"Angesprochen sind hier
schon die etwas reiferen Semester, also
die Mittfünfziger. Sie haben den
Vorteil, sich noch lebhaft an die
Anfangsjahre von Caterina Valente im
bundesdeutschen Schlagergetümmel
erinnern zu können.
(...).
Die Valente! Ja, das war eine!
Begriffsbestimmungen wie mega, absolut
und geil, suuuper und coool gehörten
noch nicht zum gymnasialen Wortschatz.
Dafür kannten wir Posipal und Morlock,
sahen im Kintopp Ziemann und Zorro und
schwärmten im Fernsehen schwarz-weiß
für Fräulein Pinella. Wer weiß es
noch? Ja, das war das kesse Wesen mit
Pferdeschwanz, das im mittelständischen
Druckereibetrieb der Firma Hesselbach
sein Unwesen trieb.
Kein Zufall, daß die kleine Pinella
einen Pferdeschwanz wehen und wippen
ließ. Einer ganzen Generation von
Backfischen konnte nichts anderes in den
Sinn kommen, als die schulterlange Mähne
mit einem Schießgummi zu bändigen. Just
so wie die Valente."
(Peter Auer in der
Berliner Morgenpost vom 31.05.1998)
"Für Bartetzko stehen
Last und Pein für Genügsamkeit und
Disziplin der Deutschen, für die Schuld,
die sie abarbeiten, für ihre
stillschweigende Buße. Die
Interpretation gipfelt in der Behauptung,
Valentes Schreie hätten die deutsche
Seele entlastet und das
Nachkriegs-Schweigen durchbrochen."
(Berliner Zeitung vom
11.07.1998)
"Der
Sich-nach-oben-Singen der Valente
spiegelt sich im
Den-Staub-von-den-Klamotten-Klopfen-und-wieder-von-vorne-Anfangen
der Deutschen, und so ist das Buch
beides: Porträt einer Frau und eines
Landes (...). Die Parallelitäten, die er
aufzählt, sind tatsächlich frappierend.
Auch Valente war ein Flüchtlingskind,
fast alles hatte sie im Krieg verloren,
und den Aufstieg in der Adenauerära
schaffte sie vor allem dank ihrer
Wandlungsfähigkeit (...). Nicht nur der
Stolz über das Erreichte, glaubt
Bartetzko, steckt in diesen Zeilen,
sondern auch das Schweigen über die
Verbrechen der Nazizeit. Über den
Dreisprung Hannah Arendt, Margarete
Mitscherlich und Alexander Mitscherlich
kommt er dann ganz schnell - na klar doch
- zur nachkriegsdeutschen »Unfähigkeit
zu trauern«. Im Hauptberuf ist Bartetzko
Kulturredakteur, als solcher neigt er
dazu, noch im simpelsten Schlager eine
»apokryphe Botschaft« zu entdecken. Den
Abstieg Valentes in den Sechzigern
erklärt er mit der Kulturvergessenheit
der 68er Generation, ihr Comeback in den
Achtzigern feiert er als überfällige
Rehabilitierung. Denn eines ist der
FAZ-Feuilletonist vor allem: Fan."
(Tagesspiegel vom
08.08.1998)