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- WITTSTOCK,
Uwe (2001): Ein Herz für die Herzlosen.
Der
Romancier Christoph Hein erzählt vom reichen
Leben ohne Utopie,
in: Welt
v. 27.01.
- Neu:
KRUMBHOLZ,
Martin (2002): "Ich zähle mich zu den
deutschen Humoristen".
Im Gespräch mit dem
Schriftsteller Christoph Hein,
in: Neue
Zürcher Zeitung v. 01.06.
- Inhalt:
Christoph HEIN
spricht u.a. über die Novelle
"Drachenblut":
"«Drachenblut»
ist keine Geschichte über die DDR,
obwohl sie in ihr spielt; das hat zu
ihrem grossen Erfolg auch in vielen
westlichen Ländern beigetragen. Es ist
ein Buch über ein modernes
Lebensgefühl: Fremdheit, Kälte,
Isolation. Lediglich in der Tatsache,
dass es in einem sozialistischen Land
eben nicht anders, humaner zugeht, mag
man eine spezifische Provokation gesehen
haben. Zwei intelligente, aufgeklärte
Menschen suchen einander, wollen sich vor
verletzenden Gefühlen schützen, aber
gerade deswegen verfehlen sie einander
auch, mit tödlichen Folgen."
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Klappentext
"»Ich bin auf alles
eingerichtet, ich bin gegen alles gewappnet,
mich wird nichts mehr verletzen. Ich bin
unverletzlich geworden. Ich habe in
Drachenblut gebadet, und kein Lindenblatt
ließ mich irgendwo schutzlos. Aus dieser
Haut komme ich nicht mehr heraus. In meiner
unverletzbaren Hülle werde ich
krepieren...«, konstatiert die
Ich-Erzählerin, Ärztin an einem
Ost-Berliner Krankenhaus, kinderlos,
geschieden, am Ende dieser Novelle. Ein
scheinbar ganz normales Frauenleben wird in
Rückblicken beschrieben. Doch niemand wird
dieses Buch ohne Betroffenheit aus der Hand
legen. Es hat einen Sog, der einen nicht
freiläßt. Wer es gelesen hat, muß fragen
und wird wissen, in welchem Drachenblut uns
allen etwas von jenem dicken Fell der
Ängste, des Mißtrauens und der
Frustrationen wächst, das die
Ich-Erzählerin gnadenlos von der Welt, von
sich selbst, von ihrem Freund, von ihrer
Kindheit trennt."
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Stimmen zum Buch
"»Drachenblut«
thematisiert ganz unmittelbar eine
Distanzbeziehung, schildert ein solches Leben
aus der Perspektive einer Frau - in der
Absicht, vor der Kälte und der Abkapselung
der Individuen zu warnen."
(aus: Dorothee
Schmitz-Köster: Liebe auf Distanz. Getrennt
zusammen leben, 1990)
"So, wie
in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts das Drama der
bürgerlichen Ehe zwischen Treue und Emotion in den
Mittelpunkt rückte, so beginnt sich heute in der
Gegenwartsliteratur der Zerfall der Familie herauszubilden,
wie etwa in Christoph Heins Roman »Drachenblut«:
»Viertel
nach acht erschien Karla, die Schwester. Wie immer stürzte
sie in mein Zimmer und sagte, daß sie sich ein kleines
bißchen verspätet habe, ich wüßte ja, die Kinder. Karla
verspätet sich jeden Tag ein kleines bißchen und immer mit
einem Hinweis auf ihre Kinder. Vermutlich erwähnt sie ihre
Kinder in der Annahme, bei mir ein schlechtes Gewissen zu
wecken. Sie ist dieser Typ Frau, der unbeirrt an der
Mutterrolle festhält. Das kuhäugige, warme Glück, das lassen
wir uns nicht nehmen, da weiß man doch, wozu man lebt. Für
die Kinder, die für die Kinder leben, die für die Kinder.
Offenbar ist die Menschheit einem Zirkelschluß aufgesessen.
Die Generationsfolge - ein Ergebnis falscher Prämissen. Der
Teufel als Meister der Syllogistik. Das könnte ein hübsches
Erwachen geben. Vorerst aber haben wir einen Lebenssinn.
Jedenfalls Karla. Sie weiß auch genau, warum meine Ehe
geschieden wurde. Sie ist überzeugt, daß mein Mann mich
verließ, weil ich ihm keine dicken Kinder in die Welt setzte
oder weil ich keinen dicken Busen habe oder weil ich mich
nicht schminke.«
Eine
Rückkehr zur Familie wird es nicht geben."
(aus: Reimer Gronemeyer "Die Entfernung
vom Wolfsrudel", 1989, S.172).
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