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Rezensionen
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SCHNEIDER, Wolfgang (2005): Die
närrischen, gnostischen, lieben Achtundsechziger.
Stephan Wackwitz und Richard David Precht erinnern sich
nicht ohne Süffisanz der Jahre, dei den Neuen Menschen mit
politischen Mitteln schaffen wollten,
in:
Literaturen Nr.9, September
- Inhalt:
Wolfgang SCHNEIDER berichtet darüber,
dass Stephan WACKWITZ in seinem Roman "Neue Menschen" seine
K-Gruppen-Vergangenheit im
roten
Jahrzehnt aufarbeitet.
Von
1974 bis 1979 war WACKWITZ Mitglied des Marxistischen
Studentenbund »Spartakus«.
Seine
Irrungen und Wirrungen stellt WACKWITZ nun in ideen- und
familiengeschichtliche Zusammenhänge:
"Man
kommt sich in seinem Enthusiasmus originell vor, ist aber in
Wahrheit nur der Wiedergänger einer Tradition. Ideen sind
Bodysnatcher - unheimliche Parasiten, die sich ihren
Wirtsorganismus zum Beispiel in Gestalt eines schwäbischen
Studenten namens Wackwitz suchen. »Neue Menschen« nimmt den
Kampf mit den geistigen Aliens auf."
SCHNEIDER
weist darauf hin, dass bei WACKWITZ der Bildungsroman nicht,
wie im klassischen Bildungsroman von GOETHE bis zu Thomas
MANN mit Desillusionierung endet, sondern am Ende steht das
gute Leben.
Von
der K-Gruppe zum
Konsumistischen Manifest
der
Bobos folgt WACKWITZ dem
Zeitgeist:
"Der
Held eines heutigen Bildungsromans hat mehrere Leben. Er
verliert fünf Jahre im MSB, kommt am Ende aber wieder auf
die Beine und darf gut essen gehen. (...). Wackwitz (...)
ist ganz im Ernst zum Verfechter konsumistischer
Lebensfreude geworden (...).
Aber
wie wurde er eigentlich vom Marxismus geheilt? Es könnte
sein, dass sein Bildungs- doch eher ein Reiseroman ist: der
einer Reise mit dem Zeitgeist nämlich. Dieser wohltätige
Begleiter führte Anfang der achtziger Jahre plötzlich auch
bei Wackwitz einen neuen Lebensstil herauf: »eine Art
Dandytum« - feineres Wort für jenes Phänomen, das seinerzeit
auf allen Schulhöfen der Republik in Erscheinung trat und
den langhaarig-schluffigen Konsens irritierte: der
»Popper«."
Inzwischen
ist WACKWITZ mitten in der Berliner Republik angekommen:
"lieber
sind Wackwitz heute junge Frauen (»Liberals by design«), die
erst einmal Spaß und später einen netten Mann und Kinder
haben wollen.
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Neu:
MAIDT-ZINKE, Kristina (2005): In Penneraufmachung.
Nicht nur verhext, sondern auch noch schlecht angezogen: Stephan
Wackwitz erzählt von den Verführungen der Revolution,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 18.10.
- Kommentar:
MAIDT-ZINKE bringt das Problem der
"Selbstbezichtigung der marxistisch verführten Söhne" in dem Buch "Neue Menschen" von Stephan
WACKWITZ auf den Punkt:
Wenn
er den »größenwahnsinnigen Lebensentwurf« seiner frühen Jahre
geißelt und sich des »gnostischen Jugendirreseins« anklagt, dann
spricht daraus noch immer jener Hang zur Überhöhung und
Dramatisierung der eigenen Weltsicht, der ihn seinerzeit für
Welterlösungsphantasien anfällig machte.
Seine studentische Mitgliedschaft im MSB Spartakus (...) vermag er
auch nach drei Jahrzehnten nicht locker als Sturm-und-Drang- Episode
abzubuchen."
Man
könnte noch weiter gehen. Die
Zeitschrift Merkur ist im Kern ein elitärer Zirkel, in dem der
Kapitalismus (gepaart mit einem kräftigen Schuß Antifeminismus) als
neue Religion jenes Vakuum auffüllt, das der Messianismus der 1970er
Jahre hinterlassen hat.
Das
Merkur-Kernmilieu (selten schreibt dort einmal eine einzelne
Frau!) ist sozusagen die
Tristesse Royale der
Single-Generation.
Während
sich Ewiggestrige noch sophiedannenhaft mit den mumifizierten 68ern
auseinandersetzen, sind längst neue Kaderschmieden entstanden, die
diese Berliner Republik mental prägen.
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