"Da stürzen in New York die Türme
ein, und in einem Ferienbauernhof irgendwo in der
Mitte Deutschlands verwandelt sich durch diese
Weltkatastrophe eine empfindliche und gefährdete
Liebesgeschichte urplötzlich in eine dumme Episode.
Ganz leise geschieht das.
Und fast nie werden sie laut, die Figuren in
Franziska Gerstenbergs Erzählungen. Es scheint
sogar, als machten sie am liebsten einen großen
Bogen um die Orte, an denen es in ihrem Leben
vielleicht spektakulär oder tragisch zugehen könnte.
Und doch vibriert es allenthalben, die Figuren
zittern vor Unsicherheit. Sie ahnen, dass sie,
obwohl noch ganz jung, schon lauter ungelebtes Leben
vor sich her schieben. Bald muss etwas geschehen.
Aber da ist ja so viel Alltag! - unser noch nicht so
ganz vereinigter bundesdeutscher Alltag. Nicht als
Sammlung von Markenprodukten und
Konsumentenoberflächen, Alltag vielmehr als das
Muster der zarten Risse, die durch das
Selbstverständnis der Figuren gehen.
Franziska Gerstenberg zeichnet stille und
eindringliche Porträts von Menschen um die zwanzig,
die vom Mit-, Nach- und Gegeneinander der Lebens-
und Gesellschaftsentwürfe durchdrungen und manchmal
auch durchschnitten worden sind."
Pressestimmen
"Franziska Gerstenberg (...) ist das, was Jana
Hensel ein »Zonenkind« genannt hat, jemand, der
wenige Erinnerungen an die DDR hat, dafür aber umso
mehr an die Zeit danach.
Subtil fängt sie das Lebensgefühl der Menschen ein,
die in der neuen Freiheit auf alte Grenzen stoßen.
Ihre Figuren wollen sich alle Möglichkeiten offen
halten und trauen sich deshalb nicht, Bindungen
einzugehen."
(Jan Brandt in der TAZ vom
21.02.2004)
"Überall zwischen Rhein und Oder könnte jener
mickrige Wildpark sein, in dem eine junge Frau und
ein Mann feiertags ihren Kummer spazieren führen.
«Sie haben mir gestern gekündigt», sagt sie und
meint, so «können wir doch jetzt ein Kind bekommen».
Sie spinne, sagt er in diesem dürren Dialog, der
überall in der global verunsicherten Welt zu hören
sein könnte. Dieses Paar trägt seine private
Tragödie in die Öffentlichkeit der Ausflügler,
lautstark platzt das Unglück aus der jungen Frau:
«Stellen Sie sich vor, sagt sie zu den Umstehenden,
dieser Mann will kein Kind von mir.»"
(Franz Haas in der Neuen Zürcher
Zeitung vom 25.02.2004)
"Franziska Gerstenberg siedelt ihre Erzählungen an
Orten an, die weder dem westlichen noch dem
östlichen Teil des Landes eindeutig zugeordnet
werden können. Sie hat einen anderen Weg gewählt,
und es mag sein, daß der Altersunterschied von
wenigen Jahren zu dieser Entscheidung nicht wenig
beigetragen hat.
Für die Generation der kaum mehr als Zwanzigjährigen
ist das wiedervereinigte Deutschland der Normalfall.
Sie blicken heute auf die DDR zurück, wie ein
Fünfundzwanzigjähriger 1960 auf das »Dritte Reich«
zurückgeblickt haben mag."
(Hubert Spiegel in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung vom 24.03.2004)
"Ihre Figuren kennen keine Dramen, aber auch keine
Sicherheit, nur ein Gefühl unterschwelliger
Bedrohung. Irgendetwas läuft falsch im Leben. Und
das Glück ist anderswo.
(...).
Es ist der Sound einer Generation, der man keinen
Platz anbietet im Leben, die in Alternativen
ertrinkt, die nicht attraktiv genug erscheinen, um
der Anstrengung wert zu sein."
(Meike Fessmann im Tagesspiegel
vom 28.03.2004)