Inhaltsverzeichnis
Die
Regenbogengesellschaft
Teil
I: Grundfragen
Sozialökologie
Soziale
Frage, Sozialpolitik und Sozialstaat
Von der
sozialen Frage zur ökosozialen Frage
Die siamesischen Zwillinge: Marktwirtschaft und Sozialstaat
Sozialstaat und industrielle Entwicklung
Alte
soziale Fragen. Zur Geschichte der Sozialpolitik vor und
während der Zeit des ökonomischen Aufbaus (industrial
take-off)
Neue
soziale Fragen. Probleme des ökosozialen Umbaus (Ecological
switch-over)
Teil
II: Systemfragen
Der
verblassende Stern: die soziale Marktwirtschaft
Eigenheiten und Eigenarten des sozialstaatlichen
Systemverhaltens
Teil
III: Zukunftsfragen
Regenbogenpolitik
Jenseits
von Markt und Staat: Sozialentwicklung und
Persönlichkeitsentfaltung
Umwelt-
und sozialverträgliche Wirtschaftsentwicklung
Öffentliche Finanzen
Internationale Zusammenarbeit
Verteilungspolitik
Sozial
Gemischtwirtschaft
Die
Regenbogenspur
Zitate:
Der
Regenbogen als Symbol einer neuen sozialökologischen Ordnung
"Im
Regenbogen wird das Licht aus seiner ursprünglichen Einheit
in seine Farben gebrochen. Aber als auf- oder
auseinandergebrochene bilden die Farben im Regenbogen ein
sinnvoll Gegliedertes und aufeinander Bezogenes, eine
überzeugende Gestalt. Der Regenbogen versinnbildlicht damit
Trennung und Einheit, Differenzierung und Integration, die
Teilung von Mensch und Welt und ihre Einheit, die Teilungen
der Menschen untereinander und ihre Verbundenheit. Der
Regenbogen bildet einen Bund nicht nur zwischen Natur und
Mensch, sondern auch unter den Menschen. Der ökologische
Frieden mit der Natur und der soziale Frieden unter den
Menschen hängen miteinander zusammen. Dies ist ein Grundsatz
der Sozialökologie. Im selben Sinne steht der Regenbogen
etwa in indianischen Mythologien für Einheit, Integration
und Frieden. In der Industriegesellschaft wird er damit zum
Symbol für Demokratie und Demokratisierung." (S.16)
Die
schwarz-grüne Allianz in der neuen sozialen Frage
"Mitte
der 70er Jahre folgte die christdemokratische Arbeitsgruppe
um Heiner Geißler: »Zu den Mächtigen unserer Gesellschaft
gehören heute nicht mehr allein die Kapitaleigner. Mächtig
sind Kapitaleigner und Arbeitnehmer zusammen. Beide Gruppen
sind heute in starken Verbänden organisiert ... Es sind die
Nichtorganisierten, kinderreiche Familien, alleinstehende
Mütter mit Kindern, alte Menschen, die nicht mehr
Arbeitsfähigen, Behinderte, zu deren Lasten Vorteile
errungen werden können. Sie sind den organisierten Verbänden
in aller Regel unterlegen .... Hier stellt sich die neue
soziale Frage«.
Ähnlich dann auch mit den 80er Jahren Grüne und
Alternative." (S.71)
Individualisierung als Ergebnis des sozialökologischen
Umbaus
"Im
Übergang zum ökosozialen Umbau schreitet (...)
Individualisierung weiter voran. Vollständig wird sie zuerst
eine ökonomische: die Gütergemeinschaft zwischen den
Generationen sowie zwischen Mann und Frau wird allmählich
ausgehöhlt und mehr oder weniger aufgelöst. Der tatsächliche
Haushalt wird zu einer von Fall zu Fall sorgfältig
ausgehandelten Teilhabergemeinschaft, zu der die Individuen
aus ihrem individuellen Hab und Gut anteilig beisteuern,
bezuschußt von der öffentlichen Hand." (S.84)
Beziehungen werden zunehmend Beziehungen auf Zeit
"Dies
zeigt sich z.B. wenn schon nicht in sinkenden Heiratsquoten,
so doch in steigenden Scheidungsraten und sinkenden
Wiederverheiratungsquoten; im räumlich getrennten Leben der
Generationen; in der getrennten Haushaltsführung der
Generationen (auch bei Zusammenleben) und manchmal sogar der
Eheleute; in der nicht mehr unumschränkten
Vollverantwortlichkeit und Unterhaltspflichtigkeit der
Eltern gegenüber den Kindern; und nicht zuletzt in der gegen
Null strebenden Unterhaltspflichtigkeit der Kinder gegenüber
ihren Eltern, was vor allem im Alter eine Rolle spielt. An
die Stelle der Altersversorgung durch die Familie ist
bereits fast vollständig der »Generationenvertrag« getreten,
die kollektive öffentlich geregelte Altersversorgung. In all
dem zeigt sich, wie weit das Individuum schon aus der
Familie ausgetreten bzw. über sie hinausgewachsen ist."
(S.85)
Lastenumverteilung im Sozialstaat
"Durch
Einstufung in diverse Steuerklassen zahlen Ledige für
Verheiratete mit. Durch eben diese Steuerklassen sowie durch
Kinderfreibeträge bzw. Kindergeld kommen außerdem Kinderlose
für Leute mit Kindern indirekt auf. Daß bestimmte
Sondergruppen - etwa »alleinstehende Mutter mit zwei
Kindern« - am Rande des Existenzminimums leben, widerspricht
dem nicht. Die Mittelschichts- und Mehrheitsfälle - »Ehepaar
mit Kind« o.ä. - leben gleichwohl prächtig, und das nicht
nur durch eigene Verdienste, sondern auch durch die
Umlagelasten auf andere.
Nicht unerheblich zu Buche schlägt auch die Umlage in der
Krankenkasse. Sämtliche Familienangehörige eines oder einer
Versicherten sind beitragsfrei mitversichert. So zahlen
wiederum die Alleinstehenden für die Verheirateten und die
Kinderlosen für die Kinder anderer mit." (S.124)
Die
Berufstätigkeit der Frau wird die Kinderzahl weiter
reduzieren
"Wenn nun
auch die Frauen in den Beruf gehen und Geld verdienen, wird
die Kinderfreudigkeit um so mehr abnehmen.
Die Zahl der Kinder pro Ehe hat von 4-5 um 1900 auf 1-2
heute abgenommen. (...). Die Abnahme der Kinderzahl ist ein
sehr langfristiger stabiler Trend, der statistisch seit 1815
nachweisbar ist und seit 1875 nicht einmal mehr von
zeitweiligen Gegentrends unterbrochen wurde. Eine übermäßige
»negative Regeneration« ist nun nicht nur für die Wirtschaft
problematisch. Eine Gesellschaft, die mehrheitlich aus
Tattergreisen besteht, ist eine tödliche Horrorvision, vor
allem für die Tattergreise selbst." (S.160)
Ziel: Stabile Bevölkerungsentwicklung durch Abschaffung der
Privilegierung der Ehe
"Um eine
stabile Bevölkerungsentwicklung zu erreichen, müßte die
durchschnittliche Kinderzahl pro Ehe von heute 1,6 auf 2,3
angehoben werden. Ich möchte dem nicht widersprechen, aber
es anders aussprechen: die durchschnittliche Kinderzahl pro
Frau. Was heißt da »pro Ehe«? In Schweden werden fast 40 %
aller Kinder von unverheirateten Frauen geboren, in Dänemark
rund 30 % , in Österreich 21 %, in Deutschland und der
Schweiz 7 %.
(...).
Eine fortschrittliche Familienpolitik würde (...) die
systematische Bevorzugung der Ehe systematisch und restlos
abbauen und würde zugleich einen systematischen und
vollständigen Lastenausgleich zugunsten der Geburt und
Erziehung von Kindern aufbauen. Wir brauchen keinen
Familienlastenausgleich, der in Wirklichkeit kinderlose
Ehepaare privilegiert, sondern einen Kinderlastenausgleich;
kein Familiengeld, kein Ehegeld, sondern Kindergeld.
(...).
Unterschiedliche Steuerklassen für Ledige und Verheiratete
gehören abgebaut. Im Idealfall - im Interesse der
Transfertransparenz - sollte dies auch für die Klassen mit
oder ohne Kinder gelten." (S.160f.)
Abbau der Langzeitverschulung und Frühverrentung
"Wenn die
Entwicklung so wie bisher weiterginge, daß Arbeitsplätze für
Männer und Frauen in mittleren Jahren geschaffen oder
erhalten werden zu Lasten der Jüngeren und Älteren, müßte
die Gesellschaft an den sich daraus ergebenden Konsequenzen
schon sehr bald zerbrechen (...); die Geldleistungen des
Sozialstaats müßten zusammenbrechen, weil die Minderheit von
Männern und Frauen mittleren Alters die Mehrheit von
»Jungen« und »Alten« im dann nötigen Maß nicht mehr
finanzieren könnte oder wollte
(...).
Der Trend zur Verkürzung der Lebenserwerbsjahre muß deshalb
so schnell wie möglich gestoppt und umgekehrt werden. Gerade
ältere Leute, selbst wenn sie sich wie besonders häufig
Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Rente - richtiger gesagt,
das Ende der Plackerei - freuen, finden danach oft doch
keine rechte Aufgabe mehr im Leben. Deshalb soll - durch
noch flexiblere Altersgrenzen ebenso wie durch flexiblere
Organisationen der Arbeits- und Lohnstrukturen - dafür
gesorgt werden, daß ältere Leute, solange sie wollen und
können, mit dem Erwerbsleben in Verbindung bleiben. Das wäre
für sie selbst genauso vorteilhaft wie für die Allgemeinheit
und den Staatshaushalt." (S.172f.)
Die
Vergreisung der Gesellschaft als Problem für die
Rentenversicherung
"Diese
historische Problemlage besteht darin, daß mit steigendem
Industrialisierungsgrad und Wohlstand die Zahl der Kinder
beständig abgenommen hat. Damit steigt der Anteil der alten
Leute an der Bevölkerung. Um 1900 lag der Anteil der über
60jähirgen in den Industrieländern um 8 %, liegt heute um 20
% und wird ums Jahr 2000 bei 25 - 30 % liegen. Ändert sich
nichts, so wären auf 100 Erwerbstätige nicht mehr 36 Rentner
wie heute kommen, sondern bereits 70 ums Jahr 2000. Das
Verhältnis von einem Rentner auf einen Erwerbstätigen wäre
etwa im Jahr 2030 erreicht. Die Rentenabgaben müßten sich
verdoppeln und verdreifachen - egal, ob sie nun vom Lohn,
aus Umweltsteuern oder sonstwie finanziert würden. Die
Bundesrepublik ist besonders überaltert. Aber auch in Japan,
Frankreich, Großbritannien und den USA stellt sich die
Situation, wenn schon nicht so kraß, so doch sehr ähnlich
dar. Spätestens ab 2000 bis 2030 würde der
Generationenvertrag die nachfolgenden Generationen so
belasten, daß die Rücken der Jungen krummer und ihre Haare
schneller grau würden als die der Alten." (S.221f.)