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Alex Rühle: Ohne Netz

 
       
     
       
   
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    Alex Rühle in seiner eigenen Schreibe

     
       

    RÜHLE, Alex (2001): Flugzeuge im Bauch.
    Nach dem Unglück von Queens: Der Mensch kehrt auf die Erde zurück,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.11.

    Ein weiterer Abgesang (siehe auch FAS vom 21.10.2001) auf den globalen Nomaden im Zeitalter des Fliegens anlässlich des Flugzeugabsturzes in New York am 12.11.2001.

    Alex RÜHLE liest uns aus einem imaginären geschichtlichen Nachschlagewerk des 22. Jahrhunderts vor und imitiert damit die Rahmenhandlung von HOUELLEBECQs Elementarteilchen. Er blickt jedoch nur auf den Untergang der "Ikariden" zurück, das sind jene fiebrigen Wesen, die "nirgends zuhause, immer in Eile" sind und sich in "Denglisch" unterhalten.

    RÜHLE greift bei seiner Technikkritik bis zur griechischen Mythologie zurück: Uns wird Daidalos als "Homo Faber" und sein Sohn Ikarus, der für die Hybris seines Vaters sterben muss, vorgestellt. RÜHLEs Zukunftsszenario ist Balsam auf die geschundenen Seelen der Entschleuniger:

    "Der ungläubige Leser wird aus dem Fenster seines Dorfhäuschens in den kondensstreifenfreien Himmel schauen und denken, was es doch für verrückte Mythen und Märchen gibt; oder er sitzt an Bord des neuen, atlantiküberquerenden Liners, der für die Überfahrt nur sensationelle drei Tage braucht".

    Und aus den Modernisierungsgewinnern von gestern werden die Modernisierungsverlierer von morgen:

    "Das dezentrale Wuchern krakenhafter Suburbsiedlungen dürfte zunehmen. An deren fernem Horizont wird dann auch die verarmte Kaste all der ehemaligen Airline-Mitarbeiter hausen: Der Pilot und die Stewardess, ehedem Sexsymbole, markige Helden, freie Männer, teilen sich dann von ihrer Arbeitslosenhilfe ein Apartment in der Setzkastenarchitektur der globalen Vorstadt, die, tief im Gedächtnis ihrer Steine, noch die Erinnerung an einstürzende Hochbauten trägt."

    Und natürlich war Michel HOUELLEBECQ wie immer seiner Zeit voraus und phantasierte bereits Mitte der 1990er Jahre vom "globalen Dorf"  New York (RÜHLE erwähnt nur die kulturpessimistische Variante von Neill POSTMAN und nicht dessen Verfechter Marshall McLUHAN):

    "Mir war danach, in meinem Hotelzimmer zu bleiben, die Möwen anzuschauen, die quer über die verlassenen Hafenanlagen an den Ufern des Hudson River flogen. Ein sanfter Regen fiel auf die Lagerhäuser aus Ziegelstein; es war sehr besänftigend. Ich konnte mir durchaus vorstellen, mich unter einem dreckigen Himmel in einer riesigen Wohnung zu verschanzen, während am Horizont letzte sporadische Kämpfe verglühen."

    RÜHLE nennt die Zeitschrift Inrockuptibles als Quelle, aber die Passage findet sich auch in dem Essayband Die Welt als Supermarkt unter der Überschrift Leerer Himmel. Dort heißt es auch:

    "In New York wie in Rom spürt man trotz der scheinbaren Dynamik eine eigenartige Verfalls- und Todesstimmung, eine Endzeitstimmung."

    Wo bleiben die Propheten der Erneuerung jenseits dieser zivilisationskritischen Nullsummenspiele?

    RÜHLE, Alex (2002): Ein Rock durch Deutschland.
    Der Volkskörper taucht aus dem Sprachschlamm auf,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.08.

    Katastrophen sind angeblich gut für die Geburtenrate, was RÜHLE zur Prognose veranlasst:

    "Schon jetzt spricht man im Osten davon, dass die Zusammenarbeit der Einheimischen mit den Bundeswehrregimentern Hand in Hand gehe mit intensiven Formen der Völkerverständigung: In neun Monaten erwartet man entlang der Deiche einen Babyboom."

    RÜHLE, Alex (2003): das kommuneistische Manifest.
    Zwischen K1 und WG. Rainer Langhans geht mit seinen Frauen in den Container,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.

    RÜHLE, Alex (2004): Der wahre Pop-Besessene wird besessen.
    4000 Bänder, eine Taschenlampe und ein roter Punkt: Heinz-Peter Lauf ist der einzige deutsche Kassettenjockey,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.05.

    Alex RÜHLE streift bei seinem Porträt des Münchner Kassettenjockeys Heinz-Peter LAUF die Geschichte der Mixtapes:

    "Ende der Siebziger Jahre gründete Blixa Bargeld in Berlin-Schöneberg einen Laden namens »Eisengrau«. Bands nahmen hier morgens Bänder auf, die abends verkauft wurden. Der Schriftsteller David Toop schrieb in seinen Erinnerungen, damals habe man die Kassette als geradezu systemfeindliches Instrument gesehen: »Kassetten waren Post-Punk: Die Leute glaubten daran in einem ideologischen Sinn. Du brauchtest kein Geld. Du brauchtest kein Label. Und du brauchtest nicht die Plattenindustrie.«"

    1983 brachte dann Philips den ersten CD-Spieler heraus und killte damit die Kassette. Fast muss man sagen. Denn es gibt Heinz-Peter LAUF, der tagsüber im Plattenladen Hausmusik arbeitet und Abends im Ultraschall (inzwischen Harry Klein) Kassetten auflegt...

    RÜHLE, Alex (2004): Klirrgeräusche im Staubsaugerrohr.
    Vor dreißig Jahren tauchten die ersten Playmobilfiguren in den Kinderzimmern auf,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.08.

    Alex RÜHLE feiert DAS Jubiläum der Generation Playmobil: "Als er einmal nach Vorbildern für seine Männchen mit den kindlichen Proportionen befragt wurde, fielen dem Erfinder Hans Beck nur die »Peanuts« ein, jene Figuren von Charles M. Schulz, die in ihren kleinen Kugelköpfen die Probleme der Erwachsenen wälzen. Umberto Eco fand in den Dialogen der Peanuts »all die Leichen von Erwachsenen, monströse infantile Reduktion all der Neurosen des modernen Bürgers«".

    RÜHLE, Alex (2004): Affengeil hat ausgefetzt.
    SZ-Serie Jugend in Deutschland (4): Warum Erwachsene die Jugendsprache nie verstehen können und trotzdem ein Geschäft aus ihr machen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.08.

    RÜHLE, Alex (2004): Sei Du selbst, dann wirst du krank.
    "Die große Entsolidarisierung" - ein Kursbuch zur Krise,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.10.

    Alex RÜHLE, der mit Max FRISCH der Produktivität der Krise huldigt, lobt die Kursbuchbeiträge, weil

    "in den meisten der dort versammelten Texte auf allen endzeitlichen Diskurs zugunsten kühler Beschreibung verzichtet wird."

    Erwähnt werden die Texte von Petra THORBRIETZ, Barbara HEITZMAN und Paul NOLTE. In den Mittelpunkt stellt RÜHLE jedoch einen Vorabdruck aus Alain EHRENBERGs Buch Das erschöpfte Selbst, das ihm einen Seitenhieb auf den Katastrophendiskurs in Talkshows ermöglicht:

    "Nach dem Lesen dieses Essays bekommt man plötzlich Mitleid mit all den bleichen Krisentheoretikern bei Christiansen, meint man doch, hinter dem katastrophischen Gemurmel nur die Totalerschöpfung all dieser an authentischer Selbstüberforderung erkrankten Menschen herauszuhören."

    RÜHLE, Alex (2005): Willkommen im Fight Club!
    Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet.
    Ja so sind sie, die jungen Männer: Eine bedrohte Spezies, ohne Leitbild und ohne Väter – gewaltbereit und prädestiniert zum Verlieren,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 24.03.

    Alex RÜHLE begibt sich - nach dem Amoklauf in den USA - und nach der Feststellung, dass es ein Problem "Jungen- bzw. Männergewalt" gibt, auf einen Streifzug durch die Männertheorien.

    Zum einen gibt es da die "Theorien vom erbärmlichen Mann". Darunter subsumiert RÜHLE so Unterschiedliches wie Anleitungen zur Änderung von Männern nach der Hundedressurmethode, aber auch den Ansatz des kritischen Männerforschers Robert W. CONNELL.

    Der "neue Mann" ist für RÜHLE kein Thema. Stattdessen wundert er sich über die Ähnlichkeit von Patriarchatskritik und der Kritik an der vaterlosen Gesellschaft:

    "Merkwürdigerweise gleichen die dramatisierenden Schilderungen der sozialen und psychischen Folgen einer vaterlosen Gesellschaft oft jenen gegenteiligen Mystifikationen, die früher das kulturelle Konstrukt des übermächtigen Vaters geprägt hatten."

    Am ehesten leuchtet RÜHLE die "Theorie vom schwächlichen Vater" ein:

    "Ein Patient des Mailänder Psychoanalytikers Luigi Zoja bringt das Problem in Zojas Buch »Das Verschwinden der Väter« auf den Punkt, wenn er sagt: »Die Väter früher, das waren Bauern und Tyrannen. Aber es waren immerhin Väter. Die heutigen Väter sind Arbeiter. Aber sie sind nur noch Kretins, die vor dem Fernseher sitzen.«
    Im Fernsehen aber wird ihnen nur erzählt, dass sie längst abgewickelt wurden."

    RÜHLE, Alex (2005): Morgen früh, wenn Gott will.
    Bernward Vesper war der Sohn eines von Hitler geehrten Nazi-Dichters und er war der Verlobte von Gudrun Ensslin. Außerdem war er Autor eines psychedelischen Roman-Fragments, das jetzt wieder aufgelegt wurde,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.04.

    Bernward Vesper - Die Reise

    RÜHLE, Alex (2005): Wie Songs, wie eine Tür aufmachen.
    Westwärts, Lesung, Archivmaterial: Rolf Dieter Brinkmann ist wieder da,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.04.

    RÜHLE, Alex (2005): German Angst macht unfruchtbar.
    Sie lieben Blockflöten-CDs, kosten Hunderttausende und trotzdem machen Kinder glücklich. Ein Plädoyer,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 04.05.

    Alex RÜHLE versucht verzweifelt die ökonomistische Familiendebatte mit glücklichem Elterndasein zu kontern. Das ist jedoch nur die Kehrseite der Single-Rhetorik. RÜHLE hat zwar erkannt:

    "German Angst macht unfruchtbar. Jedenfalls sprechen viele Indizien dafür, dass die Politiker und Medien mit ihren Bedrohungsszenarien alle potenziellen Eltern verprellen".

    Die Konsequenzen - der Single-Rhetorik den Kampf anzusagen - werden deshalb noch lange nicht gezogen...

    RÜHLE, Alex (2005): Alt gegen Jung.
    Der große Graben (2) Einen echten Generationenkonflikt gibt es nicht mehr - heute ducken wir uns alle ängstlich vor der unaufhaltsamen Alterslawine,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.08.

    Alex RÜHLE schwadroniert im zweiten Teil einer neuen SZ-Serie über einen nicht vorhandenen kulturellen Generationenkonflikt. Dabei beklagt er doch eher das Fehlen einer neuen politischen Generation, die gegen ein angeblich demografisch bedingtes Problem, nämlich die Zermalmung des Sozialsystems durch die Überalterung, aufbegehrt. RÜHLEs Generationenbrei mangelt es jedoch sowohl an kategorialer Durchdringung, als auch an einer stringenten Gesellschaftsanalyse. Vor allem aber muss gefragt werden, ob die aktuelle Generationendebatte tatsächlich so neu ist, wie RÜHLE behauptet. Gibt es nicht eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Ende der Weimarer Republik?

    Verdankte der Nationalsozialismus seine Glaubwürdigkeit nicht auch den gleichen reaktionären wissenschaftlichen Gedankengebäuden wie sie heutzutage von Franz-Xaver KAUFMANN ("Schrumpfende Gesellschaft") oder Herwig BIRG ("Die ausgefallene Generation") geliefert werden?

    So hieß z.B. ein Buch von Wilhelm HARTNACKE Die Ungeborenen (1936). Die Rede vom "Down-breeding" muss heute nicht mehr im Gewande des Antisemitismus oder des Rassismus daher kommen. Die Rede von der Wissensgesellschaft liefert gegenwärtig die unverfängliche Begründung. Zwischen dem ersten (1890er bis 1920er Jahre) und dem zweiten demografischen Übergang (seit Mitte der 1960er Jahre) bestehen jedoch mehr Parallelen als Unterschiede. Dies betrifft insbesondere die Debatten um die Kinderlosigkeit.

    Individualisierung und Hedonismus sind in beiden Fällen die dominanten Schlagworte. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht in beiden Fällen die kinderlose Karrierefrau. In den 1920er Jahren waren es die Sekretärinnen oder die Lehrerinnen, nun sind es die Akademikerinnen, die den Reaktionären ein Dorn im Auge sind.

    Es wird behauptet, dass - im Gegensatz zu früher - niemand die Bildungsexpansion rückgängig machen möchte. Es wird behauptet, dass die Wissensgesellschaft mehr Gebildete benötigt. Nur: dieser verbalen Aufgeschlossenheit gegenüber der Bildungsgesellschaft steht ein faktischer Rückzug entgegen: rapider Ausbau des Niedriglohnsektors und Rückkehr zur Zwei-Klassen-Universität (Michael HARTMANN) zeigen an, was tatsächlich auf dem Programm steht: das Ende der Aufstiegsgesellschaft und die Refeudalisierung der Gesellschaft.

    Soziale Herkunft wird in der zukünftigen Gesellschaft, in der der Sozialstaat privatisiert ist, den Erfolg auf dem Arbeitsmarkt bestimmen. Wenn RÜHLE behauptet, dass Generation in der Soziologie Begriffe wie Klasse und Milieu ablöst, dann ist das eine glatte Lüge. Die Begriffe beziehen sich ja auf gänzlich andere Phänomene.

    Politische Generationenkonflikte sind Machtkämpfe zwischen alter Elite und neuer Gegenelite, während der Klassenbegriff den Arbeitsmarkt und die davon abgeleiteten Einkommensunterschiede in den Mittelpunkt stellt.

    Soll also mit der Generationendebatte lediglich von der größer werdenden Ungleichheit INNERHALB von Alterskohorten abgelenkt werden?

    Im Gegensatz zum Generationenbegriff benennt der Kohortenbegriff das, um was es wirklich geht: um die Betroffenheit verschiedener Geburtsjahrgänge durch politische Maßnahmen.

    Bei RÜHLE und den Sozialpopulisten stehen dabei sozial- familien- und bevölkerungspolitische Maßnahmen im Mittelpunkt. In der Sozial- und erst recht in der Bevölkerungspolitik geht es um Gesetze, die erst ab ganz bestimmten Geburtsjahrgängen gelten. Damit werden neue Ungleichheiten geschaffen. Hier werden wir es zukünftig vermehrt mit Alterskohorteneffekten zu tun bekommen. Dies gilt umso mehr, je weniger sich überhaupt die sozialstrukturellen Auswirkungen von Gesetzen vorab bestimmen lassen, weil unsere normative Bevölkerungsstatistik dies verhindert.

    RÜHLE, Alex (2006): Windelweiches Wohnidyll.
    Deutschland stirbt aus. Kein Wunder, bei den Familienbildern, mit denen Bücher, das Fernsehen und der Alltag einen täglich bombardieren,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.05.

    "Drei Arten gibt es in Deutschland, das Thema Familie zu verhandeln, den Schocker, den Kitsch und das Verschweigen",

    erzählt uns RÜHLE. Die vierte Art wäre dann seine: eine Kombination von Schock, Kitsch und Verschweigen.

    "Die einschlägigen Bücher zur Demographie stehen heute im Buchladen da, wo früher die Frauenliteratur zu finden war".

    Dies stimmt zwar nicht, wie jeder weiß, der Buchhandlungen besucht, aber es ist zumindest noch originell, um den Trend vom Emanzipatorischen zum Reaktionären zu beschreiben.

    "Eigentlich schlägt uns in Sachen Kinderlosigkeit inzwischen ja tatsächlich niemand mehr. Mit 1,3 Kindern pro Frau, haben wir sogar die Italiener, Griechen und Spanier eingeholt",

    behauptet RÜHLE und bleibt damit wenigstens der SZ-Linie treu.
    RÜHLE heult uns - wie bereits SCHIRRMACHER - vor, dass die TV-Geburtenrate selbst die der Deutschen noch unterbietet. Dazu kommt:

    "In den fiktionalen Fernsehformaten tummeln sich doppelt so viele Singles wie in der Wirklichkeit".

    Von welcher Wirklichkeit redet da RÜHLE? Von der Debattenwirklichkeit oder von der Alltagsrealität? Der kinderlose Mann hängt jedenfalls vor dem Fernseher ab, wo

    "Familie zum überdimensionierten quasireligiösen Wunschraum aufgebläht wurde".

    Ist er davor erst auf der Flucht, dann erschrecken ihn die real existierenden Eltern, die Wohnungen in Gummizellen verwandeln, um ihre Kinder vor Unheil zu schützen! Ob der Artikel von RÜHLE anderes bewirkt als das, was er kritisiert, das darf doch eher bezweifelt werden...

    RÜHLE, Alex (2006): "Viele Männer sind lieber große Jungen als junge Väter".
    Doch das ist kein Wunder. Denn die Vorstellung ist nicht gerade verlockend: Familie gründen, Haushalt aufbauen, Rentenvorsorge, Karriere - und das alles gleichzeitig,
    in: emotion, Juli

    Alex RÜHLE schreibt nicht über Normalos, sondern über die Elite, die über den Luxus der vielen Optionen jammert und die Qual der Wahl hat. In dieser Yuppie-Welt haben sich Kinderlose und Eltern nichts mehr zu sagen, was, was man bereits bei Norbert BOLZ nachlesen konnte. RÜHLE schneidet ansonsten nochmals das an, was er bereits im Mai-SZ-Artikel ausführte, mixt trendigen Franz-Xaver KAUFMANN und Philip LONGMAN dazu, um mit einer Ode an die Elternschaft zu enden.

    RÜHLE, Alex (2006): Im Treibhaus.
    Am 1. Januar vor 40 Jahren wurde in Uwe Johnsons Atelier die Kommune I gegründet. Ein Ortsbesuch,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.12.

    RÜHLE, Alex (2007): Wir Schizo-Eltern.
    Sie sind hin- und hergerissen zwischen Arbeit und Familie, haben ein schlechtes Gewissen und nehmen hochdosierte Ratgeberliteratur ein: ein Krankheitsbild deutscher Eltern,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.

    Alex RÜHLE beackert weiter sein Thema, wonach das heutige Familienbild in Ratgebern, Fernsehen usw. Elternschaft erschwert bzw. verhindert (hier und hier), statt zu erleichtern bzw. zu fördern.

    RÜHLE, Alex (2007): Väter der Karotte.
    Von Mappis, Haumäs, Mopas und Testos: Warum gibt es plötzlich so viele Bücher für Väter?
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.10.

    Alex RÜHLE echauffiert sich wieder einmal über die Kluft zwischen Geburtenentwicklung und dem Medienspektakel Elternschaft. Diesmal ist der Schreibtischvater Zielschreibe seiner Volten:

    "Wenn man zur Zeit in die Buchläden schaut, kann man den Eindruck gewinnen, die Zahl der deutschen Väter hat sich über Nacht verdreißigfacht. Meterweise stehen da die Ratgeber für den neuen Papa, und auch die Literatur scheint das Thema ganz neu zu entdecken: Burkhard Spinnen, John von Düffel, Dirk von Petersdorff, sie alle schreiben in ihren aktuellen Büchern über Glück und Leid der Vaterschaft. Der Zahl der journalistischen Vater-Kind-Kolumnen nach müsste es in Deutschland mittlerweile mehr Kinder geben als in Indien."

    RÜHLE, Alex (2007): Sie müssen diesen Text nicht lesen.
    Der Autor hat ausdrücklich angeboten, seinen Artikel ausführlich zu kürzen. Er sei nicht nur zu lang, sondern eigentlich auch gar nicht wichtig und viel zu prominent platziert. Es geht schließlich nur um einen Ratgeber für Schüchterne,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.10.

    RÜHLE, Alex (2008): Trennung per YouTube.
    Mit ihrem sechsminütigem Filmchen hat Tricia Walsh Smith auf YouTube ein neues Genre eingeführt: das Scheidungsvideo,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.04.

    RÜHLE, Alex (2008): Laube, Liebe, Hoffnung.
    Warum die Schrebergärten zur Zeit einen zweiten Frühling erleben,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.05.

    RÜHLE, Alex (2008): Kreative Stadt der Zukunft.
    New York ist das Vorbild für die Metropole, die von Kultur getragen wird,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.06.

    Elizabeth Currid - The Warhol-Economy

    RÜHLE, Alex (2008): Kinder gehören der Republik.
    Neue Bücher über die alten Schwierigkeiten des Vater-Seins,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.10.

    RÜHLE, Alex (2008): Im Eissturm.
    "Gott schütze Island!" Die Finanzkrise bricht über die nordatlantische Insel herein wie eine Naturkatastrophe - nur dass Menschen sie verursacht haben,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 20.12.

    RÜHLE, Alex (2008): Freiheit und Erschöpfung.
    Warum man nicht hoffen sollte, in der Krise zu sich zu finden,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 29.12.

    RÜHLE, Alex (2009): Hörst du die Stille?
    Früher, da muss es noch stille Zimmer gegeben haben. Heute hilft es nicht mal, sich irgendwo einzusperren. Wie wir verlernen, mit uns selbst alleine zu sein,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.06.

    Grundsätzliche Anmerkungen zur Internetkritik in den Print-Medien:
    Nicht erst seit die Piratenpartei bei der Europawahl die angebliche Generationenkluft zwischen "digital Natives" und der älteren Restgesellschaft zum Vorschein gebracht hat, outet sich eine schwere narzisstische Kränkung der Print-Journalisten in Hunderten von Artikeln, in denen sich die Print-Journalisten ihrer bedrohten Besonderheit vergewissern müssen.
     Dazu ist das Sujet völlig irrelevant. Es tut nichts zur Sache, dass RÜHLE hier ein Loblied auf die Einsamkeit der Vorinternetzeit singt. Man könnte genauso gut die Intellektuellenfeindlichkeit des Netzes beklagen. Man könnte auch in einem ganzen Buch die digitale Verdummung anprangern und es z.B. Klick nennen. Am Ende des Artikels oder des Buches ist man immer genauso schlau wie am Anfang. Schön, dass wir uns unserer Standpunkte wieder einmal vergewissert haben!

    Man kann dem Autor nach dem Durchlesen höchstens seine bildungsbürgerliche Belesenheit bescheinigen. Die Autoren haben ihren überlebenswichtigen Kulturpessimismus bewundernswert internalisiert. Und manche  beherrschen sogar die postmodernen Distanzierungstechniken wie z.B. Selbstironie. Dumm nur: Zu Beginn des Medien-Zeitalters musste die Presse die gleichen Argumente über sich ergehen lassen wie heutzutage die neuen Medien. Die Presse gibt es immer noch trotz Radio, trotz Fernsehen und trotz Internet!

    Auf dieser Website haben wir jedoch besseres zu tun als tagtäglich diese Artikel zu sichten und zu verlinken, auch wenn sie sich mit Begriffen wie Einsamkeit schmücken - ein Thema, das eigentlich hierher gehört - sofern es irgendwie Substanz hätte. Also: In Zukunft werden solche Artikel einfach ignoriert - genauso wie sie in den letzten Wochen ignoriert wurden!

    RÜHLE, Alex (2010): Entscheidet euch!
    Mehr Kinder gibt es nur mit einer anderen Arbeitskultur,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.09.

    Alex RÜHLE, bisher als Verächter von Elternratgeberliteratur bekannt, empfiehlt nun das Buch Equally shared Parenting von Marc und Amy VACHON. Die Schlagzeile des Artikels Entscheidet euch! ruft RÜHLE nicht den Eltern zu, sondern den Unternehmern:

    "Sollen wir euch Kinder ranschaffen? Dann gebt uns mehr Gestaltungsfreiräume im Elternalltag. Ansonsten macht euren Dax alleine."

    Dieser Ruf dürfte ungehört verhallen, wenn es nach dem Urteil des Soziologen Karl Otto HONDRICH ginge, denn das Wirtschaftssystem sei nicht auf deutsche Kinder angewiesen, sondern einzig und allein auf Arbeitskräfte - egal woher. Und angesichts der Debatte um Thilo SARRAZIN, müsste man nur hinzufügen: auf qualifizierte Arbeitskräfte - egal woher...

    Neu:
    RÜHLE, Alex (2010): Hilfe!
    Täglich werden Eltern mit den neuesten Pädagogik-Studien, Lerntipps und vielen guten Ratschlägen zur Frühförderung zugemüllt. Alex Rühle hat sich vorgestellt, was mit einer Familie passiert, die das alles beherzigt: Sie wird verrückt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

     
           
       

    Ohne Netz (2011).
    Mein halbes Jahr offline
    DuMont Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Alex Rühle, erfolgreicher Journalist und Familienvater, wagt das scheinbar unmögliche Experiment: Für ein halbes Jahr geht er offline, nutzt kein Internet und kein Smartphone mehr. »Ohne Netz« beschreibt auf höchst amüsante, sympathische und intelligente Weise, wie ein unvernetztes Leben im digitalen Zeitalter aussieht."

     
         
     
           
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 12. Januar 2015
    Update: 16. August 2015