ärzte, Journalisten, Manager, Politiker,
Hochschullehrer. Einige sehen sich noch als Linke,
andere sind unpolitisch, andere eher konservativ. In
einer Villa in Worpswede haben die 15 ein Wochenende
lang darüber geredet und gestritten, was sie damals
vom Leben erwartet und bis heute daraus gemacht haben.
Und darüber, was sie von neuer Bürgerlichkeit, neuem
Patriotismus, neuer Religiosität und all den anderen
Schlagworten halten, die für den aktuellen Versuch
einer geistig-moralischen Wende stehen. »I can’t get
no« macht die Faszination des Aufbruchs von damals
deutlich, die Jahre, in denen sich Pop und Politik,
Sex und Drogen so mischten, dass jeder das Gefühl
hatte: »time is on my side«. Die 15 erzählen von ihren
Hoffnungen und Enttäuschungen, aber auch von einem
Lernprozess, der sie heute klüger auf die 60er blicken
lässt. An diesem Trip durch vier Jahrzehnte
Bundesrepublik beteiligen sich u.a. die
Bundestagsabgeordnete Krista Sager, der Rechtsanwalt
Bernhard Docke, die Journalistin Tissy Bruns, der
Hochschullehrer Christoph Köhler, der Sozialmanager
Joachim Barloschky, die Generalstaatsanwältin Angela
Uhlig van Buhren, der Stadtteilbürgermeister Robert
Bücking, der Werbeunternehmer Jork de la Fontaine."
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Klappentext
"Gerhard Schröder und Joschka
Fischer wollten das Land humaner, sozialer,
friedvoller machen. Und die Menschen, die sie
gewählt haben, träumten von mehr Sozialstaat, mehr
Demokratie, weniger Rüstung. Inzwischen ist den
Wählern klar, daß sie sich geirrt haben, und die
Gewählten müssen eingestehen, daß sie sich verirrt
haben. Die Autoren schildern, wie sich die
Kneipenfreunde Schröder und Fischer 1998 ins
Kanzleramt taktieren und dann erleben, daß die
Zwänge der Politik ihr Denken verändern und sie
langsam im Sumpf der Wirklichkeit versinken."
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Rezensionen
- VORNBÄUMEN, Axel (2005):
Alles am Zusammenkrachen.
Ein Abgesang aus
rauer Kehle: Die "Spiegel"- Reporter Kurbjuweit, Geyer und
Schnibben verabschieden Rot-Grün,
in: Tagesspiegel v. 23.05.
- Inhalt:
Welche Zielgruppe das Buch
anspricht, das lässt sich aus folgender Passage ersehen:
"Wenn sich das Beste, was
man über eine Koalition sagen kann, darauf beschränkt,
dass es sie überhaupt gegeben hat, damit sich eine mit
ihrem außerparlamentarischen Furor sozialisierte
Generation beim Marsch durch die Institutionen die Hörner
abstößt, dann sagt das entweder etwas aus über die
Substanz derer, die sechs Jahre Politik gemacht haben
(mager) oder über die Erwartungen derer, die es aus jener
Generation nicht in die Politik, sondern in die
Publizistik verschlagen hat (hoch und dementsprechend
enttäuscht).
Beides stimmt".
-
SCHMIDT, Martinus
(2005): Unsere Jahre mit Schröder.
Protokoll einer enttäuschten Liebe,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.07.
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Seltsames
Deutschland (1992).
Berichte aus der Welt der
Bundesbürger
München: Knaur (vergriffen)
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Inhaltsverzeichnis
Vorurteil
Die
Leiden der Freizeit
Köln -
Karibik - und zurück
89 - 58 - 87
Der Star aus der Flasche
Oh, du schöner Ring
Hai und Chips
Computer sparen Sonnenöl
Das Fest der Hofnarren
Bad Neon
Venezianische Schlote
Der Ernst
des Lebens
Spiel,
Satz und aus?
Am 8. Mai ist Weltuntergang
Die Erben des Dr. Barschel
Der Ofen ist aus
Jetzt hier alles sicher
Lehrerin für die Halde
Junge Greise, alte Zeiten
Wollt ihr Frieden?
100 Jahre tot und keine Ruhe
Die Seele ist nicht käuflich
Das jüngste Gericht
Der eiskalte Krieg
Die
Freuden der Einheit
Ein Staat
läuft aus
Freiheit ist hier jetzt auch
Heut' gehn wir ins ZK
Vom Lada zum Lambada
Jedes Pissoir beherrscht
Was nun, Harry Dolch?
Die Nächte von Paries
I want you. Sonst nichts
Der
Deutsche als Ausländer
Im Land
der Müllmänner
Unternehmen Osterbräune
Sibirischer Schweiß
Peinliche Tage in Istanbul
Der Deutsche als Türke
Nikolaus der Türke
Planquadrat B 8, Costa Brava
Der
Alltag des Medienzaubers
Oh,
Stéphanie! Wo bis du?
Sind wir alle Hedonisten?
Morgen ist wieder kein Tag
Morgen, nur nicht "heute"
Alles wie geplant
Seid ihr alle da?
Herr Minister, ich danke Ihnen!
Der Norden dreht durch
Das Radio verstummt
Im Klo der Verführer
Fast food für die Augen
Im Olymp der Wegelagerer
Zitate:
Trends
"Keine
Woche ohne neuen Trend. Die Machtergreifung des
Trend-Journalismus in so gut wie allen Periodika macht es
leicht, die Untrends zu erkennen - so gut wie alle plötzlich
entdeckten Zeiterscheinungen (...) sind Fata Morganen des
Abendlandes, gespeist aus journalistischer Verzweiflung. Die
Echtheit eines Trends ist nur noch mit zeitlichem Abstand
festzustellen, wenn er dem öffentlichen Interesse längst
entkommen ist, im Nachruf sozusagen.
Die Vereinsamung des Bundesbürgers beispielsweise ist eine
echte Konstante des neuen Deutschland, unwiderlegbar
abzulesen an der Orientierung der Tiefkühlbranche auf den
Alleinesser, den Single."(S.15f.)
Der
Alleinesser als neue Zielgruppe
"Zwanzig
Millionen Alleinesser in der Bundesrepublik! 20 Millionen
Menschen, die, ausgestossen aus der Tischgemeinschaft, vor
ihrem Teller sitzen. Allein Tag für Tag (...). Einer von
ihnen ist Rainer Grahn.
Rainer Grahn entdeckte vor zwei Jahren, daß ein großer Teil
der Deutschen einsam ißt. Seither zerbricht er sich den Kopf
darüber, wie man den verlassenen Essern helfen kann. Nicht
aus Nächstenliebe sorgt er sich, sondern aus Berufung:
Rainer Grahn ist Produkt-Manager für Tiefkühlkost. Auf die
menschliche Spezies der »situativen Alleinesser« stieß er,
weil »Mein Leibgericht« keine Zukunft hat (...).
Die legendären Ravioli etwa, Sonnen-Bassermanns klassischer
Hühnernudeltopf, Knorrs Suppen oder Krafts Miracoli - sie
alle ignorieren das Individuum, spekulieren auf die
Kleinfamilie oder die Wohngemeinschaft und machen den
einzelnen zum Untertan der Wegwerfgesellschaft. Weit und
breit kein Fertiggericht für den Menschen, der täglich in
die Situation gerät, solo essen zu müssen.
(...).
Wie leben
sie? Allein. Acht Millionen leben allein, und zwanzig
Millionen essen allein.
(...).
In Grahns Materialen hat »eine psychologische
Zielgruppensegmentierung für Tiefkühlkost« acht Frauentypen
ausgemacht, darunter die »desinteressierte Hausfrau«
(niedriges Einkommen, jung, empfindet Kochen als Last) und
die »qualitätsorientierte Hausfrau« (hohes Einkommen, hohes
Alter, nicht preisorientiert). Für Grahn besonders
interessant: Die »convenience-orientierte Hausfrau« (kein
Spaß am Kochen, höheres Einkommen) und die »überzeugte
Tiefühlkost-Verwnderin« (Akzeptanz von Fertiggerichten,
hohes Einkommen, mittleres Alter). 22 Prozent aller Frauen
sollen zu diesen beiden Gruppen gehören, »die den neuen
Typus der modernen, selbstbewußten Hausfrau verkörpern, die
mehr Zeit für berufliche und gesellschaftliche Interessen
gewinnen will« - und darum eine besondere Schwäche für
tiefgekühlte Fertiggerichte hat.
Aber was ist mit den Männern? Nur neun Prozent leben allein,
die anderen essen, was die Frau auf den Tisch stellt. Aber
immerhin: 1,2 Millionen männliche Singles laufen jede Woche
durch die Supermärkte, auf der Suche nach Eßbarem.
Nun ist nicht jeder Single auch ein Tiefkühlfan, nur knapp
die Hälfte hat genügend Geld und Geschmack für Vorgekochtes.
Grahn kommt schließlich, summa summarum, auf eine
potentielle Zielgruppe von 2,84 Millionen Käufer
tiefgekühlter Ein-Personen-Gerichte. Das langt."
(S.193; zuerst veröffentlicht im
Zeit-Magazin Nr.18 vom 25. April 1986)
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