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Frank Schirrmacher: Das Methusalem-Komplott

 
       
     
       
   
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    Frank Schirrmacher in seiner eigenen Schreibe

     
       
    • SCHIRRMACHER, Frank (1989): Idyllen in der Wüste.
      Oder das Versagen vor der Metropole,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.
      • Inhalt:
        SCHIRRMACHER beklagt den Zustand der deutschen Gegenwartsliteratur:

              
           "Solange die deutsche Literatur sich der Gesellschaft der Metropolen, der kalten und abgründigen Sozietät in diesem längst zu einer gigantischen Stadt gewachsenen Lande nicht zuwendet, müssen ihre Leser sich mit Idyllen begnügen. Die Idylle ist in einer Gesellschaft, die über sich selbst nur Zwangsvorstellungen entwickelt hat, an die Stelle des sozialen Romans getreten und so Platzhalterin großer Literatur geworden. Idylle ist selbst noch die Verzweiflungs- und Gewaltprosa der achtziger Jahre. (...).
        Einsiedler, die in einem kargen und unfruchtbaren Idyll leben - das ist das Bild unserer Gegenwartsliteratur. Erst einer, der dies begreift und ernst nimmt, vermag den Bann der Einfallslosigkeit zu brechen."

              
           Der Artikel wurde 1998 in dem Band "Maulhelden und Königskinder" nachgedruckt.
    • SCHIRRMACHER, Frank (2002): Die Grünen hatten die Revolution von den Bürgern nur geborgt.
      Für Dosen verpfänden die Grünen ihre Zukunft,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.12.
    • SCHIRRMACHER, Frank (2003): Die große Angst.
      Im Maschinenraum der Kultur: Zu unserer Liste neuer Phobien,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.
      • Kommentar:
        SCHIRRMACHER stellt im Feuilleton 462 Möglichkeiten seine Angst zu benennen vor.
        Genüsslich stellt er die Angst in einen Kontext, die ihm genehm ist:

              
           "»La grande peur« - die große Angst -, das war der Leitbegriff für die Zerfallsprozesse der bürgerlichen Gesellschaften, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führten. Aus dieser großen Angst sind, begleitet von den Hervorbringungen einer weltlich seelsorgerischen Industrie, unzählige kleine, kleinste, komische und schließlich irrwitzige Ängste geworden."
              
           Danach verknüpft er den Zerfall mit dem Denken von Ernst JÜNGER:
              
           "Es ist, als würde man in einen Maschinenraum blicken, den Ernst Jünger in seinem in jeder Hinsicht so aktuellen Buch »Das abenteuerliche Herz« beschrieb".
              
           Man kann aber auch ganz woanders hinblicken: Es ist, als würde man in eine Redaktionsstube blicken...
    • SCHIRRMACHER, Frank (2003): Männerdämmerung.
      Wer uns denkt: Frauen übernehmen die Bewußtseinsindustrie,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.07.
      • Kommentar:
        SCHIRRMACHER diagnostiziert den Zerfall der Gesellschaft, der mit der Übernahme der Bewusstseinsindustrie durch Frauen bereits im Gange ist. Sein Gewährsmann dafür ist der Anthropologe Arnold GEHLEN:

              
           "Die Patriarchen verdämmern, und die Nachfrage nach ihnen sinkt. Frauen übernehmen die Vermittlung und sogar die Macht in einer zerfallenden Gesellschaft.
        »Kleine zivilisierte Völker«, so hat Arnold Gehlen eines vorhergesagt, »oder solche, denen alle Knochen zerschlagen sind, streben der Deckung zu, sie neigen zu Versicherungen, Krankenscheinen, zu sexuellen Libertismen und moralischen Vorträgen an die Außenwelt. Aber gerade diese Atmosphäre kommt den innersten Bedürfnissen des Weibes entgegen«."
    • SCHIRRMACHER, Frank (2003): Kennwort Y.
      Das Peter-Pan-Syndrom: Ein Schriftsteller attackiert die Frauen,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.07.
    • SCHIRRMACHER, Frank (2003): Sind taz-Leser Masochisten?
      Hinter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" steckt immer ein kluger Kopf. Aber wer liest eigentlich die tageszeitung? Erinnerungen eines "FAZ"-Herausgebers daran, wie er selbst einmal auf dem Dach des Rudi-Dutschke-Hauses stand,
      in: TAZ v. 27.09.
    • SCHIRRMACHER, Frank (2004): Die Revolution der Hundertjährigen.
      Warum wir unser Altern neu erfinden müssen,
      in: Spiegel Nr.13 v. 15.03.
    • SCHIRRMACHER, Frank (2005): Der Lauf des Wählers zu sich selbst,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.05.
      • Kommentar:
        Die Print-Überschrift der FAZ ist aussagekräftiger als die Internet-Headline, denn sie zeigt die Arroganz des FAZ-Herausgebers, der den Akteuren der Neuen Mitte eben immer die entscheidende Nasenlänge voraus ist:

              
          "unsere Lage ist dadurch gekennzeichnet, daß jetzt jeder einzelne Kassensturz machen wird, und zwar an erster Stelle gerade jene kapitalismusfeindlichen bürgerlichen Schichten, die über Jahrzehnte bei guter materieller Grundversorgung ideologisch oder ästhetisch, am Ende wohl nur noch ästhetisch wählten. Der lange Lauf der Wähler zu sich selbst endet jetzt bei ihren eigenen materiellen Interessen."
              
          SCHIRRMACHER beruft sich hier auf H. M. E. aber eigentlich stammt diese Einschätzung von Harald MARTENSTEIN:
              
          "Unsere Gegend ist keine CDU-Gegend. CDU wird höchstens heimlich gewählt. Wenn es aber nach den ökonomischen Interessen ginge, müssten in unserer Gegend CDU und FDP die absolute Mehrheit haben. Warum wählt man, was man wählt? Es ist eine irrationale Mischung. Tradition, Herkunft, Familiengeschichte, eigene Geschichte, Image, Selbstbild, Selbstfindung… alles mögliche. Aber nicht vernünftig. Sachargumente werden wohl überschätzt" (Tagesspiegel v. 06.09.2002, "Politik nach dem Kindchenschema").
              
          Frank "Panik" SCHIRRMACHER geht aber noch weiter. Er phantasiert  Carl-SCHMITT-mäßig einen demografischen Ausnahmezustand und stilisiert sich zur "Lost Generation":
              
          "Für die Mehrheit der Menschen, die heute zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt sind, ist es nach allem Ermessen die letzte Wahl, in der sie von Reformen profitieren können. Was jetzt nicht geschieht, kommt für sie lebensgeschichtlich zu spät."
              
          Dirk KNIPPHALS handelt SCHIRRMACHER ob solcher Demagogie in der heutigen TAZ bereits als neuen Bundeskulturstaatsminister und erhofft sich davon spannende Debatten.
              
          SCHIRRMACHER hat mit seinem Buch "Das Methusalem-Komplott" bewiesen, dass ihm die Mehrheit in der Methusalem-Gesellschaft völlig egal ist. Was zählt ist einzig der Machtanspruch der einzig wahren Elite.
              
          Wir empfehlen SCHIRRMACHER einen Abenteuerurlaub à la Tina UEBEL, der schadet der Nicht-Elite weniger...
    • Neu:
      SCHIRRMACHER, Frank (2006): Vorbereitungsgesellschaft.
      Wir können uns nicht vergleichen: Zu einer These von Botho Strauß,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.02.
     
           
       

    Frank Schirrmacher im Gespräch

     
       
    • DÜKER, Ronald (2004): Krieg der Generationen.
      Wie sieht die Zukunft aus? Junge islamische Kämpfer, die die Alten im Westen über den Haufen rennen? Über den globalen Generationenkonflikt sprach die Netzeitung mit Frank Schirrmacher,
      in: netzeitung.de v. 25.03.
      • Kommentar:
        Die Kritik von Gerd BOSBACH an der Bevölkerungsvorausberechnung wurde nur in der Frankfurter Rundschau und in der jungen Welt überhaupt gedruckt. Die Süddeutsche Zeitung sah sich nur in ihrer Online-Ausgabe genötigt, Stellung zu nehmen.

              
           Dies zeigt, dass die Mitte-Medien davon ausgehen, dass Zeitungsleser und Internetuser völlig verschiedene Zielgruppen sind.
        Offline-Zeitungen lesen Familienmenschen, das Internet bevölkern Singles.
        Daraus lässt sich außerdem ableiten, dass im Familienuniversum die Single-These völlig unstrittig ist. Dagegen ist im Singleuniversum dieses Dogma umkämpft.

              
           Die netzeitung jedenfalls konfrontiert als EINZIGE den FAZ-Herausgeber mit der Kritik von Gerd BOSBACH.
        Dieser hat sich jedoch gut darauf vorbereitet und lenkt von dem eigentlichen Knackpunkt geschickt ab:

              
           "Netzeitung: Sie arbeiten mit einer Fülle statistischen Materials und Hochrechnungen zur demographischen Entwicklung. Nun gibt es auch Kritiker an der Zuverlässigkeit der zugrunde gelegten Prognosen. Prof. Gerd Bosbach, der Statistik, Mathematik und Empirik lehrt und früher für das Statistische Bundesamt gearbeitet hat, ist der Meinung, dass eine 50-Jahre-Prognose zwangsläufig unzuverlässig sein muss. Zu schlecht ließen sich mögliche Strukturbrüche voraussagen, und außerdem seien ganz bewusst und aus politisch-manipulativen Gründen die dramatischsten Daten zugrunde gelegt worden.
        Schirrmacher: Ja, Bosbach – der ist, soweit ich weiß, aber auch der einzige Kritiker, ein interessanter übrigens. Er hat ein ausgesprochen politisches Ziel, wenn er sagt, dass die Daten nur gebraucht werden um den jetzigen Sozialabbau zu rechtfertigen. Ich glaube aber, er selber würde sehr vorsichtig sein, wenn es um die Steigerungsraten bei Alterungspopulationen geht. An denen kommt man nicht vorbei. Wie sollten schließlich die Kinder geboren werden in nächsten 20 Jahren? Allein für die Erhaltung bräuchten wir 2,1 Geburten im Durchschnitt.
        Und die Politiker, da gebe ich Bosbach gegen Bosbach Recht, haben in der Tat ein Interesse: nämlich das Interesse, dass nicht bekannt wird, dass sie gar nicht daran interessiert sein können, dass jetzt viele Kinder geboren werden. Die Kosten von Großziehen und Ausbildung können nicht gleichzeitig mit den Kosten der anderen abhängigen Schicht, denen der vielen Alten von unserer Gesellschaft ausgehalten werden. (...). Für die Kinder gilt: Die, die nicht geboren worden sind, können in zwanzig Jahren auch keine Kinder zur Welt bringen. So einfach ist das. Warum wir das nicht glauben wollen, habe ich in meinem Buch am Beispiel der großen Fehlalarme – von der Neutronenbombe bis zu der absurden Wirtschaftsprognosen – zu zeigen versucht. Im Gesamten, so sagen jedenfalls die Demographen, sind diese Phänomene relativ sicher vorhersagbar. Ich bediene mich noch eher vorsichtiger Projektionen für einen überaus deutlichen Trend.
        "
              
           BOSBACH ist keineswegs der einzige Kritiker der Bevölkerungsvorausberechnungen.
              
           International renommierte Demografen weisen seit Jahren darauf hin, dass die deutschen Berechnungsverfahren die Geburtenraten zu niedrig ausweist.
              
           SCHIRRMACHER hat unrecht, denn der Anteil der kinderlosen Frauen, die in den 60er Jahren geboren wurden, ist nach Angaben von Gert HULLEN um FÜNFZIG PROZENT niedriger als in der öffentlichen Debatte diskutiert!
              
           Das Problem der Unterjüngung wird in Deutschland also dramatisiert. Warum wird das verschwiegen?
              
           Die Mehrheit der Deutschen leben in Familien. Lebenslang Kinderlose sind eine Minderheit (14 % der in den 60er Jahre geborenen Frauen!), die keine politischen Anwälte besitzen.
              
           Spätestens in fünf Jahren wird das nicht mehr zu verheimlichen sein, aber bis dahin sind die entscheidenden politischen Weichenstellungen gestellt und die jüngeren Jahrgänge werden die Folgen zu spüren bekommen.
    • AMEND, Christoph & Stephan LEBERT (2004): "Selbst meine Feinde habe ich gefördert".
      Er war immer der Jüngste: Literaturchef mit 29, Herausgeber mit 34. Jetzt, zehn Jahre später, schreibt Frank Schirrmacher eine Buch über die alternde Gesellschaft,
      in: Tagesspiegel v. 28.03.
      • Kommentar:
        Christoph AMEND und Stephan LEBERT interviewen den guten Menschen aus Frankfurt!

              
           Die Harmlosigkeit der Fragen ist viel erschreckender als die erwartbaren Horrorszenarien, die SCHIRRMACHER uns auftischt.
              
           Auf solchen Konsens-Journalismus können wir getrost verzichten. Und es wäre Zeitverschwendung den Artikel auch noch ernst nehmen zu wollen. SCHIRRMACHER hat alles im Buch "Das Methusalem-Komplott" geschrieben. Verdopplung ist deshalb unnötig...
    • POSCHARDT, Ulf (2004): "Wir erobern einen neuen Planeten".
      Deutschland stirbt aus - oder verblödet. Jüngste Studien beweisen: Wir vergreisen und überlassen die Städte Wölfen und Luchsen. Ein Expertengespräch mit dem Bestsellerautor Frank Schirrmacher,
      in: Welt am Sonntag v. 25.04.
      • Kommentar:
        Man kann Frank SCHIRRMACHER vieles vorwerfen, aber nicht, dass er den Geburtenrückgang moralisiert, über sein Frauenbild sagt die Antwort jedoch einiges:

              
          "Akademikerinnen bekommen weniger Kinder. Ob die auch klüger sind, lasse ich dahingestellt. Frauen sind, wie wir alle wissen, enorm benachteiligt, weil hier die Natur die biologische Uhr besonders unbarmherzig implantiert hat. Deshalb halte ich es übrigens auch für moralisch verwerflich, Frauen, egal ob klugen oder unklugen, vorzuwerfen, dass sie keine Kinder in die Welt gesetzt haben."
              
          Bei der Frage nach dem Zusammenhang von Sozialstaat und Geburtenrate, der seit Ende der 70er Jahre konstruiert wird, kontert SCHIRRMACHER:
              
          "WamS: Welche Schuld trägt der Sozialstaat am Versiegen ureigenster Fortpflanzungswünsche?
        Schirrmacher: Ich weiß nicht, ob es uns so gefiele, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die auf das Geld aus sind, mit denen der Staat die Kinder honoriert. Außerdem warne ich vor der Diffamierung all derjenigen, die aus welchen Gründen auch immer keine Kinder in die Welt gesetzt haben.
        "
    • SATTLER, Stephan (2004): "Wir müssen uns neu erfinden".
      Frank Schirrmacher fordert energisches Umdenken über das Altern und wirbt für "Das Methusalem-Komplott": die Revolte gegen die Verschwendung der Lebenszeit,
      in: Focus Nr.18 v. 26.04.
      • Kommentar:
        Angeblich soll SCHIRRMACHERs Pamphlet den Abschied vom Jugendwahn eingeleitet und das Denken über das Altern revolutioniert haben.

              
          Man fragt sich doch eher, wie konnte es dazu kommen, dass unsere Elite dieses Thema so lange verhindert hat und nun in einer Form präsentiert, die einem neuen Führerkult das Wort redet.
              
          Lange genug jedenfalls, um in Ruhe einschneidende Reformen durchzuführen, deren Folgen erst in den nächsten Jahrzehnten sichtbar werden. Die eingeleiteten Sozialreformen treffen ja nicht in erster Linie die jetzigen Rentnergenerationen, sondern jene Generation, für die SCHIRRMACHER sich zum Vordenker aufschwingen möchte.
              
          Die Janusköpfigkeit von SCHIRRMACHER zeigt sich im Vergleich des FOCUS-Interviews mit dem WamS-Interview:
              
          "FOCUS: Was müsste dringend ins öffentliche Bewusstsein?
          Schirrmacher: Wir haben eine rückläufige Geburtenrate, wir haben nach wie vor anziehende Sozialsysteme, und wir haben im Süden des Mittelmeers explodierende demographische Entwicklungen. Der Jemen wird von heute 18 Millionen in 50 Jahren auf 140 Millionen Einwohner ansteigen. Das ist Statistik. Sie zeigt unbarmherzig die demographische Entwicklung und damit die ungeheuren Konflikte der Zukunft. Selbst ein Wunder, die massenhafte Zeugung von Kindern in Deutschland, käme – demographisch gesehen – zu spät. Doch bevor die schrumpfenden Generationen nach mir über die Soziallasten verzweifeln und das Problem der Alten einfach abschaffen, sollten wir Wege aus der Gefahr aufzeigen.
        "
              
          Dramatisierer und Weltenretter sind die beiden Rollen, die SCHIRRMACHER zugleich einnimmt...
    • PROFIL (2004): "Als wären wir Affen".
      Frank Schirrmacher, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und Autor des Bestsellers „Das Methusalem-Komplott“, über Altersrassismus, gesellschaftlichen Darwinismus, die Reaktivierung der Lebensfreude und den Generationenkrieg als Urkraft,
      in: Profil Nr.24 v. 14.06.
     
           
       

    Das Methusalem-Komplott (2004).
    Die Menschheit altert in unvorstellbarem Ausmaß. Wir müssen das Problem unseres eigenen Alterns lösen, um das Problem der Welt zu lösen,
    München: Karl Blessing Verlag

     
       
     
     

    Inhaltsverzeichnis

    Sie gehören dazu
    Unsere Zukunft

    Teil 1: Die Heraufkunft der alternden Gesellschaft

    An- und Abfahrtzeiten der Generationen
    Deutschland im Vergleich zur Welt
    Der Krieg der Kulturen
    Der Krieg der Generationen

    Teil 2: Das Komplott

    Das Ende des Jugendkults
    Jugend, Schönheit, Fortpflanzung
    Warum wir uns so schämen, alt zu werden
    Das soziale Altern
    Das ökonomische Altern
    Die Cyber-Jugend
    Die Kosten unseres Sterben
    Das geistige Altern
    Die Methusalem-Generation

    Teil 3: Die Mission

    Hollywood in der Revolte
    Kinderbücher, Witze, Glückwunschkarten
    Entmündigung durch Sprache
    Warum wir uns sogar schuldig fühlen zu altern
    Ein Kampf um den Kopf
    Ratschläge des alten Herzens

    Teil 4: Die neue Selbstdefinition

    Nach uns
    Ein paar Mitverschwörer

    Pressestimmen

    "Für das Hauptproblem scheint Schirrmacher (...) ein binnengesellschaftliches Phänomen zu halten: nämlich jenes Ressentiment, das die Amerikaner »ageism« nennen. In den USA gibt es dieses Phänomen übrigens kaum (...). Könnte es sein, dass der »ageism« ausschließlich in Gesellschaften vorkommt, die weißhaarig und runzlig sind, also eine Form des Selbsthasses darstellt?"
    (Hannes Stein in der Welt vom 20.03.2004)

    "verschwörungsneurotisches Traktat"
    (Hilal Sezgin in der Frankfurter Rundschau vom 24.03.2004)

    "Der Text ist wie eine Predigt aufgebaut: erst die wortreiche Schilderung des kommenden Unheils, dann die ermunternde, moralische Handreichung. Ihr seid auch mit 70 nicht alt, ihr werdet alt gemacht, also wehrt euch - so ungefähr lautet die frohe Botschaft. Doch wo es kompliziert wird (...) findet sich nur Plattes"
    (Stefan Reinecke in der TAZ vom 26.03.2004)

    "das »Ich« des Autors (...) gleicht einem verhinderten Romanhelden der nachnapoleonischen Ära, der noch in der schwarzen Priestersoutane vom roten Offiziersrock träumt."
    (Volker Breidecker in der Süddeutschen Zeitung vom 02.04.2004) 

     
     
     
           
         
       
    • Das Buch in der Debatte

    • STEIN, Hannes (2004): Frank Schirrmacher: Das Methusalem-Komplott,
      in: Welt v. 20.03.
    • SEZGIN, Hilal (2004): Dieses Auto hat noch Saft.
      Hoffnung für Methusalem: Frank Schirrmacher nagelt eine dürre These an die Tore der Altersheime,
      in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 25.03.
    • REINECKE, Stefan (2004): Ohne Zweifel.
      Kassandra in der "Bild"-Zeitung: Der "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher hat entdeckt, dass die Gesellschaft älter wird, und schlägt Alarm. Doch eigentlich versucht er, den Intellektuellen zu retten,
      in: TAZ v. 26.03.
      • Kommentar:
        REINECKE liefert anlässlich der Besprechung von "Das Methusalem-Komplott" zuerst einmal eine oberflächliche Erklärung dafür, warum bestimmte Kategorien zur Zeit populär sind:

              
           "Bücher über Alter und Generation haben derzeit Konjunktur. Die Klasse ist als Ordnungsmuster im Postindustriellen untergegangen, gender mainstreaming wurde inzwischen in die zuständigen Ausschüsse verwiesen. So bleibt das Alter als gesellschaftliches Ordnungsmuster. Beim Alter kann jeder mitreden - offenbar ist dies ein Text, mit dem sich eine individualisierte Massengesellschaft mit sich selbst verständigt. Daher rührt die etwas rätselhafte Inflation von Generationsbüchern."
              
           REINECKE behauptet hier allen Ernstes, dass in Deutschland das individualisierte Milieu die anerkannte Leitkultur sei.
              
           Dies stimmt nur insofern, wenn man alle anderen, die so etwas gar nicht erst lesen, ignoriert. Die Krise des Buchmarkts wäre dann aber nichts anderes als die Krise eines Milieus, das seinen kulturellen Einfluss eingebüsst hat!
              
           Halten wir also fest, REINECKE spricht für eine elitäre Minderheit.
              
           Was der Rezensent ebenfalls noch nicht mitbekommen hat, das ist die Tatsache, dass "Klasse" als Ordnungsmuster gerade seine Renaissance erlebt! So schreibt z.B. der erfolgreiche Historiker und Essayist Paul NOLTE über die "neue Klassengesellschaft".
              
           REINECKE arbeitet sich leider zu allererst an einem "Übervater" SCHIRRMACHER ab, den er deshalb zum "Schrumpftypus eines Intellektuellen" abwerten muss. Dabei bleiben die interessanten Ansätze der Rezension auf der Strecke.
              
           Es sollte bei der Kritik an SCHIRRMACHERs Buch vielmehr in erster Linie darum gehen, inwieweit demographische Szenarien überhaupt Glaubwürdigkeit beanspruchen können. Hierzu merkt REINECKE richtigerweise an:
              
           "Schirrmachers Rhetorik folgt jener der Demographen, die berufsbedingt zum Apokalyptischen neigen: Denn sie beobachten Prozesse, die langfristig und kaum zu ändern sind, außerdem hört ihnen selten jemand zu. Doch ehe man über ihre finsteren Prognosen verzweifelt, sollte man die Studien aus den Siebzigern und Achtzigern aus dem Antiquariat holen. Dort wurde in exakt dem gleichen Katastrophensound ("Zeitbombe Mensch") die Überbevölkerung als unausweichliches Menschheitsschicksal beschworen. Damals waren zu viele Kinder das Unheil, jetzt sind es zu wenige. Alles ist anders, nur die Zukunft sieht noch immer übel aus. Auch deshalb wirken Schirrmachers Dramatisierungsfloskeln so unoriginell."
    • STEIN, Hannes (2004): Bitte, bleiben Sie gesund.
      Frank Schirrmacher richtet sich vorsorglich schon jetzt in dem Altersheim ein, das Europa einmal sein wird,
      in: Welt v. 27.03.
    • BREIDECKER, Volker (2004): Bis zum letzten Superlativ.
      Erfolgreich altern mit Frank Schirrmacher,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 02.04.
      • Kommentar:
        Die Süddeutsche Zeitung hätte eigentlich am wenigsten Anlass über SCHIRRMACHER zu lästern, denn was sich die SZ zu diesem Thema mit der demagogischen Serie über die "Zukunft des Altengesellschaft" geleistet hat, das war wahrlich kein Ruhmesblatt. Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen, das ist alles, was zur stümperhaften Rezension zu schreiben wäre!
    • ESCH, Christian (2004): Sorge Dich nicht, werde Jünger.
      Frank Schirrmacher glaubt, dass alles gut ist. Und es wird noch besser,
      in: Berliner Zeitung v. 05.04.
      • Kommentar:
        ESCH nimmt erst einmal Bezug auf einen Artikel von Gustav SEIBT in der SZ vom 10.08.2002, in dem dieser eine Artikelserie zur "Zukunft der Altengesellschaft" androht.

              
          Diese Bezugnahme ist insofern konsequent, denn SCHIRRMACHERs Klage über zunehmende Altersrassismen in Deutschland lässt sich am besten an der diskriminierenden Schreibe in der Süddeutschen nachweisen.
              
          Ansonsten hat ESCH viele Fragen, z.B.:
              
          "warum nur setzt diese Generation, wenn sie schon zu wenig Kinder hinterlässt, nicht wenigstens bessere Bücher in die Welt?"
    • GÜNTNER, Joachim (2004): Wir Alten müssen zusammenhalten.
      Frank Schirrmacher schmiedet ein "Methusalem-Komplott",
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 10.04.
      • Kommentar:
        GÜNTNER, gerade einmal 3 Jahre jünger als SCHIRRMACHER, vermerkt zuerst einmal, dass selbst das Hamburger Institut für Sozialforschung die Bevölkerungspolitik entdeckt hat, um dann SCHIRRMACHER vom Verdacht, Bevölkerungspolitik betreiben zu wollen, frei zu sprechen.

              
          Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit. SCHIRRMACHER plädiert zwar nicht für eine Bevölkerungspolitik, aber nur deswegen, weil er der fatalistischen Überzeugung ist, dass  Bevölkerungspolitik nicht in der Lage ist, den kommenden demografischen Konflikt einzudämmen.
              
          Dies sehen die Verfechter einer dezidierten Bevölkerungspolitik bekanntlich ganz anders. Indem SCHIRRMACHER den kommenden demografischen Konflikt en detail zum Horrorszenario aufbläht, liefert er den Bevölkerungspolitikern die notwendigen Argumente. SCHIRRMACHER arbeitet damit letztlich den Hardlinern unter den Bevölkerungspolitikern in die Hände.
              
          GÜNTNER sieht im "Methusalem-Komplott" dagegen eine "Initiative zur Positivierung der über das Alter kursierenden Bilder und Selbstbilder."
    • MAYER, Susanne (2004): Unsere teuren Alten. Wir.
      Was hilft gegen Falten und den Krieg der Generationen: Liebe? Hormoncreme? Sozialreform? Eine Suche nach frischen Ideen, 
      in: Die ZEIT Nr.17 v. 15.04.
      • Inhalt:
        "Ein Theologe, ein Zukunftsforscher. Eine Sozialarbeiterin, der Herausgeber einer großen Tageszeitung. Vier Autoren nehmen vier verschiedene Haltungen gegenüber einem Thema ein, das als Problemfeld von globaler Dimension beschrieben wird, so weit herrscht Einigkeit" schreibt Susanne MAYER in ihrer Besprechung von neuen Büchern über die alternde Gesellschaft.
    • KÜHNE, Hartmut (2004): Viel Unruhe im Ruhestand.
      BEVÖLKERUNGSAUFBAU / Frank Schirrmacher will uns auf den „Krieg“ der Generationen vorbereiten. Heute leben die Menschen immer länger. Das schafft neue Konflikte. Der Autor verlangt in schrillen Tönen, das Altern als Chance zu nutzen.
      in: Rheinischer Merkur  Nr.16 v. 15.04.
    • FRIEß, Günther (2004): Das alte Auto.
      In seinem Warnwerk »Das Methusalem-Komplott« führt der alte Kultur- und Klassenkämpfer Frank Schirrmacher Krieg gegen sich selbst,
      in: junge Welt v. 16.04.
    • MÜCHLER, Günter (2004): Frank Schirrmacher: Das Methusalem-Komplott,
      in: Politische Literatur. Sendung des DeutschlandRadio v. 10.05.
    • WIESEMANN, Hans-Olaf (2004): Gesellschaft im Zeitalter erhöhter Langlebigkeit.
      Frank Schirrmachers "Methusalem-Komplott",
      in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr.7/8, Juli-August
      • Kommentar:
        Hans-Olaf WIESEMANN, Jahrgang 1967, begrüßt den Einstellungswandel zum Demografieproblem:

                 "Jetzt ist die demografische Frage, der simultane Geburtenrückgang und Anstieg der Lebensdauer, in das gesellschaftliche Bewusstsein, in die Talkshows unseres Leitmediums Fernsehen, gedrungen. Frank Schirrmachers Buch Das Methusalem-Komplott kommt zur rechten Zeit und trägt zur Versachlichung bei", schreibt WIESEMANN.
                 WIESEMANN ist offensichtlich selbst Opfer dieser Debatte, denn einen "simultanen Geburtenrückgang und Anstieg der Lebensdauer" gibt es in Deutschland nicht.
                 Dies hat kürzlich selbst das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung verlautbaren lassen:
                 "Die bislang für einen westdeutschen Geburtsjahrgang niedrigste endgültige Kinderzahl wird mit 1439 für die 1968 geborenen Frauen geschätzt. Für die danach geborenen Frauen (1969, 1970) erwarten wir mit 1456 bzw. 1472 leichte Anstiege der endgültigen Kinderzahl. Der Rückgang der endgültigen Kinderzahlen, der bereits seit dem Jahrgang 1933 (2224) bestand, ist damit abgeschlossen." (Jürgen DORBRITZ in den BIB-Mitteilungen vom 22.06.2004)
     
       
    • Frank Schirrmacher in der Debatte

    • RUTSCHKY, Michael (2004): Nachfolger des Propheten,
      in: TAZ v. 31.03.
      • Kommentar:
        Michael RUTSCHKY nimmt sich anlässlich des TAGESSPIEGEL-Interviews Frank SCHIRRMACHER zur Brust, der Herwig BIRGs Bevölkerungsprognose völlig unkritisch für  apokalyptische Szenarien übernimmt.

              
          Der  Hermeneutiker RUTSCHKY überlässt BIRG die Hoheit über die Statistik, und greift nur dessen Interpretation an:
              
           "Prof. Birg ist kein selbstkritischer Statistiker. Er ist von Glaubensgewissheit durchdrungen und hat all die kulturkritischen Deutungen parat, mithilfe deren seinesgleichen die Zahlen in die Schrift an der Wand transformieren. Die junge Frau und der junge Mann denken immer nur an sich selbst statt an das deutsche Volk, das sie durch Nachwuchs fortpflanzen sollen. In diesem Egoismus unterstützt sie die moderne Lebensweise, weshalb die finstere Zukunft ganz unabweisbar ist (woraufhin Dr. Schirrmacher wieder einmal die Notwendigkeit einer Revolution, einer geistig-moralischen Wende ausrufen darf).
        Wenn Sie sich mit der Geschichte der Statistik befassen, stoßen Sie regelmäßig auf diese Argumentation. Immer schon gebaren deutsche (französische, italienische usw.) Frauen zu wenige Kinder; die Statistik, wenn sie sich mit diesen Dingen befasst, ist eine nationalistische Wissenschaft. Dabei liegt das Problem nicht darin, dass die Zahlen falsch wären. Das Problem entsteht durch die Interpretation, mit der man die Zahlen aussagekräftig macht, eine Interpretation, die unendlich viele Elemente ganz anderer Art mitverarbeiten muss."

              
           Es ist die typische Kurzsichtigkeit des Hermeneutikers, der vor den Heiligtümern der Statistik zu Kreuze kriecht.
              
           Es geht bei BIRG nicht nur darum, dass seine Interpretationen zu kritisieren wären, bereits die Zahlenakrobatik der Bevölkerungsstatistik an sich ist umstritten.
              
           Und wenn RUTSCHKY dem FAZ-Herausgeber seinen Neokatholizismus vorhält, dann hat er bereits übersehen, dass es in Deutschland eine katholische Bevölkerungsstatistik gibt! Dazu wird es an anderer Stelle mehr geben.
    • MIERSCH, Michael & Dirk MAXEINER (2004): Das Methusalem-Kompott,
      in: Welt v. 31.03.
      • Kommentar:
        Die Single-Generation hat eine Dutzend Weltuntergänge überlebt, weshalb sie nun immun ist gegen Apokalyptiker à la SCHIRRMEISTER (d.h. gegen Untergangspropheten aus ihren eigenen Reihen):

              
           "Sehr präsent ist uns noch ein Bestseller der sechziger Jahre: »Die Bevölkerungsbombe«. Paul Ehrlich beklagte darin die rasante Zunahme der Kinderzahl und sagte todsicher voraus, dass die Hälfte der Menschheit verhungern würde. (...). Ach ja, das Aussterben der Deutschen durch Aids war in den Schlagzeilen von1985 beschlossene Sache. Nun, wir leben, der Wald ist noch da und die Sowjetunion weg, was soll noch kommen? Natürlich Frank Schirrmacher.
        Der Herausgeber der »Frankfurter Allgemeinen« hat ein Buch geschrieben und via »Bild«-Zeitung mit Flammenschrift unters Volk gebracht. Es heißt "Das Methusalem-Komplott" könnte aber auch frei nach Paul Ehrlich »Die Bevölkerungsbombe, Teil 2« heißen. Allerdings knallt die Bombe jetzt ganz anders: Schirrmacher beklagt die rasante Abnahme der Bevölkerung. Irgendwie schließt sich da ein Kreis (...). Der Geburtenrückgang in vielen, vor allem westlichen Ländern (also etwas, was man sich früher gewünscht hat), führt jetzt angeblich direkt ins Verderben.", schreibt das Duo ganz unbeeindruckt.
    • ECONOMIST (2004): Old dogs, new tricks?
      German demography: Debating population policy is no longer tabu,
      in: The Economist v. 14.05.
      • Kommentar:
        "
        After half a century of obscurity, population issues are resurfacing in headlines, bestseller lists and talk shows", lobt der britische Economist die Enttabuisierung der Bevölkerungspolitik durch die Mitte-Eliten.
              
          Single-generation.de hat bereits vor 2 Jahren darauf hingewiesen, dass mit dem Pflegeurteil des Bundesverfassungsgericht in Deutschland faktisch Bevölkerungspolitik betrieben wird.
              
          Die Enttabuisierung der Bevölkerungspolitik hat single-dasein.de bereits im Jahr 2002 prognostiziert.
              
          Der nächste, konsequente Schritt ist die Forcierung der Kontroverse Familien contra Singles.
              
          Die "nachhaltige Familienpolitik", die Kinderlosigkeit als Problem definiert muss entschieden gegen Kinderlose Front machen, wenn sie ihr Ziel erreichen will.
              
          Im Economist werden das Berlin-Institut und Frank SCHIRRMACHERs Buch "Methusalem-Komplott" als Schrittmacher der bevölkerungspolitischen Debatte gewürdigt.
              
          Das im Herbst erscheinende Buch "Die Altenrepublik" von Elisabeth NIEJAHR wird ebenfalls in diese Reihe gestellt.
    • ULRICH, Bernd (2004): Jetzt sind wir dran.
      Frank Schirrmacher schmiedet das "Methusalem-Komplott". Aber die 40-Jährigen sind keine Opfer, sondern Gewinner,
      in: Die ZEIT Nr.19 v.  29.04.
      • Kommentar:
        Bernd ULRICH kocht einen Eintopf aus ein bisschen Martin SCHACHT "Die ewige Zielgruppe" und zuviel 78er-Philosophie à la Reinhard MOHR, Matthias POLITYCKI und Tilman KRAUSE. Nicht zuletzt die Gestaltung der Wende zum Weniger.

              
          Heraus kommt leider nichts Stimmiges. Den 78ern als Zwischengeneration zwischen den 68ern und der Generation Golf fehlt die Masse, um jene Macht zu erlangen, die ihnen ULRICH andichtet. SCHACHT hat dagegen 78er und Generation Golf zur machtvollen Kaufkraftgruppe zusammengefasst.
              
          Die Generation Golf schickt ULRICH ins gemütliche MONOPOL-Abseits:
              
          "Nie waren sich die 68er und ihre ewigen Plagegeister, also wir, so nahe wie nach Erfindung der Generation Golf. Dann kamen Börsenkrach und Medienkrise. Die Jungunternehmer gingen Pleite, und seit dem 11. September 2001 sind wieder Ernst und Geschichte gefragt. Von dieser Wende hat sich die Generation Golf bis heute nicht erholt. Ihr Vormann Illies hat ein verspätetes Start-up-Unternehmen, eine Zeitschrift für Kunst, gegründet – eine mutige Entscheidung, aber auch ein Signal: Seine Generation hat den Kampf um das Zentrum der Gesellschaft und um die geistige Hegemonie vorerst aufgegeben. Dabei sein reicht ihr."
              
          Was an Bernd ULRICH gewaltig nervt, das ist der Versuch den demografischen Wandel als unabänderliche Tatsache darzustellen, der angeblich zum alternativlosen Handeln zwingt.
              
          Politik wird hier entpolitisiert, bzw. zur Sache einer verschworenen Elite stilisiert. Single-dasein.de zeigt jedoch, dass bereits der demografische Wandel ein Mythos ist, der mit neuen Denkverboten einhergeht.
              
          Ach ja, es sollte ja um Frank SCHIRRMACHER gehen. Den nimmt ULRICH jedoch nur zum Anlass um sein eigenes Süppchen zu kochen. Ganz unrecht hat er ja nicht, wenn er schreibt:
              
          "Frank Schirrmacher wirft sich namens unserer Generation in die Opferrolle. Und das zu einem Zeitpunkt, da das krasse Gegenteil der Fall ist. Die Mittvierziger werden gerade dominant. Sie erobern Machtzentralen und Multiplikatorenrollen, sie gehen in die Spitze und in die Breite. Mit einem Wort: Sie werden zur herrschenden Generation. "
    • KNIPPHALS, Dirk (2004): Die Neue Übersichtlichkeit.
      Der Schwanengesang eines Claus Koch, der Lackmustest eines Jürgen Habermas und der Auftritt eines Frank Schirrmacher bei "Verstehen Sie Spaß?": Ein Versuch über die veränderte Rolle des kritischen Intellektuellen in der zeitgenössischen Gesellschaft,
      in: TAZ v. 07.06.
      • Inhalt:
        KNIPPHALS beschäftigt sich u.a. mit Frank SCHIRRMACHER:

              
          "Die Riesendemonstrationen gegen den Irakkrieg und auch gegen die Agenda 2010 beweisen eher, dass es inzwischen keine universalen Intellektuellen mehr braucht, um sich zu engagieren und zu empören. Vielmehr muss heute jeder kritische Intellektuelle mit der Gefahr umgehen, nur noch offene Türen einzurennen. Dafür hat es neulich ein schlagendes und auch lustiges Beispiel gegeben: Frank Schirrmachers unfreiwilliger Auftritt bei der Fernsehsendung »Verstehen Sie Spaß?«. Von den Feuilletons war der Herausgeber der FAZ ja sehr dafür gescholten worden, dass sein neues Buch »Der Methusalem-Komplex« sich geradezu wie eine Parodie auf die Figur des leidenschaftlichen universalen Intellektuellen liest.
        Tatsächlich enthält das Buch vom notwendigen Bewusstseinswandel bis hin zum Untergangsszenario alle Gassenhauer aus den einschlägigen diskursiven Arsenalen, grundiert mit allen Stilmitteln einer Wachrüttelrhetorik. (...). Und dem Publikum gefällts: Das Buch ist ein Riesenerfolg. Aber dass man sich mit der Pose eines einsamen Rufers in der Wüste inzwischen den Promistatus erarbeiten kann, der es einem erlaubt, sich von einer zentralen Fernsehsendung der Spaßgesellschaft verarschen zu lassen, das verdient doch als bemerkenswert festgehalten zu werden. Der kritische Intellektuelle auf einer Höhe mit Rennfahrern und Popsängerinnen! Ob das zu einer neuen Gelassenheit der Intellektuellen ihrer gesellschaftlichen Rolle gegenüber beiträgt? Unwahrscheinlich.
        "
    • BECK, Ulrich (2004): Von Freunden umzingelt.
      Deutschlands Misere in europäischer Perspektive
      Am Beispiel Deutschlands und seiner derzeitigen Befindlichkeiten lässt sich studieren, wie falsch es wäre, die drängenden gesellschaftlichen Probleme - Arbeitslosigkeit, Alterssicherung, Migration - im Rahmen nationalstaatlicher Konzepte anzugehen. Es gilt, einen europäischen, einen kosmopolitischen Realismus zu entwickeln,

      in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.06.
      • Kommentar:
        Der Münchner Soziologe Ulrich BECK verabschiedet sich vom kurzen Traum immerwährender bürgernaher Subpolitik und definiert nun den Bürger als politischen Störfaktor, der durch eine europäische Politik eliminiert werden soll. Als Beispiel einer solchen  bürgerfeindlichen Politik beschreibt BECK das Feld der Demografiepolitik:

              
          "Weder ist der Bevölkerungsrückgang das nationale Problem einzelner Gesellschaften (wie das bis jetzt sowohl bevölkerungswissenschaftlich als auch öffentlich-politisch diskutiert wird, im Banne des «methodologischen Nationalismus»), noch kann es im nationalen Alleingang angemessen gelöst werden. Wohin man schaut, dieselbe Situation überall in Europa. Die Überalterung droht, die Rentensysteme funktionieren nicht mehr, aber die notwendigen Reformen werden durch den organisierten Widerstand der betroffenen Gruppen blockiert.
        Ein wichtiger Schritt vorwärts aus dieser Falle könnte darin liegen, den Zusammenhang von Bevölkerungsrückgang, alternder Gesellschaft, notwendigen Reformen der sozialen Sicherungssysteme und einer gezielten Migrationspolitik als ein europäisches Problem zu definieren und kooperativ zu bearbeiten. Alle Regierungen, die sich in der nationalen Sackgasse mit Scheinlösungen begnügen müssen, können davon profitieren: Angenommen, es würde ein EU-Konzept entwickelt und verabschiedet, wie die Probleme Alterssicherung und Migration angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung angegangen werden können und sollen. Dieses Vorhaben würde die nationalen Regierungen entlasten."

              
          Wenn Ulrich BECK das Buch "Methusalem-Komplott" von Frank SCHIRRMACHER zur "Deutschland erwache!"-Literatur zählt, dann könnte man BECKs Ausführungen zur Kategorie "Europa erwache!"-Literatur" zählen. Beide Kategorien ziehen ihre Legitimation aus Horrorszenarien, deren Realitätsgehalt mehr als fragwürdig ist.
    • PLATH, Jörg (2004): Nur keine Angst!
      Was kommt nach dem "Methusalem"-Komplott? Schöne Aussichten für die Alten, sagen Experten,
      in: Tagesspiegel v. 29.06.
     
       

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    webmaster@single-generation.de Erstellt: 22. März 2004
    Update: 24. Dezember 2007
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