"Eine
studentische Theatergruppe mitten in den siebziger
Jahren. Fünf Frauen, vier Männer, renitent,
unerbittlich. Sie wollen aufstehen, sagen sie, den
Aufstand üben. Und sie üben mit den Mitteln des
Theaters alles, was ihnen widersteht. So üben sie
ein wenig Traurigkeit, oder Familie, sie üben aber
auch eine Übung für Mond, und eine, Indianer zu
sein.
Diese in einem Übungsbuch festgehaltenen Übungen
sind das Herzstück der hier auftretenden
Theatergruppe und ihrer aberwitzigen Praxis des
Aufstehens.
Wer sie sind, erfahren wir von ihnen selbst. Ihre
Berichte über das bisherige Leben ergeben eine
geheime, vielfach zerstückelte Landschaft deutscher
Nachkriegsgeschichte. Ein paar Jahre später, Anfang
der achtziger Jahre, kurz bevor sie alle auseinander
gehen, treffen sie sich ein letztes Mal, um noch
einmal ihre Übungen zu machen. Viel ist in den
Jahren dazwischen geschehen, sie kommen sich fern
vor. Die Übungen von damals werden nun zur
Möglichkeit, die eigene, mittlerweile fern
erscheinende Praxis wieder nah zu holen. So wohnen
wir der Begegnung einer sich selbst unzugänglich
gewordenen Generation mit sich selbst bei. Mit ihnen
erproben wir das, was war und nicht sein konnte als
das, was war und sein kann.
Denn etwas hatte in jenen Jahren offen gestanden,
war für einen Moment lang nicht zu bestimmen
gewesen. Und wer weiß, vielleicht ist es das bis
heute noch nicht, ist nur irgendwo abhanden
gekommen.
Nicht mehr, nicht weniger erzählt das vorliegende
Buch. Es will einen Aufstand zwischen ein paar
Jahren erzählen, der fast so aussieht, als hätte es
ihn nicht gegeben.
Friederike Kretzen macht sich die Methode ihrer
Akteure zueigen, die vorsichtig und wild
entschlossen, schnell anfangend und schnell wieder
abbrechend versuchen, durch Üben jedem Besserwissen
von der Schippe zu springen. Mit ihrer Übung macht
sie das, was war, mit den Mitteln der Literatur
nochmal. Nur eben leicht verschoben."
Pressestimmen
"In ihrem radikalen Stil durchbricht Friederike
Kretzen den Mief des deutschen Wirtschaftswunders,
dessen Zeitgeistikonen sie heraufbeschwört; mit
ihrem kühlen Humor unterläuft sie das
Laura-Ashley-weiche Pathos einer
Studentengeneration, die nach den Rebellen von 68
verloren war und als aktive RAF-Sympathisanten nicht
taugte.
(...). Vielleicht sind sie (...) die letzten Ritter
einer modernen Artusrunde, die den Gral einer
Kindheit suchen, der nicht verloren ist, weil es
ihn, so wie sie ihn gewünscht hätten, nie gegeben
hat."
(Angelika Overath in der NZZ vom
14.12.2002)