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MEISTER, Martina (2000): Schöner
schuften.
Sie fühlen sich nur auf der Arbeit ganz zu Hause: die
"Yetties". Für die neuen Workaholics gibt es Anerkennung
allein im Job - Beziehungen sind eine Frage des
Zeit-Managements,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.07.
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MEISTER, Martina (2001): Wo
geht's denn hier zur Ethik?
Mit biblischer Metaphorik zum besseren Menschen
oder die Wiederkehr großer Erzählungen: Zur Konjunktur von
Ethik, Benimm und Anstand
in: Frankfurter Rundschau v. 23.08.
- Inhalt:
MEISTER stellt einen Zusammenhang zwischen den ethischen
Abhandlungen zur Biotechnologie, der Konjunktur von
Benimmbüchern bzw. Ratgebern (z.B.
GASCHKe "Erziehungskatastrophe")
und der Abrechnung mit den 68ern her:
"Allesamt und
auf ganz unterschiedliche Art sind sie Ausdruck der
Abrechnung mit der 68er-Generation, die in diese
Umbruchsphase ungeahnter Herausforderungen durch die
Gentechnik fällt, was übrigens einzig in
Houellebecqs Elementarteilchen explizit
miteinander verquickt wird: die Abrechnung mit der
Revolution und die Hoffnung auf die (technische) Evolution
der Gattung. Vergessen ist jetzt die verdienstvolle
Infragestellung überkommener Regeln. Übrig bleibt von der
Revolte gegen die Täter-Väter aus heutiger Sicht nur noch
die Tatsache, dass ein Trümmerhaufen gesellschaftlicher
Regeln hinterlassen wurde, aus dessen Scherben nun wieder
das Gefäß der Moral zusammengeleimt werden soll. (...) Das
Heilsversprechen der Gentechnik, die Aussicht auf
Abschaffung von Krankheit, Alter, Leid und jeglicher
Imperfektion, ist die Einlösung des alten, paradiesischen
Glücksversprechens. Auf diese Weise beerbt die Gentechnik
die Eschatologie. Und das Kanzlerwort von der 'Ethik des
Heilens und Helfens' war eines, das von der Kanzel kam.
Allerdings will der Mensch nicht länger Objekt, sondern
Subjekt des Versprechens sein (...). So oder so wird
weiter an der 'großen Erzählung' gestrickt, an der von
Befreiung, ja Erlösung des Menschen, diesmal durch sich
selbst."
- MEISTER, Martina (2003): Kernseifenoper im
Aldi-Format.
Heute mal was Positives: Wie die Medien die Armutsfantasien
durchspielen,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.01.
- Inhalt:
Für Martina MEISTER ist nicht mehr der Single
der Pionier der Moderne, sondern die Sparfamilie ist der Pionier der
neuen Sparmoderne:
Die Familie Boro aus dem
Schwarzwaldhaus und die Pfeiffers aus der neuen BZ-Serie "sind
(...) ein Beleg dafür, dass es, der Krise sei Dank, nicht mehr
einzig und allein um die Anhäufung und Ausstellung materieller Werte
geht. Die Erfindung und mediale Vermarktung dieser Familien lösen
den smarten Single ab, der sich einbildete, »in sieben Jahren die
erste Million« zusammen zu haben. Die Illusionen der New Economy,
die wie Seifenblasen in den büroeigenen Whirlpools zerplatzt sind,
finden ihre Fortsetzung in dem Fotoroman mit Seifenoperstatus."
Um zu dieser Erkenntnis vorzudringen hat MEISTER einen Streifzug
durch die Positive-Thinking Feuilletons der Neuen Mitte-Presse
unternommen (wobei sie die
Sylvester-Ausgabe mit der ersten Ausgabe des Tagesspiegel im neuen
Jahr verwechselt) und das einsame Gegenstück der FAZ mit ihrer
Liste der 426
Ängste entdeckt. MEISTER schließt sich bei der Vermittlung der
Krise der Lesart von Single-dasein.de an:
"Während überspitzt ausgedrückt
die Zahl der Todesanzeigen die des Stellenmarktes übersteigt und
etliche Zeitungen um die eigene Existenz bangen müssen, generieren
sie neue Spielarten der Vermittlung der Krise, die, weil sie auch
Selbstkrise ist, sich ausnahmsweise jedem Zynismus widersetzt."
MEISTER sieht jedoch einen
Hoffnungsschimmer. In der Sicht des
"mentalen Kapitalismus"
(Georg FRANCK) könnten die Medien als Gewinner aus der
gegenwärtigen Krise hervorgehen:
"Monika Pfeiffer wird mit
Sicherheit keine Kenntnis von den Theorien der neuen
Aufmerksamkeitsökonomie haben, aber sie weiß sehr wohl um den
Paradigmenwechsel. (...).
Zu dem neuen Kapital, das sie mit »Gesundheit, Liebe, Glück«
beschreibt, dürfen wir die 52 wöchentlichen Auftritte in »Berlins
größter Zeitung« hinzurechnen. Sie ist es, die unsere Sparfamilie
reich machen wird. Die Zinsen freilich fallen erst einmal bei den
Medien selbst an: An euren Einschaltquoten und Auflagen sollt ihr
euch messen lassen."
- MEISTER, Martina (2003): Zurück in
den Kreißsaal.
Der medial inszenierte Baby-Boom verhält sich umgekehrt
proportional zur Geburtenrate,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.07.
- Kommentar:
"Der medial inszenierte Baby-Boom, das ist
seine innere Logik, verhält sich umgekehrt proportional zu
den Geburtenraten.
Man kann es auch so formulieren: Es
steht mit dem Verhältnis von Bildern und Berichten über
Schwangere zu den wirklichen Geburten wie um das
Verhältnis vom Prenzlauer Berg zum Rest der
bundesrepublikanischen Welt: Inmitten des unfruchtbaren
Landes findet sich ein kleines, phantastisches Eiland
segensreicher Vermehrung",
behauptet Martina MEISTER und
versucht sich
im Kampf ums Überleben auf dem
Zeitungsmarkt gegenüber
der SPRINGER-Presse abzugrenzen.
"Die
Statistik spricht die wahre Sprache", während Medien
inszenieren! Wie naiv muss eine Journalistin sein, um so
etwas zu behaupten?
Geburtenraten
müssen INTERPRETIERT werden! Und diesen Spielraum der
Interpretation nutzen Polarisierer, die wie MEISTER, das
Aussterben herbeiphantasieren. Nicht nur
Arbeitslosenstatistiken werden geändert, auch die
Erfassung und Erfassbarkeit von Geburten unterliegt
historischen Veränderungen.
Um
den Wert statistischer Daten einschätzen zu können,
empfiehlt sich
Jürgen LINKs Versuch über den Normalismus. Dort wird
die Produktion von Normalität in einer zahlengläubigen
Gesellschaft erörtert.
Die
Veröffentlichung statistischer Daten zur
Bevölkerungsentwicklung ist Teil postmoderner
Normalitätsproduktion.
Dass
hierüber bislang keinerlei Forschung existiert, sagt etwas
über die Machtverhältnisse in dieser Republik aus, aber
nichts über die Wahrheit der statistischen Sprache.
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MEISTER, Martina (2004): So natürlich wie Babys kriegen.
Mutterglück auf Französisch: Die Journalistin verbindet
Beruf und Familie,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.05.
- MEISTER, Martina (2004):
Bonjour
Paresse.
Frankreich auf der Suche nach der verlorenen Faulheit,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.10.
- Inhalt:
Martina Meister geht u.a. der Frage
nach, ob es in Frankreich und Deutschland unterschiedliche
Arbeitsethiken gibt:
"Eine mögliche Erklärung für
das Auseinanderdriften in Faulheitsapologeten einerseits
und Stehaufmännchen des Neoliberalismus andererseits gibt
der französische Sozialwissenschaftlicher Patrick
Fridenson: Im katholischen Frankreich sei Arbeit im
Gegensatz zu protestantischen Ländern immer als Bestrafung
empfunden worden. Die katholische Kirche habe sogar eine
Schlüsselrolle gespielt beim Kampf der Arbeiter um mehr
Freizeit. In protestantischen Ländern hingegen habe man
Arbeit als etwas begriffen, durch das sich das Individuum
notwendig selbst erst erschafft.
Dem widerspricht die
Berliner
Initiative der Glücklichen Arbeitslosen, die ganz
ungermanisch einen antikapitalistischen Optimismus
propagiert. Nur: Gegründet hat sie ein Franzose.
Vielleicht ist es auch nur die deutsche Fähigkeit zum
Selbstmitleid und die Liebe zum Lamento, weshalb wir uns
so perfekt in die Rolle der Opfer des Neoliberalismus
einfinden und weitere Opfer bringen wollen. Eine andere
Option ist, die Revolution nur noch zu simulieren. Ganz à
la française."
- MEISTER, Martina (2005): Aisé
und aidé.
Die Musealisierung von Paris,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.01.
- Kommentar:
MEISTER berichtet u.a. über das Buch
"Sociologie de Paris" der Soziologen
Michel
PINCON & Monique PINCON-CHARLOT.
Das
Bobo-Establishment könnte
in Paris Opfer ihrer eigenen Politik werden, d.h. die
ehemaligen
Verdränger (Gentrifier)
werden nun selber aus den schicken Quartieren verdrängt:
"Nachdem die Arbeiterklasse
erfolgreich in die Vorstädte verdrängt wurde, machen sich
Urbanisten und Stadtpolitiker nun Sorgen um das
Verschwinden der Mittelklasse. Aisé oder aidé, wohlhabend
oder unterstützt, das werden die Klassen sein, die übrig
bleiben, prognostiziert Jean-Yves Mano, Wohnungsbausenator
im Pariser Rathaus.
Der Grund für die geballte Immobilienspekulation sind die
ins Unglaubwürdige geschossenen Immobilienpreise, die sich
seit Mitte der Neunziger Jahre verdoppelt haben. (...). So
trifft es zum ersten Mal die so genannten Bobos, die
Bourgeois-Bohemien, die zwar in der Lage sind, gepfefferte
Mieten zu bezahlen, aber in der Regel nicht über
Generationen so wohlhabend geworden sind, dass sie einen
Wohnungskauf über mehr als eine Millionen Euro finanzieren
könnten."
- MEISTER, Martina (2005): Der
dreiundzwanzigste Klon.
Vom Olymp direkt in die Abendnachrichten: Michel
Houellebecqs neuer Roman
"Die Möglichkeit einer Insel",
in: Frankfurter Rundschau v. 25.08.
- Inhalt:
Martina MEISTER kennt keine Gnade:
"Es
geht, kurz gesagt, um die Abschaffung der Menschheit. Um
einen Roman, getaucht abwechselnd in das grelle Licht
Spaniens, das fahle der Endzeit, bevölkert von Clowns und
Klonen, von Neomenschen und Neandertalern, ein Buch, das
von der Unmöglichkeit der Liebe handelt, von Sex und
Sekten, eine moderne Version der biblischen Apokalypse des
Buches Daniel, an das schon die Kapitelüberschriften
erinnern, angesiedelt irgendwo auf der Grenze zwischen
Science Fiction, philosophischer Erzählung und porno chic.
Was Houellebecq vorab als sein wichtigstes Buch
angekündigt hat, ist sein schwächstes. Ein erneuter
Aufguss seiner Themen, zusammengequirlt nicht unter dem
Druck des Leids, sondern unter dem eines bereits
eingestrichenen Honorars."
- Kommentar:
Was MEISTER nicht erwähnt: Houellebecq ist nicht nur
kinderfeindlich, sondern
kinderlosenfeindlich.
- MEISTER, Martina (2005): Der
Fall und die Landung.
Die französischen
Intellektuellen verhalten sich zu den Krawallen noch immer
recht schweigsam,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.11.
- Inhalt:
Martina MEISTER sieht in der Misere
der französischen Vorstädte den Offenbarungseid der
politischen Klasse der Alt-68er. In der FR liest
sich das so:
"Wo
ist beispielsweise Bernard-Henri Lévy? Er sitzt in seinem
museumsgroßen Appartement am Pariser Boulevard
Saint-Germain".
Im
Tagesspiegel darf MEISTER deutlicher werden:
"Wo
ist beispielsweise Bernard-Henri Lévy, der als
Geschäftsreisender in Sachen Menschenrechte im
blütenweißen Hemd an jedem Krisenherd dieser Erde steht?
Er sitzt in seinem museumsgroßen Appartement am Pariser
Boulevard Saint-Germain".
Für
die in Paris lebende Martina MEISTER ist der Blick von in
Paris lebenden Ausländern schonungsloser. Sie lobt z.B.
Michael KLEEBERG.
- MEISTER, Martina (2005):
Hochmut kommt nach dem Fall.
Lange schwiegen Frankreichs Intellektuelle. Jetzt sehen
sie die Republik in Gefahr,
in: Tagesspiegel v. 17.11.
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MEISTER, Martina (2006): Das Modell
Frankreich.
Berufstätige Mütter sind jenseits des Rheins ebenso eine
Selbstverständlichkeit wie eine kontinuierlich steigende
Geburtenrate,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.01.
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MEISTER, Martina (2006): Am
Grabmal des Intellektuellen.
Frankreich fragt
sich, ob seine linken Vordenker von einst zu Rechten mutiert
sind. Eine aktuelle Bestandsaufnahme,
in: Frankfurter Rundschau v. 08.04.
- Inhalt:
Anlässlich des Gedenkens an 30 Jahre
Neue Philosophen skizziert Martina MEISTER die Debatte um
die französischen Intellektuellen:
"Alles
begann im Jahr 1976. Die Zeitschrift Nouvelles
Littéraires setzte den Begriff der »nouveaux
philosophes« in die Welt. Ihr Chefredakteur hatte sich
gewissermaßen selbst auf die Titelseite gehievt. Es war
kein anderer als der junge Lévy persönlich. Wenige Monate
später saß er gemeinsam mit Glucksmann in der berühmten
Fernsehsendung Apostrophes. Titel des Abends: »Sind
die neuen Philosophen rechts oder links?«
Dreißig Jahre
später hat diese Frage an Aktualität nichts eingebüßt, nur
fällt die Antwort heute viel eindeutiger aus. Die neuen
Philosophen sind rechts. Aber wie rechts eigentlich?
(...).
Ende vergangenen
Jahres brachte das Nachrichtenmagazin Le Nouvel
Observateur einen Titel zu den neuen Reaktionären
heraus, »Les
Neo Reacs«.
(...).
Doch die Neo-Reaktionäre sind so neu nicht. Bereits vor
drei Jahren hatte ein Artikel in Le Monde diplomatique
genau diese Frage aufgeworfen.
Kurz
zuvor hatte Daniel Lindenberg ein einschlägiges Pamphlet
mit dem Titel
»Un
Rappel à l'ordre«
(Ordnungsruf) veröffentlicht."
Das
Urteil von MEISTER über die französischen Intellektuellen
ist vernichtend. Die neuen Philosophen haben die junge
Generation verraten und auch die linken Intellektuellen
sind ein Totalausfall:
Der französische Intellektuelle ist tot.
Die nouveaux philosophes haben nur eine Weile darüber
hinweggetäuscht. (...). Denn es ist ein bemerkenswerter
Umstand, dass
Finkielkraut nicht mit den Aufständischen war, wie es
das Konzept des streitbaren, kritischen Intellektuellen
noch immer geböte, sondern gegen sie. Nicht etwa, weil er
damit rechte Positionen vertrat oder weil er gar die
Gewalt hätte gutheißen sollen. Sondern weil sein Urteil
über die Ereignisse im November schlicht ein Zeugnis von
Weltferne war. Offensichtlich passt er nicht mehr die
Theorie der Wirklichkeit an, sondern, umgekehrt, die
Wirklichkeit den vorhandenen Denkmustern. Etliche
Intellektuelle haben die eigentlichen Ursachen des
französischen winter of discontent verfehlt, wenn nicht
verfälscht, indem sie wie Finkielkraut anti-jüdische oder
islamistische Motive der Randalierer behaupteten, die sich
nirgends und durch nichts belegen ließen. Der derzeitige
Aufstand der Studenten beweist indes, dass eine ganze
Generation um Perspektiven gebracht ist. Konkrete soziale
Verwerfungen, kulturelle Fehlentwicklungen,
gesellschaftlicher Ausschluss von Minderheiten - all dies
wird nicht einmal mehr erwähnt, geschweige denn beharrlich
analysiert wie zu Zeiten der misère du monde.
(...).
Auf der anderen
Seite fehlen die linken Intellektuellen, die tatsächlich
noch das Terrain aufsuchen; die Fragen stellen, ohne die
Antworten vorher schon zu kennen. Wo sie sind?
"Als
intellektueller Typus regiert nur noch der flinke
Zeitgeist-Surfer wie ihn besonders BHL perfekt verkörpert
(...). Zu Gute halten muss man ihm, dass er immerhin am
Projekt der Moderne festhält. Anders als
Frédéric
Beigbeder und
Michel Houellebecq, die das Hoffen längst aufgegeben
und das Mahnen satt haben. Wie einst Waldorf & Stadler in
der Muppets-Show stehen sie auf dem Balkon und
gießen ihren Spott auf das Geschehen hinab. Zynisch
kommentieren sie den Weltenlauf, uneigentlich wie die
Verhältnisse selbst.
Die intellektuelle
Debatte in Frankreich findet nicht mehr in verrauchten
Cafés von Saint-Germain oder in Vorlesungssälen aus dem
17. Jahrhundert statt, sondern in vollautomatischen
Fernsehstudios der Privat- und Nischensender. Sie ist dort
eine Talkshow unter anderen, in der sich inszeniert, wer
die Welt nicht mehr zu verändern, sondern von ihren
Defekten zu profitieren hofft. Es wird viel geredet. Auch
oder gerade, weil man nichts mehr zu sagen hat."
- MEISTER, Martina (2007):
Kinderregen,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.02.
- Inhalt:
Martina MEISTER
berichtet aus dem fruchtbaren
Frankreich über das bretonische 1633-Einwohner Dorf
Ahuillé, in dem im vergangenen Jahr 33 Babys zur Welt
kamen.
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MEISTER, Martina (2007): Geschenkte Zeit.
Mutig und schonungslos: Iris Radisch hat sich Gedanken über die
Zukunft der Familie gemacht,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 21.03.
- Neu:
MEISTER, Martina (2007): Revolution auf französisch.
Vive la France? Unser hassgeliebtes Nachbarland steckt in
der Krise und zweifelt neuerdings sogar an sich selbst. Das
war nicht immer so,
in: Tagesspiegel v. 24.03.
- Exklusiv-Story von
single-dasein.de:
Frankreich gilt deutschen
berufstätigen Karrierefrauen mit Kinderwunsch - wie z.B.
Martina MEISTER, als Paradies auf Erden.
Nationalkonservative Apologeten der Bevölkerungspolitik
wie
Franz-Xaver KAUFMANN oder
Herwig BIRG behaupten gar
einen engen Zusammenhang zwischen der Geburtenentwicklung
und der Wohlstandsentwicklung eines Landes.
Die
französische Krise, die MEISTER nun beschreibt, dürfte es
in der Lesart von
Franz-Xaver KAUFMANN und
Herwig BIRG nicht geben:
"3,7
Millionen Franzosen leben in Armut, jeder sechste
Arbeitnehmer muss mit dem Mindestlohn von 1250 Euro
auskommen. In Sachen Arbeitslosigkeit steht Frankreich mit
einer Quote von 8,6 Prozent gemeinsam mit Spanien und
Griechenland im europäischen Vergleich am schlechtesten
da. Besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit. 23
Prozent der Jugendlichen unter 25 Jahren sind ohne Job, in
Vorstädten wie Clichy-sous-Bois, wo im
Herbst 2005 die Aufstände losbrachen, steigt diese
Zahl sogar auf bis zu 50 Prozent.
Leicht ließe sich
die Reihe der ökonomischen Desaster fortsetzen: Das
Außenhandelsdefizit hat im vergangenen Jahr mit knapp 30
Milliarden Euro Rekordniveau erreicht. Und nach Schweden
hat Frankreich mit 54 Prozent immer noch die zweithöchste
Staatsquote, obwohl die Verschuldung mittlerweile 65
Prozent des Bruttoinlandproduktes ausmacht. »The sick man
of Europe«, titelte unlängst der britische »Economist«.
Ja, Frankreich ist ein müder, kranker Mann.
Es geht
wirtschaftlich schlecht, aber noch schlimmer ist, dass
Frankreich an sich selbst zweifelt. In den Buchläden steht
meterweise Literatur zum »declin«, zum nationalen
Untergang. »Der Absturz«, »Die Angstgesellschaft«, »Das
französische Malheur« heißen die Titel dieser Pamphlete
und Plädoyers für einen Neuanfang, allesamt Bestseller,
geschrieben zum großen Teil von den Apologeten des
Neoliberalismus, den so genannten »Deklinologen«. Längst
hat man für den Volkssport der Selbstgeißelung ein neues
Wort geschöpft.
(...).
Ein Staat in der Krise, eine Gesellschaft im Umbruch, ein
Land voll sagenhafter Widersprüche: Frankreich befindet
sich in der Depression, verzeichnet aber gleichzeitig die
höchste Geburtenrate Europas.
Es hat den
weltweit höchsten Konsum an Antidepressiva – und gilt
immer noch als Inbegriff des savoir vivre. Es ist mit
Deutschland das Zugpferd der Europäischen Union gewesen,
hat aber im Referendum gegen die neue Verfassung gestimmt.
Wie geht zusammen, so fragt man sich".
So fragen sich
nur die Anhänger der Ideologie "Wir brauchen mehr Kinder"
(Susanne LANG).
In diesem
Monat ist mit dem Buch
"Weniger sind mehr" des
prominenten Soziologen Karl Otto HONDRICH jedoch ein Buch
auf den Markt gekommen, das wie bereits das Buch
"Die Single-Lüge" in der
Bestandserhaltungszahl 2,1
keineswegs den Maßstab für eine nachhaltige
Gesellschaftspolitik sieht.
Für HONDRICH
ist die französische Krise auch die Konsequenz einer
Bevölkerungspolitik, die am gesellschaftlichen Bedarf an
Nachwuchs vorbeigeplant hat.
Zudem - darauf
hat single-dasein.de bereits des Öfteren
hingewiesen - werden die
Geburtenraten der Französinnen
überschätzt, während diejenigen der Deutschen unterschätzt
werden.
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