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Burkhard Spinnen: Alleinleben als Kommunikation mit der Dingwelt

 
       
     
       
     
       
   

Burkhard Spinnen in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • SPINNEN, Burkhard (2001): Die absolute Kindheit.
    Kindheit ist das Lieblingsthema der jungen deutschen Literatur. Kritiker erkennen darin ein Defizit. Burkhard Spinnen sieht das anders: Die heute 30- bis 40jährigen schreiben mit dem Bewusstsein ihrer Schicksalslosigkeit, und das ist gut so,
    in: Literaturen Nr.9, September
    • Kommentar:
      Die Septemberausgabe der Zeitschrift Literaturen hat als Schwerpunktthema die "Generation Kind". Damit ist die Altersgruppe der 25- bis 40 Jährigen gemeint, die üblicherweise als "Generation Berlin" oder "Generation Golf" bezeichnet wird. SPINNEN ist dagegen ein Angehöriger der "Single-Generation" bzw. der "78er" wie sie Reinhard MOHR genannt hat.
                  Anfang Oktober erscheint der neue Roman "1979" des so genannten Popliteraten Christian KRACHT, einem Angehörigen der Generation Golf. Eines kann ich nach dem Lesen des ersten Fahnensatzes jetzt schon sagen: Der Roman wird der Debatte um die Popliteratur im diesjährigen Bücherherbst ganz neue Impulse geben. Das Schema von der "Generation Kind" lässt sich jedenfalls auf den Roman "1979" nicht anwenden. single-dasein.de wird über diese Debatte ausführlich berichten...
  • SPINNEN, Burkhard (2002): Westfalen.
    Deutsche Landschaften (7):  Zuhause im Normalen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.12.
  • SPINNEN, Burkhard (2002): Erbarmen mit der Bahn!
    Aufruf eines verzweifelten Liebhabers,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.12.
    • Kommentar:
      Andere haben nur Meinungen, SPINNEN jedoch ist Überzeugungstäter. Und die Bahn - so seine Überzeugung - hat den Sündenfall längst hinter sich, und zwar als die Dampfloks abgeschafft wurden.
  • SPINNEN, Burkhard (2003): Das absolute Kind.
    Endlich neudeutsch: J. D. Salingers "Der Fänger im Roggen",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.
  • SPINNEN, Burkhard (2003): Doch die Missverhältnisse, sie sind nicht so.
    Warum man derzeit über die Sozialdemokratie und die Sozialdemokraten nur schwer reden kann,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.05.
    • Kommentar:
      "Die Lohnschreiberei war, nachdem im achtzehnten Jahrhundert die »Autonomie der Kunst« erfunden worden war, gründlich aus der Mode geraten. In Burkhard Spinnen scheint nun der Hofkünstler, der schreibende Domestik, unter modernen Bedingungen wiedergekehrt zu sein", schrieb kürzlich Thomas STEINFELD über Burkhard SPINNEN und sein neuestes Buch "Der schwarze Grat" (SZ vom 26.04.2003).

            
        In dem Artikel offenbart nun SPINNEN seine soziale Herkunft, um damit sein Verhältnis zur Sozialdemokratie (allgemeiner zur Politik) zu begründen:
            
        "Mein Elternhaus, in dem sich der Aufstieg meines Vaters vom Hilfsarbeiterkind und Schlossergesellen zum leitenden Angestellten vollzog, wurde politisch keimfrei gehalten. Ich selbst wählte während meiner hormonell bedingten Widerstandsphase (1972-74) weniger politische als vielmehr popkulturelle Ausdrucksmittel."
            
        Das Wichtigste am Politiker ist für SPINNEN der Lebensstil, denn ein Sozialdemokrat sollte ein "verheiratet bleibender Familienvater" sein.
            
        Vielleicht sollte STOIBER sich um die nächste Kanzlerkandidatur bei der SPD bewerben!
  • SPINNEN, Burkhard (2004): Der Republik hat es die Stimme verschlagen.
    Nicht plaudern, reden! Ein Plädoyer für das Pathos,
    in: Welt am Sonntag v. 11.04.
    • Kommentar:
      SPINNEN entdeckt den Populismus:

            
        "den Verzicht auf Rhetorik und Pathos konnten wir uns nur so lange leisten, wie wir reich waren. Da nun aber unsere Wirtschaft erschüttert ist, da rächt es sich, dass wir die politische Rhetorik auf den Index gesetzt haben."
            
        Fragt sich nur. Welches WIR war reich und ist nun angeblich nicht mehr reich?
            
        Wenn es in Deutschland Intellektuelle gäbe, dann wäre es deren erste Intellektuellenpflicht die aktuelle Krisenrhetorik zu hinterfragen und nicht, wie SPINNEN, zu verdoppeln.
  • Neu:
    SPINNEN, Burkhard (2006): Bitte, seid behutsam. In jeder Beziehung.
    Über Günter Grass, meinen Vater und eine Generation, die Lehren aus ihrer Jugend zog,
    in: Welt v. 14.08.
    • Inhalt:
      Burkhard SPINNEN verteidigt Günter GRASS, indem er einen Vergleich mit der eigenen Vatersuche und derjenigen von Ute SCHEUB ("Das falsche Leben") zieht.
      [mehr]
 
       
   

Burkhard Spinnen im Gespräch

 
   
  • WITTSTOCK, Uwe (1997): Supermarkt oder: Die Ordnung des Lebens,
    in: Neue Rundschau H.3
 
       
   

Der Reservetorwart (2004)
Frankfurt a/M: Schöffling & Co.

 
   
 
 

Klappentext

"Ein Fußballprofi findet sich damit ab, nur Reserve zu sein. Ein verheirateter Mann simuliert den Ehebruch, ein Rockfan sucht halbherzig sein altes Idol. Und ein zu allem entschlossener Tyrannenmörder wartet noch auf ein angemessenes Opfer.
Burkhard Spinnens Helden sind Männer, die sich mit dem Mittleren arrangiert haben: mit mittleren Laufbahnen, mittlerem Erfolg, mittleren Malaisen und mittlerem Alter. Aber nur einen Schritt beiseite getreten, erscheint das mittlere Maß als das Mittelmaß; das heißt: als etwas vollkommen Unerträgliches. Und so drohen eine kleine Aufregung, ein überraschender Jahrestag oder eine harmlose Notlüge gleich furchtbare Katastrophen anzurichten. Der Mittelweg ist und bleibt der gefährlichste.
Burkhard Spinnens Geschichten sind darüber hinaus Kalendergeschichten. Seine Helden stammen aus den befriedeten Lebens- und Denkräumen der alten Bundesrepublik, aus der man nach der Abschaffung von Unterdrückung und Armut auch noch das Schicksal hatte vertreiben wollen. Bei der Veränderung aller Verhältnisse sind sie zwar noch beinahe jung, aber bald darauf müssen sie schmerzhaft erfahren, wie sehr ihnen ihre schlaraffische Vergangenheit noch in den Knochen steckt. Gerade auf das Unabänderliche und das Todsichere sind sie am wenigsten vorbereitet.
Präzise, konzentriert, doch auch mit leicht hochgezogener Augenbraue und dem ihm eigenen, vertrackten Humor erzählt Spinnen zweierlei zugleich: die Geschichten einiger ziemlich durchschnittlicher Sonderlinge – und die späte Konfrontation altbundesrepublikanischer Geborgenheit mit dem Umstand, daß es spätestens ab der Mitte des Lebens etwas rauh zugehen kann."

Pressestimmen

"Das Auffällige an Spinnens Prosa ist ihre Ökonomie. Behende springt er mitten ins Geschehen; schnell und präzise spannt er die Korrodinaten einer Geschichte auf. »Niemals hate sich Schürings vorstellen können, einmal Witwer zu sein«; »Am Morgen wurde Kortschläger entlassen«; »Bei einem Autounfall, den sie nicht verschuldet hatten, kamen seine beiden Eltern ums Leben« - so oder ähnlich beginnen alle vierundzwanzig Erzählungen. Und doch findet sich keiner, als er am Morgen aus unruhigen Träumen erwacht, in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt."
(Thomas Wagner in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 06.10.2004)

 
 
 
       
     
       
   

Langer Samstag (1995).
Frankfurt a/M: Schöffling & Co.

 
   
 
 

Klappentext

"Es fängt ganz harmlos an in Burkhard Spinnens Roman »Langer Samstag«: Ulrich Lofart, 37 Jahre alt, Junggeselle und Verwaltungsjurist, verliebt sich im Supermarkt in Dorothee, eine junge Unternehmensberaterin. Zwar verliert er sie durch eine Ungeschicklichkeit aus den Augen, doch später findet er wieder Kontakt zu ihr durch eine Annonce an der Pinnwand »Von Kunden für Kunden«, und erstaunlich rasch entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden. Von nun an bleibt Lofart wenig erspart. Denn einer wie er lebt nicht sicher, und ganz besonders unsicher wird es für ihn neben Dorothee. Bald steht er beruflich wie in Liebesdingen im Chaos."

Burkhard Spinnen zu "Langer Samstag"

"UW: Warum sind für uns die »feinen Unterschiede« im Supermarkt möglicherweise wichtiger geworden als die »feinen Unterschiede« in den Familienbeziehungen?
BS: Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, daß es gar nicht mehr soviel Familie gibt. Mir ist das erst beim Schreiben aufgefallen. Ich hatte nicht vor, Singlehaushalte zu beschreiben, sondern es ging mir zunächst einfach um eine Figur, die ein stark entwickeltes Verhältnis zu ihrer gegenständlichen Umwelt hat.
UW: Wie der Held in American Psycho von Bret Easton Ellis.
BS: Ja, für den ist die Kleidung, die Mode, sind die Accessoires, Ausstattungsstücke und Luxusartikel in seiner Umgebung ungeheuer wichtig. Ähnliches findet sich auch in den Büchern von Nicholson Baker, den ich sehr schätze. Das war für mich die Ausgangssituation. Und daraus hat sich mit einer gewissen - literarisch nachvollzogenen - gesellschaftlichen Stringenz ergeben, daß mein Held alleine lebt, daß er ein Single ist. Wer alleine lebt, ist eben die Stunden, die er abends zu Hause verbringt, mit seinen Gegenständen allein. Wer nicht alleine lebt, der führt derweil vielleicht ein angespanntes Gespräch, und während dieser Zeit spielen Gegenstände eine sehr untergeordnete Rolle."
(aus: Uwe Wittstock "Supermarkt oder: Die Ordnung des Lebens", Gespräch mit Burkhard Spinnen 1997)

Pressestimmen

"In seinem Romandebüt »Langer Samstag« reimt sich Gegenwart auf Torwart und mit ein wenig Mühe auf Kassenwart: Ein blasser Mann aus der Wunderwelt der Angestellten ist sein Held".
(Spiegel vom 29.01.1996)

 
 
 
       
     
     
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 23. Oktober 2002
Stand: 26. November 2007
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