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Klappentext
"Jülich »fühlt sich geschützt, nicht nur
für diesen Tag, sondern für die kommenden Wochen, Monate,
Jahre«. Zufrieden hinter seinen Verschanzungen (Arbeit,
Wohnung, »Autonomie«) noch wenige Stunden, bevor alle
Schutzwälle eingerissen werden. Was aber für ihn ein
Augenblick ist, nach dem nichts mehr so sein kann wie
vorher, ist für Anna nur ein Ausprobieren, von dem sie bald
wieder Abstand nimmt. Erschrocken vor Jülichs Bereitschaft
zur Hingabe, beginnt sie sich zu entziehen, zuerst zögernd,
dann entschiedener, bis zum Wohnungsverbot. Tödlich
verletzt, beginnt Jülich seine Schutzwälle wieder
aufzubauen. Eine lange Arbeit, bei der niemand ihm helfen
kann, am wenigsten Anna. Reden hilft nicht.
In Cornwall muß Jülich nicht reden. Das Land
macht ihn ruhiger. Ein Unglücksfall kommt ihm zu Hilfe. Als
er nach Deutschland zurückkommt, muß er nicht mehr die Augen
verschließen: nicht vor dem Kriegerdenkmal im
Hindenburgpark, nicht vor den Pennern bei seinen
Stammkneipen, nicht vor einem Toten im Stadtwald - und auch
vor Anna nicht, die er nach Monaten auf der Straße
wiedertrifft, unfähig, die Faszination, die sie einmal für
ihn gehabt hat, zu begreifen, unlustig sogar, mit ihr einen
Kaffee trinken zu gehen, denn: Reden hilft nicht.
Die Geschichte spielt 1980, in der
Bundesrepublik und in England."
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Zitat:
Der Kneipengänger und die Bewältigung des Verlassenwerdens
"Er setzte sich an die
Theke und bestellte ein Bier, sah sich ruhig um in dem
großen, fast leeren Raum. Er trank jetzt anders, langsamer,
weniger gierig als noch vor Wochen, auch weniger.
(...)
Am Ende der Theke, ihm gegenüber und weit weg, sah Jülich
ein verbissenes Gesicht, zusammengezogene Schultern,
flatternde Augen; ein schneller, wütender, entschlossener
Trinker stand da, kämpfte literweise gegen seinen Schmerz
und wurde doch nicht betrunken, nur etwas müde. Das war
Jülich selber gewesen, vor einigen Wochen noch. Er sah sich
dort stehen mit diesem verstörten und wütenden Gesicht, eine
Unperson, die niemand bemerkt; das war vorbei, es hatte viel
zu lange gedauert. Gern hätte er dem anderen am Ende der
Theke ein paar Sätze gesagt, aber er war sicher, daß er mit
Worten nicht zu erreichen war."(S.134f.)
Stimmen zum Buch
"Der
schockierend distanzierte Tonfall, in dem Schimmang 1981 vom
Ende der Berührbarkeit erzählt, lässt bereits die
Kälte der Achtzigerjahre spüren. Als sein gefühlvoller
Protagonist von einer jungen Frau zurückgewiesen wird,
umgibt er sich mit einem emotionalen Panzer (...). Die
einsetzende Desillusionierung, thematisch Houellebecqs
»Elementarteilchen« vorwegnehmend, schärft indes das
Wahrnehmungsbewusstsein für das Einfache und nahe Liegende."
(Heribert Hoven im Lexikon der
deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945, 2003,
S.1096)
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