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- MATZIG,
Gerhard (2001): Die Carrera-Bahn.
Teil 29 der Serie
"Das war die BRD",
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.07
- MATZIG, Gerhard (2001): Die
Obszönen einer Ehe.
Die Deutschen sterben aus - und schuld daran sind all die
dummen Familien-Klischees der Werbewirtschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.08.
- MATZIG, Gerhard
(2003): Ein Fall von Auszehrung.
Die Pendlerpauschale und die Pathologie der Städte,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.09.
- Inhalt:
MATZIG beschreibt die
Pendlergesellschaft am
Beispiel von Haidhausen als Folge falscher steuerlicher
Anreize:
"Zur
Zeit pendeln in Deutschland mehr als 25 Millionen täglich.
Ein Blick auf einen exemplarischen Fall: (...) Haidhausen,
das war einmal ein wahres Suburbia – ein Ort, weit draußen
vor der Tür zur zivilen Stadtgesellschaft. Wer es sich
leisten konnte, wohnte in der Stadt, nicht an deren Rändern.
Heute markiert Haidhausen nicht mehr den geografischen oder
gesellschaftlichen Rand der Münchner Stadtwelt, sondern
eines ihrer gewichtigen Zentren. Doch wer es sich leisten
kann, wohnt nicht mehr im Zentrum, sondern an den Rändern
der Stadt. Also irgendwo in jenen Münchner Vororthöllen, die
sich vor Zuzug kaum retten können, während ein vitales
Zentrum wie Haidhausen allmählich verödet. Familien befinden
sich hier nurmehr im transitorischen Zwischenraum der
Hypothekendarlehen-Entwicklung."
Als Konsequenz beschreibt MATZIG eine
sozialräumliche Segmentierung mit schrumpfenden und
polarisierten Städte sowie ausufernde Vorstädte:
Ohne eine Trendwende leben
womöglich in den deutschen Stadtkernen in einer gar nicht so
fernen Zukunft nur noch Superreiche, Singles – oder
Superarme. Die Finanz- und Gesellschafts-Normalität wird in
den Städten nicht mehr anzutreffen sein. (...).
Auf Dauer führt dies zur Auszehrung der Städte und zugleich
zur Pathologie der Vorstädte, deren Krankheitsbild bestimmt
wird von kultureller Trägheit, unkontrollierbaren
Wucherungen und ökologischem Wahnsinn."
- MATZIG, Gerhard
(2004): Vom Ende der Zukunft.
Heimatfilme,
Schuluniformen, Benimm-Fibeln: Die Ästhetik der
heranziehenden Gerontokratie ist der Nostalgie gewidmet –
und der Angst,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.02.
- Inhalt:
MATZIG sieht in Deutschland ein neues
Biedermeier anbrechen:
"Die
Welt – und darin ganz besonders Deutschland, wo die
Biedermeier-Legende von der
»guten alten Zeit« (W. H. Riehl) erfunden und sogleich
patentiert wurde, Deutschland scheint sich in einen
gigantischen, absurden Autorückspiegel zu verwandeln.
Deutschland kann man sich immer besser vorstellen als eine
Novalis-hafte Blumentapete, als geistige Draperie einer
vorgeblich heilen, heiteren Vergangenheit."
Die
Rückwärtsgewandtheit ist für MATZIG ein Angst-Reflex, der
den Blick auf die
Herausforderungen einer alternden
Gesellschaft verstellt:
"Der
Sehnsuchts-Traditionalismus ist dabei nichts anderes als ein
ästhetischer Angst-Reflex. Angst vor dem Fortschritt, Angst
vor neuen Kommunikations- und Kulturtechniken, Angst vor
offenen Grenzen, Angst vor ökonomischen Verschiebungen. Mit
einem Wort:
Angst vor der Zukunft. Und zugleich ist die
neobiedermeierliche Restauration ein Symptom der
Alters-Depression.
Dabei müssten wir eher Angst vor einer im Wortsinn »alten«,
folglich zukunftslosen Welt haben: also vor der
heranziehenden Gerontokratie, deren ästhetische
Sehnsuchts-Parodien schon jetzt bildhaft werden – als
Rückspiegelbild des Todes statt des Lebens."
- MATZIG, Gerhard (2004): Ohne
Kindheit, ohne Alter.
Das dauererwachsene Leben zwischen Lego und Rheumadecka,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.10.
- Inhalt:
MATZIG erklärt uns, dass die All-Age-Produkte
der Warengesellschaft eine All-Age-Gesellschaft
hervorbringt.
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MATZIG, Gerhard (2005): Rollenspiele der
All-Age-Gesellschaft.
Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet.
Ehe, Kinder, Bausparvertrag: Die jungen "Neocons" sind die
Antwort auf 50-jährige, die nicht erwachsen werden wollen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.02.
- Kommentar:
"Die erschreckenden Studien wissen von
immer mehr 25-jährigen Akademikerinnen, die ihren Platz am
heimischen Herd und bei Aufzucht und Hege der lieben
Kleinen sehen; die glauben, ihre ökonomische
Unabhängigkeit auch deshalb ohne weiteres aufgeben zu
können, weil ihre Generation in joblosen Zeiten wie diesen
gar keine Freiheit mehr erwerben könne.
Passend dazu wird von immer mehr 27-jährigen Männern
erzählt, die sich in härtere Karrieren fügen, weil ihnen
die Frauen zuhause »den Rücken frei halten«",
behauptet MATZIG.
Vielleicht lässt sich
hier noch der bescheidene Anfang eines neuen Topos von der
Rückkehr des "Heimchen am Herd" zurück verfolgen.
Die bürgerliche
Neocon-Familie ist zuerst mit einem eher
unverbindlich
gehaltenen Manifest aus dem Jahr 1999 ins Feuilleton
gelangt (single-dasein.de
merkte dazu an: Heiraten wird zu einem Akt der
Rebellion und zum Statussymbol der Neuen Mitte).
Erst
vom SPIEGEL nur proklamiert, dann von
Joachim
BESSING in Form eines Hilferufs eingefordert, und vor
kurzem von
Tissy BRUNS u.a. mit Verweis auf single-generation.de
als Faktum beschrieben, wird die Neocon-Familie nun von
MATZIG unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Studien
quasi als selbst erfüllende Prophezeiung festgeschrieben.
Wir werden wohl nicht lange auf die nächste Runde
in diesem Kampf der Lebensstile warten müssen.
Als Gründe für das
Aufkommen der jungen Neocons nennt MATZIG zum einen die
ökonomische Situation und
zum anderen das Generationenspiel, in dem der Jugend
nichts anderes als Distinktionsmöglichkeit übrig bleibt
als das Spießertum des Neocons:
"Wenn die Alten jung sind,
mögen sich die Jungen zu Recht sagen, dann müssen wir eben
alt sein. Gegen die behauptete Jugendlichkeit und
künstliche Unkonventionalität helfen als einzig
verbliebene Distinktionsmöglichkeit nur die behauptete
Konventionalität und die künstliche Alterung."
Claudius SEIDLs Buch
"schöne junge welt", das
gerade erschienen ist, gilt MATZIG als Beweis für das
Vorhandensein von orientierungslosen 30- bis 50-Jährigen
in einer entgrenzten All-Age-Gesellschaft.
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MATZIG, Gerhard (2005): Eltern gegen Kinderlose.
Der große Graben (6).Der Krieg der Köpfe: Norm und Normalität
Familienmenschen und Singles, Kinderlose und Kinderhabende: Auch
abseits der Fragen zu Kleinkindbetreuung und Rentensicherung gehört
der Streit um das Thema Kinder zu den jämmerlichsten Fehlleistungen
der Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.09.
- Kommentar:
Gerhard MATZIG liefert einen
Frontbericht der besonderen Art. Es hätte gute Ansätze gegeben.
Endlich hätte das sozialpopulistische Konstrukt
"Single-Gesellschaft" grundlegend hinterfragt werden können. Aber so
mutig ist MATZIG nicht!
"Das
negativ besetzte, übrigens völlig unscharfe Wort
»Singlegesellschaft« ist genau wie der negativ besetzte Begriff
»Rabenmutter« eine deutsche Schöpfung",
erklärt uns MATZIG.
Dies
ist falsch! Lange bevor Ulrich BECK den Begriff
"Single-Gesellschaft" in die deutsche Debatte einführte, erschien in
der
US-amerikanischen NEWSWEEK ein
Bericht über die Single-Gesellschaft ("singles-oriented society",
16.07.1973).
Richtig
ist dagegen, dass nirgendwo ein derart verbissener, geradezu
eschatologischer Kampf von Elternlobbyisten gegen Kinderlose geführt
wird.
Für
die Schweiz hat der Soziologe
François HÖPFLINGER schon vor Jahren festgestellt, dass dieser
Kulturgraben zwischen der deutsch- und
französisch-/italienischsprachigen Schweiz - also entlang der
Sprachgrenzen - verläuft.
Es
wäre also völlig falsch, anzunehmen, dass die jetzige Situation
neuartig - gerne auch von den 68ern verursacht - sei.
Die
Wurzeln dieses Kulturkampfes müssen wahrscheinlich in der Weimarer
Republik, oder noch früher gesucht werden.
MATZIG
rollt nochmals die
Medien-Story um Paul KIRCHHOFs Kinderglück
auf. Auch die Stern-Titelgeschichte über das
"Land ohne Kinder" fehlt nicht (NIEJAHRs
ZEIT-Porträt über Doris SCHRÖDER-KÖPF war wohl zu aktuell) fehlt
nicht. Selbst der
Sommerloch-Weltwoche-Artikel "Kinderwahnsinn"
über selbstgefällige Eltern (übrigens keine deutsche, sondern ein
britische Erfindung. Dort läuft diese "smuged parents"-Debatte schon
länger).
Das
ist höchstens für die schlecht informierte SZ-Leserschaft
interessant, für single-dasein.de-Leser ist das alles schon
bekannt.
Dass
MATZIG ein bisschen über den
Bestseller von Frank SCHIRRMACHER
nörgelt (Pseudo-Abgrenzung!),
Susanne MAYERs Kinderland-Buch
heraushebt, dies führt dann direkt zu der Mainstream-Meinung von
MATZIG:
"Schon
in wenigen Jahren werden wir also ein gigantisches Seniorenstift
bewohnen, in dem Kinder aufgrund ihrer Exotik entweder beschützt
oder bedroht sein werden."
Dagegen
kein Wort darüber, dass Eltern in den mittleren Lebensjahren die
absolute Mehrheit (enger Familienhaushaltsbegriff), sogar die
Zwei-Drittel-Mehrheit (weiter haushaltsübergreifender
Familienbegriff) stellen. Kein Wort darüber, dass Familie die
statistische Norm ist, d.h. Normalität und Normativität auf Seiten
der Eltern ist.
Die
Single-Gesellschaft ist ein Produkt der herrschenden Single-Lüge.
Darüber
kann auch MATZIGs "Touran"-Werbungsbeispiel nicht hinwegtäuschen.
Das hysterische Reden über die kinderlose Gesellschaft ist Ausdruck
des neuen Familienfundamentalismus.
Der
Soziologe Karl Otto HONDRICH spricht hier von der
"demografischen
Gefahrenbeschwörungsgemeinschaft".
Ach
ja, MATZIG ist hinsichtlich der Akademikerinnen-Kinderlosigkeit
reichlich desinformiert, denn er braucht auch noch einen
politisch korrekten Skandal:
"42
Prozent der deutschen Frauen mit Hochschulausbildung haben keine
Kinder. In Schweden sind es acht Prozent. Das ist der
eigentliche Skandal."
Der
eigentliche Skandal ist, dass dies in einer angeblichen
Qualitätszeitung steht.
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MATZIG, Gerhard (2006): Wo bleibt die Renaissance der Stadt?
Der Exodus der Familien dauert an, denn in den Zentren
gibt es nach wie vor zu wenige kinderfreundliche und
bezahlbare Wohnungen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.09.
- MATZIG,
Gerhard (2006): Das Individuum schlägt zurück.
Selbstverwirklichung im Städtebau: Die "Townhouses" in
Berlin-Mitte beantworten die Frage nach der Zukunft der
Stadt so radikal wie selbstverliebt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.09.
- Anmerkung:
Das Thema Family-Gentrifizierung,
das single-generation.de bereits im März 2002 als
neuen Trend beschrieben hat, ist nun auch im Feuilleton
angekommen.
Gerhard
MATZIG schreibt über die Berliner Stadthäuser, die
Ausdruck einer Renaissance der Stadt sind:
"Weil
(...) Suburbia »das Personal ausgeht« (Hartmut Häußermann),
vor allem die Frauen nämlich, die ihre Zeit nicht länger
als Taxidienstleister der Kinder vergeuden wollen,
weil der Pendelterror der Feinstaubfreunde unbezahlbar
wird, weil eine überalterte Gesellschaft aus den
verwaisten Vorstadtghettos wieder zurück in die Zentren
drängt - und weil sogar immer mehr Familien in die Stadt
der kurzen, flexiblen, leichter zu organisierenden Wege
ziehen wollen: deshalb steht der Stadt als Wohn- und
Arbeitsort tatsächlich eine auch geistig gemeinte
Renaissance bevor."
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MATZIG, Gerhard (2007): Ich mache was mit Medien.
Eine neue Gesellschaftsklasse, die "digitale Bohème",
will das Erbe von Kunst, Kultur und Intellekt antreten -
aber die "Kreativen" verwechseln Geist und Ökonomie,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 27.08.
- Inhalt:
"Es
ist (...) folgerichtig, dass der soeben zu Ende gegangene
Hauptstadtkongress zur Zukunft der »digitalen Bohème« mit
dem ironischen Titel: »9 to 5 -
Wir nennen es
Arbeit« versehen war. Denn nichts ist so arbeitsintensiv
wie das Branding einer neuen Klasse. Nichts ist so schwer
herzustellen wie der Eindruck des Leichten",
lästert MATZIG.
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MATZIG, Gerhard (2008): Reiche Stadt, armes Land.
Der "Neue Urbanismus" dient der Exklusionsgesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.06.
- Inhalt:
Gerhard MATZIG beklagt, dass der
"neue Urbanismus" in Städten wie München, Berlin,
Stuttgart und Dresden nur noch von den einkommensstarken
Eliten bezahlt werden kann.
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Neu:
MATZIG, Gerhard (2009): Am Start.
Vier Jahre lang Grundschule im staatlich apokalyptischen
Bildungssystem, vier Jahre Zittern und Bangen und Hoffen:
eine Bilanz,
in:
Süddeutsche Zeitung
v. 16.05.
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