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Tissy Bruns: Die Republik der Wichtigtuer

 
       
   
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    Nachrufe auf Tissy Bruns

     
       

    Neu:
    BIRNBAUM, Robert (2013): Träumen bleibt möglich.
    Zum Tod von Tissy Bruns,
    in: Tagesspiegel v. 22.02.

     
           
       

    Tissy Bruns in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    BRUNS, Tissy (2001): Feminismus modern. Die Scham ist vorbei.
    Warum die Entscheidung gegen Karriere auch richtig sein kann,
    in: Tagesspiegel v. 20.02.

    Kommentar zur Entscheidung von Gabi Bauer (siehe auch Welt v. 19.02.2001)

    BRUNS, Tissy (2001): Die SPD erinnert sich an die Familie - und an Frau Schmidt.
    Neuorientierung gilt "fast als Revolution",
    in: Welt v. 30.06.

    Tissy BRUNS beschreibt die Familienpolitik der SPD, die sich an den Familien der Neuen Mitte orientiert. Das neue Feindbild der SPD ist die gewollt kinderlose Einverdienerehe. Damit soll die Abschaffung des Ehegattensplittings gerechtfertigt werden. Die gewollt kinderlose Einverdienerehe ist nicht gerade ein weit verbreitetes Modell, passt aber argumentativ zur Ausrichtung der Familienpolitik auf die Doppelverdiener und Doppel-Karriere-Paare der Neuen Mitte.

    BRUNS, Tissy (2003): Wie geht es uns?
    Tagesspiegel-Tagesthema: Deutschland ist eine schwerfällige Gesellschaft geworden - auch weil die Kinder fehlen,
    in: Tagesspiegel v. 20.09.

    "Entgegen der Lebenswirklichkeit der meisten Kinder nimmt Deutschland sich als kinderfeindliches Land wahr. Die Selbstbezichtigung ist sympathisch, weil sich in ihr die Sehnsucht nach Kindern ausdrückt",

    muss BRUNS zugeben. Kinderfeindlichkeit also passé, dafür prägt BRUNS den Begriff "kinderferne Gesellschaft", um damit den Geburtenrückgang zu thematisieren.

    BRUNS, Tissy (2003): Mythos Gerechtigkeit.
    Debatte über die Rente
    in: Tagesspiegel v. 21.10.

    Tissy BRUNS stellt uns Unwissenden die generationsspezifischen Mythen über die Renten vor: "der Rentner-Mythos ist von Politikern und im gesellschaftlichen Bewusstsein noch gehegt und gepflegt worden, als er mit der Wirklichkeit nicht mehr in Einklang zu bringen war. Nicht ohne Folgen. In allen jüngeren Generationen sind darüber eigene Mythen entstanden. Die mittleren, beruflich etablierten Altersgruppen pflegen ihren heimlichen Groll. Aus ihren hohen Beiträgen werden die gut situierten Rentner finanziert, während die Auskunft der Rentenkasse über ihre eigene Rente höchst fragwürdig ist und die schönen privaten Lebensversicherungen mächtig nach unten knicken. Die Generation unter 40 Jahren fühlt sich komplett betrogen. Sie erwartet für sich selbst nichts mehr aus der gesetzlichen Rente; sie hält sich mit der privaten Vorsorge aber ebenso zurück wie mit dem Kinderkriegen. Und so haben alle ihre jeweils eigene Ausrede, warum es alles nichts werden kann"

    BRUNS, Tissy (2003): Der ungerechte Wohltäter.
    Kirche und Sozialstaat,
    in: Tagesspiegel v. 13.12.

    BRUNS, Tissy (2004): Neuer Kult ums Kind.
    Perfekt muss es sein,
    in: Tagesspiegel v. 03.06.

    BRUNS, Tissy (2005): Kleine Freuden.
    Junge Eltern brauchen Vorbilder, junge Frauen Mut - die "Allianz für die Familie" soll helfen,
    in: Tagesspiegel v. 19.01.

    Nach der Springer-Presse droht uns BRUNS nun mit einer Untersuchung im Auftrag der ZEIT zur Situation der Familie in Deutschland:

    "Gute Partnerin, erfolgreich im Beruf, perfekte Mutter. Wie sehr das traditionelle Familienbild die Entscheidungen prägt, spiegelt sich im »Familienatlas 2005« wieder, den die Prognos AG im Auftrag des Bundesfamilienministeriums in Zusammenarbeit mit der »Zeit« heute veröffentlicht. Die Untersuchung von 439 Kreisen und Städten findet überdurchschnittliche Geburtenraten und Kinderzahlen dort, wo niedrige Arbeitslosigkeit, geringe Kriminalität – und eine vergleichsweise schlechte Kinderbetreuung anzutreffen ist."

    Tissy BRUNS schwärmt von Geburtenraten für ganz Deutschland wie in Cloppenburg, doch ohne den dazu notwendigen Katholizismus.

    BRUNS, Tissy (2005): Das schwache Geschlecht: Väter.
    Frauen haben in den letzten Jahrzehnten neue Rollen erobert. Jetzt muss die Stellung der Männer in der Familie gestärkt werden,
    in: Tagesspiegel v. 30.01.

    BRUNS will nicht die Stellung der Männer in der Familie, sondern die biologische Vaterschaft (Zeugung) gegenüber der sozialen Vaterschaft (Erziehung) stärken. Der genetische Vaterschaftstest soll dies gewährleisten. Ausgangspunkt von BRUNS ist die These, dass Frauen mittlerweile eine zu starke Stellung in der Familie innehaben:

    "Die Frauenbewegung hat die alte deutsche Mutterideologie nicht nur nicht abgeschafft. Die befreite Frau hat, jedenfalls in Deutschland, die tradierten Formen der Mütterherrschaft sogar um eine neue Variante bereichert, die dem Neuen Vater wenig Chancen lässt: das aufgeklärte Matriarchat. Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie die Webseite von »single-generation«, die als neue Avantgarde der modernen Frau die »Hausfrau« entdeckt, die als Managerin der Familie und Mutter ihre Erfüllung findet.
    Andererseits: Kennen wir nicht alle eine Frau X in unserem Bekanntenkreis, die mit Abitur und abgeschlossenem Studium tatsächlich nach dem Muster der »refeudalisierten Hausfrauenfamilie« lebt? Gebildete Gattin, Top-Haushalt, perfekte Kinder. Und wie sind die internen Herrschaftsverhältnisse denn in den Familien, die den Traum der 80er Jahre halbwegs verwirklicht haben? Den von der neuen Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, von der Vereinbarkeit von Beruf und Kindern?
    ".

    BRUNS zitiert hier einen Debattenbeitrag, der bereits im November 2000 für single-dasein.de geschrieben wurde. Es ging dabei um den "Kampf der Lebensstile". Ausgehend von Ulrich BECKs drei Szenarien der Gesellschaftsentwicklung, hat single-dasein.de damals argumentiert, dass nicht die "vollmobile Single-Gesellschaft" das wahrscheinlichste Szenario sei. Dies war zu einem Zeitpunkt als die New-Economy-Euphorie im Feuilleton den Yettie als Pionier der kommenden Single-Gesellschaft gebar. Single-dasein.de sah darin nie eine realistische Zukunftsbeschreibung. Inzwischen glaubt wohl nicht einmal mehr Ulrich BECK selbst an die Realisierung dieses Szenarios. Single-dasein.de beschrieb damals nicht - wie üblich - das Mainstream-Modell der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Ulrich BECK und die Neue Mitte präferiert. Single-dasein.de wies vielmehr auf die postfeministischen Strategien und gesellschaftliche Tendenzen hin, die dazu führen, dass sich die refeudalisierte Hausfrauenfamilie - auch hinter dem Rücken der Akteure -  durchsetzt. Tissy BRUNS hat das Zitat aus diesem Zusammenhang gerissen, wodurch es verfälscht wird.

    Single-dasein.de hat nicht die Hausfrau als neue Avantgarde entdeckt, sondern mit Bezug auf die öffentliche Debatte dargelegt, dass die Hausfrau zur neuen Avantgarde stilisiert wird (als ein Punkt unter mehreren und nicht einmal als wichtigster!). Dies war vor 4 Jahren noch nicht so offensichtlich, aber inzwischen hat der SPIEGEL seinen "Mutterstolz"-Titel publiziert, der weibliche Postfeminismus wird durch den männlichen Antifeminismus verstärkt, und nicht zuletzt haben HARTZ I - IV die Grundlagen des Berufssystem radikal verändert. Was vor 4 Jahren von single-dasein.de in dem Beitrag Der Kampf der Lebensstile geschrieben wurde, ist heute viel weniger von der Hand zu weisen als damals.  Punkt für Punkt haben sich die Tendenzen verstärkt, die der "refeudalisierten Hausfrauenfamilie der Neuen Mitte" zum gesellschaftlichen Mainstream verhelfen.

    Die Erhöhung der Frauenerwerbsquote verschleiert die Tatsache, dass nicht befriedigende Vollzeitjobs entstehen, sondern unbefriedigende Teilzeitjobs im Niedriglohnsektor, die keine Grundlagen für die so genannte befreite Frau bieten.

    BRUNS, Tissy & Barbara JUNGE (2005): Großfamilien gesucht.
    Auch in anderen Ländern nimmt die Kinderlosigkeit von besonders gut ausgebildeten Frauen zu, der Rückgang wird dort aber von anderen Familien ausgeglichen,
    in: Tagesspiegel v. 04.05.

    BRUNS, Tissy (2005): Müde gesiegt.
    Vor der Häutung: Erst ist Wahlkampf – und dann müssen die Grünen sich neu erfinden
    in: Tagesspiegel v. 22.06.

    Tissy BRUNS sieht die Grünen im Abseits, denn sie haben ihre Rolle als Avantgarde eingebüsst:

    "Die Grünen sind nach rot-grün nicht mehr Avantgarde und noch schlimmer: Sie haben es noch nicht gemerkt. (...).
    Wo die Grünen jenseits der ökologischen Themen einmal Impulsgeber waren, treten sie jetzt auf der Stelle: Die »vielfältigen Lebensformen« neben der traditionellen Ehe sind nicht nur selbstverständlich. Man schwärmt davon nicht mehr, sondern denkt über die Schattenseiten nach."

    BRUNS, Tissy (2005): Union und Familie.
    Vom Leben überholt,
    in: Tagesspiegel v. 18.08.

    BRUNS, Tissy (2006):Der deutsche Sonderweg.
    Die Entscheidung für ein Kind fällt den Frauen hierzulande schwerer – weil schon der Staat eine dreijährige Berufspause empfiehlt,
    in: Tagesspiegel v. 19.03.

    Gemäß Tissy BRUNS ist der Geburtenrückgang kein Thema mehr, denn wenn das Elterngeld kommt, dann ist der deutsche Sonderweg zu Ende. Das darf mit Recht bezweifelt werden, denn mehr als die zweite Stelle hinter dem Komma, machen die Erfolgreichen nicht aus.

    BRUNS, Tissy (2006): Mein Kind gehört mir - wirklich?
    Uns fehlt der Nachwuchs. Das ist auch deshalb fatal, weil die vorhandenen Kinder zur Privatsache ihrer Eltern geworden sind,
    in: Tagesspiegel v. 26.03.

    BRUNS, Tissy (2006): Das gelenkte Leben.
    Bisher begünstigte der Staat die traditionelle Geschlechterrolle – das muss sich ändern,
    in: Tagesspiegel v. 20.04.

    BRUNS, Tissy (2006): Alleinunterhalter.
    Ein BGH-Urteil im Trend: Die Rollenverteilung von Mann und Frau existiert nicht mehr,
    in: Tagesspiegel v. 06.07.

    BRUNS, Tissy (2006): Belohnung für die Bindungslosen.
    Wer den Familien weitere soziale Bürden auflädt, zerstört die Keimzelle der Gesellschaft,
    in: Tagesspiegel v. 10.08.

    "Die große Industrie hat bekanntlich die Großfamilie zerstört. Ob die globalisierte Wirtschaft die Kleinfamilie zerstören wird, ist eine offene und ernste Frage. Unsere Arbeitswelt verlangt den flexiblen Menschen. Sie reduziert die alten Sicherheitsversprechen. Sie trennt den Familienvater vom Wohnort seiner Kinder. Sie nimmt jungen Menschen die Zeit für die Familiengründung. Ihr Tempo und ihr Takt stehen im Gegensatz zu den Bedürfnissen des Systems Familie.
    Die Konflikte junger Frauen zwischen Beruf und Kinderwunsch spiegeln das nur besonders dramatisch.
    Ganz unter der Hand entwickeln sich die Unterschiede zwischen Elternschaft und Kinderlosigkeit zum modernen Klassenunterschied. Denn die neuen Konkurrenzverhältnisse begünstigen die Beweglichen, die Bindungslosen.
              
     Wer will, dass Familie die Keimzelle des Staats bleibt, darf am allerwenigsten ihr den Preis für die Kehrseiten dieser Entwicklung aufbürden. Ältere Langzeitarbeitslose sind klassische Verlierer des neuen Taktes auf dem Arbeitsmarkt. Pofallas Vorschlag läuft darauf hinaus, das größere Jobrisiko und den Konkurrenznachteil von Eltern aus dem Geldbeutel ihrer Kinder zu finanzieren. Das wäre das Gegenteil von Gerechtigkeit und Familienförderung", meint BRUNS.

    BRUNS, Tissy (2007): Frauenbefreiung war gestern.
    Dem "neuen Feminismus" geht es vor allem um Macht, Geltung und Geld,
    in: Tagesspiegel v. 03.02.

    Tissy BRUNS stilisiert Emma zum Kampfblatt des "alten" Feminismus, obwohl sich die Zeitschrift zunehmend zum Kampfblatt des "neuen" Elitefeminismus entwickelt hat.

    BRUNS, Tissy (2007): Weniger Macht den Müttern.
    Die Schwelle für Vaterschaftstests muss gesenkt werden - ein lebenskluges Urteil,
    in: Tagesspiegel v. 14.02.

    BRUNS, Tissy (2007): Das Alphaweibchen,
    in: Tagesspiegel v. 08.03.

    "Von der Leyen hat Hoffnungen gemacht. Jede Frau hätte verstanden, wenn sie später oder nur zum Teil verwirklicht würden. Merkel aber enttäuscht, weil im Zweifelsfall auch die wichtigste Frauenfrage ihrem ersten machttaktischen Gebot weichen muss: bloß keinen Krach mit meinen Alphatierchen",

    meint BRUNS zum Ausgang der Koalitionsgespräche über den Ausbau der Kinderbetreuung.

    BRUNS, Tissy (2007): Mutter gegen Mutter.
    Die meisten Regelungen im Eherecht privilegierten bislang die Häuslichkeit der Frau. Hier besteht großer Nachholbedarf,
    in: Tagesspiegel v. 24.09.

    "Ob Ehegattensplitting, das alte Erziehungsgeld oder Unterhaltsrecht – alle Regelungen privilegieren die mütterliche Häuslichkeit. Wie wir längst wissen: zum Nachteil von Kindern und Müttern. Nichts führt so verlässlich in die Falle der Isolation wie die Kombination von alleinerziehend und Transferabhängigkeit. Auf eigenen Füßen stehen, das ist für geschiedene und nichteheliche Mütter wichtiger als der Ruf nach Gleichstellung", meint Tissy BRUNS.

     
           
       

    Republik der Wichtigtuer (2007).
    Ein Bericht aus Berlin
    Freiburg: Herder

     
       
         
     

    Klappentext

    "Berlin-Mitte - eine große Bühne? Längst wird Politik in den Medien gemacht und allzu leicht wird dabei übersehen, dass die öffentliche Selbstinszenierung vor allem eines offenbart: Der Bezug zur Wirklichkeit geht mehr und mehr verloren, die Kluft zwischen Regierenden und Regierten wird immer größer. In aller Deutlichkeit legt Tissy Bruns den Finger in die Wunde »Demokratieverdrossenheit« und zeigt zugleich, was sich ändern muss - die spannende Analyse einer der bekanntesten Journalistinnen des Landes."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    SEITZ, Norbert (2007): Der Journalismus auf dem Prüfstand,
    in: Die ZEIT Nr.39 v. 20.09.
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 25. September 2007
    Update: 17. Januar 2016