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Botho
Strauß: Die Tragödie des verlassenen Manns
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Botho
Strauß in seiner eigenen Schreibe
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- STRAUß, Botho (2000):
Wollt ihr das totale Engineering?
Ein Essay über den Terror
der technisch-ökonomischen Intelligenz, über
den Verlust von Kultur und Gedächtnis, über
unsere Entfernung von Gott,
in: Die
ZEIT Nr. 52 v. 20.12.
- STRAUß,
Botho (2002): Erkundiger der Wirbel- und
Strudelzonen.
Auf den Pfaden einer versunkenen
Empfindungskultur - der Regisseur Luc Bondy/Von
Botho Strauß
in: Frankfurter Rundschau
v. 27.04.
- Kommentar:
Der sich verkannt
fühlende Hohepriester
Botho
STRAUß schwelgt in
nostalgischen Erinnerungen an eine Zeit
als die Hochkulturwelt angeblich noch in
Ordnung war:
"Wir
waren einmal: die Sensibilisten. Waren
die Nacht- und Traumseite dieses
amusischen Achtundsechzigertums,
gehörten zu einer Jugend-, einer ersten
Pop-Bewegung, die vieles erfand und
eröffnete in Film, Musik, Literatur und
Underground, vieles neu rezipierte,
Hesse, Robert Walser, Brinkmann,
Handke,
Hitchcock, Straub, Godard. Vielleicht die
letzte rein westliche Kunstströmung vor
dem Barbareneinfall des Zynismus, des
nostalgischen Marxismus aus Real-Ost.
Aber gewiss auch die letzte Pop-Bewegung,
die noch nicht vom Einfluss der Medien
überwältigt wurde, noch nicht
vollständig von ihrem Stoff durchsetzt.
Die letzte Verklärung des Trivialen aus
eigenen Augen."
- STRAUß, Botho (2003): Die Nacht mit
Alice, als Julia ums Haus schlich,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.08.
-
STRAUß, Botho (2004): Orpheus aus der Tiefgarage.
Über Gene, Liebe und die Verbrechen der Intimität,
in: Spiegel Nr.9 v. 21.02.
-
STRAUß, Botho (2005): Man muß wissen, wie die Sonne
funktioniert.
Eine Elementarpolitik: Wenn die Grünen schwärzer, die Schwarzen
grüner werden,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.10.
- Kommentar:
Die große Koalition ist noch mitten in den
Koalitionsverhandlungen, da wird bei der FAZ bereits die
schwarz-grüne Koalition vorbereitet. Botho STRAUß arbeitet die
schwarzen Visionen der Grünen heraus.
In
Paul KIRCHHOFs Wahlkampfauftritt
sieht der Schriftsteller gar einen Vorgriff auf Kommendes:
"Vermutlich
handelte es sich um einen Vorgriff auf einen zukünftig
unvermeidlichen Elementarismus in der Politik, bei dem mit einem
Schnitt die gesetzlich verwickelten und überregulierten Bereiche
im Zusammenleben der Bürger tatsächlich gelichtet und auf das
Notwendigste zurückgeführt werden. Der Schnitt anstelle des
Fortwucherns von Zusätzen, Korrekturen und Nachbesserungen sowie
der Korrekturen der Korrekturen. Die Setzung einer erfüllbaren
Norm anstelle des von tausend Rücksichten gebremsten ersten
Schritts nach vorn."
Damit
hat Botho STRAUß den Begriff des Durchregierens erneut auf die
Agenda gesetzt.
-
Neu:
STRAUß, Botho (2006): Der Konflikt.
In der Auseinandersetzung mit dem Islam werden Spott und Satire
nicht weiterhelfen. Die Frage ist: In welche Zukunft predigen wir
unsere alten zivilen Werte?
in: Spiegel Nr.7 v. 13.02.
- Kommentar:
"Der zur
Mehrheit tendierende Anteil der muslimischen Bevölkerung von
Amsterdam
und anderen Metropolen braucht unsere Toleranz bald nicht mehr",
behauptet Botho STRAUß im Spiegel und gibt damit
Frank SCHIRRMACHER
eine willkommene Steilvorlage. STRAUß ist zudem anschlussfähig an
Artikel in der
Welt
und der
Weltwoche an.
Wo
ist die Alternative? Nun rächt es sich, dass sich jene, die sich
als Liberale oder Linke verstehen, das Feld der Demografiepolitik
völlig den Reaktionären überlassen haben.
Die
eigenen Lebenslügen wurden mittels Single-Rhetorik ad absurdum
geführt. Die Single-Lüge
ist das Ergebnis eines destruktiven Kampfes zwischen alter und
neuer Mitte gewesen, der durch Schwarz-Rot zwar nunmehr
stillgelegt scheint, aber die
politische
Konstruktion der Geburtenkrise steht weiterhin im Raum.
Was
familienpolitisch Sinn machte, die Dramatisierung des
Geburtenrückgangs, weil es Vorteile im Verteilungskampf sicherte,
führt nun innen- und außenpolitisch unweigerlich zur Rhetorik
eines Kampfes der Kulturen.
Wann
endlich wird das
Deutungsmonopol der Nationalkonservativen gebrochen?
-
STRAUß, Botho (2007): Spengler persönlich.
Die Welt begreift man nur in groben Zügen: Oswald Spenglers
Aufzeichnungen aus dem Nachlass zeigen den Untergangsautor als einen
Mann, dem alles in die Seele schneidet,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.08.
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Rezensionen
- KILB, Andreas (2009): Zur
Metaphysik des möndlichen Hinterns.
Der "Mönch der Vereinzelung" wird auf den Feldern der
Uckermark plötzlich von einer Frau umarmt - ein Versehen
nur, aber es schleudert den Erzähler unversehens in die
Gegenwart zurück. Botho Strauß erzählt in seinem neuen Buch
"Vom Aufenthalt" vom Zorn auf Hooligans, Sextouristen und
auf sich selbst,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.10.
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Rezensionen
- WEIDERMANN, Volker (2003):
Botho im Wunderland.
Botho Strauß verabschiedet sich in seinem neuen Buch von
der Politik und begrüßt die Frauen, das Glück und die Liebe,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
24.08.
-
KUNCKEL, Susanne (2003): Anarchische Träume.
Der neue Erzählband von Botho Strauß ist wieder eine
brillante Versuchsanordnung über Lust und Leid der
Zweisamkeit,
in: Welt am Sonntag v. 24.08.
-
GREINER, Ulrich (2003): Das Spiegelkabinett des Dr. Strauß.
Sein Erzählmosaik "Die Nacht mit Alice, als Julia ums
Haus schlich" führt uns in die Unterwelt unserer Träume,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 28.08.
- DOTZAUER, Gregor (2003):
Alles im Wunderland.
Die Erotik des Träumens: Der Dichter Botho Strauß
erkundet "Die Nacht mit Alice, als Julia ums Haus schlicht",
in: Tagesspiegel v. 29.08.
-
MANGOLD,
Ijoma (2003): Und es kämpft der Teufel um die Säfte.
Ein Knäuel herrlichster Imaginationen: Botho Strauß
enttäuscht die Liebhaber des Boulevards, um mit Klugheit zu
verzücken,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.08.
- MEYER, Martin (2003): Wo die
späten Menschen hausen.
Botho Strauss berichtet aus dem Traumgebiet,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.08.
-
WITTSTOCK, Uwe (2003): Kaleidoskop der Katastrophen.
Botho Strauß spricht in Rätseln und erforscht eine Nacht
voller Träume,
in: Welt v. 30.08.
- KUNISCH, Hans-Peter (2003):
Der Mensch, ein abgehängtes Firmenschild,
in: Weltwoche Nr.36 v. 04.09.
-
BERGER, Jürgen (2003): Satan in der Hypophyse.
Die Frauen, die
Träume, die Moral und die ehernen Werte: Botho Strauß wagt
sich mit "Die Nacht mit Alice, als Julia ums Haus schlich"
an eine stringente Erzählung, hat aber wie gewohnt fixe
Momentaufnahmen und Reflexionen, dionysische Anwandlungen
und misanthropische Klagelaute im Programm,
in: TAZ v. 06.09.
-
BARTMANN, Christoph (2003): Botho Strauß: Die Nacht mit
Alice, als Julia ums Haus schlicht,
in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v.
07.09.
- BEIKÜFNER, Uta (2003): Der
Traum als Chance.
Botho Strauss erzählt von der "Nacht mit Alice, als Julia
ums Haus schlicht",
in: Berliner Zeitung v. 04.12.
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Klappentext
"»Theorie über Wirkliches.«
Innenansichten. In Momentaufnahmen, fragmentarischen
Geschichten, Augenblicken des Erkennens und
Verlierens beleuchtet Botho Strauß seelische
Grenzsituationen, die die Vorstellung von einer
robusten Identität des Menschen unterlaufen."
Pressestimmen
"Wohnen, dämmern, lügen. Drei menschliche
Tätigkeiten sind Titel und Programm der
Prosasammlung. Sie sind Leitmotive der romantischen
Ästhetik und Kunsttheorie des Botho Strauß, deren
Grundmuster er seit »Paare, Passanten« und »Der
junge Mann« immer neu variiert."
(Iris Radisch in der Zeit vom
12.08.1994)
"Botho Strauß hat für seine Generation und sein
Milieu die Figur des Dichters wiederhergestellt: die
Gestalt des Einsamen und Weltabgekehrten, des
Empfindlichen und Weisen, der gerade durch seine
Einsamkeit, Empfindlichkeit und Jenseitigkeit der
diesseitigen Welt eine unentrinnbare Diagnose
stellt."
(Gustav Seibt in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung vom 20.08.1994)
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Rezensionen
- RADISCH, Iris (1994): Der
alte Mann.
"Dämmern Wohnen Lügen" - ein neuer Miniaturen-Kranz von
Botho Strauß,
in: Die ZEIT Nr.33 v. 12.08.
- SEIBT, Gustav (1994): Leere
Truhen.
Die Krisen des Botho Strauß,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.08.
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Das Buch in der Debatte
-
GREINER, Ulrich (1994): Die Neunundachtziger.
Der Streit über Botho Strauß und die Verrisse seines
jüngsten Buches sind Ausdruck eines Machtkampfs. Eine neue
Generation tritt gegen die Achtundsechziger an,
in: Die ZEIT Nr.38 v. 16.09.
- Inhalt:
Ulrich GREINER verteidigt
Botho STRAUß gegen die 89er:
"Der
neue Prosa-Band von Botho Strauß ist in der ZEIT (von
Iris Radisch am 12.8.) in der FAZ (von
Gustav Seibt
am 20.8. ) und in der Frankfurter Rundschau (von
Thomas Assheuer am 27.8.) kalt und naserümpfend abserviert
worden wie ein ranziges Stück Käse.
(...).
Man kann das neue Buch von Botho Strauß gut finden oder
weniger gut. Aber der Furor der Kritiker (...) übersteigt
den literarischen Anlaß. Weshalb also erregt Botho Strauß
solchen Zorn? Nicht nur er. Weshalb erfahren Autoren wie
Enzensberger,
Walser,
Schneider, Biermann
»Bezichtigungen und Verleumdungen statt Polemik und
Auseinandersetzung«, woher kommt die »aggressive Ignoranz« (Peter
Schneider im Spiegel)?
Sie kommt nicht aus dem Streit zwischen »links« und
»rechts«. Die ideologische Etikettierung verbirgt den wahren
Konflikt: den Konflikt zwischen den Generationen von Autoren
und Kritikern, die jetzt etwa in dem Alter sind, in dem die
Achtundsechziger damals waren.
(...).
Die Dreißigjährigen machen sich mausig, und wir, die
Achtundsechziger, obgleich noch rüstig, werden aufs
Altenteil geschickt. Die neue Generation, die sich da
mählich formiert, braucht natürlich einen Namen. Nennen wir
sie der Kürze halber die Neunundachtziger. Es war ja zu
erwarten, daß die epochale Wende von 1989, das Ende der
alten Bundesrepublik und der Zusammenbruch des Sozialismus
auch einen Generationenbruch verursachen würde.
(...).
Der Angriff der neuen Generation richtet sich naturgemäß
gegen die Symbolfiguren (...). Im Mittelpunkt der Attacken
stehen (...) diejenigen Achtundsechziger, die, wie es etwa
die Zeitschrift Kursbuch demonstriert, im Begreifen
der epochalen Wende ihre Positionen revidieren und damit
ihre Deutungsvorherrschaft behaupten.
(...).
Der historische Treppenwitz des Vorwurfs besteht darin, daß
die Neunundachtziger-Generation die Instrumente der alten
Ideologiekritik gegen ihre ehemaligen Anwender richtet.
Jetzt geraten diejenigen in den Mechanismus des Verdachts,
die ihn einst bedienten. Die nunmehr größten Kritiker der
Elche haben es von den Elchen gelernt. Darin kann man einen
ausgleichenden Akt der Gerechtigkeit erblicken.
(...).
Das ist schon etwas, aber es langt nicht. (...). Die
Achtundsechziger hatten immerhin einen Begriff von der
Sache, auch wenn sich der Begriff als unvollständig erwiesen
hat. Sie hatten immerhin eine Theorie, auch wenn sie
falsifiziert wurde. Was haben die Neunundachtziger? Heraus
damit, laßt sehen. "
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Pressestimmen
"Erfahrung meiner Lektüre: die
Gier, mit der ich an einem Wochenende diese
Prosasammlung gelesen hatte; angelockt zunächst von
präzise beobachteten Alltagsszenen von dem eins aus
Verstrickung und Überheblichkeit des Chronisten,
angelockt von der provokanten Aufkündigung (links-)alternativer
Konventionen der Konventionslosigkeit, in den Bann
einer eigentümlich festlichen Sprache gezogen, und
vollends verführt von der radikalen Unbedingtheit
der hier vertretenen Lebenshaltung: eine
Unerbittlichkeit und ein Ernst der eigenen Arbeit
gegenüber, dem Schreiben; ein maßstabsetzender
Moralismus."
(Rainald Goetz im Spiegel vom
19.10.1981)
"In über einhundert kurzen
Prosasplittern wirft Strauß Schlaglichter auf
Innenwelten, die sich nicht mehr zu einem
einheitlichen Gesellschaftsentwurf zusammenfügen
lassen. Sein physiognomischer Pointillismus, das
Stenogramm aktueller Befindlichkeiten ersetzt die
Dramaturgie des großen Spannungsbogens.
(...).
Abseits aller Liebesunfälle und »guter moderner
Zweierbeziehungskatastrophen«, der Mitschrift
uneigentlichen Lebens, muss »Paare, Passanten« auch
als Absage an die »Frankfurter Schule« gelesen
werden: »Heimat kommt auf (die doch keine Bleibe
war), wenn ich in den 'Minima Moralia' wieder lese«,
heißt es apodiktisch."
(Bernd Graff in der Süddeutschen
Zeitung vom 04.12.2004)
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Rezensionen
- GOETZ, Rainald (1981): Im
Dickicht des Lebendigen,
in: Spiegel Nr.43 v. 19.10.
- GRAFF, Bernd (2004):
Zuschauer des eigenen Lebens,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.12.
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Klappentext
"Ein glutheißer,
unerträglicher Sommer in Berlin. In der
Einsamkeit seines Zimmers sitzt bei
geschlossenen Vorhängen Richard Schroubek,
einundreißig, Buchhändler. Durch seine
Freundin Hannah, die ihn ohne Nachricht, ohne
irgendeine Erklärung verlassen hat, ist er
zu einem »Sozialfall der Liebe« geworden,
der sich gehen läßt und täglich den
Zustand seiner Trauer inspiziert. Er schreibt
die »Biografie seiner leeren Stunden«, das
»gewissenhafte und entsetzliche Protokoll«
der Trennung, damit Hannah bei der erhofften
Rückkehr von seiner Liebe erfährt. »Die
"Widmung" ist die Geschichte eines
"Liebesunglücks"«, schrieb
Benjamin Henrichs in der "Zeit".
Und das bedeutet, »daß es in diesem Buch
eben nicht immer leise und vornehm zugeht,
sondern auch schrill und katastrophisch, also
auch komisch«.
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Die Erzählung in der
Debatte
- DZAJIC,
Harris (2000): Die Macht der Schrift.
Anmerkungen
zu Botho Strauß' Erzählung "Die
Widmung",
in: Wortlaut.de
v. 28.12.
- Inhalt:
über Schreibmotive, -bedingungen
und die beschränkte Macht des
geschriebenen Wortes
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