Pressestimmen
"Die Liebe spielt sich in der Rede ab,
zumal in einem Roman. 1977 hatte Roland Barthes den
abendländischen Fundus der Liebe in seinen »Fragments d'un
discours amoureux« vorgestellt. Nun, genau 20 Jahre später,
setzt Jochen Schimmang aus diesen Fragmenten einen Roman
zusammen. »Ein kurzes Buch über die Liebe«. Der 1948
geborene Autor ordnet das Liebesrepertoire zu einer
Geschichte und liefert damit die Liebe, ob gewollt oder
nicht, den Konventionen und Machtspielen aus. Nicht umsonst
steht neben Barthes gleich zu Beginn des Romans Michel
Foucault. Es geht um Reichtum und Armut, um Jugend und
Alter, um die Sprache der Mode, der Jahreszeiten und
Handlungsräume, es geht um die Sprache des Schmucks und um
die vom männlichen Blick erzeugten Mythen der Weiblichkeit".
(Steffen Martus in der Berliner Zeitung
vom 23.08.1997)
Zitate:
Einsamkeit
"Die
meisten Leute halten Einsamkeit für eine Lebensphase, für
eine notwendige Jugendsünde, eine unglückliche Entwicklung
im Alter, eine Störung, einen Betriebsunfall, eine Marotte,
eine Angelegenheit von ein paar Stunden, Tagen, Monaten,
schlimmstenfalls eine Summe von Jahren. Nur die wenigsten
wissen, daß sie eine Göttin ist, die ihre Macht von Tag zu
Tag vergrößert, bis sie jeden Winkel unseres Lebens in
Besitz genommen und unsere Hoffnungen und Wünsche nach ihrem
Bild geformt hat." (S.72)
Das Weihnachtsproblem
"Keinen Tag des Jahres fürchte ich wie den
vierundzwanzigsten Dezember. Wenn Einsamkeit eine Göttin
ist, der wir ergeben dienen, wofür sie uns oft genug
beschützt und belohnt: am Heiligabend ist sie eine Göttin,
die zwar allgegenwärtig ist, sich aber zugleich verbirgt und
nicht angesprochen werden kann. An diesem Tag kehrt das
schale Gefühl, das richtige Leben versäumt zu haben, mit
Macht zurück: ein Gefühl, das lügt, wie ich an den
restlichen Tagen des Jahres sehr wohl weiß, aber keinerlei
besseres Wissen kann es jetzt bannen." (S.79)
Weihnachten und die Single-Kultur
"Zum
Glück gibt es seit reichlich anderthalb Jahrzehnten immer
mehr weihnachtsfreie Räume auch in der eigenen Stadt. Diese
freundlichen Kneipen, die am Heiligabend ihre Türen nicht
verschließen und auch die Theke und die Tische nicht mit
Tannenzweigen vollstellen, haben dann oft zwar immer noch
den Charakter von Asylen, weil die Gäste, die sich
einfinden, nicht vergessen und nicht verbergen können, daß
sie sich auf der Flucht befinden. Manchmal aber entwickeln
sich auch sehr entspannte oder ausgelassene kleine Feste an
solchen Abenden, die nichts mehr von einem Ball der einsamen
Herzen an sich haben." (S.81)