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Katja Leyrer: Rabenmutter. Na und?

 
       
     
       
   

Katja Leyrer in ihrer eigenen Schreibe

 
   

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Katja Leyrer im Gespräch

 
   

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Rabenmutter. Na und? (1987)
Essays und Interviews
Frankfurt a/M: Brandes & Apsel (vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"»Ja, Töpfe spülen sollen wir! Aber müssen wir es? Mir ist es zu pessimistisch, festzustellen: Da die Situation so ist, daß Frauen die Hauptarbeit zu machen haben, kriegen sie also lieber keine Kinder. Damit bleibt die Entscheidung vieler Frauen gegen Mutterschaft ein Verzicht, der von den gesellschaftlichen Bedingungen aufgezwungen ist. Die einen 'verzichten' auf Kinder, die anderen 'verzichten' auf Karriere ... So stellt sich die Frage auch in der feministischen Diskussion.
Ich will alles haben!

Rabenmütter suchen nach neuen Wegen und finden manchmal auch welche, die irgendwann einmal den Frauen - und auch den Kindern - hier das Atmen leichter machen werden. Sie suchen nach Möglichkeiten, die den Weg ebnen für gesellschaftlich anerkannte Lebensweisen, Mutter (oder Vater) zu sein, ohne 15 Jahre Zwangsarbeit in Küche und Kinderstube leisten zu müssen. Das geht manchmal schief, und es ist immer schwer.«"

Inhaltsverzeichnis

I. Auf der Suche nach dem verlorenen Instinkt

— Wo sind sie denn, die Rabenmütter?
— »Wenn ich der Vater wäre, dann wär' alles o. k.« (Ingeborg Bannier)
— »Wenn ich ein schlechtes Gewissen hätte, könnte ich nicht so leben.« (Silke Schulz)
— Auf der Suche nach dem verlorenen Instinkt
— Rabenmütter-Kinder lernen fliegen
— »Ich finde es stinklangweilig, den ganzen Tag mit einem Kind zu spielen.« (Barbara B.)
— Das Kreuz mit den Kindergärten: Warten wir auf bessere Zeiten?
— »Ich saß in einer komfortablen und gemütlichen Falle.« (Anna K.)

II. Mit Freude übernahmen sie die entsetzliche Bürde

— Heilige Kindererziehung?
— »Entweder du willst was verändern,...« (Birgit S.)
— »Ich hätte den Absprung mit drei Kindern nicht geschafft.« (Heidi C.)
— Die bösen Mütter
— Die Entstehungsgeschichte des heutigen Familienideals

III. Laßt uns Neues ausprobieren!

— Moden, Konjunktur und die Veränderbarkeit eines Gefühls
— »Frauen sehnen sich danach...«
— »Um die Knute Mutterschaft geht es...«
— Biologische und soziale Mutterschaft müssen auseinanderdividiert werden
— Gesucht: Autonome feministische Rabenmütter!

IV. Warum ich so lebe? Weil's besser nicht geht!

— »Ich habe das dritte Kind auch nur bekommen, weil er zugesagt hat, daß er zu Hause bleiben will.« (Ira N.)
— »Er war der Bessere, um das Kind großzuziehen.« (Inga Di Mar)
— »Das Blöde ist nur: Jetzt bin ich auch nicht glücklich.« (Judith Arndt)
— »Ich führe genauso ein Leben wie ein Top-Manager.« (Hannelore W.)
— »Ich kann Hausarbeit nicht ausstehen.« (Heidi Dammin)
— »Ich glaube, daß meine Situation eine Ausnahme ist.« (Monika Hesse)
— »Ich kann nicht auf alles verzichten, nur für ein Kind.« (Eva Stelzner)
— »Warum ich so lebe? Weil's besser nicht geht!« (Beate L.)

V. Also stimmt es doch, daß Frauen unzurechnungsfähig sind?

— »Also stimmt es doch, daß Frauen unzurechnungsfähig sind?«
— »Weil ich keine Rolle sein wollte, sondern eine Person mit eigenem Namen...« (Christiane Dietrich)
— »Wenn es diese Möglichkeit gäbe, ohne Vorwurf, dann wäre das gang und gäbe...«
— »Nachdem ich sowieso schon aussehe wie 'ne runde Mutti...« (Ulrike Fruth)
— »Wenn ich dann ohne Kind spazieren gehe, dann sieht ja keiner mehr, daß ich 'ne Mutter bin.«
— Rabenmütter: Antiheldinnen im Erfolgsroman
— Gespräch mit Joanna Kramer und Vera Jadow

VI. Sind Sie eine Rabenmutter?

— Test: Sind Sie eine Rabenmutter?
— »So ist der 'rechtsfreie Raum' auch eine Chance...« (Susanne Oppermann)

Zitate:

Neue Mütterlichkeit und Frauenbewegung

"Bücher über Sanfte Geburt und Neue Innerlichkeit mit Kind, Ratgeber übers Kinderhaben sind Renner - auch im Frauenbuchladen. Alternatives fürs Kind ist gefragt. (...).
Dagegen ist nichts zu sagen.
Bedenkenswert scheint mir aber, daß diese Vorstellungen und »Alternativen« oft so neu gar nicht sind, sondern sich nahtlos einfügen in reaktionäre politische Bestrebungen, die die Aufgabe der Frauen aufs Muttersein reduzieren und die Rolle der Mutter als immer unersetzlicher fürs Kind behaupten."
(1987, S.7f.)

"Die beunruhigende Entwicklung innerhalb der Frauenbewegung zu Innerlichkeit und Weiblichkeit - die »neue Weinerlichkeit« - war zweifellos beeinflußt von der politischen Situation und bot individuell und politisch eine Möglichkeit zum Rückzug an. Zwei Aspekte erscheinen mir aber noch von zusätzlicher Bedeutung: Für nicht wenige Frauen der Frauenbewegung mußte in dieser Zeit die Kinderfrage problematisiert werden, sie mußten entscheiden, ob sie noch ein Kind haben wollen/können oder nicht, denn viele dieser neuen Mütter waren um und über dreißig Jahre alt. (...). Die zweite Aspekt ist die Frage nach dem Kinderwunsch von rauen überhaupt.(...).
Der Rückschritt in der Frauenbewegung wurde (...) nicht angetreten, als Frauen schwanger wurden, sondern dort, wo sie ihre biologische und soziale Mutterschaft zur politischen Theorie erhoben, die getreu dem Vorbild des bürgerlichen Mutterideals Hingabe und Aufopferung propagierte und das mit dem Zuckerguß des Bessersein der Frauen durch die Mutterschaft verzierte.
Mit dem Stillen begann es. Innerhalb von wenigen Jahren ist es den »neuen« Müttern gelungen, den Spieß umzudrehen und im Gegensatz zur vorher erlebten Stillfeindlichkeit das Stillen zur unabdingbaren Pflicht, zu einer Probe für die gute Mutter zu machen."
(1987, S.66f.)

Das Rabenmütter-Stereotyp

"Rabenmütter: Ab und zu Schlagzei8len in der Presse über Frauen, die ihre Kinder aussetzen oder gar töten, die ihre Kinder verlassen und oft als genuß- oder karrieresüchtig dargestellt werden. Das ist das Öffentliche.
Rabenmütter: Mütter, die ihre Babys in Krippen geben, weil sie Spaß am Beruf haben. Mütter, die nicht stillen, weil es zuviel Abhängigkeit bedeutet. Mütter, die in Wohngemeinschaften leben, weil sie es nicht allein mit ihrem Kind aushalten. Das ist das Nicht-Öffentliche. Sie werden zwar nicht durch die Bild-Zeitung gebrandmarkt, aber doch täglich im heimlichen Unterton einer Stimme, wenn die eine Mutter mit der anderen redet.
Rabenmütter: Überall gibt es sie. Sie reden nur nicht darüber, weil sie erfahren haben, daß das Letzte, was ihnen zugeteilt wird, Solidarität oder Verständnis ist. Wenn es Berufstätigkeit zu verteidigen gilt, sind nur Gründe wie Geldnot oder »weil das Kind lieber eine zufriedene Mutter haben soll als eine unzufriedene, die sich zu Hause langweilt« akzeptiert. Lust, Egoismus, Sich-nicht-alleinverantwortlich-Fühlen, Eigenständig-leben-wollen-trotz Kind und Neugier sind Begründungen, die sofort die Frage hervorrufen: »Warum hat sie dann Kinder?«
Kein Wunder, daß sie unsichtbar sind, die Rabenmütter."
(1987, S.9f.)

Zielsetzung des Buches

"In der populärwissenschaftlichen Literatur über Kindererziehung, einschließlich der meisten Veröffentlichungen im Umfeld der Frauenbewegung, wird die biologische Mutterschaft - ein Kind gebären - eng in einen biologisch-zwingenden Zusammenhang zur sozialen Mutterschaft, einer langjährigen und unersetzlichen (Allein-)Verantwortung für das Kind, gestellt. Dieser zwingende Zusammenhang soll in diesem Buch angegriffen werden. Das Idealbild der guten Mutter, die sich durch ihre Kinder oder erst, wenn diese erwachsen sind, »verwirklicht«, soll in Frage gestellt werden. Der Ansatz dieser Kritik ist feministisch. Es geht vorrangig um die Bedürfnisse der Frauen/Mütter. Frauen sollen nicht nur entscheiden können, ob sei ein Kind bekommen wollen oder nicht, sondern auch wie sie ihre Mutterschaft gestalten."
(1987, S.11)

Auswahlkriterium der Interviewten

"Ich habe versucht, Mütter zu finden, die sich nicht vorrangig durch äußere Zwänge wie Geldnot oder Behinderung und Krankheit dazu veranlaßt sahen, ihre Mutterschaft anders zu gestalten, als es üblich ist. Mütter, die nicht vom schlechten Gewissen erschlagen werden, sondern selbstbewußte Persönlichkeiten sind. Frauen, die eben - auch - Kinder haben."
(1987, S.11f.)

 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Der Kampf der Lebensstile und die Normalfamilie der Neuen Mitte

 
   

Rabenmütter in der Debatte

EMMA-Dossier: Neue Väter - verzweifelt gesucht.
Mütter träumen von Agassi & Co

MEYER-GOSAU, Frauke (2003): Vom Mütterlein zur Rabenmutter?
Jenseits von Himmel und Hölle hat sich die irdische Realität in die Literatur geschlichen: Junge Autorinnen schreiben endlich die Wahrheit übers Muttersein,
in: Emma, November/Dezember

KUNZE, Anne (2006): Deutschland braucht mehr Rabenmütter!
Was wir wissen: Am Sonntag ist Muttertag. Worüber wir streiten: Was eine gute Mutter ausmacht. Was unsere Autorin herausgefunden hat: Wir sollten auch echte Raben fragen,
in: Financial Times Deutschland v. 12.05.

MENASSE, Eva (2007): Rabenmutter!
in: DeutschlandRadio v. 27.06.

Provozierte die zweite Welle der Frauenbewegung durch Selbstbezichtigungen wie "Ich habe abgetrieben", so heißt die Provokation der dritten Frauen-Welle: "Ich bin eine Rabenmutter".

Eva MENASSE, Angehörige der Generation Ally, verbindet ihre Selbstbezichtigung mit einem Loblied auf Berlin:

"Dass ich eine Rabenmutter sein kann, verdanke ich weiters der Tatsache, dass ich im großen, dreckigen Berlin lebe. In einer sanften Hügellandschaft in Bayern oder Baden-Württemberg, zwischen den Konservativen und den Kühen, könnte ich nämlich lange nach jemandem suchen, der mein Kind betreut. Dort ist die Welt noch heil, und alle Mütter, auch die, die gern gearbeitet haben oder die das Geld aus ihrer Erwerbsarbeit dringend brauchen würden, sind froh, glücklich und dankbar, sich ganz ihren Kindern widmen zu können. Oder etwa nicht?
            
Aber Berlin, diese manchmal brutale Stadt, gegen die man viel haben kann, ist immerhin ein Kinderbetreuungsparadies."

Eltern, die für ihre Kinder gerade eine Grundschule suchen, sehen das dagegen anders.

FOCUS-Titelgeschichte: Wohin mit den Kindern?
Mama oder Krippe - eine Diskussion spaltet die Gesellschaft

BODE, Katja Nele/ HOLZER, Kerstin/STARKE, Anna/HARTMANN-WOLF, Elke (2007): Wohin mit dem Kind?
Die Diskussion über "Krippe oder Mama" spaltet die deutsche Gesellschaft. Den Preis zahlen die Frauen und - die Allerkleinsten,
in: Focus Nr.44 v. 29.10.

Mit der psychoanalytischen Bindungstheorie argumentiert der Focus gegen einen Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung für Kleinkinder unter 3 Jahren.

SCHUMACHER, Andrea (2007): Das Leid der frühen Jahre.
Tierversuche und psychiatrische Studien zeigen, dass Traumatisierungen in der frühen Kindheit häufig zu lebenslangen Störungen führen,
in: Focus Nr.44 v. 29.10.

BRÜNING, Nicola & Kerstin HOLZER (2007): "Eine Frage der Fairness".
Bundesministerin Ursula von der Leyen über die schwierige Situation der Frau in der modernen Gesellschaft und eigene Lebensziele,
in: Focus Nr.44 v. 29.10.

SCHUMACHER, Andrea (2007): Bildung fürs Baby?
In Deutschland boomt die Frühförderung. Forscher erkunden Chancen und Risiken von Frühenglisch und Babymathe,
in: Focus Nr.44 v. 29.10.

SCHUMACHER stellt die Kinderkrippe der Zukunft vor:

"Es ist eine Krippe nach dem Lehrbuch der Frühpädagogik. Doch das Idyll hat seinen Preis. Ein ganzer Krippenplatz an fünf Tagen die Woche kostet bei Le Jardin 595 Euro im Monat, trotz städtischer Zuschüsse."

Krippen für die Mütterelite statt Förderung der Kinder aus bildungsfernen Schichten?

ANONYMA (2007): Basteln, spielen, toll?
Die Leiterin einer Privatkrippe in einer westdeutschen Großstadt erzählt, wie sich Kinder fühlen, was sich Eltern wünschen und was Erzieherinnen das Herz schwermacht,
in: Focus Nr.44 v. 29.10.

Der Artikel wiederholt mehr oder weniger  nur die Argumente von Wolfgang BERGMANN aus dem vorangestellten Interview. Berufstätige Mütter werden zudem zu Rabenmüttern abgestempelt:

"Natürlich müssen die meisten Frauen arbeiten. Bloß, was ist einem wichtig? Braucht man es finanziell? Wie weit gehe ich in meiner Karriere? Man kann nicht alles haben. Ich kann nicht Kinder großziehen und keine Abstriche machen wollen."

FAZ-Beruf und Chance-Thema: Spezial Rabenmütter!?

AMANN, Melanie (2009): Liebe von der Mutter, Erziehung vom Au-pair.
Lassen Frauen ihr Kind frühzeitig betreuen, werden die schnell Rabenmütter tituliert. Der Nachwuchs sieht das oft wesentlich entspannter. So wie bei Daniela Weber-Rey. Die Anwältin hat sich nie eine Auszeit gegönnt, im Beruf hat sie alles erreicht - und ihre Kinder schätzen ihre Entscheidung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

BUDRAS, Corinna (2009): Ein Spielplatz im Büro.
Weil Jacqueline Grace sich nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden konnte, wählte sie beides. Seit mehr als fünf Jahren nimmt sie ihre Tochter mit ins Büro,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

ASTHEIMER, Sven (2009): Abschied von den Stöckelschuhen.
Heike Maria von Joest hatte sich in einer Männerdomäne durchgesetzt. Doch mit ihrer Vorstellung von der Mutterrolle war das Leben als Managerin nicht mehr vereinbar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

BALZTER, Sebastian (2009): Milchreis für Managertöchter.
Als Rabenmutter wurde Birgit Mensing zum ersten Mal beschimpft, als ihre Tochter vier Monate alt war - von einer Verwandten. Heute lobt dieselbe Tante die wohlgeratenen Kinder über den grünen Klee,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

LÖHR, Julia (2009): Auf einen dicken Bauch war ich nicht scharf.
Die Unternehmerin Sabine Beer wollte lange Zeit kein Kind, sondern Karriere machen. Als sie ihre Meinung änderte, war es zu spät. Das Protokoll einer schwierigen Entscheidung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

APPEL, Holger (2009): "Je jünger, desto besser".
Im Gespräch: Birgit Hoß, Tagesmutter,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

BÖS, Nadine (2009): Unsere Kita hieß Papa.
Unicef-Chefin Regine Stachelhaus überließ die Betreuung ihres Sohnes ihrem Mann - während sie Karriere machte. Den Nachbarn gefiel das gar nicht, ihrem Vorgesetzten noch weniger. Aber es hat funktioniert,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

BALZTER, Sebastian (2009): "Endlich eine Wende".
Mit dem Elterngeld holt Deutschland seinen Rückstand auf. Auch wenn die Mentalität noch hinterherhinkt. Im Gespräch: Barbara Vinken, Literaturwissenschaftlerin,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

BALZTER, Sebastian (2009): Zwischen Haferkleie und Hörsaal.
In Deutschland sind nur wenige Studenten Eltern. Es hapert an erstaunlich einfachen Dingen, die den Spagat zwischen Wickeltisch und Seminar erheblich erleichtern würden,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 07. Februar 2015
Update: 04. Juli 2015