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Rezension des Buches
Generation Golf von Florian
ILLIES.
KAMANN, Matthias (2001): Der
Familie ist alles zuzutrauen,
in: Welt v. 26.05.
KAMANN sieht das Gemeinsame
der Bio-Ethik-Debatte und der Erziehungsdebatte darin, dass
Eltern als unverantwortliche Egoisten angesehen werden:
"Ehe und Familie genießen
das besondere Misstrauen der Gesellschaft", ist seine These
und Schuld daran sind die 68er. Dieser " Generalverdacht
gegenüber den Eltern und ihrem Egoismus" ist nach Meinung
von KAMANN kontraproduktiv, denn ohne "Egoismus bekäme
niemand Kinder, man will sich ja reproduzieren".
Sein Fazit:
"Wenn der elterliche
Egoismus unter Generalverdacht gerät, kann Erziehung nicht
stattfinden. Sie braucht wegen der unverzichtbaren
Intensität der Beziehung zum Kind einen Entfaltungsraum des
Elternwillen. Ihn muss die Gesellschaft unterstützen, gewiss
kontrollieren, vor allem bejahen."
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KAMANN, Matthias (2001): Das kleine
Gespenst.
Der neue Antikapitalismus ist bloß ein Phänomen
der Mode - und darin liegt sein Vorzug,
in:
Welt
v. 19.06.
KAMANN, Matthias (2002):
Loveparade statt Ruck.
Trotz Krise ignorieren die
Deutschen die Unkenrufe der Kulturkritik - und tun recht daran,
in: Welt v. 13.07.
KAMANN lobt die
Spassgesellschaft,
weil sie eine Rückkehr zur Klassengesellschaft ohne Klassenkämpfe
garantiert:
"Deutschland
nimmt an einem beispiellosen und großartigen Experiment teil.
Versucht wird, eine in kürzester Zeit stattfindende Revolution -
den Übergang zur Informations- und
Dienstleistungsgesellschaft im globalen Maßstab - zu
bewältigen, ohne dass es zu extremen sozialen Verwerfungen oder
gar Klassenkämpfen kommt."
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KAMANN, Matthias (2002): Wenn uns das
Lachen vergeht, sind wir verloren.
Beim Kampf gegen den Fundamentalismus muss sich der Westen den
Spaß an sich bewahren,
in: Welt v. 06.09.
Matthias KAMANN bespricht das Merkur-Sonderheft
Lachen.
KAMANN, Matthias (2002): Man darf von
anderen abhängig sein.
Der Sozialstaat hat auch diese Wahl überlebt. Dem gewinnt Richard
Sennett Positives ab,
in: Welt v. 23.09.
Rezension des Buches
Respekt von
Richard SENNETT.
"Von
Bismarck bis zum modernen Sozialstaat haben die Deutschen die Härten
des Kapitalismus mit Hilfe der Generationengemeinschaft abgemildert.
Jetzt aber könnte just diese,
weil ihre
reproduktive Grundlage fehlt, Konflikte auslösen, deren Härte
die des modernen Kapitalismus weit übertrifft.
Möglichst
wenig sollte daher derzeit von der Zugehörigkeit zu einer Generation
abhängen. Was uns leicht fallen dürfte - unsere Geburtenraten
zeigen, wie wenig uns das Generationenprinzip bedeutet. Wem es nicht
auf die Alterspyramide ankommt, dem sollte es auch nicht mehr aufs
Alter ankommen. Man ersetze also das Alters- durch das
Leistungsprinzip (...).
Empirisch
ist ein Festhalten an Generationenschemata ohnehin nicht mehr
gedeckt. Gerade die
kurzatmige Beliebigkeit, mit der immer neue »Generationen« aus dem
Hut gezogen werden (»Zaungäste«,
»89er«,
»Generation Berlin«,
»Generation Golf«) - gerade diese Beliebigkeit zeigt, wie
schwach die Kräfte zur Generationsprägung sind. Das 68er-Schema mag
zur Nachahmung anstacheln, aber es hat ausgedient. Die Blässe der
sympathischen »Generation Golf« beweist nicht deren Schwäche,
sondern dass der Gegenwart die Kategorie »Generation« nicht
angemessen ist.
Diese jetzt wieder beleben zu wollen, wäre Spielerei; sie wieder
beleben zu müssen, weil die Sozialpolitik dazu zwingt, wäre
gefährlich",
meint Matthias KAMANN. |
Matthias KAMANN sieht hinter der
Elterngelddebatte das eigentliche Problem der Erosion des
Bildungsbürgertums. Sein Fazit:
"Was
wir (...) derzeit erleben, wirkt wie die Wiedergeburt der
Ständegesellschaft aus dem Geist des Individualismus: Die
Angehörigen der akademischen Schichten konzentrieren sich so sehr
auf sich selbst, dass sie Nachwuchsprobleme bekommen, die sie wegen
der Verdummung in den Unterschichten nur selbst beheben können,
durch mehr eigene Kinder - falls man ihnen finanzielle Anreize
bietet. Das ist Ancien Régime im Umverteilungsstaat. Statt dies zu
verfestigen, setzt freiheitliche Politik auf die Entlastung aller
Familien, die Verbesserung der Betreuung für alle Kinder - und auf
ein Bildungssystem, das alle Talentierten und Fleißigen nach oben
lockt."
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Kommentar zur geplanten Reform des
Unterhaltsrechts.
| Kommentar zur Umfrage des Allensbacher
Institut für Meinungsumfragen zum Kinderwunsch. |
KAMANN, Matthias (2004): Die trauernde Generation.
Jetzt fangen die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge an,
ihre Eltern zu beerdigen,
in: Welt v. 19.11.
Matthias KAMANN wagt eine Prognose zu den
kommenden
Todeskämpfen:
"Weil
der Tod die Baby-Boomer so heftig treffen wird, spricht nichts für
die bioethisch-zivilisationskritische These, daß demnächst kalten
Herzens per Patientenverfügung und Gnadenspritze die Alten entsorgt
würden. Hinter dieser Vision steckt ein hysterischer
Fortschrittsglaube, der so tut, als könne man sich von den
elementaren Gewalten des Lebens wegmodernisieren. Viel
wahrscheinlicher ist das Gegenteil: Gerade die Generation der
40Jährigen, die ja jetzt schon bei ihren Kriegen um jeden getöteten
Unschuldigen trauert, wird vor der Macht des Todes ganz neu
erschrecken."
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Matthias KAMANN sieht durch zwei Umfragen von
Allensbach und Forsa seine Position gestärkt, dass
finanzielle Anreize das Problem des Geburtenrückgangs nicht lösen.
Für die Familiengründung sind andere Gründe ausschlaggebend:
"Habe
ich den geeigneten Partner? Verliere ich durch Kinder nicht meine
Unabhängigkeit? Kann ich der Verantwortung gerecht werden?"
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KAMANN, Matthias (2005): Deutschland, deine Väter.
Die deutschen Männer
glauben immer noch, sie müßten Alleinversorger der Familie sein. Das
macht ihnen Angst vor Kindern. Politik und Unternehmen setzen sie
zusätzlich unter Druck,
in: Welt v. 04.05.
Matthias KAMANN zur Studie
Nachhaltige Familienpolitik.
KAMANN kritisiert die politische Forderung von
Paul KIRCHHOF,
Renate SCHMIDT und anderen nach
einem Familienwahlrecht:
"Die
größte Absurdität liegt im Prinzip: daß politisch-inhaltliche
Probleme wie die Folgen des Geburtenrückgangs nicht inhaltlich
angegangen werden - durch Reformen der Sozialversicherungen -
sondern daß an formalen Verfassungsprinzipien herumgedoktert werden
soll".
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KAMANN, Matthias (2005): Verschwendete Gebärprämien.
Durch Milliardentransfers
für Familien will der Staat die Geburtenrate heben. Damit schafft er
nichts als Frustration,
in: Welt v. 21.10.
KAMANN möchte die Kontroverse Familien
contra Singles, die das Gemeinwesen gefährdet, durch einen Umbau
der sozialen Sicherung beenden:
"Wenn
Steuergelder nicht mehr in die beunruhigende Erzeugung von
Gebärstreß gesteckt werden, sondern in eine beruhigende
Alterssicherung, dann hat das eine befriedende Wirkung für die
ganze Gesellschaft.
Solche
Befriedung tut not, denn schon jetzt sieht man, was passiert, wenn
die Familien- und Sozialpolitik die Gesellschaft mit nicht
befolgten Gebär-Appellen konfrontiert und zugleich im faktisch
längst aufgekündigten Umlagesystem einmauert: Zänkische Rentner
beschweren sich über egoistische Kinderlose. Selbstgerechte junge
Eltern halten den Windelwechsel auf dem Caféhaustisch für das
natürliche Recht der Zukunftssicherer. Kinderlose jaulen sich
zwischen all ihren Konsumgütern in die Rolle diskriminierter Opfer
hinein. Junge Frauen ohne passenden Partner und mithin ohne Kinder
werden als bindungsunfähig beschimpft. Junge Männer, die den
Infarkt zwischen »Neuer Väterlichkeit« und extremem Berufsdruck
vermeiden wollen, gelten als verantwortungslos. Solche
Giftspritzerei auf Gegenseitigkeit kann sich eine Gesellschaft
nicht lange leisten. Aus diesem Kessel den Druck zu nehmen, statt
noch mehr Geld zu verpulvern, ist die zentrale Aufgabe der
allerorten beschworenen neuen Familienpolitik".
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Der einstige Volkszählungs-Gegner KAMANN
fordert für die geplante Volkszählung eine plausible Begründung:
"Allerdings
muß Schäuble erklären, warum Hunderte von Millionen für eine
datenschutzrechtlich notwendigerweise beschränkte Volkszählung
ausgegeben werden sollen, obwohl der Mikrozensus sowie die
Erhebungen der Demoskopen und Sozialwissenschaftler bereits jetzt
eine derartige Datenfülle produzieren, daß selbst Experten kaum
noch etwas mit all den Zahlen anzufangen wissen."
Dazu
ließe sich anmerken, dass auch die teuerste Volkszählung nichts
nützt, wenn wieder nur Daten erhoben werden, die das traditionelle
Familienmodell - gegen die Familienwirklichkeit - normativ stützen
sollen. Dagegen
wäre es sinnvoll, jene Daten zu erheben, die der modernen
Familienwirklichkeit gerecht würden. Sowohl
die nationalkonservative Demografie als auch die
Familienfundamentalisten missbrauchen ihr Deutungsmonopol dazu,
Singles und "Single-Familien" zu diskriminieren. Eine Volkszählung
könnte hier einen Beitrag zur Normalisierung moderner
Familienverhältnisse leisten. Ob
dies jedoch politisch gewollt ist, das muss stark bezweifelt
werden. |
KAMANN kritisiert den Etatismus der
Familienpolitik und plädiert stattdessen - im Interesse der
Versicherungsbranche - für den Ausbau kapitalgedeckter Vorsorge
sowie für die private Kinderbetreuung im Sinne eines Ausbaus des
Niedriglohnsektors im Bereich der haushaltsbezogenen
Dienstleistungen. Bei der Lichtung der
"Familienalimentierung" plädiert KAMANN für Härte gegen
sozialstaatsabhängige Familien:
"Trotz des steten Anwachsens der Familientransfers (...) ist
unsere Geburtenrate weiter gesunken. (...).
Ändern wird sich das nur, wenn man aufhört, Familienpolitik als
politische Form der Freundlichkeit aufzufassen. Vielmehr ist
durchaus Härte gefragt, der Dschungel der Transfers zu lichten und
die Verantwortung der Familien beim eigenen Wirtschaften zu
stärken, statt daß wie bisher viele Leistungen zum Verharren im
unteren Bedürftigkeitsdrittel führen."
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Kommentar zur
Bevölkerungsentwicklung in Deutschland.
KAMANN, Matthias (2006): Kritik am Meinungskartell.
Albrecht Müller: "Machtwahn - Wie eine mittelmäßige Führungselite
uns zu Grunde richtet",
in: DeutschlandRadio v. 07.04.
Mit den sozial- und wirtschaftspolitischen
Vorstellungen von Albrecht MÜLLER kann sich KAMANN zwar nicht
anfreunden, aber bei seiner Kritik an der demografischen Demagogie
stimmt er ihm zu:
"Es
gibt sie, die Tendenz zur inzestuösen Meinungsbildung in jenen
Informationseliten, die seit gut fünf Jahren eine Radikalkur für
unsere Wirtschaft und Sozialsysteme fordern. Gerade diejenigen,
die unablässig über Korporatismus und soziale Kartelle klagen,
haben selbst ein korporatives Kartell aufgebaut, in dem einer dem
andern die Reformthesen und Krisenbeschwörungen nachspricht.
So
kamen jüngst pünktlich zum Erscheinen des neuen Demographie-Buches
von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher plötzlich die passenden
Studien zum Geburtenrückgang daher, und die Medien überboten
einander mit Serien über die alternde Gesellschaft und die Krise
der Rentenversicherung. In solchen Fällen wird, da hat Müller
schon recht, weniger hinterfragt als hinterher geschrieben."
Albrecht Müller - Machtwahn |
KAMANN, Matthias (2006): Schrecken der Scheidung.
Heiraten ist weiterhin beliebt, doch der
Durchhaltewille verheirateter Paare sinkt dramatisch. Warum in
Deutschland bereits jede dritte Ehe in die Brüche geht und welche
finanziellen Folgen die Trennungen für viele Betroffene oftmals
haben,
in: Welt v. 26.06.
KAMANN, Matthias (2006): Das Leiden der Männer.
Scheidungsväter haben es nach Ansicht von
Geschlechterforschern wesentlich schwerer, mit ihren oft genauso
großen Problemen Beachtung zu finden,
in: Welt v. 26.06.
KAMANN wendet sich gegen die großzügige
Finanzierung von Abtreibungen. Faktisch macht ihn dies zum
Verbündeten derjenigen, denen er schlechte Gründe unterstellt:
"schlechte
Gründe (...) verbinden die Abtreibungen mit der Geburtenrate:
Man verweist darauf, daß einerseits seit 1996 insgesamt 250
Millionen Euro vom Staat für Abtreibungen ausgegeben wurden,
andererseits dem Land die Kinder fehlen, und hofft, daß die von
Sachsen und Thüringen (erfolglos) geforderte Verschärfung der
Bedürftigkeitsprüfung bei abtreibungswilligen Frauen dem
Kindermangel abhelfen könnte. Werden sich Frauen, wenn der Abort
nicht mehr bezahlt wird, nicht doch für das Kind entscheiden?
Dem
steht alle Erfahrung entgegen. (...).
Sie funktioniert
nicht, die Verbindung zwischen Abtreibungsfinanzierung und
Kinderwunsch. Wer sie zieht, ideologisiert die Kostenübernahme
genauso wie jene, die darin eine Absicherung weiblicher
Selbstbestimmung sehen: Gilt dem einen das Kürzen als Dienst am
Wert der Geburtensteigerung, so dem anderen die Großzügigkeit als
Dienst am Wert weiblicher Autonomie."
Wenn
KAMANN die Väterfeindlichkeit der bestehenden
Finanzierungsregelung beklagt, dann liegt er zudem im
antifeministischen Trend.
Wenn
KAMANN also Sparsamkeit fordert, dann kann er sich sowohl des
Beifalls von Familienfundamentalisten als auch von Antifeministen
gewiss sein:
"Staatliches
Geld oder dessen Verweigerung ist weder ein Mittel der
finanzpsychologischen Geburtensteigerung, noch eines des
Lebensschutzes per finanzieller Schwangeren-Erpressung, noch eines
der feministischen Emanzipationsgynäkologie. Staatliches Geld ist
einfach nur sparsam auszugeben."
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KAMANN, Matthias (2007): Biologischer
Fatalismus.
Politik und Demographie,
in: Welt v. 20.01.
Angesichts des Films
2030 - Aufstand der Alten
kritisiert KAMANN die Beschwörung eines postpolitischen
Zeitalters, das nur von demografisch-generationellen Trends, von
Biologischem bestimmt wird.
Der
biologische Fatalismus, der sich dahinter verbirgt ist für KAMANN
einerseits Ausdruck sozialer Verlustängste und entspringt
andererseits Rachewünschen gegenüber Individualisten.
Des Weiteren
macht KAMANN eine grassierende Politikverachtung aus, die ihn zur
Frage veranlasst, "warum der Bevölkerungswandel ein Thema viel
mehr der Medien als der Politik ist." KAMANN vermutet hier ein
strategisches Medieninteresse:
"Immerhin lässt
sich mithilfe der Demografie exzellent suggerieren, wie schwach
die Politik, wie dringlich ihre Eindämmung durch andere ist. Und
wer deckt im ZDF-Film all das Elend auf? Richtig, eine
Journalistin."
KAMANN
findet diese Entwicklung bedenklich:
"Der demografische
Wandel ist eine viel zu große Herausforderung an unsere
Anpassungsfähigkeit, als dass wir dabei auf demokratisch
legitimierte Gestaltung verzichten könnten."
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KAMANN, Matthias (2007): Demografie als Apokalyse.
Thomas Etzemüller über schwedische Eugenik und die windigen
Katastrophenszenarien mancher Bevölkerungswissenschaftler,
in: Welt v. 24.06.
Rezension des Buches
Der ewigwährende Untergang
von Thomas ETZEMÜLLER.
Matthias KAMANN weist auch auf die
Problematik der
Studie des Berlin-Instituts hin,
die bei den Agenturberichten, die auf den Webseiten von so
genannten Qualitätszeitungen verbreitet werden (z.B.
sueddeutsche.de),
ausgeblendet bleiben:
"Einem Teil der von
Allensbach erhobenen 1,4 Millionen Menschen, die aus medizinischen
Gründen keine Kinder bekommen können, kann allerdings die
Reproduktionsmedizin nicht mehr helfen. Denn zumindest bei den
älteren Frauen dieser Gruppe liegen nicht mehr medizinische,
sondern biologische Gründe für die Kinderlosigkeit vor (...).
Hinzu kommt, dass bei
der Erhebung nicht nachgefragt wurde, warum die Menschen trotz
Beischlafs kinderlos blieben.
(...). Die bei der
Vorstellung der Studie anwesende Reproduktionsmedizinerin Bettina
Pfüller von der Berliner Charité erklärte auf Nachfrage, dass nur
50 Prozent ihrer Patienten an Formen der Unfruchtbarkeit leiden,
die medizinische Interventionen ratsam er scheinen lassen. Bei den
anderen liegen psychische Gründe vor so wie bisher unbekannte
biologische Ursachen und zuweilen mangelhafte Kenntnisse über die
Einzelheiten der natürlichen Zeugung. Unterstützt wurde die
Erstellung der Studie laut Berlin-Institut von der Serono GmbH.
Diese bezeichnet sich selbst als „weltweit führend in der
Behandlung von Unfruchtbarkeit“ und erklärt: „Unser Marktanteil
liegt in diesem Bereich bei über 60 Prozent."
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KAMANN, Matthias (2007): Zum Wohle der
Paare,
in: Welt v. 27.06.
KAMANN möchte künstliche Befruchtungen nicht
mehr von den Krankenkassen finanzieren lassen, sondern aus dem
allgemeinen Steueraufkommen, lehnt jedoch bevölkerungspolitische
Begründungen ab:
"Dass nun auch schon der Zustand weiblicher Eierstöcke und
männlicher Hoden über unsere Zukunft entscheiden soll, dass
weiterhin das Rauchen oder die Dickleibigkeit als
Fertilitätsrisiken von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sein
sollen, ist eine gefährliche Tendenz, bei der sich zeigt, wie die
demografische Panik in immer weitere Bereiche unseres Lebens
ausgreift - von den wirtschaftlichen Interessen der
Reproduktionsmediziner ganz zu schweigen."
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KAMANN, Matthias (2007): Keine Angst vor Einsamkeit im Alter.
Teil 2:
Zu vereinsamen fürchten nur wenige alte
Menschen in Deutschland. Und das hat seinen Grund: Der Zusammenhalt
zwischen Alt und Jung funktioniert gut, die soziale Vernetzung nimmt
zu - aber nur, solange der Geldfluss zwischen den Generationen nicht
bedroht wird,
in: Welt v. 31.07.
KAMANN, Matthias (2008): Babyboom in den Dreißigern.
33- bis 37-Jährige Hauptprofiteure des Elterngeldes - Statistik
könnte über Sondereffekte hinwegtäuschen,
in: Welt v. 21.08.
KAMANN, Matthias (2008): Deutsche Eltern verlangen zu viel von sich.
Studie belegt extrem hohe Erwartungen an familiäres Engagement -
Mütter fühlen sich überlastet und vom Partner allein gelassen,
in: Welt v. 25.08.
Kommentar zur Vorwerk-Familienstudie.
KAMANN, Matthias (2008): Island ist bankrott?
Gerade wurde uns die Insel in einer Zukunftsstudie noch als
Musterregion Europas verkauft,
in: Welt v. 09.10.
Single-generation.de machte
bereits gestern darauf
aufmerksam, dass das Berlin-Institut für Bevölkerung und
Entwicklung die Zukunft Islands aufgrund der demografischen
Faktoren zu rosig gesehen hat. Matthias KAMANN sieht das heute in
der Welt auch so:
"Bei
der Ermittlung der »Zukunftsfähigkeit« weit überschätzt wurde
Demografisches wie die Kinderzahl, einseitig positiv bewertet
wurde Gesellschaftspolitisches wie die Frauenerwerbsquote. Und wie
sich jetzt zeigt, hat das Berlin-Institut die finanzpolitischen
Risiken des isländischen Booms offenbar schlicht ausgeblendet,
obwohl sie gerade in eine Studie hätten einfließen müssen, die
sich mit der Bewältigung des demografischen Wandels befasst."
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KAMANN, Matthias (2009): Die Menschen nähern sich mutig der
Todeszone.
Der Tod – in westlichen Gesellschaft ist er eines der größten
Tabus. Matthias Kamann ergründet, warum sich unser Verhältnis zum
Sterben in letzter Zeit dramatisch verändert. Und er sieht eine neue
Volksbewegung kommen: Die Menschen nähern sich mutig und individuell
der Todeszone,
in: Welt Online v. 27.09.
Matthias KAMANN über die so genannte
"Krebsbekenntnisliteratur":
"Man
kann darin eine Reaktion auf die
Alterung der
Gesellschaft sehen oder ein Zeichen für neues spirituelles
Interesse – zentral jedenfalls ist der Befund, dass es lauter
Einzelberichte sind.
Das
wird zuweilen kritisiert. Jürgen Leinemann wurde Eitelkeit
vorgeworfen,
Georg Diez Indezenz gegenüber seiner Mutter. Tilman Jens hielt
man vor, er habe im Buch über seinen Vater Walter Jens (»Demenz.
Abschied von meinem Vater«) einen öffentlichen Vatermord begangen.
Doch sind solche Texte wohl die Vorhut einer neuen Volksbewegung. Zu
der gehören auch die vielen ehrenamtlichen Hospizhelfer, deren Zahl
in Deutschland bei schon 80.000 liegt. Nicht mehr geht es beim
Sterben um das Typische, den schematisierten Konflikt zwischen
höllischen und himmlischen Mächten. Vielmehr betrachten wir den je
eigenen Tod, lassen uns darüber von Todkranken erzählen. Das
Lebensende wollen wir im Modus der Individualität erkennen, sie
pflegen wir im Sterben, sie verlängern wir bis in den Tod. Ja, über
ihn hinaus."
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KAMANN, Matthias (2010): Gelächter und Spaß im Bett.
Wenn Ehen lange halten, liegt das nicht so sehr an Disziplin oder
Gewöhnung, sondern am Willen, zu zweit viel Schönes zu erleben,
in:
Welt am
Sonntag v. 04.04.
Neu:
KAMANN, Matthias (2010): Nur als Provokateur originell.
Noch vor der Veröffentlichung seines Buches brach ein Sturm der
Entrüstung über Thilo Sarrazin herein. Bei der Lektüre aber findet
sich viel Unproblematisches und Altbekanntes. Das Neue an dem Werk
allerdings ist haltlos,
in: Welt v. 27.08.
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