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Stephan Wackwitz: Neue Menschen

 
       
     
       
   
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    Neue Menschen (2005).
    Bildungsroman
    Frankfurt a/M: Fischer

     
       
     
     

    Klappentext

    "Mit Selbstironie, provozierender Ehrlichkeit und berührender Offenheit erzählt Stephan Wackwitz vom Studieren in den 70er Jahren, das weniger den Studienerfolg als die marxistische Weltrevolution und den dazugehörigen »neuen Menschen« zum Ziel hatte. Aber er belässt es nicht beim Blick auf die eigene Verblendung. Von den pietistisch verzückten Pfarrern des 18. Jahrhunderts über die nationalistisch entzündeten jungen Männer des Dritten Reichs bis zu den islamischen Selbstmordattentätern des Jahres 2001 verfolgt Wackwitz die gespenstischen Spuren der »neuen Menschen« durch die Geschichte. Und er erzählt im Gegenzug von Beispielen positiver Neuerschaffung: von der »Religion der jungen Frauen« im Berlin der 20er Jahre bis zur homosexuellen Selbstrettung in die Welt von Kunst und Kultur."

     
     
           
         
       
    • Rezensionen

    • SCHNEIDER, Wolfgang (2005): Die närrischen, gnostischen, lieben Achtundsechziger.
      Stephan Wackwitz und Richard David Precht erinnern sich nicht ohne Süffisanz der Jahre, dei den Neuen Menschen mit politischen Mitteln schaffen wollten,
      in: Literaturen Nr.9, September
    • Inhalt:
      Wolfgang SCHNEIDER berichtet darüber, dass Stephan WACKWITZ in seinem Roman "Neue Menschen" seine K-Gruppen-Vergangenheit im roten Jahrzehnt aufarbeitet.

                
      Von 1974 bis 1979 war WACKWITZ Mitglied des Marxistischen Studentenbund »Spartakus«.
                
      Seine Irrungen und Wirrungen stellt WACKWITZ nun in ideen- und familiengeschichtliche Zusammenhänge:
                
      "Man kommt sich in seinem Enthusiasmus originell vor, ist aber in Wahrheit nur der Wiedergänger einer Tradition. Ideen sind Bodysnatcher - unheimliche Parasiten, die sich ihren Wirtsorganismus zum Beispiel in Gestalt eines schwäbischen Studenten namens Wackwitz suchen. »Neue Menschen« nimmt den Kampf mit den geistigen Aliens auf."
                
      SCHNEIDER weist darauf hin, dass bei WACKWITZ der Bildungsroman nicht, wie im klassischen Bildungsroman von GOETHE bis zu Thomas MANN mit Desillusionierung endet, sondern am Ende steht das gute Leben.
                
      Von der K-Gruppe zum Konsumistischen Manifest der Bobos folgt WACKWITZ dem Zeitgeist:
                
      "Der Held eines heutigen Bildungsromans hat mehrere Leben. Er verliert fünf Jahre im MSB, kommt am Ende aber wieder auf die Beine und darf gut essen gehen. (...). Wackwitz (...) ist ganz im Ernst zum Verfechter konsumistischer Lebensfreude geworden (...).
                
      Aber wie wurde er eigentlich vom Marxismus geheilt? Es könnte sein, dass sein Bildungs- doch eher ein Reiseroman ist: der einer Reise mit dem Zeitgeist nämlich. Dieser wohltätige Begleiter führte Anfang der achtziger Jahre plötzlich auch bei Wackwitz einen neuen Lebensstil herauf: »eine Art Dandytum« - feineres Wort für jenes Phänomen, das seinerzeit auf allen Schulhöfen der Republik in Erscheinung trat und den langhaarig-schluffigen Konsens irritierte: der »Popper«."
                
      Inzwischen ist WACKWITZ mitten in der Berliner Republik angekommen:
                
      "lieber sind Wackwitz heute junge Frauen (»Liberals by design«), die erst einmal Spaß und später einen netten Mann und Kinder haben wollen.
    • Neu:
      MAIDT-ZINKE, Kristina (2005): In Penneraufmachung.
      Nicht nur verhext, sondern auch noch schlecht angezogen: Stephan Wackwitz erzählt von den Verführungen der Revolution,
      in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 18.10.
      • Kommentar:
        MAIDT-ZINKE bringt das Problem der "Selbstbezichtigung der marxistisch verführten Söhne" in dem Buch "Neue Menschen" von Stephan WACKWITZ auf den Punkt:

                  
        Wenn er den »größenwahnsinnigen Lebensentwurf« seiner frühen Jahre geißelt und sich des »gnostischen Jugendirreseins« anklagt, dann spricht daraus noch immer jener Hang zur Überhöhung und Dramatisierung der eigenen Weltsicht, der ihn seinerzeit für Welterlösungsphantasien anfällig machte.
        Seine studentische Mitgliedschaft im MSB Spartakus (...) vermag er auch nach drei Jahrzehnten nicht locker als Sturm-und-Drang- Episode abzubuchen."

                  
        Man könnte noch weiter gehen. Die Zeitschrift Merkur ist im Kern ein elitärer Zirkel, in dem der Kapitalismus (gepaart mit einem kräftigen Schuß Antifeminismus) als neue Religion jenes Vakuum auffüllt, das der Messianismus der 1970er Jahre hinterlassen hat.
                  
        Das Merkur-Kernmilieu (selten schreibt dort einmal eine einzelne Frau!) ist sozusagen die Tristesse Royale der Single-Generation.
                  
        Während sich Ewiggestrige noch sophiedannenhaft mit den mumifizierten 68ern auseinandersetzen, sind längst neue Kaderschmieden entstanden, die diese Berliner Republik mental prägen.
     
       
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    Update: 26. Juli 2006
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