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Helmut
Böttiger: Nach den Utopien
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Aktuellster
Beitrag
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Helmut Böttiger
in seiner eigenen Schreibe
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- BÖTTIGER,
Helmut (1989): Das Buch vom Scheitern.
Sten Nadolny
versucht sich am großen Zeitroman,
in: Stuttgarter
Zeitung v. 12.04.
- BÖTTIGER,
Helmut (2002): Die bleierne Teilzeit.
Versager
unter sich: Die Generation der 78er leckt ihre
Wunden. Ein Klassentreffen auf Schloss Elmau,
in: Tagesspiegel
v. 04.05.
- BÖTTIGER, Helmut (2003): Spiel
doch mit den Zonenkindern,
in: Tagesspiegel v. 23.02.
- Inhalt:
Helmut BÖTTIGER beschreibt die
anschwellende Zonenkinder-Literatur:
"Thomas
Brussigs »Helden wie wir«
hatte bei allem Klamauk durchaus auch noch satirische Züge.
Spätestens
Leander Haußmanns
»Sonnenallee«-Verfilmung
machte dann jedoch das allgemeine Menschenrecht auf eine
unbeschwerte Jugend kenntlich. Der Osten war nicht nur rot,
er war vor allem auch immer jung. Und diese Erkenntnis brach
sich in den letzten zwei Jahren literarisch breitflächig
Bahn. Viele von denen, die 1989 mitten in der Pubertät
erwischt wurden, führen jetzt in ihren Debüts und frühen
Schriften die DDR als bunte Spielwiese vor. Die
Materialsammlung
»Zonenkinder«
von Jana Hensel hat die
Marktlücke am effektivsten besetzt: Good-Bye, Lenin!"
-
BÖTTIGER, Helmut (2003): Anwalt kleinster Dinge.
Eine Laudatio auf den Erzähler Wilhelm Genazino, der in
Berlin mit dem Fontane-Preis 2003 ausgezeichnet wurde,
in: Welt v. 25.04.
- BÖTTIGER, Helmut (2003): Über
dem Abgrund der Angestellten,
in: Tagesspiegel v. 27.04.
- Kommentar:
BÖTTIGER, der die Laudatio auf den
Fontane-Preisträger Wilhem GENAZINO gehalten hat, würdigt
hier die Abschaffel-Trilogie (1977-1979), die nun neu
aufgelegt wurde.
Das
Thema des Monats Mai ist
Singles und ihren Ängsten
gewidmet. U. a. werden am Beispiel des allein lebenden
Angestellten Abschaffel soziale Ängste und ihre Folgen
dargestellt.
Es
geht dabei um Singles, die sich durch Ängste in ihrem
Lebensentwurf und ihrer Lebensführung eingeschränkt
fühlen.
GENAZINO
ist einer der wenigen Schriftsteller, der Menschen
jenseits der Alten bzw. Neuen Mitte beschreibt. Was
passiert, wenn die jugendlichen Träume vom Leben als
Popstar oder Popjournalist nicht in Erfüllung gehen? Wenn
der Schulabschluss nicht die Tür für eine Spaßarbeit
öffnet, sondern unterfordert?
GENAZINOs
Figuren sind angesiedelt an der Bruchstelle zwischen der
alten Mangel- und der neuen Konsumgesellschaft. Das
Elternhaus ist keine Hilfe beim Bewältigen des Alltags in
der neuen Republik, ganz im Gegenteil hindert die
Ausstattung mit Ängsten die Anpassung an die neuen
Bedingungen. Abschaffel bleibt aufgrund seiner Ängste
hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Der
Zusammenbruch der New Economy,
die
Arbeitsmarktreformen
und die Sozialreformen werden für viele Singles Anpassung
an neue Bedingungen bedeuten. GENAZINOs
Abschaffel-Trilogie ist deshalb aktueller denn je.
Der
neue Roman von GENAZINO
"Eine Frau, eine
Wohnung, ein Roman" nimmt das Abschaffel-Thema wieder
auf. Diesmal ist der jugendliche Protagonist jedoch noch
kein ausgesprochener Pessimist wie Abschaffel, sondern er
befindet sich an der Schwelle der Entscheidung.
- BÖTTIGER, Helmut (2003): Die
Verpackungsindustrie.
Wenn ein Schriftsteller heute Erfolg haben will, muss er mit den
Medien spielen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer,
in: Tagesspiegel v. 14.09.
- Inhalt:
Helmut BÖTTIGER erläutert u.a. am Beispiel von
Matthias POLITYCKIs "Weiberroman" und anhand der Popliteraten die
Mechanismen des Buchmarkts.
-
BÖTTIGER, Helmut (2004): Nach dem Pop.
Hält Literatur
nicht mehr über den Tag hinaus? Ist alles seicht und bald
vorbei? Ein Essay über die Halbwertszeit des Schönen,
in: Die ZEIT Nr.4 v. 15.01.
- Kommentar:
BÖTTIGER versucht die
Gegenwartsliteratur zu ordnen, das gerät ihm in erster
Linie zu einer verspäteten Kritik an
Moritz BAßLERs "Broschüre"(!) "Der
deutsche Pop-Roman". BÖTTIGER kritisiert dessen
Popbegriff:
"Popliteratur
heute auf das zu reduzieren, was Andy Warhol bereits in
den sechziger Jahren mit seiner Campbell-Soup-Dose
praktizierte, ist dürftig. Von
Rolf Dieter
Brinkmann über Hubert
Fichte bis zu
Meinecke,
Röggla,
Rainald Goetz
oder Andreas
Neumeister zieht sich eine Linie, die bei Baßler gar
nicht existiert und auf die der Begriff Pop gleichfalls
zutrifft: Da geht es um die Intensität des gelebten
Augenblicks, um Musik, um ein emphatisches Daseinsgefühl –
aber auch um die Vermitteltheit dieses Augenblicks.
Rainald Goetz etwa steht immer gleichzeitig daneben, wenn
er seine Apotheosen des Jetzt inszeniert."
BÖTTIGER verteidigt die
kritische SUHRKAMP-Literatur von
Thomas
MEINECKEs "Mode & Verzeiflung" bis
Rainald GOETZ
gegen die affirmative
Tristesse Royale
der Generation Golf.
Von Acid
nach Adlon und zurück sozusagen.
Am Ende proklamiert
BÖTTIGER den neuesten Hype, der die
"spezifisch
deutsche Kluft zwischen Kritiker und Schriftsteller"
wieder herstellen möchte:
"So wurde in letzter
Zeit der Rang von Schriftstellern wie Reinhard Jirgl,
Ulrich Peltzer, Ernst-Wilhelm Händler oder
Wilhelm Genazino
immer mehr erkannt. Sie agieren unabhängig von den
Diskursvorgaben. Sie brauchten Jahre, um ihre Sprache zu
entwickeln. Sie sprechen unwiderlegbar im Jetzt, aber es
ist ein erkennbar anderes. Langsam wächst das Bewusstsein
dafür, dass es einen Unterschied gibt zwischen Literatur
und Medienkompetenz."
Eine
literatursoziologische Perspektive fehlt in dieser
Pop-Debatte. Gerade die Soziologie müsste an der
Popliteratur besonders interessiert sein.
Der Soziologe Stefan HRADIL weist
der Literatur jedenfalls neuerdings eine "seismografische
Qualität" zu:
"Alltagsbeobachtungen
sensibler Beobachter, die Darstellungen in Medien, in der
Literatur und in den Künsten. Sie (...) weisen oft sehr
frühzeitig auf gesellschaftliche Veränderungen hin. Häufig
viel früher als die notwendigerweise schwerfällige
empirische Sozialforschung, die Entwicklungen erst dann
registriert, wenn sie zu unübersehbaren
Massenerscheinungen geworden sind" (2003).
-
BÖTTIGER, Helmut (2005): Deutsche Wut und rechter Terror.
Uwe Tellkamp zwiespältiger Elite-Thriller "Der Eisvogel",
in: Literaturbeilage der ZEIT Nr.12 v. 17.03.
-
BÖTTIGER, Helmut (2005): Uwe Tellkamp: Der Eisvogel,
in: DeutschlandRadio v. 18.03.
- BÖTTIGER, Helmut (2005):
Unplugged in Göttingen,
in: Tagesspiegel v. 24.04.
- Inhalt:
"Überhaupt
scheint es so, dass in Texten von Musikgruppen, ob
»Blumfeld« oder
»Tocotronic«,
etwas eingefangen ist, was bei den gehätschelten
literarischen Debütanten häufig fehlt",
meint Helmut BÖTTIGER.
- Neu:
BÖTTIGER, Helmut (2005): Und immer wird gerade jemand
anderes geküsst.
Arm an Erfahrung und handwerklich solide geschult: Warum
die deutsche Gegenwartsliteratur so brav, ordentlich und
monoton ist,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.07.
- Kommentar:
Helmut BÖTTIGER hat einen Gedanken
aus seinem
Tagesspiegel-Text
zum Fest des 5jährigen Bestehens des Göttinger
Literarischen Zentrums in der SZ ausgeweitet.
BÖTTIGER konfrontiert
die
"Frauenliteratur" à la
Judith HERMANN mit der Männerlyrik von
Blumfeld,
Tocotronic und
Rocko Schamoni. Dabei
sehen die Frauen alt aus.
BÖTTIGER kann hier nichts
falsch machen, denn er wiederholt nur das unisono zu
vernehmende
Klagenfurt-Lamento und kombiniert es mit dem nervenden
68er-Gestus, dass
nach diesen letzten Heroen hierzulande keine
Generation mehr Erfahrungen aufzuweisen hat.
Literaturkritik, die
genauso brav daher kommt wie die Literatur, die sie zu
kritisieren vorgibt, steht in der sattsam bekannten
Tradition jener blassen 78er, die sich zur Zeit um
Matthias POLITYCKI
scharen.
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Nach den
Utopien (2004).
Eine Geschichte der deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur
Wien:
Zolnay (erscheint
voraussichtlich im März)
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Klappentext
"Eine neue Generation
deutschsprachiger Schriftsteller hat sich in den
neunziger Jahren etabliert und sowohl die Literatur
als auch das literarische Leben des vereinigten
Deutschland wesentlich verändert. Helmut Böttiger,
lange Jahre Redakteur der
»Frankfurter Rundschau« und nun Autor und Kritiker in Berlin,
wagt jetzt als Erster einen Überblick, der von der
Wende bis in die Gegenwart reicht."
Pressestimmen
"Böttigers
Säulenheilige heißen Robert Walser, Franz Kafka und
Paul Celan, und herausragende Literatur, liest man
gleich auf den ersten Seiten, müsse auf dem
Eigensinn der Sprache beharren, nämlich tendenziell
unverständlich bleiben.
Mit dem Schreiben der Postmoderne dürfte dieses
exklusiv-hermetische Literaturverständnis einige
Schwierigkeiten haben. Und so ist es nicht
verwunderlich, dass Helmut Böttiger für die
Sehnsucht zeitgenössischer Autoren nach klassischen
Geschichten letztlich ebenso wenig Verständnis
aufbringt wie für die Machart postmoderner
Literatur."
(Michaela Kopp-Marx in der
Frankfurter Rundschau vom 13.05.2004)
"Neu ist es
zwar nicht, die Gegenwartsliteratur mit der
»Gruppe 47« beginnen zu lassen, neu aber, diese
Dichtervereinigung zum Kern einer Entwicklung zu
machen, die sich von dieser Prägung nie mehr lösen
konnte: Das
»Werktstattgespräch« sei die Kommunikationsform, aus
der alle Gegenwartsliteratur entspringe. Sie löst
den Freundschaftskult der Dichter von der Wende des
neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert ab und öffnet
den privaten Zirkel sachte, aber unaufhaltsam für
die Öffentlichkeit".
(Hannelore Schlaffer in der
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.11.2004)
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Rezensionen
- BARTMANN, Christoph (2004):
Ei, Ei, Eigensinn.
Helmut Böttiger resümiert die deutsche
Gegenwartsliteratur,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.03.
-
KOPP-MARX, Michaela (2004): Das
Wissen, die Leere und der Kritiker.
Helmut Böttiger trauert um die verlorenen Utopien und
gibt sich dennoch postmodern: "Eine Geschichte der
Gegenwartsliteratur",
in: Frankfurter Rundschau v. 13.05.
-
SCHLAFFER, Hannelore (2004): Trautes Werkstattgespräch.
Übersprungene Moderne: Helmut Böttigers
Literaturgeschichte,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.11.
- Infos zu:
Hannelore Schlaffer -
Autorin der 68er-Generation
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Helmut Böttiger in der
Debatte
-
BARTELS, Gerrit (2004): Trommeln mit dem Teufel.
Nach den
Buchskandalen der letzten Zeit: Das Haltbarkeitsfeuilleton
schlägt zurück. Es verdammt den Zeitgeist, erkennt den
Gesamtzustand der Literatur unserer Gegenwart als
erbarmungswürdig und wartet seinerseits mit Büchern und
Autoren auf, "deren Namen man auch in zwanzig Jahren noch
kennt"
in: TAZ v. 10.02.
- Kommentar:
Gerrit BARTELS beschäftigt sich mit den
Verfechtern eines "Haltbarkeitsfeuilletons", zu dem
Thomas STEINFELD und
Helmut BÖTTIGER in letzter Zeit Feuilletonbeiträge
lieferten, die sich vor allem durch einen
antipopkulturellen Affekt auszeichneten. It's hip to
be square!
Zum Abschluss geht
BARTELS auf das demnächst erscheinende Buch (Skandal
ausgeschlossen!) von Helmut BÖTTIGER ein:
"In
seinem im März erscheinenden Buch »Nach den Utopien. Eine
Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur«
stellt er ausschließlich Autoren vor, »deren Werk bereits
erkennbar ist und deren Namen man auch in zwanzig Jahren
noch kennt«(...).
In Auftrag gegeben von der Bundeszentrale für politische
Bildung bringt dieses Buch die Kids auf den rechten
Literaturpfad und hat zum Schluss noch ein Wort zum
Sonntag parat angesichts des Pop-Hypes der letzten Dekade,
»in der die Realität schneller gewesen sei als die Kunst«:
»Literatur, die auch Politik sein möchte, erzählt davon,
[von der schnellen Realität], statt darauf zu schielen,
selbst zum Medienereignis zu werden.«
(...).
»Was ist Literatur?« heißt Böttigers Einleitung, gefolgt
von »Was ist Kritik?« Hier muss eben der große Überbau
her, hier muss ein Bedenkenträgertum bezüglich des
Überhandnehmens von Service, Unterhaltung oder Quote
gleich mit ins Rennen geschickt werden. Dass Böttiger aber
eine Christa Wolf auf sieben und einen Martin Walser auf
zehn Seiten vorstellen kann (...) - das will schon was
heißen. Da scheinen auch die Verfechter der guten, wahren,
schönen und haltbaren Literatur nach der Devise zu
verfahren: Vom Zeitgeist lernen heißt siegen lernen."
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